Behandlungen einordnen

Dentosophie und BalancerDie richtige Frage, ein anderer Weg

Du suchst einen Weg, der Zähne und Kiefer über die Funktion beeinflusst, und bist dabei auf Dentosophie und den Balancer gestoßen? Hier erfährst du, woher das Gerät kommt, was die Übungen erreichen wollen, was Studien dazu zeigen und warum wir Atmung, Schlucken und Kopfbalance ohne Beißblock zwischen den Zähnen trainieren.

Kennst du das?

Dentosophie im Blick: Was trifft auf dich zu?

Was trifft auf dich zu?

Tippe an, was auf dich zutrifft.

Treffen zwei oder mehr Punkte zu, lohnt ein genauer Blick auf das, was im Mund tatsächlich passiert. Die Grundidee teilen wir. Der Unterschied liegt darin, ob zwischen den Zähnen ein Block liegt oder ob die Zahnreihen frei bleiben.

Was ein Block zwischen den Zähnen verändertBalancer und FaceFormer im Vergleich
Das ersetzt keine Untersuchung. Es zeigt dir nur, wo du in diesem Artikel weiterlesen kannst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Dentosophie ist eine in Frankreich entstandene Methode, die Zähne, Kiefer und Körper über die Funktion beeinflussen will. Ihr Werkzeug ist ein weicher Aktivator, der Balancer, der zwischen den Zahnreihen liegt. Das Gerät geht auf einen Gummiaktivator aus den frühen 1950er Jahren zurück.
  • Die Grundidee „Funktion formt Form“ teilen wir. Aus unserer Sicht wirkt ein Block zwischen den Zähnen der Funktion aber entgegen: Er senkt den Unterkiefer ab, macht den Lippenschluss zur Halteleistung und ersetzt Zahnkontakt durch Materialkontakt.
  • Aus unserer Sicht fehlt der Methode eine physiologisch tragfähige Begründung, und kontrollierte Studien gibt es nicht (PubMed, Stand 30. September 2026). Das FaceFormer-Training setzt am Schlucken mit Zungenreferenzlage, an Nasenatmung und Kopfbalance an, der FaceFormer liegt dabei vor den Zähnen.

Video

Schiefe Zähne, enge Kiefer: Was Kauen erklärt und was nicht

Das Video lädt erst nach dem Klick. Dann werden Daten an YouTube (Google) übertragen.

Die Methode

Was ist Dentosophie?

Wer nach „Dentosophie“ sucht, sucht oft einen sanften, ganzheitlichen Weg für die Zähne seines Kindes oder für sich selbst.

Der Name verbindet das lateinische „dens“ für Zahn mit dem griechischen „sophia“ für Weisheit. Entwickelt wurde die Methode ab 1984 in Frankreich von einer Gruppe von Zahnärzten um Michel Montaud und Rodrigue Mathieu. Montaud beschreibt sie in seinem Buch „Dentosophie. Unsere Zähne, ein Tor zur Gesundheit“4. Der Mund wird dort als Spiegel des ganzen Menschen verstanden, zu dem Atmung, Haltung und seelisches Befinden gehören.

AktivatorEin weiches, herausnehmbares Gerät aus Silikon oder Kautschuk, das Ober- und Unterkiefer zugleich umfasst. Montaud spricht vom Aktivator.
BalancerSo heißt das Gerät in vielen deutschsprachigen Praxen. Es liegt als Block zwischen den Zahnreihen und wird in verschiedenen Größen und Härten angeboten.
ElastodontieFachbegriff der Kieferorthopädie für Behandlungen mit weichen, elastischen Geräten dieser Bauart, vor allem bei Kindern.

Das Merkblatt einer Dentosophie-Praxis beschreibt den Ablauf so: Der Balancer wird etwa eine Stunde am Tag getragen, nach einer Eingewöhnung auch nachts. Dazu kommen kurze Übungen: aufrecht sitzen, Lippen geschlossen, kräftig durch die Nase einatmen, die Zunge an den Gaumen drücken, schlucken und im Wechsel sanfte, federnde Kaubewegungen auf dem Gerät. Das ist gemeint, wenn Anwender sagen, man solle „aktiv auf dem Balancer beißen“.

Was meinst du: Wo stehen deine Zähne gerade, während du diesen Text liest?

Was wir teilen

Funktion formt Form: die richtige Frage

Viele, die zur Dentosophie finden, haben eine gute Beobachtung gemacht. Zähne und Kiefer entstehen nicht im luftleeren Raum. Wie ein Kind atmet, wo die Zunge liegt, ob die Lippen locker geschlossen sind und wie der Kopf balanciert, prägt über Jahre, wie Gaumen und Kiefer wachsen. Diese Sicht teilen wir ohne Einschränkung. Wo die Zunge hingehört, erklärt der Artikel Zungenruhelage und Zungenreferenzlage.

Wie stark die Funktion die Form bestimmt, zeigen Versuche an jungen Affen. Wurde die Nase verschlossen, hielten die Tiere den Mund offen, manche hielten den Unterkiefer tiefer, teils mit vorgeschobener Zunge. Alle entwickelten mit der Zeit ein anderes Gesicht und einen anderen Biss als die Vergleichstiere6. Die Autoren folgern, dass Geräte im Mund nicht nur über Kraft wirken, sondern auch über die Reize, auf die Muskeln antworten.

Die Frage ist richtig. Entscheidend ist, welches Muster das Gerät dem Mund beibringt.Wenn Muskeln auf Reize antworten, zählt, in welche Lage ein Gerät Unterkiefer, Zunge und Lippen bringt, Stunde für Stunde.

Herkunft

Der Balancer ist älter als die Dentosophie

Das Grundprinzip stammt aus der französischen Kieferorthopädie. Die Professoren René Soulet und André Besombes stellten Anfang der 1950er Jahre einen vorgefertigten Aktivator aus weichem Gummi vor, eine doppelte Rinne, die beide Zahnbögen umfasst12. Das Museum der französischen Fachgesellschaft für Kieferorthopädie beschreibt ihn als sehr weich, sehr einfach, aber wenig präzise1.

  1. 1952

    Aktivator nach Soulet und Besombes

    Ein vorgefertigtes Gummigerät für beide Zahnbögen. Gedacht war es zunächst als Ferienlösung, um erreichte Ergebnisse einer festen Spange zu halten1.

  2. 1955 bis 1969

    Fachaufsätze in Frankreich und Deutschland

    Das Gerät wird in Fachzeitschriften vorgestellt und mit Muskelableitungen und Röntgenmessungen untersucht2313.

  3. Ab 1984

    Dentosophie

    In Frankreich entsteht um Michel Montaud und Rodrigue Mathieu eine eigene Lehre, die das Gerät mit einem ganzheitlichen Menschenbild verbindet4.

  4. Heute

    Elastodontie und Balancer

    Unter anderem in Italien werden ähnliche Silikongeräte als elastodontische Geräte weiterentwickelt und untersucht, meist bei Kindern mit Fehlstellungen9.

Anatomie

In Ruhe berühren sich die Zähne nicht

Um einen Beißblock einzuordnen, hilft ein Blick darauf, was die Zähne im Alltag eigentlich tun.

RuheschwebelageDie entspannte Stellung des Unterkiefers. Die Zahnreihen stehen mit einem kleinen Abstand auseinander, die Lippen liegen locker aufeinander.
FrontzahnführungBeim Schließen und Vorschieben gleiten die unteren Schneidezähne an der Rückseite der oberen entlang. Diese Bahn führt den Unterkiefer.
VertikaldimensionDer Abstand zwischen Ober- und Unterkiefer. Wird er erhöht, steht der Unterkiefer tiefer.
3mm

Abstand halten die Zahnreihen in Ruhe im Mittel, ausgewertet in 27 Arbeiten5

1 bis 9mm

reicht die Spanne bei gesunden Menschen. Die Ruhestellung ist ein Bereich, kein fester Punkt5

viele hundertSchlucke

bis tausend am Tag. Jeder Schluck bringt die Zähne kurz zusammen12

Zahnkontakt ist also kurz und an Aufgaben gebunden. Kurz bevor der Schluck startet, hebt sich der Unterkiefer, die Backenzähne treffen sich, die Lippen sind geschlossen, die Zungenspitze liegt an ihrem Referenzpunkt. Danach gehen die Zähne wieder auseinander. Längerer Kontakt entsteht sonst vor allem beim Pressen und Knirschen, und das belastet Kaumuskeln und Kiefergelenk.

Unsere Sicht

Was ein Block zwischen den Zähnen verändert

Aus unserer Sicht liegt die Grenze des Balancers im Werkzeug selbst, genauer in der Lage, die es dem Kiefer vorgibt.

Ein Block zwischen den Zahnreihen erhöht die Vertikaldimension. Die Zähne werden weiter auseinandergehalten als in der Ruheschwebelage, die Schneidezähne können nicht mehr an ihrer gewohnten Bahn entlanggleiten. Der Unterkiefer bleibt in der abgesenkten Lage, die das Material vorgibt. Ausweichen kann nur er, denn der Oberkiefer ist fest mit dem Schädel verbunden.

  1. Der Unterkiefer steht tiefer

    Der Block hält die Zahnreihen auseinander, der Abstand ist größer als in Ruhe.

  2. Die Zunge sinkt mit

    Über den Mundboden ist die Zunge an den Unterkiefer gekoppelt. Der Weg zum vorderen Gaumen wird länger.

  3. Lippenschluss wird Arbeit

    Die Lippen liegen nicht mehr von selbst aufeinander. Sie müssen aktiv gehalten werden.

  4. Die Haltearbeit reißt ab

    Sobald die Aufmerksamkeit nachlässt, besonders beim Einschlafen, öffnet sich der Mund.

  5. Der Mund wird zum Atemweg

    Ein offener Mund gibt der Luft den kürzeren Weg. Mundatmung wird eher begünstigt als abgebaut.

Ein vertrautes Beispiel für dasselbe Prinzip ist der Schnuller. Liegt ein Gegenstand zwischen den Zahnreihen, stehen Unterkiefer und Zunge tiefer, die Lippen schließen nicht mehr locker. Das Bild zeigt diesen Zusammenhang im Seitenschnitt.

Schnuller im Seitenschnitt: Ein Gegenstand zwischen den Zahnreihen senkt Unterkiefer und Zunge ab, die Lippen stehen offen. Das Bild zeigt das Prinzip, keinen Balancer.
Schnuller im Seitenschnitt: Ein Gegenstand zwischen den Zahnreihen senkt Unterkiefer und Zunge ab, die Lippen stehen offen. Das Bild zeigt das Prinzip, keinen Balancer.

Wie ein Popcornspelz zwischen den Zähnen

Jeder kennt das: Ein Stück Popcornschale steckt zwischen den Zähnen, und die Zunge will gleich dorthin. Sie tastet, schiebt und kommt nicht zur Ruhe, bis der Fremdkörper weg ist. Ein Balancer ist um ein Vielfaches größer und liegt über Stunden im Mund.

Die Zunge ist eines der feinfühligsten Tastorgane des Körpers. Ihre Spitze orientiert sich an der kleinen Erhebung hinter den oberen Schneidezähnen, ihr Rücken am Gaumen. Ein Block, der zwischen den Zahnreihen in den Mundraum ragt, bietet ihr einen neuen Tastreiz. Aus unserer Sicht zieht er die Zunge damit von ihrer Zungenreferenzlage weg und beschäftigt sie mit dem Gerät statt mit dem Gaumen.

Die Zunge sucht jeden Fremdkörper. Ein Block im Mund wird zu ihrem Bezugspunkt.Gelernt wird dann eine Ersatzreferenz am Gerät, nicht die körpereigene Referenz am Gaumen.

Beißen und Kauen

Aktiv auf dem Balancer beißen? Kauen ist kein Pressen

Die Kauübungen auf dem Balancer sollen den Kauapparat schulen. Kauen ist aber eine rhythmische Bewegung mit freien Bahnen, wechselnder Last und echten Zahnkontakten. Aus diesen Kontakten melden Zahnhalteapparat und Kiefergelenk dem Gehirn fein aufgelöst, wo der Kiefer steht. Auf einem elastischen Block fehlt genau dieser Kontakt, Zahn trifft auf Material.

Was da eigentlich trainiert wird

Stell dir vor, zwischen deinen Schneidezähnen steckte nur eine Stecknadel. Schon sie würde verhindern, dass die unteren Schneidezähne an den oberen vorbeigleiten. Die Frontzahnführung, die den Unterkiefer beim Schließen lenkt, wäre blockiert. Ein Balancer ist viel dicker als eine Nadel. Geübt wird auf ihm eine Bewegung, bei der die Zähne ihre natürliche Bahn gar nicht erreichen.

Kauen

  • Der Unterkiefer bewegt sich frei, auf und ab und zur Seite
  • Die Last wechselt, der Bissen wird kleiner und geschluckt
  • Zahn trifft auf Zahn und liefert genaue Rückmeldung
  • Nach dem Schluck ist der Kiefer frei

Federn auf einem Block

  • Der Unterkiefer arbeitet aus abgesenkter Lage
  • Das Material bleibt, ein Ende gibt es nicht
  • Zahn trifft auf Silikon, die Rückmeldung ist grob
  • Der Kaumuskel drückt gegen Widerstand

Biomechanisch ist wiederholtes Zusammendrücken eines elastischen Blocks aus unserer Sicht eher Pressen als Kauen. Es arbeitet vor allem der Masseter, der kräftigste Kaumuskel, und das Kiefergelenk trägt die Last. Bei bestehenden Kiefergelenksbeschwerden sehen wir das besonders kritisch. Warum Dauerkauen die Musterbildung stört, erklären wir auch im Artikel Mewing, mehr zum Kiefergelenk unter CMD verstehen.

Beißen auf einem Block trainiert Beißen. Atmung, Schlucken und Kopfbalance lernen dabei nichts.Kauen ist keine integrierte Funktion dieser drei Basisfunktionen. Das Muster, auf das es ankommt, entsteht beim Schlucken mit Zungenreferenzlage, bei Nasenatmung und aufrecht balanciertem Kopf, nicht beim Zubeißen.

Spürst du nach Beißübungen Spannung oder Schmerz in Kiefer, Schläfe oder Nacken, ist das ein Signal. Sprich es in der Praxis an, die dich begleitet, statt die Übungen zu steigern.

Im Schlaf

Warum sich der Mund nachts öffnen kann

Praxen empfehlen häufig, den Balancer auch nachts zu tragen. Gerade dort zeigt sich der Unterschied zwischen einem gehaltenen und einem gelernten Mundschluss. Im Schlaf gibt es keine Aufmerksamkeit, die Lippen gegen einen abgesenkten Unterkiefer zusammenhält.

Dass das Praxismerkblatt vorwarnt, das Gerät gehe anfangs nachts verloren, passt zu diesem Bild. Aus unserer Sicht ist es kein Zeichen mangelnder Mitarbeit, sondern die Folge der Geometrie: Der Mund öffnet sich, und die Luft nimmt den kürzeren Weg.

Im Schlaf entscheidet das gelernte Muster, ob der Mund geschlossen bleibt.
Im Schlaf entscheidet das gelernte Muster, ob der Mund geschlossen bleibt.

Mundatmung ist nicht harmlos. Die Affenversuche zeigen, wie ein ständig offener Mund mit tiefem Unterkiefer Gesicht und Biss verändert6. Deshalb kommt es aus unserer Sicht darauf an, dass Lippenschluss und Nasenatmung im Schlaf von selbst tragen. Mehr dazu liest du unter Mundatmung und Nasenatmung und im Artikel Mouth Taping.

Körperhaltung

Regelt der Biss die Körperhaltung?

In der Dentosophie und in verwandten Ansätzen heißt es oft, der Biss steuere die Haltung des ganzen Körpers. Diese Frage ist gut untersucht.

21Studien

zu Kausystem und Körperhaltung wertete eine Übersicht aus Triest aus8

1Studie

davon war von mittlerer bis guter Qualität. Der gefundene Zusammenhang war biologisch messbar, klinisch ohne Bedeutung8

keinZusammenhang

der sich vorhersagen ließe, fand eine Übersicht aus Padua zwischen Biss und Körperhaltung7

Die Autoren aus Padua erklären das mit den vielen Ausgleichsmechanismen des Nervensystems, das die Balance des Körpers regelt7. Das passt zu unserer Sicht. Die Körperstatik wird über die Kopfbalance, das Gleichgewichtsorgan, die Augen und die Rückmeldung aus Muskeln und Gelenken gesteuert. Zahnkontakt ist dafür zu kurz und zu selten, er gehört zu Schlucken und Kauen.

Kiefer und Kopfbalance sind trotzdem verbunden, nur anders. Im Hirnstamm treffen Signale aus Kiefer, Kaumuskeln und oberer Halswirbelsäule zusammen. Deshalb trainieren wir die Kopfbalance mit, statt den Biss über einen Block einzustellen. Wie Nacken und Zunge zusammenhängen, erklärt der Artikel Nacken und Rücken.

Evidenz

Dentosophie-Kritik: Was Studien zeigen

Kontrollierte Studien zur Dentosophie gibt es nach unserer Recherche nicht. In der medizinischen Datenbank PubMed findet sich unter „Dentosophie“ oder „dentosophy“ kein einziger Eintrag (Suche am 30. September 2026). Erfahrungen mit Dentosophie gibt es viele, in Büchern, Praxisberichten und Foren. Sie zeigen Verläufe einzelner Menschen, aber keinen Vergleich mit Kindern, die anders oder gar nicht behandelt wurden.

13Studien

blieben in einer Übersicht zu elastodontischen Geräten aus 2.168 Treffern übrig, überwiegend Fallberichte und Fallserien9

16Studien

zu Kieferverschiebungen bei Kindern: Die meisten fanden veränderte Kieferwerte, Vorteile gegenüber üblichen Geräten blieben unklar10

Die Studien zu elastodontischen Geräten messen Zahn- und Kieferwerte im Röntgenbild, meist bei Kindern im Wachstum. Dass sich Zähne im Wachstum mit einem Gerät bewegen lassen, bezweifeln wir nicht. Aussagen zu Nasenatmung im Schlaf, Schluckmuster oder Körperhaltung lassen sich daraus nicht ableiten. Und die Arbeiten gelten verwandten Geräten, nicht der Dentosophie selbst.

Eine Methode braucht eine Begründung, die zur Physiologie passt, und Studien, die sie prüfen. Beides fehlt der Dentosophie aus unserer Sicht.Ein Block, der die Zahnreihen auseinanderhält, die Frontzahnführung sperrt und die Zunge von ihrer Referenz ablenkt, passt nicht zu dem, was Atmung, Schlucken und Kopfbalance brauchen. Und geprüft ist die Methode nicht.

Dieselbe Ehrlichkeit gilt für uns. Die einzige randomisierte Studie zum FaceFormer stammt aus Hamburg und untersuchte 45 Kinder über sechs Monate. In der FaceFormer-Gruppe lag die Zunge beim Schlucken häufiger am Gaumen, der Mundschluss stellte sich schneller ein11. Die Gruppen waren klein, gemessen wurden Basisfunktionen. Mehr unter Studien und Wissenschaft.

Unser Weg

Balancer und FaceFormer: wo der Unterschied liegt

Beide Geräte sind aus weichem Material und kommen in den Mund. Damit enden die Gemeinsamkeiten.

Balancer

  • Liegt als Block zwischen den Zahnreihen und umfasst beide Zahnbögen
  • Hält die Zahnreihen auseinander, solange er getragen wird
  • Übungen mit federnden Kaubewegungen auf dem Material
  • Zahnkontakt wird durch Materialkontakt ersetzt

FaceFormer

  • Liegt im Mundvorhof, vor den Zähnen und hinter den Lippen
  • Der Unterkiefer bleibt in seiner gewohnten Lage
  • Übungen aus Lippenschluss, kurzem Aufbiss und Schlucken
  • Die Zähne treffen sich direkt, danach schweben sie wieder
FaceFormer ZEROZiehen zum Drehen
Zum Scrollen beenden

Liegt im Mundvorhof vor den Zähnen Die Membran liegt vor den Zähnen und hinter den Lippen. Die Zahnreihen bleiben frei, der Unterkiefer bleibt in seiner gewohnten Lage.

FaceFormer ZERO, Blick auf die Seite, die zu den Zähnen zeigt. Zum Drehen ziehen.

In der Grundübung umschließen die Lippen den FaceFormer, die Zungenspitze liegt am Referenzpunkt, geatmet wird durch die Nase, der Kopf balanciert aufrecht. Du beißt kurz mit den Backenzähnen auf und schluckst. Der Unterdruck im Mund zieht die Zunge an den Gaumen, danach lösen sich Zähne und Lippen.

Trainiert wird der Ablauf aus Atmung, Schlucken und Kopfbalance, so wie er im Alltag viele hundert bis tausend Mal am Tag läuft. Kraft ist dabei nicht das Ziel, es zählt das Muster. Für Kinder bis etwa zehn Jahre wird der weichere FaceFormer ZERO empfohlen, er ist genauso groß wie der ONE.

Kind mit dem gelben FaceFormer ZERO: Das Gerät liegt vor den Zähnen, die Lippen umschließen es.
Kind mit dem gelben FaceFormer ZERO: Das Gerät liegt vor den Zähnen, die Lippen umschließen es.

Uns erreichen Rückmeldungen von Menschen, die eine Behandlung mit dem Balancer hinter sich haben, davon enttäuscht sind und nun einen anderen Weg suchen. Viele von ihnen teilen weiter die Grundidee, dass die Funktion die Form prägt. Genau dort setzt das FaceFormer-Training an, mit freien Zahnreihen und dem Muster aus Atmung, Schlucken und Kopfbalance.

Trägt dein Kind oder trägst du bereits einen Balancer, brich die Behandlung nicht eigenmächtig ab. Sprich mit der behandelnden Praxis darüber, ob und wie ein Wechsel oder eine Kombination sinnvoll ist. Das gilt ebenso für eine Zahnspange oder andere ärztlich verordnete Geräte.

Alltag

Funktion formt Form: was du selbst beobachten kannst

01

Zähne in der Schwebe

Außer beim Kauen und Schlucken berühren sich die Zahnreihen nicht. Ertappst du dich beim Zusammenbeißen, löse die Zähne.

02

Lippen locker zu

Die Lippen liegen ohne Anstrengung aufeinander. Spannt sich das Kinn, arbeitet Kraft statt Muster.

03

Durch die Nase

Achte bei deinem Kind auf den Mund beim Spielen, am Bildschirm und im Schlaf. Steht er oft offen, lohnt ein Blick auf die Atmung.

04

Richtig schlucken

Beim Schlucken liegt die Zungenspitze hinter den oberen Schneidezähnen, die Lippen bleiben ruhig, die Backenzähne treffen sich kurz.

05

Kopf über dem Körper

Stell Tisch und Bildschirm so ein, dass der Kopf aufrecht balanciert und nicht nach vorn wandert.

06

Kauen beim Essen

Feste Nahrung gründlich kauen und schlucken. Danach hat der Kiefer Pause, ein Gerät zum Draufbeißen braucht es dafür nicht.

Fragen

Häufig gefragt

Was ist Dentosophie?

Dentosophie ist eine in Frankreich entstandene Methode, die Zähne, Kiefer und das Befinden des ganzen Menschen über die Funktion beeinflussen will. Entwickelt haben sie ab 1984 französische Zahnärzte um Michel Montaud. Ihr Werkzeug ist ein weicher Aktivator, im deutschsprachigen Raum meist Balancer genannt, der zwischen den Zahnreihen getragen wird.

Wie funktioniert der Balancer?

Der Balancer ist ein weiches Gerät aus Silikon oder Kautschuk, das beide Zahnbögen umfasst und als Block zwischen den Zähnen liegt. Getragen wird er nach Anleitung vieler Praxen etwa eine Stunde am Tag und nachts, dazu kommen Übungen mit Nasenatmung, Zunge am Gaumen, Schlucken und federnden Kaubewegungen auf dem Gerät.

Welche Übungen gehören zur Dentosophie?

Typisch sind kurze Einheiten im Sitzen: Lippen geschlossen, kräftig durch die Nase einatmen, die Zunge an den Gaumen drücken, schlucken und im Wechsel sanft auf dem Balancer kauen. Aus unserer Sicht ist das Federn auf einem elastischen Block eher Pressen als Kauen, weil Zahn auf Material trifft statt auf Zahn.

Was sagt die Kritik an der Dentosophie?

Kontrollierte Studien zur Dentosophie gibt es nach unserer Recherche nicht (PubMed, Stand 30. September 2026), und aus unserer Sicht fehlt ihr eine physiologisch tragfähige Begründung. Der Block senkt den Unterkiefer ab, sperrt die Frontzahnführung, lenkt die Zunge von ihrer Referenz ab und macht den Lippenschluss zur Halteleistung, die im Schlaf abreißen kann.

Ist der FaceFormer vergleichbar mit Dentosophie?

Die Grundidee, dass Funktion die Form prägt, ist ähnlich. Das Gerät arbeitet anders. Der FaceFormer liegt im Mundvorhof vor den Zähnen, der Unterkiefer bleibt in seiner gewohnten Lage, und die Zähne treffen sich beim Schlucken direkt. Trainiert wird der Ablauf aus Atmung, Schlucken und Kopfbalance, nicht das Beißen.

Kann ich Balancer und FaceFormer kombinieren?

Das besprichst du am besten mit der Praxis, die den Balancer eingesetzt hat. Aus unserer Sicht widersprechen sich die beiden Ansätze in der Lage des Unterkiefers. Eine laufende Behandlung brichst du nicht eigenmächtig ab.

Ist Dentosophie für Kinder geeignet?

Eltern, die nach Dentosophie suchen, stellen eine wichtige Frage: Wie kann die Funktion ein gesundes Wachstum von Kiefer und Gaumen unterstützen? Aus unserer Sicht sollte der Mund eines Kindes dabei frei bleiben, damit Lippen, Zunge und Zähne ihre natürliche Lage lernen. Mehr dazu unter FaceFormer für Kinder.

Welche Erfahrungen gibt es mit Dentosophie?

Es gibt viele Erfahrungsberichte, in Büchern, auf Praxisseiten und in Foren. Sie beschreiben einzelne Verläufe. Ob eine Veränderung am Gerät lag, am Wachstum oder an anderen Maßnahmen, lässt sich daraus nicht trennen, dafür fehlen Vergleichsgruppen.

Mehr zum Thema

Weitere Artikel aus dem Wissen

Alle Themen im Überblick

Dein Weg weiter

Dr. Klaus-Jürgen Berndsen
Dr. Klaus-Jürgen BerndsenEntwickler der FaceFormer-Therapie. Inhaltliche Grundlage: das Buch „Trust the Triad“. Stand: September 2026.

Quellen

  1. Société Française d’Orthopédie Dento-Faciale, Musée: Appareil de Soulet-Besombes (1952). Abgerufen am 30.09.2026. Quelle
  2. Besombes A, Soulet R (1955). Nouveaux appareillages en thérapeutique orthopédique fonctionnelle simplifiée. Revue française d’odonto-stomatologie 2(4):483-490. PMID 14395923. Quelle
  3. Heideborn M (1965). Klinische und elektromyographische Ergebnisse nach Behandlung mit dem Schienenaktivator von Soulet-Besombes. Fortschritte der Kieferorthopädie 26(3):293-299. PMID 5216302. Quelle
  4. Montaud M (2021). Dentosophie. Unsere Zähne, ein Tor zur Gesundheit. Synergia Verlag. ISBN 978-3-907246-48-1. Quelle
  5. Goldstein G, Goodacre C, MacGregor K (2021). Occlusal Vertical Dimension: Best Evidence Consensus Statement. Journal of Prosthodontics 30(S1):12-19. PMID 33783090. Quelle
  6. Harvold EP, Tomer BS, Vargervik K, Chierici G (1981). Primate experiments on oral respiration. American Journal of Orthodontics 79(4):359-372. PMID 6939331. Quelle
  7. Manfredini D, Castroflorio T, Perinetti G, Guarda-Nardini L (2012). Dental occlusion, body posture and temporomandibular disorders: where we are now and where we are heading for. Journal of Oral Rehabilitation 39(6):463-471. PMID 22435603. Quelle
  8. Perinetti G, Contardo L (2009). Posturography as a diagnostic aid in dentistry: a systematic review. Journal of Oral Rehabilitation 36(12):922-936. PMID 19878440. Quelle
  9. Ronsivalle V, Nucci L, Bua N, Palazzo G, La Rosa S (2023). Elastodontic Appliances for the Interception of Malocclusion in Children: A Systematic Narrative Hybrid Review. Children 10(11):1821. PMID 38002912. Quelle
  10. Ureni R, Verdecchia A, Suárez-Fernández C, Mereu M, Schirru R, Spinas E (2024). Effectiveness of Elastodontic Devices for Correcting Sagittal Malocclusions in Mixed Dentition Patients: A Scoping Review. Dentistry Journal 12(8):247. PMID 39195091. Quelle
  11. Korbmacher HM, Schwan M, Berndsen S, Bull J, Kahl-Nieke B (2004). Evaluation of a new concept of myofunctional therapy in children. International Journal of Orofacial Myology 30:39-52. PMID 15832861. Quelle
  12. Lear CS, Flanagan JB, Moorrees CF (1965). The frequency of deglutition in man. Archives of Oral Biology 10:83-100. PMID 14262163. Quelle
  13. Soulet R, Langlade M, Picaud M (1969). Etude céphalométrique de 20 cas traités exclusivement par activateurs de Soulet-Besombes. L’Orthodontie française 40:355-373. PMID 5270759. Quelle

Loslegen

Bereit für das Training?

Die kostenlose FaceFormer-App leitet die Grundübungen an, zählt mit und erinnert dich an die Einheiten. Auf Wunsch begleitet dich eine Praxis aus dem Behandlerverzeichnis.

Das FaceFormer-Training zielt darauf, die Basisfunktionen Atmung, Schlucken und Kopfbalance mit Mundschluss und Zungenreferenzlage wieder physiologisch einzustellen, und schafft damit die Voraussetzung dafür, dass sich Beschwerden bessern können. Es ersetzt keine ärztliche Abklärung. Behandlerinnen und Behandler in deiner Nähe findest du im Behandlerverzeichnis.


Jetzt FaceFormer kaufen

Modell Übersicht
ZERO Kinder Set
Der FaceFormer für Kinder von 2-10 Jahren
59,90€
2-10 Jahre
Erfolgsbuch Set
Facy Tragetasche/Nackenkissen
inkl. farbiger Hygienebox
ZER+ONE
Das Starter Set für Jugendliche und Erwachsene
64,33€
Bestes Angebot
Mit schwarzer & weißer Hygienebox
ZERO für den Einstieg
ZERO empfohlen für die nächtliche Anwendung
ONE für das fortgeschrittene Training
ONE blue/clear
Der FaceFormer für Jugendliche und Erwachsene
39,90€
In blau oder Kristallklar
inkl. farbiger Hygienebox
Für das FaceFormer Training
Sowohl für tägliches Training als auch nächtliche Anwendung geeignet

Schreibe einen Kommentar