
Fachartikel Schlaf
Der CPAP-Rückruf von PhilipsWas belegt ist und was du tun kannst
Im Juni 2021 rief Philips Millionen CPAP- und Beatmungsgeräte zurück, darunter die erste DreamStation. Hier erfährst du, was am Schaumstoff das Problem war, welche Geräte betroffen sind, was FDA und BfArM festgestellt haben, wo der Rückruf heute steht und was CPAP für deinen Atemweg leistet.
Kennst du das?
Ein Rückruf, und du schläfst jede Nacht mit dem Gerät?
Was trifft auf dich zu?
Tippe an, was auf dich zutrifft.
Dann hilft ein ruhiger Blick auf die Fakten: was zum Rückruf belegt ist, was nicht, was du tun kannst und warum der Atemweg nachts überhaupt eine Stütze braucht.
Ist mein Gerät betroffen?Was ich jetzt tun kannDas Wichtigste in Kürze
- Im Juni 2021 rief Philips weltweit rund 15 Millionen CPAP-, BiPAP- und Beatmungsgeräte zurück, darunter die erste DreamStation. Grund war ein schalldämpfender PE-PUR-Schaumstoff, der zerfallen und Chemikalien abgeben kann.
- Die Behörden sahen bei den Chemikalien später ein geringes Risiko, bei den Partikeln ließ es sich nicht ausschließen. Laut Philips sind heute 99 % der registrierten Schlaftherapiegeräte weltweit abgearbeitet.
- CPAP stützt den Atemweg von außen, am Muster ändert es nichts. Das Training von Atmung, Schlucken und Kopfbalance setzt aus unserer Sicht an der Ursache an und kann die Voraussetzung schaffen, dass du die Maske eines Tages nicht mehr brauchst. Bis eine Kontrollmessung das zeigt, setzt du kein Gerät eigenmächtig ab.
Video
Der Philips-Rückruf und die Schlafapnoe-Therapie: eine Einordnung
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Der Rückruf
Philips-Rückruf 2021: was passiert ist
Am 14. Juni 2021 veröffentlichte Philips Respironics eine Sicherheitsmitteilung zu mehreren Geräten für Schlafapnoe und Beatmung. Daraus wurde einer der größten Rückrufe der Medizintechnik.
Betroffen waren CPAP-Geräte, Bi-Level-Geräte (BiPAP) und Beatmungsgeräte des US-Herstellers Philips Respironics. In Deutschland veröffentlichte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die beiden Sicherheitsmitteilungen am 22. Juni 202112. Der Grund saß im Inneren der Geräte, in einem Schaumstoff, der das Geräusch des Gebläses dämpfen sollte.
Geräte waren laut der US-Arzneimittelbehörde FDA weltweit vom Rückruf betroffen3
ist der Stichtag. Betroffen sind alle Geräte der gelisteten Modelle, die vor diesem Datum hergestellt wurden1
So stufte die FDA den Rückruf im Juli 2021 ein, die ernsteste Kategorie in den USA3
Für die Einordnung ist wichtig: Zurückgerufen wurde ein Bauteil bestimmter Geräte, nicht die Überdrucktherapie als Verfahren. Geräte anderer Hersteller waren nur betroffen, wenn sie baugleich mit den Philips-Modellen waren5.
Gerätetypen
Philips DreamStation und Co.: welche Geräte betroffen sind
Die Sicherheitsmitteilungen nennen die Modelle einzeln. Die bekanntesten sind die DreamStation der ersten Generation und die SystemOne-Reihe.
CPAP und Auto-CPAP
DreamStation, DreamStation Go, SystemOne (Q-Series), REMstar SE Auto, Dorma 400 und Dorma 5001.
Bi-Level und ASV
DreamStation ASV, DreamStation ST und AVAPS, SystemOne ASV4, C-Series ASV, S/T und AVAPS sowie das Schlaflaborgerät OmniLab Advanced+1.
Beatmungsgeräte
Trilogy 100 und 200, Garbin Plus, Aeris, LifeVent sowie BiPAP V30 und A30/A40. Sie unterstützen Menschen mit Ateminsuffizienz2.
Baugleiche Geräte
Somnia 3 und 3i sowie Phönix 3 und 3i von Löwenstein Medical. Sie sind laut Hersteller baugleich mit der SystemOne-Reihe und erhielten im Sommer 2021 eine eigene Sicherheitsinformation5.
Nicht betroffen ist die DreamStation 2, die Nachfolgerin der ersten DreamStation. Darauf weist die Stellungnahme der europäischen Fachgesellschaft für Lungenheilkunde ausdrücklich hin, die in Deutschland über die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie verbreitet wurde4.
Ob dein eigenes Gerät betroffen ist, klärt die Seriennummer. Philips hat dafür eine Prüfseite eingerichtet, die du über philips.com/src-update erreichst. Dort steht auch, wo du die Nummer an deinem Gerät findest.
Schaumstoff CPAP
Der Schaumstoff im CPAP-Gerät: zwei Probleme
Der Schaum lag im Luftweg des Gebläses. Was mit ihm geschah, konnte also die Atemluft erreichen.
Philips beschrieb in der Sicherheitsmitteilung zwei Probleme. Erstens kann der PE-PUR-Schaum in Partikel zerfallen, die in den Luftweg des Geräts gelangen und eingeatmet oder verschluckt werden können. Zweitens kann er Chemikalien abgeben, sogenannte flüchtige organische Verbindungen, kurz VOC1. Die Partikel sind schwarz und können in Schlauch oder Maske sichtbar werden. Die Gase sieht man nicht.
Partikel
- Entstehen, wenn der Schaum zerfällt
- Können als schwarze Krümel in Schlauch, Befeuchter oder Maske auftauchen
- Genannte mögliche Folgen: Reizung von Haut, Augen und Atemwegen, Entzündungsreaktion, Kopfschmerz, Asthma
- Hitze, Feuchtigkeit und Ozonreinigung fördern den Zerfall
Flüchtige Chemikalien
- Können schon bei der ersten Inbetriebnahme austreten
- Sind nicht sichtbar
- Genannte mögliche Folgen: Kopfschmerz, Schwindel, Reizung, Überempfindlichkeit, Übelkeit
- Als mögliches Risiko genannt wurden auch toxische und krebserregende Wirkungen
Beide Listen geben die möglichen Risiken aus der Sicherheitsmitteilung von 2021 wieder, nicht festgestellte Schäden. Was die Prüfungen danach ergaben, steht im nächsten Abschnitt.
Den Zerfall begünstigen laut Hersteller und FDA heiße, feuchte Umgebung und Reinigungsgeräte mit Ozon, die Philips nicht zugelassen hatte1. Die FDA rät deshalb von Ozon- und UV-Reinigern für diese Geräte ab. In reparierten Geräten ersetzte Philips den Schaum durch einen Schaum auf Silikonbasis, dessen unabhängige Prüfung die FDA ebenfalls verlangte9.
Einordnung
Wie groß war das Risiko? Was die Prüfungen zeigen
Aus einer Sicherheitsmitteilung folgt noch nicht, wie oft ein Schaden tatsächlich eintritt. Das haben Hersteller und Behörden in den Jahren danach untersucht.
Das BfArM fasste im Februar 2022 die Folgeuntersuchungen an gebrauchten DreamStation-Geräten zusammen. Toxikologisch relevante Mengen an VOC fanden sich nicht, das Risiko einer längeren Belastung wertete das Institut als gering. Ein Risiko durch Schaumstoffpartikel ließ sich aber nicht ausschließen. In Deutschland waren bis dahin keine Zwischenfälle mit Schäden gemeldet worden6.
gingen bei der FDA zwischen April 2021 und September 2023 im Zusammenhang mit dem Schaumzerfall ein, darunter 561 Meldungen von Todesfällen7
auf Schaumzerfall oder VOC-Abgabe zwischen April 2016 und Januar 2021 listete ein FDA-Inspektionsbericht vom November 2021 auf, ohne dass eine angemessene Risikoanalyse folgte10
Die Zahl wird oft als Zahl bestätigter Todesfälle zitiert. Das gibt sie nicht her. Die FDA betont selbst, dass sich aus diesen Meldungen weder Häufigkeit noch Ursache eines Ereignisses ableiten lassen. Meldungen können unvollständig, ungeprüft oder doppelt sein, und ob das Gerät das Ereignis verursacht hat, wird dabei nicht geprüft7.
Eine Meldung ist ein Verdacht, kein Nachweis.Das gilt in beide Richtungen. Die Meldungen belegen keinen Schaden, sie schließen ihn aber auch nicht aus.
Philips wertet die eigenen Tests an DreamStation-, SystemOne- und DreamStation-Go-Geräten so, dass die Belastung durch VOC und Partikel voraussichtlich keinen nennenswerten Gesundheitsschaden verursacht11. Die FDA hielt die bis Oktober 2023 vorgelegten Tests für nicht ausreichend und verlangte weitere8. Beim Schaum der Beatmungsgeräte Trilogy 100 und 200, einem anderen Schaumtyp, fiel ein Labortest auf Erbgutschädigung auffällig aus. Die Bewertung läuft laut Philips noch11.
Zeitleiste
Vom Rückruf bis heute
Der Rückruf hat Behörden, Gerichte und Versorger über Jahre beschäftigt. Die wichtigsten Stationen, Stand 28. September 2026.
- 2015 bis Januar 2021
Frühe Hinweise
Laut FDA-Inspektionsbericht lagen im Konzern ab 2015 Hinweise auf zerfallenden Schaum vor. Eine angemessene Risikoanalyse ist nicht dokumentiert10.
- 14. Juni 2021
- Juli 2021
Klasse I in den USA
Die FDA stuft den Rückruf in die ernsteste Kategorie ein3.
- Februar 2022
- Oktober 2023
FDA verlangt mehr Tests
Die Behörde hält die Prüfungen des Herstellers für nicht ausreichend8.
- April und Mai 2024
- Juli bis September 2026
Stand heute
Philips meldet, alle Schritte des US-Rückrufplans seien abgeschlossen und weltweit 99 % der registrierten Schlaftherapiegeräte abgearbeitet. Bei den Beatmungsgeräten laufen Austausch und Prüfungen weiter12.
Betroffen?
Gerät betroffen? Das kannst du tun
Nicht jedes Gerät wurde je registriert. Ob deines betroffen ist, klärst du in wenigen Schritten.
Seriennummer prüfen
Auf der Prüfseite von Philips unter philips.com/src-update gibst du die Seriennummer ein und erfährst, ob dein Gerät betroffen ist.
Versorger ansprechen
In Deutschland kommen CPAP-Geräte in der Regel über einen Hilfsmittelversorger. Er weiß, ob dein Gerät getauscht oder repariert wurde.
Keine Ozon- oder UV-Reiniger
Solche Geräte können den Schaum zusätzlich angreifen. Reinige Maske, Schlauch und Gerät so, wie es die Gebrauchsanweisung vorsieht9.
Auf Partikel achten
Siehst du schwarze Krümel in Schlauch oder Maske, melde dich bei deinem Versorger. Die Fachgesellschaften nennen sichtbare Partikel als Grund, einen Wechsel zu erwägen4.
Unterlagen aufbewahren
Heb den Schriftwechsel mit Hersteller und Versorger auf. Das hilft, wenn später Fragen zum Austausch aufkommen.
Du erfährst, dass dein CPAP-Gerät auf der Rückrufliste steht. Was tust du als Erstes?
CPAP verstehen
CPAP: was die Überdrucktherapie leistet
Der Rückruf hat viele verunsichert, die jede Nacht mit Maske schlafen. Deshalb lohnt ein Blick auf die Therapie selbst.
CPAP steht für continuous positive airway pressure, kontinuierlicher positiver Atemwegsdruck. Das Gerät bläst über Schlauch und Maske Luft mit leichtem Überdruck in die Atemwege und hält den Rachen im Schlaf offen.
Der australische Arzt Colin Sullivan beschrieb das Prinzip 1981 an fünf Patienten mit schwerer Schlafapnoe als pneumatische Schiene, eine Schiene aus Luft für den Nasenrachen13. Bei mittel- und schwergradiger Schlafapnoe ist CPAP heute die Standardversorgung.

Solange das Gerät läuft, verhindert der Druck, dass der Rachen zufällt. Darin liegt zugleich seine Grenze. Der Druck kommt von außen und ersetzt die Spannung, die Zunge, Gaumensegel und Rachenwand selbst aufbringen müssten. Das Steuerungsmuster, das den Atemweg nachts nachgeben lässt, bleibt unverändert. Deshalb wird CPAP häufig über viele Jahre gebraucht, und viele legen die Maske irgendwann beiseite.
der Nutzer verwendeten ihr CPAP-Gerät zu wenig, gemessen an sieben Stunden Schlaf pro Nacht. Das zeigen 82 Studien aus 20 Jahren, ohne Besserung in dieser Zeit. Die Autoren stellen den Goldstandard deshalb infrage14
randomisiert, mit 7.266 Menschen mit Schlafapnoe: Herz-Kreislauf-Ereignisse und Todesfälle waren unter Überdrucktherapie nicht nachweisbar seltener. Die Autoren sehen andere Vorteile der Behandlung15
Eine bekannte Begleiterscheinung der Überdrucktherapie ist das Luftschlucken. Der Druck kann Luft in Speiseröhre und Magen leiten, Blähungen und Aufstoßen sind die Folge. Dr. Berndsen geht einen Schritt weiter und vermutet, dass sich die Steuerung von Atmung und Schlucken im Hirnstamm über Jahre an Druckverhältnisse anpasst, die es ohne Gerät nicht gibt. Untersucht ist das bisher nicht, und gerade deshalb gehört die Frage aus unserer Sicht gestellt.
Wie eine Krücke
Wer sich das Bein gebrochen hat, ist froh über die Krücke. Sie trägt mit, solange das Bein es noch nicht kann. Das Gehen übt sie aber nicht ein, und wer das Bein nie wieder belastet, bleibt auf sie angewiesen. So sehen wir CPAP. Der Überdruck entlastet, doch das Muster, das den Atemweg nachgeben lässt, muss der Körper selbst wieder lernen.
Ob die Überdrucktherapie später reduziert werden oder entfallen kann, zeigt eine Kontrollmessung im Schlaflabor, und diese Entscheidung triffst du gemeinsam mit deiner Schlafmedizin. Mehr zu Masken, AHI und Schnarchschiene findest du im Artikel Schnarchen und Schlafapnoe.
Die Ursache
Warum der Atemweg nachts nachgibt
Ein Rückruf lenkt den Blick auf das Gerät. Die eigentliche Frage liegt tiefer: Warum braucht der Atemweg überhaupt eine Stütze?
Aus unserer Sicht liegt die Ursache der obstruktiven Schlafapnoe im Regelfall nicht in einem einzelnen Gewebe, sondern im Steuerungsmuster der Basisfunktionen Atmung, Schlucken und Kopfbalance. Muskulatur, die nicht in ihre Funktion eingebunden ist, wird kaum gebraucht und verliert Spannung. Wir sprechen von funktioneller Hypotonie. Tagsüber lässt sich das ausgleichen. Im Schlaf, ohne willkürliche Kontrolle, setzt sich das Muster durch.
Das Muster weicht ab
Mundatmung, eine tief liegende Zunge und eine nach vorn verlagerte Kopfbalance ersetzen die Referenzordnung. Oft beginnt das früh, mit Schnuller, Flasche oder verlegter Nase.
Der Körper kompensiert
Das Nervensystem speichert die Ausweichbewegung als bevorzugtes Muster. Sie läuft von da an ohne Nachdenken.
Die Struktur folgt
Gaumenform, Zahnstellung und Haltung passen sich über Jahre an. Zunge und Rachenwand verlieren an Spannung.
Erst dann das Symptom
Schnarchen, Atemaussetzer, Müdigkeit am Tag. Wann und wie stark, hängt vom Ausmaß der Störung, von der Dauer der Kompensation und vom Lebensalter ab.
Eine Schlüsselrolle spielt der Genioglossus, der große Zungenmuskel, der die Zunge nach vorn zieht und den Raum hinter dem Zungengrund offen hält. Ob er seine Arbeit tut, hängt aus unserer Sicht davon ab, wie die Zunge im Alltag gebraucht wird, bei jedem Schluck und in der Zungenreferenzlage am Gaumen.
Dieses Muster steht am Anfang vieler Kausalketten. Wie Mundatmung die Nase verändert, beschreibt der Artikel zur Nasenscheidewand. Was nachts im Rachen geschieht, erklärt der Beitrag zu Schnarchen und Schlafapnoe.
CPAP Alternative
Gibt es eine Alternative zu CPAP? Passive Stütze und aktives Training
Wer vom Rückruf betroffen war, hat sich oft gefragt, ob es auch anders geht. Die ehrliche Antwort hat zwei Teile.
Der Rückruf hat eine Frage lauter gemacht, die sich viele ohnehin stellen. Die Belastung war real. Wer ein betroffenes Gerät nutzte, konnte Nacht für Nacht Schaumpartikel und ausgasende Chemikalien einatmen, und ob und wie sehr das geschadet hat, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Umso verständlicher ist der Wunsch, nicht für den Rest des Lebens von einer Maske abzuhängen. Aus unserer Sicht ist diese Abhängigkeit kein Schicksal.
Passive Hilfsmittel
- CPAP, Unterkieferprotrusionsschiene, Lagekissen, Nasenklammer
- Verändern für die Dauer der Anwendung die Geometrie des Atemwegs
- Wirken, solange sie genutzt werden
- Die Steuerung bleibt, wie sie ist
Aktives Training
- Übt Atmung, Schlucken und Kopfbalance im selben Ablauf
- Setzt am Steuerungsmuster an
- Braucht präzise Wiederholung über Monate
- Lässt sich parallel zur laufenden Therapie beginnen
Beides schließt sich nicht aus. Die passive Stütze sichert die Nacht. Das Training arbeitet an der Voraussetzung dafür, dass der Atemweg wieder aus eigener Spannung stabil wird und die Maske eines Tages überflüssig werden kann. Ob es so weit ist, zeigt eine Kontrollmessung.
Dass sich die Spannung der oberen Atemwege durch aktives Training beeinflussen lässt, stützen unabhängige Studien. Eine Übersichtsarbeit aus Stanford fasste neun Studien mit 120 Erwachsenen zusammen. Nach Übungen für Mund, Zunge und Rachen sank der Apnoe-Hypopnoe-Index im Mittel von 24,5 auf 12,3 Ereignisse pro Stunde16. Diese Studien untersuchen nicht den FaceFormer, sondern myofunktionelle Übungen allgemein.
Eine Cochrane-Übersicht von 2020 bewertet die Belege mit geringer bis mittlerer Sicherheit. In der einzigen Studie, die direkt mit CPAP verglich, lag der Index unter Training allein höher als unter Überdrucktherapie17. Das überrascht nicht. CPAP hält den Atemweg mechanisch offen, solange es läuft, und die Studien liefen nur zwei bis vier Monate. Ein Training soll das Muster verändern, und das braucht Zeit.
Aus dem Fehlen einer Untersuchung folgt nicht, dass der Zusammenhang nicht besteht. Es folgt, dass er nicht geprüft ist.Zum FaceFormer selbst liegen bei Schlafapnoe bisher Pilotbeobachtungen ohne Vergleichsgruppe vor. Was es gibt und wie es einzuordnen ist, steht auf unserer Studienseite.
Training
Die Basisfunktionen trainieren: parallel zur Therapie
Ein Atemmuster ändert sich nicht durch Einsicht, sondern durch präzise, häufige Wiederholung.
Im FaceFormer-Training übst du Lippenschluss, Nasenatmung, Zungenausrichtung, Schluckakt und Kopfbalance gleichzeitig, nicht einzelne Muskeln isoliert. Ziel ist, dass die Basisfunktionen wieder von selbst in ihrer Referenzordnung laufen, auch im Schlaf. Mehr dazu unter Wie wirkt die FaceFormer-Therapie?
In der Grundübung liegt der FaceFormer im Mundvorhof, hinter den Lippen und vor den Zähnen. Die Zungenspitze liegt am Gaumen hinter den oberen Schneidezähnen, du atmest durch die Nase, beißt kurz auf und schluckst.
In der Zugübung ziehst du am FaceFormer, während die Lippen dagegenhalten. Die Animation zeigt, worauf es dabei ankommt: Der Kopf bleibt über dem Körper balanciert und kippt weder nach vorn noch nach hinten.
Nachts trägst du den FaceFormer ZERO, sobald die Grundübung sitzt. Die Nacht ist dabei nur die Ergänzung. Wer ausschließlich nachts anwendet, nutzt den FaceFormer als passive Stütze, und dafür ist er nicht gemacht.
Nutzt du nachts CPAP, besprich mit deiner Schlafmedizin oder einer Praxis, ob und wann die Nachtanwendung für dich infrage kommt. Das Tagestraining ist davon unabhängig und lässt sich, sofern keine Gegenanzeige vorliegt, parallel beginnen.
- Ab Tag 1
Grundübung
Dreimal täglich wenige Minuten mit dem FaceFormer ZERO, angeleitet von der kostenlosen App.
- Ab etwa Woche 2 bis 3
Zugübung und Nacht
Die Zugübung kommt dazu. Nachts trägst du den ZERO, sobald die Grundübung sitzt.
- Nach einigen Wochen
Wechsel auf den ONE
Tagsüber trainierst du mit dem FaceFormer ONE. Er ist gleich groß und geformt wie der ZERO, nur aus festerem Material.
- Ab etwa Woche 6
Atemübung
Die Atemübung verbindet das Training mit ruhiger Nasenatmung und Atempausen, die mit der Zeit länger werden.
- 6 bis 12 Monate
Kontrollmessung
Danach folgt ein Erhaltungstraining. Eine Messung im Schlaflabor zeigt, was sich verändert hat.
Ein Muster aus Atmung, Schlucken und Kopfbalance stellt sich nicht in wenigen Wochen um. Das Übungsmanual rechnet mit sechs bis zwölf Monaten, bis das neue Muster im Alltag und im Schlaf von selbst läuft. Man muss dranbleiben, es kann sich lohnen. Wie es mit dem Gerät weitergeht, entscheidest du anhand deines Verlaufs mit der Schlafmedizin.
Bei obstruktiver Schlafapnoe trainierst du begleitend zur laufenden Behandlung. Alle Module findest du auf den Übungsseiten, zum zeitlichen Verlauf mehr unter Ablauf und Dauer der FaceFormer-Therapie. Den Mund nachts zuzukleben, empfehlen wir nicht. Warum, erklärt der Artikel zu Mouth Taping.
Fragen
Häufig gefragt
Welche CPAP-Geräte von Philips wurden zurückgerufen?
Unter anderem DreamStation, DreamStation Go, SystemOne, REMstar SE Auto, Dorma 400 und 500, mehrere Bi-Level- und ASV-Geräte sowie die Beatmungsgeräte Trilogy 100 und 200, hergestellt vor dem 26. April 2021. Dazu kommen die baugleichen Somnia 3 und Phönix 3 von Löwenstein Medical. Ob dein Gerät betroffen ist, klärt die Seriennummer.
Warum wurden die Philips-Geräte zurückgerufen?
Wegen eines schalldämpfenden Schaumstoffs aus polyesterbasiertem Polyurethan, kurz PE-PUR. Er kann in Partikel zerfallen, die in den Luftweg gelangen, und er kann flüchtige Chemikalien abgeben. Hitze, Feuchtigkeit und Ozonreiniger begünstigen den Zerfall.
Ist die DreamStation 2 vom Rückruf betroffen?
Nein. Betroffen ist die erste Generation der DreamStation. Die DreamStation 2 steht nicht auf der Rückrufliste, darauf weisen auch die Fachgesellschaften für Lungen- und Beatmungsmedizin hin.
Ist der Philips-Rückruf abgeschlossen?
Für die Schlaftherapiegeräte weitgehend. Laut Philips sind weltweit 99 % der registrierten Geräte abgearbeitet, und im Juli 2026 waren alle Schritte des US-Rückrufplans erledigt. Bei den Beatmungsgeräten laufen Austausch und Prüfungen noch. In den USA gelten weiter gerichtliche Auflagen für den Verkauf neuer Geräte.
Soll ich mein CPAP-Gerät absetzen, wenn es betroffen ist?
Nicht auf eigene Faust. BfArM, FDA und Fachgesellschaften raten übereinstimmend, Änderungen mit der behandelnden Schlafmedizin zu besprechen. Prüf die Seriennummer, melde dich bei deinem Versorger und frag nach Austausch oder Reparatur.
Kann der Schaumstoff Krebs verursachen?
In der Sicherheitsmitteilung von 2021 wurden krebserregende Wirkungen als mögliches Risiko genannt. Folgeuntersuchungen fanden bei den flüchtigen Chemikalien der DreamStation keine toxikologisch relevanten Mengen, das BfArM wertete das Risiko als gering. Bei den Partikeln ließ es sich nicht ausschließen, und die FDA verlangte weitere Tests. Ein Nachweis, dass der Schaum Krebs ausgelöst hat, liegt nicht vor.
Gibt es eine Alternative zu CPAP?
Es gibt weitere passive Hilfsmittel wie die Unterkieferprotrusionsschiene oder Lagetherapie. Sie verändern die Geometrie des Atemwegs, solange sie genutzt werden. Aus unserer Sicht setzt die Ursache tiefer an, im Muster aus Atmung, Schlucken und Kopfbalance. Dieses Muster lässt sich trainieren, parallel zur laufenden Therapie. Ob CPAP später reduziert werden oder entfallen kann, zeigt eine Kontrollmessung.
Kann ich neben CPAP mit dem FaceFormer trainieren?
Ja, das Tagestraining lässt sich parallel zur Überdrucktherapie beginnen. Das Gerät nutzt du weiter wie verordnet. Ob und wann du nachts zusätzlich den FaceFormer ZERO trägst, besprichst du mit deiner Schlafmedizin oder einer Praxis. Veränderungen zeigt eine Kontrollmessung im Schlaflabor.
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Dein Weg weiter

Quellen
- Philips Respironics (Juni 2021). Dringend: Sicherheitsmitteilung CPAP und Bi-Level PAP-Geräte. Schalldämmender Schaumstoff: Anfälligkeit für Zersetzung und Freisetzung flüchtiger organischer Verbindungen. Veröffentlicht vom BfArM am 22.06.2021, Referenznummer 11652/21. Abgerufen am 28.09.2026. Quelle
- BfArM (22.06.2021). Dringende Sicherheitsinformation zu Trilogy 100, Trilogy 200, Garbin Plus, Aeris, LifeVent, BiPAP V30 und BiPAP A30/A40 Series von Philips Respironics, Inc. Referenznummer 11651/21. Abgerufen am 28.09.2026. Quelle
- U.S. Food and Drug Administration (Stand 20.11.2024). Recalled Philips Ventilators, BiPAP Machines, and CPAP Machines. Abgerufen am 28.09.2026. Quelle
- Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (04.02.2022). Stellungnahme der European Respiratory Society für Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeitende in der Pneumologie, Schlaf- und Intensivmedizin zum Rückruf der Firma Philips, Aktualisierung vom 01.02.2022. Abgerufen am 28.09.2026. Quelle
- Löwenstein Medical (Juli 2021). Sicherheitsinformation zum CPAP Phönix 3(i) und Somnia 3(i). Veröffentlicht vom BfArM am 02.08.2021, Referenznummer 14098/21. Abgerufen am 28.09.2026. Quelle
- BfArM (aktualisiert 25.02.2022). Sicherheitskorrekturmaßnahmen zu ausgewählten Beatmungs- sowie CPAP- und BiPAP-Geräten von Philips Respironics, Empfehlungspapier der Fachgesellschaften. Abgerufen am 28.09.2026. Quelle
- U.S. Food and Drug Administration (Stand 31.01.2024). Problems Reported with Recalled Philips Ventilators, BiPAP Machines, and CPAP Machines. Abgerufen am 28.09.2026. Quelle
- U.S. Food and Drug Administration (Stand 15.08.2024). Foam Testing Summary for Recalled Philips Ventilators, BiPAP Machines, and CPAP Machines. Abgerufen am 28.09.2026. Quelle
- U.S. Food and Drug Administration (Stand 15.08.2024). Recommendations for Recalled Philips Ventilators, BiPAP Machines, and CPAP Machines. Abgerufen am 28.09.2026. Quelle
- U.S. Food and Drug Administration (2021). Form FDA 483, Inspectional Observations, Philips Respironics, Inc., Murrysville, PA. Inspektion vom 26.08. bis 09.11.2021. Beobachtungen der Inspektoren, keine abschließende Behördenentscheidung. Abgerufen am 28.09.2026. Quelle
- Koninklijke Philips N.V. (laufend aktualisiert, abgerufen am 28.09.2026). Respironics field action information for Investor Relations: Testergebnisse, Vergleiche, Consent Decree. Herstellerangaben. Quelle
- Philips Respironics (10.09.2026, Datenstand 01.09.2026). Remediation progress updates. Herstellerangaben. Abgerufen am 28.09.2026. Quelle
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