
Fachartikel Gesicht
Gesichtsasymmetrie und schiefer KieferWenn die Mitte verrutscht
Eine Gesichtshälfte wirkt breiter, das Kinn steht schief, der Unterkiefer weicht beim Öffnen zur Seite aus? Hier erfährst du, warum kein Gesicht spiegelgleich ist, wann hinter einem schiefen Kiefer eher die Lage als die Knochenform steckt, welche Rolle Kaumuskeln und Zunge dabei spielen und wie das Training von Atmung, Schlucken und Kopfbalance ansetzt.
Kennst du das?
Das Gesicht wirkt schief, und du fragst dich, warum?
Was trifft auf dich zu?
Tippe an, was auf dich zutrifft.
Treffen mehrere Punkte zu, lohnt ein genauer Blick darauf, wie dein Unterkiefer geführt wird. Eine Gesichtsasymmetrie hat verschiedene Ebenen: die Form der Knochen, die Lage des Unterkiefers und die Spannung der Muskeln. Lage und Spannung hängen an Mustern, und Muster lassen sich trainieren.
Lage oder Form?Die Zunge als DrehpunktDas Wichtigste in Kürze
- Kein Gesicht ist spiegelgleich. Leichte Unterschiede zwischen beiden Hälften sind normal, am häufigsten fällt ein Unterschied am Kinn auf.
- Ein schiefer Unterkiefer ist nicht zwingend ein ungleich gewachsener Knochen. Oft steht der Unterkiefer aus der Mitte verschoben, weil Kaumuskeln ungleich ziehen und die Zunge als innerer Drehpunkt zu wenig Spannung hat.
- Aus unserer Sicht setzt man deshalb am Zusammenspiel an, nicht an einer Seite. Das Training von Atmung, Schlucken und Kopfbalance kann die Voraussetzungen schaffen, dass sich Lage und Muskelspannung neu ordnen und der Unterkiefer wieder ins Gleichgewicht findet.
Video
Schiefer Kiefer und Gesichtsasymmetrie: Ursachen verstehen
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Symmetrie
Asymmetrisches Gesicht: Kein Gesicht ist spiegelgleich
Wer ein Foto von sich spiegelt, erschrickt oft. Das gespiegelte Bild wirkt fremd, weil die beiden Gesichtshälften nie genau gleich sind.
Von einer Gesichtsasymmetrie spricht man, wenn sich die linke und die rechte Gesichtshälfte in Größe, Form oder Lage unterscheiden. Ein gewisses Maß davon gehört zu jedem Gesicht. Das Auge nimmt es selten wahr, und es stört niemanden. Eine auffällige Asymmetrie ist kein Krankheitszeichen. Aus unserer Sicht ist sie aber ein Indikator dafür, dass Atmung, Schlucken und Kopfbalance aus dem Gleichgewicht geraten sind. Genauer hinschauen lohnt sich, wenn sie zunimmt, mit Beschwerden einhergeht oder dich selbst beschäftigt.
besonders ausgewogenen Gesichtern zeigten auf Röntgenaufnahmen messbare Unterschiede zwischen beiden Seiten. Zum Schädel hin wurden sie kleiner1
von 1.460 Personen, die eine Universitätsklinik für Kiefer- und Gesichtsfehlstellungen in den USA untersuchte, hatten eine sichtbare Gesichtsasymmetrie2
dieser Asymmetrien betrafen das Kinn, 36 % das Mittelgesicht mit der Nase und nur 5 % das obere Gesicht2
Je weiter unten im Gesicht, desto größer also die Unterschiede. Das Kinn sitzt am Unterkiefer, dem einzigen beweglichen Knochen des Schädels. Eine japanische Auswertung an 1.800 kieferorthopädischen Patientinnen und Patienten fand bei einer Kinnabweichung in rund 79 % der Fälle eine Abweichung nach links. Die Autoren halten diese Seitenneigung eher für angeboren als für erworben3. Eine Übersichtsarbeit beschreibt Asymmetrie als häufig und oft unterhalb der sichtbaren Schwelle4.
Schiefer Kiefer
Schiefer Kiefer: Lage oder Form?
Viele Betroffene hören, eine Kieferhälfte sei länger als die andere. Das kommt vor. Häufig steht aber nicht der Knochen schief, sondern seine Lage.
Der Unterkiefer hängt an zwei Gelenken und wird von Muskeln gehalten. Ziehen sie beidseits gleich, steht er mittig unter dem Schädel, und die Zahnreihen passen zusammen. Ziehen sie ungleich, weicht er zu einer Seite aus.
Das zeigt sich zuerst an der Mittellinie. Die Mitte der unteren Schneidezähne liegt nicht mehr unter der Mitte der oberen, und das Kinn wandert mit.

Bei diesen Erwachsenen lag der Unterschied also in der Lage, nicht in der Form des Kiefers. Das deckt sich mit unserer Beobachtung aus der Praxis. Eine Gesichtsasymmetrie entsteht aus unserer Sicht im Regelfall durch eine Verschiebung des Unterkiefers, die Muskeln über Jahre ausbilden. Ein ungleich gewachsener Knochen ist seltener und gehört ärztlich abgeklärt.
Selbsttest vor dem Spiegel: Öffne langsam den Mund, so weit es angenehm geht. Was macht deine Kinnspitze?
Kaumuskeln
Die Muskeln, die am Unterkiefer ziehen
Kauen, Schlucken und Sprechen verlangen vom Unterkiefer feine Bewegungen in alle Richtungen. Dafür setzen an ihm mehrere kräftige Muskelpaare an.
Außen liegen der Masseter an der Wange und der Temporalis an der Schläfe. Beide schließen den Kiefer mit großer Kraft. Innen, hinter dem Kieferast, liegen die Pterygoidmuskeln. Sie schieben den Unterkiefer nach vorn und zur Seite.
Alle diese Muskeln kommen paarig vor, einmal links und einmal rechts. Die Mitte des Unterkiefers ergibt sich aus dem Gleichgewicht der beiden Seiten.

Dieses Gleichgewicht verschiebt sich im Alltag leicht. Wer bevorzugt auf einer Seite kaut, auf derselben Seite schläft, den Kopf beim Lesen aufstützt oder den Kopf beim Arbeiten schräg hält, fordert die Muskeln beider Seiten ungleich. Aus unserer Sicht entscheidet aber nicht die einzelne Gewohnheit, sondern ob der Unterkiefer eine Mitte hat, zu der er zurückkehrt.
Der Knochen ist nicht zu lang. Der Unterkiefer wird aus der Mitte gezogen.Eine muskulär bedingte Verschiebung entwickelt sich über Jahre. Sie setzt sich fort, solange das Muster, das sie erzeugt, weiterläuft.
Zungenreferenzlage
Die Zunge als Drehpunkt des Unterkiefers
Die Kaumuskeln ziehen von außen. Von innen hält die Zunge dagegen. Nach unserem Modell ist sie das Widerlager, an dem sich der Unterkiefer zentriert.
In der Zungenreferenzlage liegt die Zungenspitze an der kleinen Erhebung hinter den oberen Schneidezähnen, der Zungenkörper legt sich mit Spannung an den Gaumen. Nach jedem Schluck kehrt die Zunge in diese Form zurück, viele hundert bis tausend Mal am Tag. Mehr dazu im Artikel Zungenruhelage und Zungenreferenzlage.
Wie ein Zelt mit Mittelstange
Ein Zelt steht gerade, wenn die Mittelstange trägt und die Abspannleinen beidseits gleich gespannt sind. Fehlt die Stange, reicht eine etwas straffere Leine, und das Zelt kippt zur Seite. So sehen wir den Unterkiefer. Die Kaumuskeln sind die Leinen, die gespannte Zunge ist die Stange in der Mitte, der Fachbegriff dafür lautet Hypomochlium, Drehpunkt.
Liegt die Zunge mit Spannung am Gaumen und schließen die Lippen, findet der Unterkiefer seine Lage. Sinkt die Zunge ab, etwa weil der Mund offen steht, fehlt der innere Drehpunkt.
Dann bestimmen allein die äußeren Muskeln, wo der Unterkiefer steht, und kleine Unterschiede zwischen links und rechts bekommen Gewicht.
Bei Mundatmung fehlt diese Zungenspannung weitgehend, denn die Zunge muss den Weg für die Luft freigeben und liegt unten. Deshalb steht Mundatmung aus unserer Sicht am Anfang vieler Kausalketten, die bis zu einer Asymmetrie führen können. Auch das Schluckmuster gehört dazu. Schluckt jemand mit der Zunge zwischen den Zähnen, fehlt der Drehpunkt bei jedem Schluck.
Kausalkette
Wie aus einer Verschiebung eine Asymmetrie wird
Eine sichtbare Gesichtsasymmetrie steht aus unserer Sicht selten am Anfang. Sie ist eher das Ende einer Entwicklung, die früh beginnt.
Das Steuerungsmuster weicht ab
Mundatmung, eine tief liegende Zunge ohne Spannung, ein Schluckmuster ohne Zahnkontakt oder eine Kopfbalance außerhalb der Mitte. Oft beginnt das schon in der Kindheit.
Die Kaumuskeln übernehmen
Ohne den inneren Drehpunkt führen die äußeren Muskeln den Unterkiefer allein. Eine Seite zieht stärker, der Kiefer weicht beim Schließen aus.
Das Nervensystem speichert die Lösung
Die Verschiebung wird zur gewohnten Lage. Viele hundert Schlucke und Bisse am Tag bestätigen sie, ohne dass du es merkst.
Gewebe passt sich an
Zahnkontakte, Kiefergelenke und Weichteile richten sich nach der neuen Lage. Bei Kindern kann aus der Lage mit der Zeit auch eine Form werden.
Die Asymmetrie wird sichtbar
Das Kinn steht schief, eine Wange wirkt voller. Dazu kommen bei vielen Beschwerden an Kiefer, Kopf oder Nacken.
Die Kette zeigt, warum wir von Harmonisieren sprechen und nicht vom Korrigieren einer Seite. Die Asymmetrie ist aus unserer Sicht nicht die Ursache, sondern das sichtbare Ergebnis eines Musters. Wo sie im Einzelfall beginnt, ist verschieden. Dass sie über Jahre entsteht, erklärt auch, warum sich eine Veränderung nicht in Wochen einstellt.
Kinder
Bei Kindern formt die Lage den Knochen
Im Wachstum ist der Kiefer formbar. Was Muskeln und Zunge ihm vorgeben, kann sich deshalb in der Knochenform niederschlagen.
der 401 Kinder, die eine brasilianische Ambulanz für Mundatmer untersuchte, hatten einen seitlichen Kreuzbiss, fast 30 % im Milch- und Wechselgebiss, 48 % im bleibenden Gebiss. Mehr als die Hälfte hatte eine regelrechte Bisslage6
mit einseitigem Kreuzbiss und seitlich ausweichendem Unterkiefer untersuchte eine Arbeit in Dallas. Der Unterkiefer war auf der Seite ohne Kreuzbiss länger. Nach Erweiterung des Oberkiefers war keine signifikante Formasymmetrie mehr messbar7
Beim seitlichen Kreuzbiss beißen obere Backenzähne einer Seite innen auf die unteren statt außen. Um die Zähne zusammenzubringen, weicht der Unterkiefer oft zur Seite aus.
Die Arbeit aus Dallas zeigt, dass aus dieser Lage im Kindesalter eine messbare Formasymmetrie werden kann, und dass sie sich bei früher Behandlung wieder angleichen kann. Früh auf Mundatmung, Zunge und Schlucken zu achten, lohnt sich deshalb.

Fällt dir bei deinem Kind ein schiefer Biss, ein seitlich ausweichendes Kinn oder ein dauernd offener Mund auf, lass es kieferorthopädisch ansehen. Das Training lässt sich mit einer Zahnspange kombinieren. Wie Kinder üben, steht unter FaceFormer für Kinder.
Kopfbalance
Kiefer und Nacken arbeiten zusammen
Der Unterkiefer bewegt sich nie allein. Bei jedem Öffnen und Schließen arbeiten Hals- und Nackenmuskeln mit.
Eine Arbeitsgruppe in Hangzhou leitete bei Menschen mit entwicklungsbedingter Unterkieferasymmetrie die Aktivität von Kaumuskel, Mundboden, Kopfwender und Trapezmuskel ab. Kopfwender und Kaumuskel arbeiteten gemeinsam, bei den Betroffenen deutlich unsymmetrischer als bei Gesunden8.
Die Autoren halten es für möglich, dass diese ungleiche Aktivität zu Schmerzen an Kiefergelenk und Nacken beiträgt. Belegt ist die Kopplung, die Richtung bleibt offen.

von 352 Kindern mit einer Asymmetrie am Übergang von Kopf und Halswirbelsäule hatten in einer Hamburger Untersuchung orofaziale Funktionsstörungen. Es ist eine Korrelation in einer ausgewählten Gruppe, keine Therapiestudie9
Für uns folgt daraus, dass eine Asymmetrie im Gesicht selten nur im Gesicht liegt. Steht der Kopf schräg oder nach vorn, verschieben sich die Zuglinien, die den Unterkiefer führen. Umgekehrt zieht ein verschobener Unterkiefer die Halsmuskeln mit. Wer nur am Kiefer ansetzt, lässt die Kopfbalance außen vor.
Folgen
Was mit einem schiefen Unterkiefer einhergehen kann
Ein schiefer Kiefer ist mehr als eine Frage der Optik. Weil Kiefer, Zunge, Atemwege und Nacken zusammenhängen, zeigen sich Folgen oft an mehreren Stellen.
Einseitiges Kauen
Eine Seite übernimmt mehr Arbeit, die Muskeln dieser Seite werden kräftiger, die Verschiebung nimmt zu.
Ungleiche Gesichtszüge
Das Kinn steht aus der Mitte, eine Wange oder ein Mundwinkel wirkt anders als die andere Seite.
Kiefergelenk
Knacken, Reiben oder Schmerzen, weil beide Gelenke ungleich belastet werden.
Kopf und Nacken
Verspannungen, Kopfschmerzen und eine schräge Kopfbalance, die sich mit dem Kiefer gegenseitig verstärken können.
Zähne
Ungleiche Zahnkontakte, Abrieb auf einer Seite und ein Biss, der sich nicht mehr passend anfühlt.
Atmung
Ein offener Mund, Mundatmung und eine tiefe Zunge gehören oft zum selben Muster.
Entsteht eine Asymmetrie plötzlich, nimmt sie im Erwachsenenalter spürbar zu oder kommen Schwellung, Taubheit oder eine Lähmung im Gesicht dazu, gehört das zuerst ärztlich abgeklärt. Dasselbe gilt für Säuglinge mit schiefer Kopfhaltung. Das Training kann ergänzen, bei Gesichtslähmungen etwa mit gezielten Zugübungen.
Behandlungen einordnen
Zahnspange, Schiene, Operation: was sie verändern
Für einen schiefen Kiefer gibt es mehrere etablierte Behandlungen. Sie setzen an Form und Position an, und wir sagen offen, wo wir sie anders sehen.
Kieferorthopädie
Bewegt Zähne und kann bei Kindern das Wachstum des Oberkiefers lenken, etwa beim Kreuzbiss. Danach soll ein Retainer das Ergebnis zementieren, weil man davon ausgeht, dass die Zähne sonst zurückwandern. Zähne wandern aber nicht von allein, es wirken Kräfte. Der Retainer hält von außen dagegen und kann die Zunge zusätzlich irritieren.
Aufbissschiene
Gibt dem Unterkiefer eine Position von außen vor. Du beißt auf, eine echte Führung gibt die Schiene nicht, und die Kaumuskulatur wird eher getriggert als beruhigt. Die Belastung verlagert sich aus unserer Sicht auf Muskeln und Gelenke, und nimmst du die Schiene heraus, arbeitet die gewohnte Steuerung weiter.
Kiefer-OP
Stellt bei ausgeprägter knöcherner Asymmetrie die Kiefer neu zueinander. Steht der Kiefer dagegen aus Lage und Muskelzug schief, halten wir eine Operation für eine schlechte Idee, weil sie nicht an der Ursache ansetzt. Mehr unter Kiefer-OP (BiMax).
Alle drei verändern Form oder Position. Das Muster, das den Unterkiefer führt, also Zungenreferenzlage, Schlucken, Atmung und Kopfbalance, verändern sie nicht. Solange dieses Muster weiterläuft, wirken dieselben Kräfte weiter. Aus unserer Sicht erklärt das, warum Zähne nach einer Behandlung zurückwandern können und warum alte Bewegungsmuster nach einer Operation gegen die neue Position arbeiten.
Eine Behandlung kann die Position herstellen. Halten muss sie die Funktion.Deshalb lassen sich ärztliche und kieferorthopädische Behandlungen mit dem Training der Basisfunktionen kombinieren.
Trägst du eine Schiene, eine Zahnspange oder einen Retainer auf ärztlichen Rat, setz nichts davon eigenmächtig ab und besprich Änderungen mit deiner Praxis. Beim Retainer lohnt es sich aus unserer Sicht, den Halt schrittweise nach innen zu verlagern, mit Zungenreferenzlage, Schlucken und Nasenatmung. Wie das Training zu anderen Verfahren steht, liest du unter FaceFormer und andere Behandlungen.
Training
Harmonisieren statt Symptome bekämpfen
Ein Unterkiefer, der jahrelang aus der Mitte gezogen wurde, lässt sich nicht mit einem Vorsatz zurückstellen. Was sich ändern muss, ist das Muster, das ihn führt.
Das FaceFormer-Training setzt an den Basisfunktionen Atmung, Schlucken und Kopfbalance an, und dabei an der Zunge als innerem Drehpunkt. Der FaceFormer liegt im Mundvorhof hinter den Lippen. In der Grundübung presst du den Lippenkeil, beißt kurz auf und schluckst. Der Unterdruck zieht die Zunge an den Gaumen, und der Unterkiefer schließt aus seiner Mitte heraus.
Bei der Zugübung in variierende Richtungen ziehst du den Lippenkeil zur Seite, nach rechts, nach links oder diagonal, und schluckst dabei. Die Übung wird unter anderem zum Zentrieren des Unterkiefers beim Schlucken eingesetzt.
Welche Richtung zu deiner Ausgangslage passt, legst du am besten in Absprache mit einer Praxis fest. Ohne diese Absprache bleibst du bei der Zugübung nach vorn.
- Ab Tag 1
Grundübung
Dreimal täglich wenige Minuten mit dem FaceFormer ZERO. Die kostenlose App leitet dich an.
- Ab etwa Woche 3
Zugübung und Nacht
Die Zugübung kommt dazu, nach Absprache in variierenden Richtungen. Nachts trägst du den ZERO, sobald die Grundübung sitzt.
- Nach einigen Wochen
Wechsel auf den ONE
Tagsüber trainierst du mit dem FaceFormer ONE. Er ist gleich groß und geformt wie der ZERO, nur aus festerem Material.
- Im weiteren Verlauf
Kopfbalance
Mit der Kopf-Balance-Rotation beziehst du die Kopfbalance in den Ablauf ein.
- Über Monate
Das Muster läuft von selbst
Bis die neuen Abläufe ohne Nachdenken laufen, rechnet das Übungsmanual mit sechs bis zwölf Monaten, danach folgt ein Erhaltungstraining.
Nach unserer Erfahrung ist eine anhaltende Verbesserung auch ohne invasiven Eingriff möglich, wenn die Asymmetrie aus gestörten Basisfunktionen entstanden ist und du konsequent trainierst. Wie weit sich Lage und Gesicht im Einzelfall verändern, lässt sich nicht vorhersagen.
Eine Studie, die das FaceFormer-Training bei Gesichtsasymmetrie untersucht hat, gibt es nicht. Aus dem Fehlen einer Untersuchung folgt nicht, dass der Zusammenhang nicht besteht, er ist schlicht nicht geprüft. Was zum Training vorliegt, findest du unter Studien und Wissenschaft.
Alltag
Den Unterkiefer im Alltag entlasten
Beide Seiten kauen
Achte darauf, ob du eine Kauseite bevorzugst, und verteile die Arbeit bewusst auf beide Seiten.
Zunge an den Gaumen
Zwischen den Mahlzeiten liegt die Zungenspitze am Referenzpunkt, die Lippen locker geschlossen, die Zähne ohne Druck.
Durch die Nase atmen
Nasenatmung hält den Mund zu und gibt der Zunge ihren Platz am Gaumen.
Kopf nicht aufstützen
Das Kinn in der Hand beim Lesen oder am Bildschirm schiebt den Unterkiefer einseitig. Richte den Arbeitsplatz so ein, dass dein Kopf frei balanciert.
Kaugummi weglassen
Dauerndes Kauen trainiert genau die Muskeln, die ohnehin stark ziehen, und stört die Bildung eines neuen Musters.
Geduld mit dem Muster
Was über Jahre entstanden ist, ordnet sich über Monate. Du musst dranbleiben, es kann sich lohnen. Regelmäßiges Üben zählt mehr als einzelne lange Einheiten.
Fragen
Häufig gefragt
Ist ein asymmetrisches Gesicht normal?
Ja. Kein Gesicht ist spiegelgleich. Selbst besonders ausgewogene Gesichter zeigen auf Röntgenbildern messbare Unterschiede zwischen beiden Seiten. Die größten Unterschiede finden sich im unteren Gesicht, am häufigsten am Kinn. Eine auffällige Asymmetrie ist kein Krankheitszeichen, aus unserer Sicht aber ein Hinweis auf ein Ungleichgewicht von Atmung, Schlucken und Kopfbalance. Genauer hinschauen lohnt sich, wenn die Asymmetrie zunimmt, mit Beschwerden einhergeht oder der Unterkiefer beim Öffnen zur Seite ausweicht.
Was sind die Ursachen einer Gesichtsasymmetrie?
Es gibt angeborene und erworbene Ursachen, etwa ungleiches Wachstum, Verletzungen, Lähmungen oder Erkrankungen des Kiefergelenks. Häufig liegt aus unserer Sicht im Regelfall aber eine Verschiebung des Unterkiefers zugrunde, die Muskeln über Jahre ausbilden. Mundatmung, eine Zunge ohne Spannung und eine gestörte Kopfbalance stehen am Anfang vieler solcher Kausalketten.
Ist bei einem schiefen Kiefer eine Kieferhälfte länger?
Das kommt vor, ist aber seltener, als oft angenommen. In einer Untersuchung an Erwachsenen mit einseitigem Kreuzbiss war der Unterkieferknochen selbst symmetrisch, er stand nur gedreht zum Schädel. Ob Form oder Lage dahintersteckt, lässt sich mit einer kieferorthopädischen Untersuchung klären.
Welche Rolle spielt die Zunge beim schiefen Kiefer?
Nach unserem Modell ist die Zunge der innere Drehpunkt des Unterkiefers. Liegt sie mit Spannung in der Zungenreferenzlage am Gaumen, hält sie von innen gegen den Zug der Kaumuskeln. Liegt sie unten, zum Beispiel bei Mundatmung, bestimmen allein die äußeren Muskeln die Lage, und kleine Unterschiede zwischen links und rechts bekommen Gewicht.
Muss ein schiefer Kiefer operiert werden?
Das hängt von der Ursache ab. Ist der Knochen deutlich ungleich gewachsen, kann eine Operation sinnvoll sein, das besprichst du mit deiner Praxis. Steht der Unterkiefer verschoben, weil Muskeln ungleich ziehen, halten wir eine Operation für eine schlechte Idee, weil sie nicht an der Ursache ansetzt. Das Training der Basisfunktionen setzt an diesem Muster an und kann die Voraussetzungen schaffen, dass sich Lage und Spannung neu ordnen, ein bestimmtes Ergebnis lässt sich nicht zusagen.
Hilft Kaumuskeltraining gegen Gesichtsasymmetrie?
Nach unserer Auffassung können Aufbiss- und Kauübungen sogar schaden. Sie laufen außerhalb des physiologischen Musters von Schlucken und Zungenreferenzlage und kräftigen vor allem die Muskeln, die den Kiefer schließen, also oft genau die, die ohnehin ungleich ziehen. So können sie die Dysbalance zementieren, wie wir es auch bei CMD sehen. Das kurze Aufbeißen in der Grundübung ist dagegen Teil des Schluckablaufs und keine Kraftübung.
Wie lange dauert es, bis sich etwas verändert?
Eine Verschiebung, die sich über Jahre entwickelt hat, ordnet sich nicht in Wochen. Das Übungsmanual rechnet mit sechs bis zwölf Monaten, bis neue Abläufe ohne Nachdenken laufen. Wie sich Lage und Gesicht im Einzelfall entwickeln, ist verschieden.
Kann ich mit Zahnspange oder Schiene trainieren?
Das Training lässt sich mit einer kieferorthopädischen Behandlung kombinieren, bei festen Brackets hilft Dentalwachs. Die Aufbissschiene sehen wir grundlegend anders als die gängige Lehre. Sie gibt dem Unterkiefer eine Position von außen vor, führt ihn aber nicht, und die Kaumuskeln arbeiten gegen sie an. Trägst du eine Schiene auf ärztlichen Rat, sprich mit deiner Praxis ab, wie du Schiene und Training zeitlich aufteilst.
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Dein Weg weiter

Quellen
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- Pinto AS, Buschang PH, Throckmorton GS, Chen P (2001). Morphological and positional asymmetries of young children with functional unilateral posterior crossbite. American Journal of Orthodontics and Dentofacial Orthopedics 120(5):513-520. PMID 11709670. Quelle
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