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IQoro-AlternativeZug allein oder Zug im Muster

Du suchst eine Alternative zu IQoro oder willst wissen, was ein Mundtrainer überhaupt leisten kann? Hier erfährst du, wie IQoro funktioniert, was die Studien dazu zeigen und wo ihre Grenzen liegen. Und warum wir den Lippenzug nicht für sich üben, sondern eingebettet in Atmung, Schlucken und Kopfbalance.

Kennst du das?

Mundtrainer im Alltag: Was trifft auf dich zu?

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Tippe an, was auf dich zutrifft.

Treffen zwei oder mehr Punkte zu, lohnt sich ein Blick auf das ganze Muster. Lippenschluss, Zungenreferenzlage, Schlucken, Nasenatmung und Kopfbalance hängen zusammen. Wie viel davon ein Mundtrainer anspricht, hängt vom Aufbau des Trainings ab.

Was beim Zug im Mund passiertWie wir das Training aufbauen
Das ersetzt keine Untersuchung. Es zeigt dir nur, wo du in diesem Artikel weiterlesen kannst.

Das Wichtigste in Kürze

  • IQoro ist ein Mundtrainer aus Schweden: Du ziehst ein Schild hinter den Lippen dreimal zehn Sekunden nach vorn, dreimal am Tag. Studien, vor allem aus der Arbeitsgruppe der Entwicklerin, berichten Verbesserungen beim Schlucken und bei Refluxbeschwerden, überwiegend ohne Vergleichsgruppe.
  • Eine unabhängige Messung an Gesunden mit einem ähnlichen Mundschild zeigt: Beim Zug arbeiten vor allem die Lippen, Zungengrund, Rachen und Kehlkopf bewegen sich kaum. Ein Schluck ist ein anderer Ablauf.
  • Der FaceFormer ist anders gebaut: Lippenkeil, flexible Membran und ein abgedichteter Mundraum, in dem beim Schlucken Unterdruck entsteht. Die Zugübung ist dort eine von mehreren Übungen, eingebettet in Schlucken, Zungenreferenzlage, Nasenatmung, Kopfbalance und die Nacht mit dem ZERO.

Video

Warum wir Basisfunktionen statt Symptome behandeln

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Das Gerät

Was ist IQoro?

IQoro ist ein Trainingsgerät aus Schweden: ein flaches Schild, das hinter den Lippen vor den Zähnen liegt, mit einem Griff, der aus dem Mund ragt. Entwickelt hat es die schwedische Zahnärztin und Schluckforscherin Mary Hägg1. Hersteller ist die MYoroface AB in Hudiksvall, IQoro® ist eine Marke dieses Herstellers. Wir nennen den Namen nur zur Einordnung und stehen in keiner Verbindung zum Hersteller.

MundschildEnglisch „oral screen“: eine Platte im Mundvorhof, also zwischen Lippen und Zähnen
ZugDas Schild wird am Griff nach vorn gezogen, die Lippen halten dagegen
Orofazialer TrainerSammelbegriff für Geräte, die Mund- und Gesichtsmuskulatur trainieren, auch Mundtrainer oder Facetrainer genannt
10Sekunden

ziehst du das Schild laut Hersteller nach vorn und hältst dabei die Luft an2

3 × 3Züge

am Tag: drei Züge je Einheit, drei Einheiten mit mindestens zwei Stunden Abstand2

90Sekunden

Trainingszeit am Tag gibt der Hersteller an. Ist das Ziel erreicht, sollen ein bis zwei Einheiten genügen2

Als Einsatzgebiete nennt der Hersteller Schluckbeschwerden, Reflux und Sodbrennen, ein Kloßgefühl im Hals, Husten und Heiserkeit, Schnarchen und Schlafapnoe. IQoro soll über Nerven im Mund die Schluckfunktion anregen und Muskeln von den Lippen bis zum Zwerchfell trainieren3. Was davon untersucht ist, zeigen wir weiter unten.

Mundtrainer

Was Mundtrainer grundsätzlich leisten

Mundschilde werden in Kieferorthopädie, Logopädie und Rehabilitation seit Langem eingesetzt. Das Prinzip ist ähnlich: Die Lippen arbeiten gegen einen Widerstand im Mundvorhof. Die Unterschiede liegen in Form, Material und Übungsablauf.

Passives Mundschild

Es wird getragen, ohne aktiv zu üben, zum Beispiel nachts, damit die Lippen am Schild bleiben.

Zugtrainer

Das Schild wird kurz und kräftig nach vorn gezogen, die Lippen halten dagegen. IQoro gehört zu dieser Gruppe.

Trainingsgerät mit Programm

Das Gerät ist Teil eines Ablaufs, in dem Lippenschluss, Zunge, Schlucken, Atmung und Kopfbalance gemeinsam geübt werden, wie beim FaceFormer.

Für alle Mundschilde gilt: Was gemessen wird, hängt stark von Form und Anleitung ab. Eine Göteborger Arbeitsgruppe zeigte an 29 Gesunden, dass die gemessene Lippenkraft mit der Fläche des Schildes steigt und dass Saugen, also Unterdruck im Mund, die Werte zusätzlich erhöht4. Ein höherer Messwert heißt also nicht automatisch, dass die Lippen kräftiger geworden sind.

Was meinst du: Welche Muskeln leisten beim Ziehen an einem Mundschild die meiste Arbeit?

Studienlage

Was die Studien zu IQoro zeigen

Zu IQoro gibt es mehr veröffentlichte Studien als zu den meisten Mundtrainern. Das verdient eine faire Betrachtung.

Der Hersteller listet knapp zwanzig Veröffentlichungen auf5, der Großteil aus der Arbeitsgruppe um Mary Hägg in Hudiksvall. Untersucht wurden vor allem Schluckstörungen nach Schlaganfall und im Alter sowie Beschwerden bei Hiatushernie, also einem Zwerchfellbruch.

Schlucken im Alter

In schwedischen Pflegeeinrichtungen trainierten 49 ältere Menschen fünf Wochen mit IQoro, 67 erhielten die übliche Versorgung. Die Schluckgeschwindigkeit im Wassertest verbesserte sich mit IQoro deutlich stärker, Zeichen des Verschluckens nahmen ab. Die Lebensqualität rund ums Schlucken unterschied sich nicht1.

Speiseröhre und Reflux

43 Erwachsene mit lange bestehenden Schluckbeschwerden der Speiseröhre trainierten sechs bis acht Monate. Fast alle gaben danach weniger Beschwerden an, auch Refluxbeschwerden gingen zurück6. Bei 28 Menschen mit Hiatushernie wurden weniger Verschlucken, Husten und Heiserkeit berichtet7. Eine Vergleichsgruppe gab es in beiden Arbeiten nicht.

Gesicht nach Schlaganfall

18 Menschen mit Gesichts- und Schluckstörungen nach Schlaganfall trainierten drei Monate mit IQoro, 13 frühere Patienten mit einer Gaumenplatte. Beide Gruppen verbesserten Gesichtsbeweglichkeit und Schluckfähigkeit deutlich, ein Unterschied zwischen den Geräten zeigte sich nicht8.

Das ist mehr, als viele Mundtrainer vorweisen können, hat aber Grenzen. Überwiegend sind es Vorher-Nachher-Beobachtungen ohne Vergleichsgruppe. An der größten kontrollierten Studie war die Entwicklerin beteiligt, die Untersuchenden wussten, wer trainiert hatte, und die Autoren schreiben selbst, der klinische Nutzen sei noch nicht geklärt und weitere Studien seien nötig1.

116Personen

umfasste die größte kontrollierte Studie zu IQoro, 49 davon trainierten mit dem Gerät1

22Patienten

in einer unabhängigen Pilotstudie aus Dänemark: kein Vorteil gegenüber der üblichen Therapie9

keineStudie

zu IQoro bei Schnarchen oder Schlafapnoe fanden wir in PubMed (Stand September 2026). Der Hersteller nennt eine laufende Pilotstudie5

Die erste unabhängige randomisierte Studie, die wir finden konnten, stammt aus einem dänischen Rehabilitationszentrum. Bei 22 Menschen mit Trachealkanüle nach schwerer Hirnschädigung brachte IQoro zusätzlich zur üblichen Therapie keinen Vorteil. Rückstände im Rachen nahmen in der IQoro-Gruppe sogar weniger ab9. Die Autoren betonen, dass diese Patientengruppe eine andere ist als in früheren Studien.

Einordnung

„IQoro fake“? Eine sachliche Antwort

Wer nach „IQoro fake“ oder „IQoro Erfahrungen“ sucht, will in der Regel wissen, ob das Gerät hält, was die Werbung verspricht. IQoro ist kein Fake. Es ist ein reales, CE-gekennzeichnetes Produkt, zu dem veröffentlichte Studien vorliegen1. Die berechtigte Frage lautet anders: Wie belastbar sind diese Studien, und für wen gelten sie? Vier Fragen helfen bei jeder Studie, auch bei unseren.

Gibt es eine Vergleichsgruppe?

Ohne sie lässt sich nicht trennen, was das Training bewirkt und was Zeit, Erholung oder andere Therapie beitragen.

Wer hat untersucht?

Studien mit Beteiligung von Entwicklern sind nicht wertlos, brauchen aber unabhängige Bestätigung.

Was wurde gemessen?

Lippenkraft oder ein Beschwerdefragebogen ist etwas anderes als eine Röntgenaufnahme des Schluckens.

Wie lange?

Ein Muster verändert sich über Monate. Kurze Studien zeigen nicht, was bleibt.

Ein Gerät ist nicht deshalb gut, weil es Studien hat. Entscheidend ist, was geprüft wurde.Dieselben Maßstäbe legen wir an die FaceFormer-Therapie an.

Die einzige randomisierte Studie zum FaceFormer stammt aus Hamburg. 45 Kinder zwischen drei und sechzehn Jahren wurden sechs Monate lang entweder mit dem FaceFormer oder mit herkömmlicher myofunktioneller Therapie behandelt. In der FaceFormer-Gruppe lag die Zunge beim Schlucken häufiger am Gaumen, der Mundschluss stellte sich schneller ein. Bei der Lippenkraft gab es am Ende keinen Unterschied10.

Grenzen: Sabine Berndsen war Mitautorin, die Gruppen waren klein, gemessen wurden Basisfunktionen. Mehr unter Studien und Wissenschaft.

Der Mechanismus

Was beim Zug im Mund passiert

Was ein Mundschild im Körper bewegt, hat eine Forschungsgruppe am Universitätsklinikum Sahlgrenska in Göteborg unabhängig untersucht. Zehn gesunde Erwachsene zogen an einem halbweichen Mundschild, einem anderen Modell als IQoro, während Röntgenfilm und Oberflächen-EMG liefen. Zum Vergleich diente ein Leerschluck, also ein Schluck nur mit Speichel11. Das ist auf IQoro nicht eins zu eins übertragbar, das Prinzip ist aber dasselbe.

72 bis 75%

der Muskelarbeit trugen die Lippen beim Zug, die Muskeln unter dem Kinn 17 bis 19 %, der Kaumuskel 8 bis 11 %11

22mm

hob sich der Kehlkopf beim Leerschluck, gemessen als mittlerer Wert (Median)11

0mm

bewegte er sich beim Zug am Mundschild nach oben, im Median blieb er stehen oder sank sogar leicht11

Beim Zug arbeiten also vor allem die Lippen. Zungengrund, Rachenhinterwand und Kehlkopf bewegten sich deutlich weniger als beim Schlucken. Die Autorinnen und Autoren halten den Einfluss der Übung auf das Schlucken deshalb für gering und fragen, wie eine Übung ohne Schluck das Schlucken verbessern soll11.

Mary Hägg und ihr Koautor schrieben schon 2008, die Fortschritte ihrer Patienten ließen sich eher durch sensomotorische Anregung und die Lernfähigkeit des Gehirns erklären als durch das Krafttraining der Lippen12. Die Lippenkraft allein erklärte die Fortschritte also auch aus Sicht der Entwicklerin nicht.

Zugübung mit dem FaceFormer im Seitenschnitt: Die Lippen halten gegen den Zug, dahinter liegen Zunge, Rachen und Kehlkopf.
Zugübung mit dem FaceFormer im Seitenschnitt: Die Lippen halten gegen den Zug, dahinter liegen Zunge, Rachen und Kehlkopf.

Denkmodell

Schwache Muskeln oder fehlendes Muster?

Der Hersteller erklärt Reflux, Schnarchen und Schlafapnoe mit geschwächten Muskeln, die gekräftigt werden müssen3. Dass schlaffes Gewebe eine Rolle spielt, bestreiten wir nicht. Wir sehen die Reihenfolge aber anders. Aus unserer Sicht ist der Spannungsverlust im Regelfall nicht der Anfang, sondern eine Folge: Muskeln, die nicht in ihre Funktion eingebunden sind, werden nicht gebraucht und verlieren an Spannung.

  1. Das Muster weicht ab

    Mundatmung, eine tief liegende Zunge oder ein nach vorn verlagerter Kopf lösen die Referenzordnung ab.

  2. Der Körper gleicht aus

    Andere Muskeln übernehmen die Arbeit. Das Nervensystem speichert den Ausgleich als bevorzugtes Muster.

  3. Muskeln werden nicht gebraucht

    Was nicht in die Funktion eingebunden ist, verliert an Spannung. Gewebe in Mund und Rachen wird schlaff.

  4. Beschwerden werden spürbar

    Erst am Ende vieler solcher Ketten stehen Beschwerden. Wann und wie stark, hängt von Ausmaß, Dauer und Lebensalter ab.

Wird eine Funktion im Alltag wieder gebraucht, kommt die Spannung mit.Deshalb trainieren wir die Funktion und nicht die Kraft. Die Spannung ist aus unserer Sicht das Ergebnis, nicht das Ziel.

Wo Kraft fehlt, etwa nach einem Schlaganfall, kann ein Kraftgewinn sinnvoll sein. Eine isolierte Zug- oder Kraftübung ist aus unserer Sicht aber nicht einfach zu wenig, sondern ein anderer Reiz. Kommt eine Meldung außerhalb der natürlichen Schluckfolge, ordnet das Nervensystem sie in das Muster ein, das ihm am vertrautesten ist. Das kann ein Ausweichmuster sein.

Wie ein Akkord aus einem Musikstück

Spielst du einen einzelnen Akkord aus einem Stück immer wieder und immer lauter, lernt das Ohr diesen Akkord. Das Stück lernt es nicht. Im Stück hat der Akkord seinen Platz, seine Spannung und seine Auflösung. Ähnlich ist es mit dem Lippenzug: Im Schluck gehört er in eine Folge aus Lippenschluss, Zungendruck am Gaumen, Kehlkopfhebung und kurzer Atempause.

Auch für die Zunge ist Kraft nur eine Teilleistung: In sieben Studien zum Widerstandstraining der Zunge blieb uneinheitlich, ob das Schlucken selbst profitierte13. Wie Schlucken als Muster abläuft, erklären die Artikel Schlucken und Schluckstörung und Reflux und Sodbrennen.

Der zentrale Unterschied

Reizarchitektur: warum die Form zählt

Ein Mundtrainer ist mehr als ein Widerstand. Seine Form bestimmt, welche Reize Lippen, Zunge und Mundraum bekommen, und damit, welches Muster das Nervensystem lernen kann.

Wir nennen das Reizarchitektur. Der FaceFormer ist dafür aus drei Elementen gebaut, die zusammenwirken: Lippenkeil, Membran und die Abdichtung des Mundraums14. Sie geben dem Nervensystem einen klaren Startimpuls, wo die Bewegung beginnt, wohin sie läuft und über welche Flächen sich die Kräfte verteilen15.

Lippenkeil

Oval und rundum abgeschrägt. Die Abschrägung wirkt wie eine Gleitspur, über die sich die Lippen zur Mundmitte ausrichten. Er führt, ohne die Bewegung zu erzwingen, und gibt eine spürbare Rückmeldung.

Flexible Membran

Hochelastisches Silikon, das sich an den Mundvorhof schmiegt, bis in die Umschlagfalten und seitlich bis zu den hinteren Backenzähnen. So passt sie sich verschiedenen Kieferformen an und verteilt den Druck flächig.

Abgedichteter Mundraum

Lippenkeil und Membran sind ohne Öffnung zum Mundraum verbunden. Beim Schlucken bildet sich deshalb ein stabiler Unterdruck, der die Zunge an den Gaumen zieht.

FaceFormer ZEROZiehen zum Drehen
Zum Scrollen beenden

Lippenkeil Oval und rundum abgeschrägt. Er führt die Lippen zur Mundmitte.

Flexible Membran Sie schmiegt sich an den Mundvorhof und verteilt den Druck flächig.

Abgedichteter Mundraum Ohne Öffnung zum Mundraum verbunden, deshalb bildet sich beim Schlucken ein Unterdruck.

Die drei Elemente am Modell: zum Drehen ziehen, die Punkte antippen. Die geschlossene Seite zum Mundraum zeigt sich von hinten.

Aus unserer Sicht braucht es genau diese Form, um Atmung, Schlucken und Kopfbalance gleichzeitig anzusprechen. Die Lippen arbeiten am Lippenkeil, der abgedichtete Mund lässt die Luft durch die Nase strömen, der Unterdruck hebt die Zunge an den Gaumen und nimmt das Gaumensegel mit. Weil Atmung, Schlucken und Zungenbewegung im Hirnstamm gemeinsam gesteuert werden, wirkt der Lippenschluss bis in Nasenpassage und Kopfbalance weiter15.

IQoro beschreibt der Hersteller als Schild aus medizinischem Kunststoff, das Härte und Flexibilität verbindet, mit einem flachen Griff. Die Form soll eine große Fläche an der Innenseite der Lippen erreichen16. Laut Anleitung soll im Mund kein Unterdruck entstehen, den Widerstand sollen die Lippen leisten5. Zwei Bauprinzipien also, für zwei verschiedene Übungen.

FaceFormer im Mundvorhof: Die Membran liegt vor den Zahnreihen bis zu den hinteren Backenzähnen, der Lippenkeil ragt zwischen den Lippen hervor.
FaceFormer im Mundvorhof: Die Membran liegt vor den Zahnreihen bis zu den hinteren Backenzähnen, der Lippenkeil ragt zwischen den Lippen hervor.

Unser Weg

Zug im Muster: so ist das Training aufgebaut

Auch im FaceFormer-Training wird gezogen. Die Zugübung ist dort eine von mehreren Übungen: nach vorn als Zugübung (Modul 2), nach oben, unten oder in wechselnde Richtungen in den Modulen 4 bis 6. Eingebettet ist sie in die Grundübung mit Schluck, in Zungenreferenzlage und Nasenatmung, in Kopf-Balance-Rotation und Nachtanwendung. Den Grundablauf zeigt der Film.

Zug nach Herstellerangabe (IQoro)

  • Drei Züge von je 10 Sekunden, dreimal am Tag
  • Während des Zugs wird die Luft angehalten
  • Kein Schluck, um Unterdruck aufzubauen, die Lippen sollen den Widerstand leisten
  • Die Zunge findet laut Hersteller von selbst ihren Platz

Zugübung im FaceFormer-Training

  • Pressen und Zug 6 Sekunden, bis zu 20 Wiederholungen, dreimal am Tag
  • Atmung die ganze Zeit durch die Nase
  • In jeder Wiederholung einmal aufbeißen und schlucken, Unterdruck ist gewollt
  • Zungenspitze am Referenzpunkt, Kopf aufgerichtet, nachts der ZERO

Beide Wege nutzen den Lippenzug gegen Widerstand. Sie unterscheiden sich darin, ob der Zug für sich steht oder in Schlucken, Atmung und Kopfbalance eingebettet ist. Die Angaben zu IQoro stammen von der Herstellerseite, Stand 30. September 20262.

Warum der Schluck in jeder Wiederholung? Geschluckt wird viele hundert bis tausend Mal am Tag17. Jeder dieser Schlucke festigt ein Muster, das alte oder das neue. Wer beim Üben schluckt, übt genau den Ablauf, den der Körper danach ohne Nachdenken wiederholen soll.

Die Triade

Atmung und Kopfbalance gehören dazu

Lippen und Schlucken sind zwei Teile. Das Muster, das wir trainieren, beruht auf drei Basisfunktionen: Atmung, Schlucken und Kopfbalance.

Läuft die Atmung aus Gewohnheit über den Mund, öffnet er sich wieder, gleich wie kräftig die Lippen sind. Deshalb atmest du im Training durchgehend durch die Nase. Ab etwa der sechsten Woche kommt die Atemübung dazu: ruhig durch die Nase in den Bauch, mit einem Schluck in der Atempause.

Warum Mundatmung nicht gleichgültig ist, erklären die Artikel Mundatmung und Nasenscheidewand verkrümmt.

Atemübung im Profil: Hand am Bauch, Lippen am FaceFormer, Kopf aufgerichtet.
Atemübung im Profil: Hand am Bauch, Lippen am FaceFormer, Kopf aufgerichtet.

Die Kopfbalance entscheidet mit, wie frei Zunge und Zungenbein arbeiten. Wandert der Kopf nach vorn, übernehmen Mundboden und Nacken Haltearbeit. Bei der Kopf-Balance-Rotation drehst du den Kopf langsam zur Seite, während die Lippen den FaceFormer halten.

Kopf-Balance-Rotation: Der Kopf dreht zur Seite, die Lippen halten den FaceFormer.
Kopf-Balance-Rotation: Der Kopf dreht zur Seite, die Lippen halten den FaceFormer.

Nachts setzen sich gewohnte Muster am leichtesten durch. Deshalb trägst du ab etwa der dritten Woche den FaceFormer ZERO im Schlaf. Er unterstützt Mundschluss und Nasenatmung, während du nicht daran denkst, und ergänzt das Training am Tag.

Ein zugeklebter Mund leistet das aus unserer Sicht nicht. Warum, erklärt der Artikel Mouth Taping.

Nachtanwendung im Seitenschnitt: Der gelbe FaceFormer ZERO schließt den Mund nach außen ab, die Luft strömt durch die Nase.
Nachtanwendung im Seitenschnitt: Der gelbe FaceFormer ZERO schließt den Mund nach außen ab, die Luft strömt durch die Nase.

Orientierung

Worauf du bei einem Mundtrainer achten kannst

Ob FaceFormer, IQoro oder ein anderes Gerät: Diese Fragen zeigen, wie viel vom Muster eine Übung anspricht.

01

Wird geschluckt?

Ein Schluck in der Übung verbindet Lippen, Zunge, Rachen und Atmung. Ohne Schluck trainierst du eine Teilleistung.

02

Wie wird geatmet?

Nasenatmung während der Übung macht das Training zugleich zur Atemschule. So übst du den Weg, den die Luft auch im Alltag nehmen soll.

03

Wo liegt die Zunge?

Eine klare Anleitung zur Zungenreferenzlage gehört dazu. Aus unserer Sicht findet eine tief liegende Zunge von selbst eher in ihr gewohntes Muster zurück.

04

Wie ist das Gerät geformt?

Die Form bestimmt den Reiz. Achte darauf, woran die Lippen arbeiten und ob der Mundraum beim Schlucken abgedichtet ist.

05

Wie steht der Kopf?

Aufgerichtet und balanciert, nicht nach vorn geschoben. Sonst üben Nacken und Mundboden mit.

06

Woraus ist das Gerät?

Achte auf ein CE-gekennzeichnetes Medizinprodukt mit geprüftem Material. Der FaceFormer besteht aus medizinischem Silikon (ISO 10993, USP Class VI), ohne BPA, Weichmacher und Latex. Mehr unter Material und Herstellung.

Trainierst du wegen einer Schluckstörung nach Schlaganfall, einer Hiatushernie oder starkem Reflux, stimm das Training mit deinem Behandlungsteam ab. Ärztlich verordnete Behandlungen, etwa Medikamente gegen Reflux, setzt du nicht eigenmächtig ab.

Umstieg

Vom Zugtrainer zum FaceFormer

Hast du bisher mit IQoro oder einem anderen Zugtrainer geübt, kennen deine Lippen den Widerstand bereits. Neu ist der Ablauf: Pressen, Aufbeißen, Schlucken und Entspannen in jeder Wiederholung, dazu Nasenatmung und Kopfbalance. Aus unserer Sicht ist es sinnvoll, sich für ein Programm zu entscheiden, denn ein Muster wird durch häufige, gleiche Wiederholung gelernt. Einen Überblick gibt Ablauf und Dauer der Therapie.

  1. Ab Tag 1

    Grundübung mit dem ZERO

    Dreimal täglich, in der ersten Woche 8, in der zweiten 14, ab der dritten 20 Wiederholungen. Die kostenlose App gibt den Takt vor.

  2. Ab Woche 3

    Zugübung und Nacht

    Die Zugübung kommt zur Grundübung dazu. Nachts trägst du den ZERO.

  3. Nach einigen Wochen

    Wechsel auf den ONE

    Tagsüber trainierst du mit dem FaceFormer ONE. Er ist gleich groß und geformt wie der ZERO, nur aus festerem Material.

  4. Ab etwa Woche 6

    Atmung und Kopfbalance

    Atemübung und Kopf-Balance-Rotation erweitern das Training, am besten in Absprache mit einer Praxis.

  5. Über 6 bis 12 Monate

    Das Muster läuft von selbst

    Ein altes Muster wird nicht durch Einsicht aufgegeben, sondern durch häufige, genaue Wiederholung verdrängt. Danach folgt ein Erhaltungstraining.

Zu Beginn sind müde Lippen, Druck an den Zähnen oder eine gereizte Schleimhaut häufig. Dann pausierst du kurz und machst mit weniger Wiederholungen weiter. Bei akuten Entzündungen im Mund, einer vollständig verlegten Nase, frischen Operationen im Mund oder einer akuten Kiefergelenksblockade mit starken Schmerzen sprichst du vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Trainierst du mit einer Praxis, stimmst du den Plan dort ab.

Fragen

Häufig gefragt

Was ist eine gute IQoro-Alternative?

Das hängt davon ab, was du trainieren willst. Geht es dir um den Lippenzug allein, sind viele Mundschilde ähnlich aufgebaut. Willst du den Mundschluss im Zusammenhang mit Schlucken, Zungenreferenzlage, Nasenatmung und Kopfbalance üben, passt ein Trainingsgerät mit Übungsprogramm besser. So ist das FaceFormer-Training aufgebaut.

Ist IQoro Fake?

Nein. IQoro ist ein reales, CE-gekennzeichnetes Produkt der MYoroface AB, zu dem veröffentlichte Studien vorliegen. Der Großteil stammt aus der Arbeitsgruppe der Entwicklerin und hat keine Vergleichsgruppe. Eine unabhängige Pilotstudie bei Menschen mit Trachealkanüle fand keinen Vorteil. Wie belastbar die Ergebnisse sind, hängt also von der Fragestellung ab.

Was ist der Unterschied zwischen IQoro und FaceFormer?

Bei IQoro ziehst du laut Hersteller dreimal zehn Sekunden an einem Kunststoffschild mit Griff, hältst dabei die Luft an und schluckst nicht. Der FaceFormer hat einen Lippenkeil und eine flexible Membran, die den Mundraum abdichten. Die Lippen pressen den Lippenkeil, in jeder Wiederholung wird aufgebissen und geschluckt, geatmet wird durch die Nase, die Zungenspitze liegt am Referenzpunkt. Dazu kommen Atemübung, Kopf-Balance-Rotation und die Nacht mit dem ZERO.

Was zeigen Studien und Erfahrungen mit IQoro?

Eine kontrollierte Studie in Pflegeeinrichtungen fand eine stärkere Verbesserung der Schluckgeschwindigkeit als mit üblicher Versorgung. Studien ohne Vergleichsgruppe berichten weniger Beschwerden bei Hiatushernie und nach Schlaganfall, eine unabhängige Pilotstudie fand keinen Vorteil. Einzelne Erfahrungsberichte sind kein Beleg.

Kann ich IQoro und FaceFormer kombinieren?

Aus unserer Sicht ist es sinnvoller, dich für ein Programm zu entscheiden. Ein Muster lernt das Nervensystem durch häufige, gleiche Wiederholung. Zwei verschiedene Abläufe setzen zwei verschiedene Reize, etwa einen Zug mit angehaltener Luft ohne Schluck und einen Zug mit Nasenatmung und Schluck. Auch im FaceFormer-Training gibt es Zugübungen, dort mit Schluck und Nasenatmung.

Wie kann ich den Mundschluss fördern?

Ein Mundschluss, der von selbst hält, entsteht nicht durch Festhalten, sondern wenn Lippen, Zungenreferenzlage, Nasenatmung und Schlucken zusammenspielen. Mundschluss-Übungen mit dem FaceFormer verbinden diese Teile: Lippen pressen, aufbeißen, schlucken, entspannen und dabei durch die Nase atmen.

Was ist ein orofazialer Trainer?

Ein orofazialer Trainer, auch Mundtrainer oder Facetrainer genannt, ist ein Gerät für die Muskulatur von Mund und Gesicht, oft ein Schild im Mundvorhof. Die Geräte unterscheiden sich darin, ob nur gegen Zug gehalten oder ein ganzer Funktionsablauf geübt wird. Der FaceFormer ist ein Medizinprodukt der Klasse I aus medizinischem Silikon.

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Dr. Klaus-Jürgen Berndsen
Dr. Klaus-Jürgen BerndsenEntwickler der FaceFormer-Therapie. Inhaltliche Grundlage: das Buch „Trust the Triad“. Stand: September 2026.

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Das FaceFormer-Training zielt darauf, die Basisfunktionen Atmung, Schlucken und Kopfbalance mit Mundschluss und Zungenreferenzlage wieder physiologisch einzustellen, und schafft damit die Voraussetzung dafür, dass sich Beschwerden bessern können. Es ersetzt keine ärztliche Abklärung. Behandlerinnen und Behandler in deiner Nähe findest du im Behandlerverzeichnis.


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