Diabetes, Schlaf und Atmung: Was die Basisfunktionen damit zu tun haben

Fachartikel Schlaf und Stoffwechsel

Diabetes, Schlaf und AtmungWas die Nacht mit dem Blutzucker zu tun hat

Blutzucker wird nicht nur am Tag geregelt, sondern auch in der Nacht. Hier erfährst du, was Studien zu Schlafmangel, Schlafapnoe und Diabetes zeigen, was die Behandlung der Schlafapnoe am Blutzucker ändert und warum Atmung, Schlucken und Kopfbalance aus unserer Sicht zu den Stellschrauben einer ruhigen Nacht gehören.

Kennst du das?

Der Blutzucker ist ein Thema, und die Nächte sind unruhig?

Was trifft auf dich zu?

Tippe an, was auf dich zutrifft.

Treffen mehrere Punkte zu, lohnt ein Blick auf deine Nächte. Schlaf und Atmung im Schlaf hängen enger mit dem Zuckerstoffwechsel zusammen, als viele denken. Die Behandlung des Diabetes bleibt Sache deiner Praxis. In der Hand hast du das Muster, mit dem du atmest, schluckst und deinen Kopf trägst.

Schlafapnoe und DiabetesWas geprüft ist und was nicht
Das ersetzt keine Untersuchung. Es zeigt dir nur, wo du in diesem Artikel weiterlesen kannst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schlafmangel und gestörter Tiefschlaf verringern in Studien die Insulinempfindlichkeit gesunder Menschen, schon nach wenigen Nächten.
  • Obstruktive Schlafapnoe und Typ-2-Diabetes treten häufig gemeinsam auf. Ob die CPAP-Behandlung den Langzeitzucker senkt, ist nach den großen Studien offen.
  • Aus unserer Sicht beginnt die Kette einer unruhigen Nacht im Regelfall bei den Basisfunktionen Atmung, Schlucken und Kopfbalance. Eine stabile Basis aus diesen Funktionen ist bei jeder Stoffwechselerkrankung die beste Ausgangslage. Für den Blutzucker selbst ist das Training nicht untersucht, und es ersetzt die Behandlung des Diabetes nicht.

Video

Diabetes: Was Bewegung, Sauerstoff und Atmung mit dem Stoffwechsel zu tun haben

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Grundlagen

Diabetes in Kürze: Insulin, Zucker und die Zellen

Bevor es um Schlaf und Atmung geht, lohnt ein kurzer Blick darauf, was bei Diabetes im Stoffwechsel aus dem Takt gerät.

Jede Zelle gewinnt Energie aus Traubenzucker, der Glukose. Damit sie aus dem Blut in Muskel-, Leber- und Fettzellen gelangt, braucht es das Hormon Insulin aus der Bauchspeicheldrüse. Bei Diabetes mellitus, im Volksmund Zuckerkrankheit, bleibt zu viel Zucker im Blut. Auf Dauer belastet das Gefäße, Nerven, Augen und Nieren.

Typ 1Das Immunsystem zerstört die insulinbildenden Zellen. Insulin muss lebenslang zugeführt werden.
Typ 2Die Zellen sprechen schlechter auf Insulin an. Die häufigste Form, eng verknüpft mit Gewicht, Bewegung und Lebensstil.
InsulinresistenzDie nachlassende Empfindlichkeit der Zellen für Insulin, oft Jahre vor der Diagnose
HbA1cDer Langzeitzucker, ein Blutwert, der den Mittelwert der letzten rund drei Monate abbildet

Um Typ-2-Diabetes geht es in diesem Artikel. Er entwickelt sich langsam, und viele Faktoren wirken mit, Ernährung, Bewegung, Körpergewicht, Alter und Veranlagung.

Ein Faktor wird dabei oft übersehen, der Schlaf. Ob du nachts ruhig und tief schläfst oder ob dein Atem wiederholt stockt, hinterlässt Spuren im Stoffwechsel. Diese Spuren lassen sich messen.

Blutzucker messen gehört für viele Menschen mit Diabetes zum Alltag. Wie gut die Nacht war, steht auf keinem Messgerät.
Blutzucker messen gehört für viele Menschen mit Diabetes zum Alltag. Wie gut die Nacht war, steht auf keinem Messgerät.

Schlaf und Stoffwechsel

Schlaf und Blutzucker: die Nacht arbeitet mit

Schlaf ist keine Pause für den Stoffwechsel. Im Tiefschlaf stellt der Körper Hormone und Nervensystem neu ein, und das betrifft auch den Umgang mit Zucker.

An der Universität Chicago durften elf gesunde junge Männer sechs Nächte lang nur vier Stunden im Bett verbringen. Danach verarbeiteten sie Zucker schlechter als nach sechs Nächten mit ausgiebigem Schlaf. Das Stresshormon Cortisol war am Abend höher, und der Sympathikus, der aktivierende Teil des Nervensystems, arbeitete stärker1.

6Nächte

mit je vier Stunden im Bett genügten, um die Zuckerverwertung junger, gesunder Männer messbar zu verschlechtern1

0Minuten

weniger Schlaf, und trotzdem sank die Insulinempfindlichkeit deutlich, als gezielt nur der Tiefschlaf gestört wurde2

1,84faches Risiko

für späteren Typ-2-Diabetes hatten Menschen mit Durchschlafstörungen in einer Auswertung von 10 Studien mit 107.756 Personen3

Die zweite Kachel stammt aus einem besonders genauen Versuch. Dieselbe Arbeitsgruppe störte bei gesunden Erwachsenen nachts gezielt den Tiefschlaf, ohne die Schlafdauer zu verkürzen. Die Insulinempfindlichkeit sank, und zwar umso stärker, je mehr Tiefschlaf verloren ging2.

Es zählt also nicht nur, wie lange du schläfst, sondern auch, wie ungestört.

Unruhige Nächte mit häufigem Erwachen gehen in Studien mit einem höheren Diabetesrisiko einher.
Unruhige Nächte mit häufigem Erwachen gehen in Studien mit einem höheren Diabetesrisiko einher.

Der Blutzucker wird auch nachts geregelt.Wer über den Stoffwechsel spricht, sollte deshalb nach dem Schlaf fragen und nach der Atmung im Schlaf.

Schlafapnoe

Diabetes und Schlafapnoe: häufig ein Paar

Einer der häufigsten Gründe für zerstückelten Schlaf ist die obstruktive Schlafapnoe. Dabei fällt der Rachen im Schlaf wiederholt zu, und der Atem stockt.

Bei der obstruktiven Schlafapnoe verengt sich der obere Atemweg im Schlaf so weit, dass der Luftstrom für Sekunden nachlässt oder aussetzt. Das Gehirn reagiert mit einer kurzen Weckreaktion, der Atem setzt wieder ein, oft mit einem lauten Schnarcher. Das kann sich viele Male pro Stunde wiederholen, ohne dass du es bemerkst. Wie es dazu kommt, erklärt unser Artikel zu Schnarchen und Schlafapnoe.

86%

von 306 Menschen mit Übergewicht und Typ-2-Diabetes hatten in einer US-Studie eine Schlafapnoe, gemessen im Schlaf. Bei gut der Hälfte war sie mittel- oder schwergradig4

1,63faches Risiko

für neuen Typ-2-Diabetes hatten Menschen mit mittel- bis schwergradiger Schlafapnoe in einer Auswertung von sechs Langzeitstudien5

Der Zusammenhang läuft vermutlich in beide Richtungen. Schlafapnoe kann den Zuckerstoffwechsel belasten. Umgekehrt kann ein länger bestehender Diabetes Nerven schädigen, auch solche, die Atmung und Reflexe im Rachen steuern, und so gestörtes Atmen im Schlaf begünstigen6. Die Internationale Diabetes-Föderation rät Fachleuten deshalb, bei der einen Erkrankung stets an die andere zu denken7.

Hast du Diabetes und schnarchst du laut, oder hat jemand Atempausen bei dir bemerkt, sprich das in deiner Praxis an. Eine Messung im Schlaf, zu Hause oder im Schlaflabor, zeigt, ob eine Schlafapnoe vorliegt und wie ausgeprägt sie ist.

Erklärungsmodell

Was bei Atemaussetzern im Körper geschieht

Wie kann eine Störung im Rachen den Blutzucker berühren? Die Forschung beschreibt vor allem zwei Wege, den schubweisen Sauerstoffmangel und den zerstückelten Schlaf.

  1. Der Atemweg wird eng

    Im Schlaf gibt der Rachen nach, der Luftstrom nimmt ab oder setzt aus.

  2. Der Sauerstoff sinkt

    Die Sauerstoffsättigung im Blut fällt, das Kohlendioxid steigt.

  3. Das Gehirn schlägt Alarm

    Eine kurze Weckreaktion öffnet den Atemweg wieder. Der Tiefschlaf wird unterbrochen.

  4. Das Stresssystem springt an

    Puls, Blutdruck und aktivierender Sympathikus steigen, Nacht für Nacht, viele Male.

  5. Der Stoffwechsel reagiert

    Die Zellen sprechen schlechter auf Insulin an, der Zucker bleibt länger im Blut.

Den zweiten und vierten Schritt hat eine Arbeitsgruppe an der Johns Hopkins University im Labor nachgestellt. Dreizehn gesunde Freiwillige atmeten im Wachzustand fünf Stunden lang Luft mit schubweise gesenktem Sauerstoff. Danach war ihre Insulinempfindlichkeit geringer als an einem Vergleichstag, und die Herzfrequenzvariabilität zeigte ein Übergewicht des Sympathikus8.

Wie ein Nachtdienst mit ständigem Alarm

Stell dir einen Nachtdienst vor, in dem alle paar Minuten ein Alarm losgeht. Jedes Mal springst du auf, der Puls rast, dann legst du dich wieder hin. Am Morgen hast du zwar im Bett gelegen, erholt bist du nicht. So ähnlich erlebt der Körper eine Nacht mit vielen Atemaussetzern, und der Stoffwechsel arbeitet am nächsten Tag unter Stressbedingungen.

Damit ist nicht gesagt, dass Schlafapnoe Diabetes verursacht. Ernährung, Gewicht, Bewegung und Veranlagung bleiben die großen Faktoren. Die Nacht wird aber oft übersehen.

Studienlage

CPAP und Blutzucker: was die Studien zeigen

Wenn Schlafapnoe den Stoffwechsel belastet, müsste ihre Behandlung den Blutzucker verbessern. Ganz so einfach ist es nicht.

Die CPAP-Therapie hält den Rachen im Schlaf mit leichtem Überdruck über eine Maske offen. Sie ist der Standard bei mittel- und schwergradiger Schlafapnoe und verhindert die Atemaussetzer zuverlässig, solange das Gerät getragen wird. Ob sie auch den Langzeitzucker senkt, prüften 2016 zwei randomisierte Studien.

Internationale Studie, 298 Personen

  • Typ-2-Diabetes, relativ gut eingestellt, Schlafapnoe neu entdeckt
  • Sechs Monate CPAP oder übliche Versorgung
  • Kein Unterschied beim Langzeitzucker HbA1c, auch nicht bei regelmäßiger Nutzung9
  • Weniger Tagesmüdigkeit, mehr Lebensqualität

Spanische Studie, 50 Personen

  • Typ-2-Diabetes, nicht optimal eingestellt, Schlafapnoe
  • Sechs Monate CPAP oder keine CPAP, Diabetesmedikamente unverändert
  • Der HbA1c sank in der CPAP-Gruppe stärker als in der Vergleichsgruppe10
  • Insulinresistenz und Entzündungswerte besserten sich

Eine Übersichtsarbeit aus Chicago nennt die Ergebnisse zum Blutzucker widersprüchlich und sieht einen Grund darin, wie regelmäßig das Gerät tatsächlich getragen wird6. Aus unserer Sicht kommt ein zweiter Punkt hinzu. CPAP stützt den Atemweg von außen, solange die Maske sitzt. Das Muster, das den Rachen im Schlaf zufallen lässt, ändert sie nicht.

Das Bild der Krücke

Eine Krücke entlastet ein verletztes Bein und ist in dieser Zeit wichtig. Heilen muss der Knochen selbst. So sehen wir CPAP und andere Hilfsmittel. Sie nehmen dem Körper Arbeit ab, solange sie getragen werden. Die Steuerung des Atemwegs trainieren sie nicht.

Trägst du ein CPAP-Gerät oder eine Schiene gegen Schlafapnoe, setze es nie eigenmächtig ab. Ob und wann sich an der Behandlung etwas ändern kann, entscheidet deine Schlafmedizin anhand einer Kontrollmessung. Das Training der Basisfunktionen lässt sich mit der laufenden Behandlung kombinieren.

Funktion statt Symptom

Wo die Kette beginnt: Atmung, Schlucken und Kopfbalance

Schlafapnoe und Schnarchen stehen am Ende einer Kette. Aus unserer Sicht beginnt sie im Regelfall bei den Basisfunktionen, lange bevor die ersten Atemaussetzer auftreten.

Atmung

Bei locker geschlossenen Lippen und Nasenatmung entsteht im Mundraum ein leichter Unterdruck, der die Zunge am Gaumen hält. Wer durch den Mund atmet, verliert diesen Halt, und der Unterkiefer sinkt im Schlaf leichter nach hinten.

Schlucken

Viele hundert bis tausend Mal am Tag legt sich die Zunge beim Schlucken an den Gaumen. Jeder Schluck bindet Zunge, Gaumensegel und Rachen in einen Ablauf ein. Den Ausgangspunkt bildet die Zungenreferenzlage.

Kopfbalance

Balanciert der Kopf über dem Körper, bleibt der Raum im Rachen weit. Wandert er nach vorn, verändern sich aus unserer Sicht Spannung und Weite der oberen Atemwege.

Diese drei Funktionen arbeiten nicht getrennt, sondern als ein Muster, das wir den Triadischen Funktionskreis nennen. Weicht es von der Referenzordnung ab, etwa durch Mundatmung, eine tief liegende Zunge oder einen nach vorn verlagerten Kopf, gleicht der Körper aus. Das Nervensystem speichert diesen Ausgleich als bevorzugtes Muster.

Muskeln, die nicht in ihre Funktion eingebunden sind, werden nicht gebraucht und verlieren an Spannung. Im Rachen bedeutet das aus unserer Sicht, dass das Gewebe im Schlaf leichter nachgibt.

Schema: Bei Nasenatmung strömt die Luft durch die Nase in den Rachen, die Zunge liegt am Gaumen.
Schema: Bei Nasenatmung strömt die Luft durch die Nase in den Rachen, die Zunge liegt am Gaumen.
  1. Das Muster weicht ab

    Mundatmung, tief liegende Zunge, gestörte Kopfbalance, oft schon seit der Kindheit.

  2. Der Körper gleicht aus

    Das Nervensystem speichert den Ausgleich, er läuft automatisch.

  3. Das Gewebe verändert sich

    Der Rachen verliert an Spannung und wird im Schlaf enger.

  4. Beschwerden treten auf

    Schnarchen, Atemaussetzer, unruhige Nächte. Wann und wie stark, hängt von Ausmaß, Dauer und Alter ab.

Dazu kommt ein zweiter Weg. Nasenatmung bringt Stickstoffmonoxid aus den Nasennebenhöhlen in die Atemluft13. Bei Diabetes ist die Verfügbarkeit dieses Botenstoffs an der Gefäßwand häufig vermindert. Wenn man dieser Logik folgt, liegt der Schluss nahe, dass die Atemform für den Stoffwechsel nicht gleichgültig ist. Für den Blutzucker untersucht ist das nicht, plausibel und prüfbar ist es aus unserer Sicht.

Nach Dr. Berndsens Modell gibt es einen dritten Weg über den Vagusnerv. Er verbindet die Schaltstellen für Atmung und Schlucken im Hirnstamm mit Magen, Darm und Bauchspeicheldrüse, und schon beim Essen stößt er über diesen Weg eine erste Insulinfreisetzung an. Ob ein geordnetes Schluckmuster darüber den Zuckerstoffwechsel mitbestimmt, ist nicht untersucht. Es ist ein Modell, kein Ersatz für Antidiabetika, und an deiner verordneten Diabetestherapie ändert es nichts.

Einordnung

Die Basisfunktionen als Stellschraube für die Nacht

Was heißt das für Menschen mit Diabetes? Es heißt nicht, dass ein Training den Diabetes behandelt. Es heißt, dass die Nacht ein Faktor ist, an dem du selbst arbeiten kannst.

Unser Erklärungsmodell verbindet zwei Glieder. Das erste ist gut belegt, gestörter Schlaf und Atemaussetzer belasten den Zuckerstoffwechsel. Das zweite ist unser Ansatz, ein stabiles Muster aus Atmung, Schlucken und Kopfbalance ist aus unserer Sicht die Voraussetzung für einen Atemweg, der im Schlaf offen bleibt. Ob beide Glieder zusammen den Blutzucker verändern, hat niemand untersucht.

9Studien

mit 120 Erwachsenen werteten Forschende aus Stanford zur myofunktionellen Therapie bei Schlafapnoe aus, also zu Übungen für Zunge, Gaumen und Rachen11

50%

betrug im Mittel der Rückgang der Atemaussetzer pro Stunde bei den Erwachsenen in diesen Studien, Schnarchen und Tagesmüdigkeit nahmen ab11

Diese Studien untersuchen nicht den FaceFormer, sondern andere Übungsprogramme, und sie messen keinen Blutzucker. Sie zeigen aber, dass sich die Spannung der oberen Atemwege durch aktives Training beeinflussen lässt. Die Autoren sehen die Übungen als Ergänzung zu anderen Behandlungen11, so verstehen auch wir das Training.

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Evidenz ehrlich

Was geprüft ist und was nicht

Bei einer Erkrankung wie Diabetes zählt Klarheit darüber, was man weiß und was man nur vermutet.

Gut belegt

  • Schlafmangel und gestörter Tiefschlaf verringern die Insulinempfindlichkeit
  • Schlafapnoe ist bei Typ-2-Diabetes häufig
  • Schubweiser Sauerstoffmangel belastet den Zuckerstoffwechsel
  • Übungen für die oberen Atemwege können Atemaussetzer verringern

Nicht untersucht

  • Ob das FaceFormer-Training den Blutzucker oder den HbA1c verändert
  • Ob Nasenatmung über Stickstoffmonoxid den Zuckerstoffwechsel beeinflusst
  • Ob es den Bedarf an Diabetesmedikamenten beeinflusst
  • Ob es bei Menschen mit Diabetes Atemaussetzer verringert
  • Wie groß ein möglicher Effekt über den Schlaf wäre

Aus dem Fehlen einer Untersuchung folgt nicht, dass der Zusammenhang nicht besteht. Es folgt, dass er nicht geprüft ist.Deshalb erklären wir beim Blutzucker unser Modell und sagen offen, wo es noch nicht geprüft ist.

Den Diabetes behandelt deine Praxis, das Training ersetzt keine Therapie. Aus unserer Sicht ist eine stabile Basis aus Atmung, Schlucken und Kopfbalance bei jeder Stoffwechselerkrankung die beste Ausgangslage, weil Schlaf, Atemweg und Stressregulation darauf aufbauen. Für den Blutzucker selbst gibt es keine Untersuchung, für den Schlaf als Stellschraube gibt es die Studien oben. Berichte einzelner Anwender über veränderte Blutzuckerwerte sind Einzelbeobachtungen, nicht systematisch erfasst.

Nutzt du Insulin oder Tabletten, die den Blutzucker senken, ändere die Dosis nie auf eigene Faust. Jede Umstellung im Alltag, etwa mehr Bewegung oder anderer Schlaf, kann deine Werte verschieben. Sprich Veränderungen mit deiner Praxis oder deinem Diabetesteam ab. Was die Studienlage zum FaceFormer insgesamt hergibt, findest du auf unserer Seite Studien und Wissenschaft.

Training

Das Muster trainieren: Atmung, Schlucken und Kopfbalance

Ein Atemmuster ändert sich nicht durch einen Vorsatz. Es ist ein gespeicherter Ablauf, und der ändert sich durch Wiederholung.

Im FaceFormer-Training liegt der FaceFormer im Mundvorhof, hinter den Lippen und vor den Zähnen. In der Grundübung schließt du die Lippen um den Lippenkeil, die Zungenspitze liegt an der kleinen Erhebung hinter den oberen Schneidezähnen, der Kopf ist aufrecht balanciert. Du beißt kurz auf und schluckst. Lippenschluss, Nasenatmung, Zungenreferenzlage, Schluckakt und Kopfbalance übst du so in einem Ablauf.

Ab etwa Woche 6 kommt die Atemübung dazu. Du atmest rund sechs Sekunden durch die Nase ein, hältst kurz inne, beißt auf und schluckst, und atmest dann sechs Sekunden lang aus.

Langsame, ruhige Nasenatmung spricht den beruhigenden Teil des Nervensystems an. Mehr dazu erklärt unser Artikel zum Vagusnerv. Die Atempause steigerst du in kleinen Schritten, nur so weit, wie es angenehm ist.

Die Atemübung aus Modul 7: sechs Sekunden ein, Pause mit Aufbeißen und Schlucken, sechs Sekunden aus.
  1. Ab Tag 1

    Grundübung

    Dreimal täglich wenige Minuten mit dem FaceFormer ZERO, die Wiederholungen steigerst du Woche für Woche.

  2. Nach 2 bis 3 Wochen

    Die Nacht kommt dazu

    Sitzt die Grundübung, trägst du den ZERO auch nachts, als Ergänzung zum Tagestraining, nicht als Ersatz.

  3. Nach einigen Wochen

    Wechsel auf den ONE

    Tagsüber trainierst du mit dem FaceFormer ONE. Er ist gleich groß und geformt wie der ZERO, nur aus festerem Material.

  4. Ab etwa Woche 6

    Atemübung

    Die Atemübung verbindet das Training mit ruhiger Nasenatmung und Atempausen, die mit der Zeit länger werden.

  5. Über 6 bis 12 Monate

    Das Muster läuft von selbst

    Bis die neuen Abläufe ohne Nachdenken laufen, auch im Schlaf, rechnet das Übungsmanual mit sechs bis zwölf Monaten, danach folgt ein Erhaltungstraining.

Die kostenlose FaceFormer-App leitet die Grundübungen an, alle Module findest du auf den Übungsseiten. Nur nachts zu tragen reicht nicht, der FaceFormer ist ein Trainingsgerät und keine passive Stütze.

Sicherheit

Grenzen und Sicherheit: wann du vorher Rücksprache hältst

Der FaceFormer ist ein nicht invasives Medizinprodukt der Klasse I aus medizinischem Silikon. Einige Lagen verlangen trotzdem Geduld oder eine Rücksprache vorab.

Schlafapnoe

Bei festgestellter obstruktiver Schlafapnoe trainierst du begleitend zur ärztlichen Behandlung, nicht an ihrer Stelle.

Akute Entzündung

Entzündungen in Mund, Rachen oder Atemwegen und eine vollständig verlegte Nase erst abklingen lassen.

Frische Operation

Nach Eingriffen im Mund und bei akuter Kiefergelenksblockade mit starken Schmerzen erst nach Rücksprache.

Neuromuskuläre Erkrankung

Bei degenerativen Erkrankungen wie ALS, fortgeschrittenem Parkinson oder Bulbärparalyse nur nach ärztlicher Rücksprache.

Zu Beginn melden viele Anwenderinnen und Anwender Muskelermüdung, Druck an den Zähnen oder, nach langer Mundatmung, gereizte Schleimhäute. Nachts fällt das Gerät anfangs öfter heraus. Dann pausierst du kurz und machst mit weniger Wiederholungen oder dem weicheren ZERO weiter.

Das Training ersetzt weder die Diabetesbehandlung noch die Behandlung einer Schlafapnoe. Verordnete Medikamente, Insulin, CPAP oder Schiene setzt du nie eigenmächtig ab. Wie sich das Training mit anderen Therapien verbinden lässt, beschreibt die Seite FaceFormer und andere Behandlungen.

Alltag

Was du selbst für Schlaf und Stoffwechsel tun kannst

Der am besten belegte Hebel bei Typ-2-Diabetes liegt im Alltag.

58%

weniger neue Diabetesfälle gab es in einer großen US-Studie mit 3.234 Menschen mit erhöhten Zuckerwerten, wenn sie Gewicht verloren und sich mindestens 150 Minuten pro Woche bewegten12

01

Bewegung zuerst

Regelmäßige Bewegung verbessert die Insulinempfindlichkeit. Schon zügiges Gehen zählt, am besten verteilt über die Woche.

02

Genug Schlaf einplanen

Gib deinem Schlaf feste Zeiten und genug Stunden. Studien zeigen, dass kurzer wie gestörter Schlaf mit einem höheren Diabetesrisiko einhergeht.

03

Schnarchen ernst nehmen

Lautes Schnarchen und beobachtete Atempausen sind ein Grund, eine Messung im Schlaf zu besprechen, gerade bei Diabetes.

04

Lippen zu, Nase auf

Die Lippen liegen locker aneinander, die Zungenspitze am Referenzpunkt. So bleibt der Mundraum dicht, und die Luft nimmt von selbst den Weg durch die Nase.

05

Kein Mundtape

Den Mund nachts zuzukleben empfehlen wir nicht. Tape schließt die Lippen mechanisch, das Muster ändert es nicht. Mehr dazu im Artikel zu Mouth Taping.

06

Verordnetes beibehalten

Medikamente, Insulin und CPAP bleiben, wie verordnet. Änderungen besprichst du mit deiner Praxis.

Fragen

Häufig gefragt

Hängen Diabetes und Schlafapnoe zusammen?

Ja, sie treten häufig gemeinsam auf. In einer US-Studie hatten über 86 % der Menschen mit Übergewicht und Typ-2-Diabetes eine Schlafapnoe. Langzeitstudien zeigen außerdem, dass eine mittel- bis schwergradige Schlafapnoe mit einem höheren Risiko einhergeht, später an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Der Zusammenhang läuft vermutlich in beide Richtungen.

Kann Schlafmangel den Blutzucker erhöhen?

In Studien verschlechterte schon eine Woche mit vier Stunden Schlaf pro Nacht die Zuckerverwertung gesunder junger Männer. Auch wer gleich lange schläft, aber kaum Tiefschlaf bekommt, reagiert schlechter auf Insulin. Wie stark sich das im Einzelfall auf deine Werte auswirkt, hängt von vielen weiteren Faktoren ab.

Senkt CPAP den Blutzucker?

Die Ergebnisse sind widersprüchlich. Eine große internationale Studie fand nach sechs Monaten keinen Unterschied beim Langzeitzucker, eine kleinere spanische Studie bei schlechter eingestellten Personen dagegen schon. CPAP bleibt der Standard bei mittel- und schwergradiger Schlafapnoe, weil es die Atemaussetzer zuverlässig verhindert, solange es getragen wird.

Hilft das FaceFormer-Training bei Diabetes?

Den Diabetes behandelt deine Praxis, das Training ersetzt keine Therapie. Aus unserer Sicht ist eine stabile Basis aus Atmung, Schlucken und Kopfbalance bei jeder Stoffwechselerkrankung die beste Ausgangslage, weil Schlaf, Atemweg und Stressregulation darauf aufbauen. Für den Blutzucker selbst gibt es keine Untersuchung. Dass gestörter Schlaf den Zuckerstoffwechsel belastet und sich die oberen Atemwege trainieren lassen, zeigen dagegen Studien.

Darf ich mit Diabetes den FaceFormer benutzen?

Diabetes allein spricht nicht gegen das Training. Achte zu Beginn auf Druckstellen im Mund und pausiere, wenn die Schleimhaut gereizt ist. Bei akuten Entzündungen, frischen Eingriffen im Mund oder degenerativen neuromuskulären Erkrankungen hältst du vorher ärztliche Rücksprache. Deine Diabetesmedikamente änderst du nicht auf eigene Faust.

Was kann ich bei Typ-2-Diabetes selbst tun?

Am besten belegt sind Bewegung und ein gesünderes Körpergewicht. In einer großen Studie mit Menschen mit erhöhten Zuckerwerten senkte ein solches Lebensstilprogramm die Zahl neuer Diabetesfälle um 58 %. Dazu kommen genug und ruhiger Schlaf und, wenn du laut schnarchst, eine Abklärung auf Schlafapnoe.

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Dr. Klaus-Jürgen Berndsen
Dr. Klaus-Jürgen BerndsenEntwickler der FaceFormer-Therapie. Inhaltliche Grundlage: das Buch „Trust the Triad“. Stand: September 2026.

Quellen

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