Jojo-Effekt: Warum Fettzellen sich an das alte Gewicht erinnern

Videopodcast Gesundheit braucht Verstand

Jojo-Effekt:Warum Fettzellen sich an das alte Gewicht erinnern

Abgenommen, und einige Monate später ist das alte Gewicht wieder da? In dieser Folge geht es um eine Studie der ETH Zürich, die im Fettgewebe ein Gedächtnis für frühere Phasen mit Übergewicht gefunden hat. Hier erfährst du, was die Studie zeigt und was nicht, welche Rolle Leptin, Schlaf und Mikrobiom spielen und wo Atmung, Schlucken und Kopfbalance ins Bild passen.

Kennst du das?

Abgenommen, durchgehalten, und trotzdem ist das Gewicht zurück?

Was trifft auf dich zu?

Tippe an, was auf dich zutrifft.

Treffen mehrere Punkte zu, bist du damit nicht allein. Der Jojo-Effekt hat biologische Gründe. Einige kannst du nicht direkt beeinflussen, andere schon. Um diese Unterscheidung geht es hier.

Was die Studie zeigtWo du ansetzen kannst
Das ersetzt keine Untersuchung. Es zeigt dir nur, wo du in diesem Artikel weiterlesen kannst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach einer Diät kommt das Gewicht bei vielen Menschen zurück. Eine Studie der ETH Zürich fand im Fettgewebe Veränderungen, die zwei Jahre nach einer deutlichen Gewichtsabnahme noch nachweisbar waren. Bei Mäusen ließen sie sich als epigenetisches Gedächtnis der Fettzellen belegen.
  • Dazu kommen die Hormone. Nach dem Abnehmen sinkt das Sättigungshormon Leptin, das Hungerhormon Ghrelin steigt, und beides bleibt über ein Jahr verschoben. Auch kurzer Schlaf und das Mikrobiom wirken mit.
  • Das Gedächtnis der Fettzellen lässt sich bisher nicht löschen. Beeinflussen kannst du, wie viel Energie deine übrigen Zellen verbrauchen, wie du isst, schläfst und atmest. Aus unserer Sicht gehören Atmung, Schlucken und Kopfbalance zu diesen Grundlagen.

Video

Jojo-Effekt: Warum dein Körper sein altes Gewicht nicht vergisst

Das Video lädt erst nach dem Klick. Dann werden Daten an YouTube (Google) übertragen.

Videopodcast

Die Folge in Kapiteln

In gut 20 Minuten erklärt Dr. Klaus Berndsen in seinem Videopodcast „Gesundheit braucht Verstand“, was hinter dem Jojo-Effekt steckt. Hier findest du die Kapitel mit ihren Zeitmarken.

  1. 00:00

    Einleitung

    Worum es geht: eine neue Studie aus der Schweiz.

  2. 00:48

    Warum kommt das Gewicht zurück?

    Abgenommen, und das alte Gewicht kehrt zurück.

  3. 01:59

    Das Gedächtnis der Fettzellen

    Weiße und braune Fettzellen, die sich etwas merken.

  4. 03:52

    Epigenetik

    Äußere Einflüsse steuern, wie Gene abgelesen werden.

  5. 06:11

    Das Fettgedächtnis einfach erklärt

    Markierungen wie Klebezettel und ein prall gefüllter Rucksack.

  6. 07:29

    Leptin

    Das Sättigungshormon und warum es überhört wird.

  7. 08:43

    Kurze Diäten

    Warum der erste Erfolg oft nicht hält.

  8. 09:15

    Eingriffe zum Abnehmen

    Magenverkleinerung, Fettabsaugung und Medikamente.

  9. 11:06

    Wie kann man abnehmen?

    Andere Zellen arbeiten lassen, gelenkschonend bewegen.

  10. 13:25

    Sauerstoff

    Der Brennstoff der Zellatmung.

  11. 14:31

    Mundatmung ist nicht angeboren

    Gelernt, nicht vererbt.

  12. 16:20

    Das Labor Nase

    Was beim Atmen durch die Nase passiert.

  13. 17:50

    Das Mikrobiom

    Billionen Bakterien als Mitverwerter der Nahrung.

  14. 19:42

    Im Mund beginnt die Verdauung

    Kauen, Einspeicheln und Schlucken.

Der Beitrag darunter ordnet die Aussagen der Folge ein und ergänzt die Studienlage, auch dort, wo das Video vereinfacht.

Der Jojo-Effekt

Wenn das Gewicht zurückkommt: kein Zeichen von Schwäche

Abzunehmen gelingt vielen Menschen. Das neue Gewicht über Jahre zu halten, gelingt deutlich seltener.

Als Jojo-Effekt bezeichnet man das Muster, bei dem das Körpergewicht nach einer Diät wieder ansteigt, oft bis zum Ausgangswert. Viele Betroffene erleben das als persönliches Versagen. Die Forschung zeichnet ein anderes Bild. Der Körper verteidigt ein einmal erreichtes Gewicht, und zwar mit mehreren Mechanismen gleichzeitig.

29Studien

aus den USA mit mindestens zwei Jahren Nachbeobachtung wertete eine Meta-Analyse aus. Fünf Jahre nach einem Abnehmprogramm hielten die Teilnehmenden im Mittel gut 3 kg ihres Gewichtsverlusts1

704kcal

pro Tag lag der Ruheumsatz von 14 Teilnehmenden einer Abnehmshow sechs Jahre später unter dem Ausgangswert. Im Mittel hatten sie 41 kg ihres Gewichtsverlusts wieder zugenommen2

Der Körper spart also Energie, und er erinnert sich an frühere Zustände. Wenn man dieser Logik folgt, hat eine Diät allein schlechte Karten. Sie senkt die Energiezufuhr, der Körper antwortet mit mehr Hunger und sparsamerem Verbrauch, und das Muster aus Schlaf, Atmung und Essverhalten bleibt, wie es war. Wo das Gedächtnis dafür sitzt, war lange offen. Eine Studie der ETH Zürich hat 2024 einen Teil der Antwort geliefert. Sie ist der Anlass für diese Folge.

Die Studie

Fettgewebe mit Gedächtnis: was die ETH-Studie zeigt

Die Arbeit von Laura Hinte, Daniel Castellano-Castillo und Kollegen erschien im Dezember 2024 in der Fachzeitschrift Nature. Sie hat zwei Teile, einen mit Menschen und einen mit Mäusen.

Im ersten Teil untersuchte das Team Gewebeproben aus dem Bauchfett und dem Unterhautfett von Menschen mit starkem Übergewicht, einmal vor einer Magenoperation und noch einmal zwei Jahre danach. Aufgenommen wurde nur, wer seinen Body-Mass-Index um mindestens ein Viertel gesenkt hatte. Zum Vergleich dienten Proben von Menschen, die nie übergewichtig waren. Viele Gene, die bei Übergewicht verändert abgelesen wurden, waren es nach der Abnahme noch3.

2Jahre

nach der Operation war ein großer Teil der Veränderungen im Fettgewebe noch nachweisbar, die bei Übergewicht entstanden waren3

25%

Senkung des Body-Mass-Index war die Mindestvoraussetzung, um in die Auswertung aufgenommen zu werden3

4Wochen

fettreiches Futter genügten, damit früher übergewichtige Mäuse schneller zunahmen als Tiere ohne diese Vorgeschichte3

Im zweiten Teil fütterten die Forschenden Mäuse fettreich und stellten sie danach auf normales Futter um, bis ihr Gewicht wieder normal war. In den Fettzellen dieser Tiere blieben chemische Markierungen am Erbgut bestehen, die die Zellen anders arbeiten ließen. Sie reagierten schlechter auf Stoffwechselsignale, und bei erneutem Überangebot nahmen die Tiere schneller zu.

Das Fettgewebe vergisst nicht, wie es früher war.So lässt sich der Kern der Studie zusammenfassen. Die Autoren sprechen von einem Gedächtnis für Übergewicht, das den Jojo-Effekt mit erklären kann.

Wichtig für die Einordnung: Die epigenetischen Markierungen selbst wurden nur bei Mäusen gemessen. Bei den menschlichen Proben war das technisch noch nicht möglich, dort zeigte sich die veränderte Genaktivität. Die Gruppen waren klein, und die Autoren schreiben selbst, dass ihre Daten einen ursächlichen Zusammenhang mit dem Jojo-Effekt noch nicht endgültig beweisen.

Epigenetik

Epigenetik einfach erklärt: Klebezettel am Erbgut

Die Gene selbst ändern sich beim Zunehmen nicht. Es ändert sich, welche Gene wie stark abgelesen werden.

EpiGriechisch für „auf“ oder „über“, also etwas, das auf dem Erbgut liegt
GenetikDie Lehre vom Erbgut, der DNA mit ihren Genen
EpigenetikChemische Markierungen, die steuern, ob ein Gen abgelesen wird, ohne das Gen selbst zu verändern

Jede Zelle deines Körpers trägt dasselbe Erbgut. Dass eine Fettzelle anders arbeitet als eine Muskelzelle, liegt daran, welche Abschnitte gelesen werden. Das steuern unter anderem chemische Anhängsel an der DNA und an den Eiweißen, um die sie gewickelt ist.

Äußere Einflüsse wie Ernährung, Bewegung oder Stress können diese Markierungen verändern. Fettzellen, die lange prall gefüllt waren, tragen andere Markierungen als Fettzellen, die das nie erlebt haben.

Schema einer Fettzelle aus dem Videopodcast: Der Fetttropfen füllt fast die ganze Zelle.
Schema einer Fettzelle aus dem Videopodcast: Der Fetttropfen füllt fast die ganze Zelle.

Wie Klebezettel in einem Kochbuch

Stell dir dein Erbgut als dickes Kochbuch vor. Die Rezepte bleiben dieselben. Aber jemand hat Klebezettel hineingeklebt, die manche Seiten hervorheben und andere verdecken. Nach Jahren mit Übergewicht kleben in den Fettzellen Zettel bei den Rezepten fürs Speichern. Nimmst du ab, bleiben viele dieser Zettel hängen, und beim nächsten Überangebot schlägt die Zelle diese Seiten schneller auf.

Wie lange reicht dieses Gedächtnis? In der Folge ist von mehr als zehn Jahren die Rede. Die Zahl stammt nicht aus der ETH-Studie, die zwei Jahre überblickt, sondern aus der Lebensdauer der Fettzellen, die eine schwedische Arbeitsgruppe bestimmt hat4.

10%

der Fettzellen werden pro Jahr erneuert, in jedem Erwachsenenalter und bei jedem Körpergewicht. Ihre Zahl bleibt dabei gleich, auch nach deutlicher Gewichtsabnahme4

10Jahre

dauert es damit rechnerisch, bis der Bestand einmal ausgetauscht ist. So lange kann eine Fettzelle ihre Markierungen mit sich tragen

Leptin und Ghrelin

Hunger und Sättigung: wenn die Signale nicht mehr ankommen

Fettzellen speichern nicht nur Energie. Sie senden auch Botschaften an das Gehirn.

Das wichtigste Signal ist das Hormon Leptin. Es wird im Fettgewebe gebildet und meldet dem Gehirn, wie gut die Speicher gefüllt sind. Sein Gegenspieler ist Ghrelin aus dem Magen, das Hunger auslöst. Je mehr Fett gespeichert ist, desto mehr Leptin kreist im Blut.

Eigentlich müsste Übergewicht damit den Hunger dämpfen. Bei vielen Betroffenen tut es das nicht. Schon 1996 zeigte eine Studie mit 275 Personen, dass Menschen mit Übergewicht rund viermal so viel Leptin im Blut hatten wie Normalgewichtige5. Die Autoren schlossen daraus, dass viele von ihnen unempfindlich gegen ihr eigenes Leptin geworden sind. Man spricht von Leptinresistenz.

Leptin aus dem Fettgewebe meldet Sättigung, Ghrelin aus dem Magen meldet Hunger. Das Gehirn wägt beide Signale gegeneinander ab.
Leptin aus dem Fettgewebe meldet Sättigung, Ghrelin aus dem Magen meldet Hunger. Das Gehirn wägt beide Signale gegeneinander ab.

Im Video vergleicht Dr. Berndsen das mit der Insulinresistenz. Ein Signal, das ständig laut ist, wird irgendwann überhört. Nimmst du ab, fällt zudem die Leptinmenge, und das Gehirn deutet das als Mangel.

50Personen

nahmen in einer australischen Studie in zehn Wochen im Mittel 13,5 kg ab. Ein Jahr später waren Leptin und Ghrelin weiterhin verschoben, und die Teilnehmenden hatten mehr Hunger als vor der Diät6

  1. Die Diät wirkt

    Die Fettzellen leeren sich, die Leptinmenge im Blut sinkt.

  2. Das Gehirn meldet Mangel

    Weniger Leptin und mehr Ghrelin werden als Knappheit gedeutet.

  3. Der Appetit steigt

    Der Hunger nimmt zu, und der Körper spart zusätzlich Energie.

  4. Die Speicher füllen sich

    Fettzellen mit Gedächtnis nehmen das Angebot bereitwillig auf.

  5. Das alte Gewicht kehrt zurück

    Bei vielen Menschen bis zum Ausgangswert, und der Kreislauf kann von vorn beginnen.

Einordnung

Operation, Abnehmspritze, Fettabsaugung: was sie ändern und was nicht

In der Folge spricht Dr. Berndsen auch über Eingriffe, die das Gewicht von außen verändern. Hier ordnen wir sie ein, mit ihren Folgen und mit dem, was sie nicht berühren.

Der Magen hat seine Größe nicht umsonst. Eine Magenoperation greift in den Verdauungstrakt ein und ist wie jeder große Eingriff mit Risiken verbunden, zu denen Komplikationen, Nachoperationen und eine lebenslange ärztliche Begleitung gehören14. Sie verändert den Weg der Nahrung, aber nicht das Muster aus Hunger, Schlaf und Atmung, das das Gewicht mitbestimmt, und in der ETH-Studie trugen die Fettzellen zwei Jahre danach noch Spuren der früheren Phase3.

Abnehmspritzen dämpfen den Hunger, solange sie gespritzt werden. In der großen Zulassungsstudie mit Semaglutid waren Übelkeit und Durchfall die häufigsten Nebenwirkungen15. Nach dem Absetzen kam in der Fortsetzung der Studie ein großer Teil des verlorenen Gewichts zurück16. Die Spritze behandelt das Symptom, das Muster dahinter ändert sie nicht.

4,5%

der Teilnehmenden unter Semaglutid brachen die Behandlung wegen Magen-Darm-Beschwerden ab, unter Placebo 0,8 %. Die Studie umfasste 1.961 Erwachsene15

2/3zurück

des verlorenen Gewichts hatten die Teilnehmenden ein Jahr nach dem Absetzen von Semaglutid wieder zugenommen, ausgewertet bei 327 Personen16

Eine Fettabsaugung verändert die Körperform an einer Stelle. An Hunger, Sättigungshormonen, Schlaf und Gewohnheiten ändert sie nichts, und die Zahl der Fettzellen hält der Körper im Wesentlichen stabil4. Wo sich das Gewicht danach wieder einlagert, entscheidet aus unserer Sicht dasselbe Muster wie vorher.

Was von außen wirkt

  • Eine Operation verkleinert den Magen oder verändert den Verdauungsweg
  • Medikamente dämpfen den Hunger, solange sie genommen werden
  • Eine Fettabsaugung entfernt Fettgewebe an einer Stelle
  • Alle drei gehören in ärztliche Hand und können bei schwerem Übergewicht sinnvoll sein

Was der Körper selbst beiträgt

  • Muskeln und Organe verbrauchen die gespeicherte Energie
  • Im Schlaf werden die Hormone für Hunger und Sättigung eingestellt
  • Gründliches Kauen kann den Hunger dämpfen
  • Atmung, Schlucken und Kopfbalance bilden aus unserer Sicht die Grundlage

Beide Seiten schließen sich nicht aus. Wer operiert wurde oder Medikamente nimmt, kann die eigenen Stellschrauben genauso nutzen.

Nimmst du Medikamente zum Abnehmen oder gegen Diabetes, setze sie nicht eigenmächtig ab und besprich Änderungen mit deiner behandelnden Praxis.

Stellschrauben

Den Energieverbrauch der anderen Zellen nutzen

Das Gedächtnis der Fettzellen lässt sich bisher nicht gezielt löschen. Die ETH-Autoren sehen darin ein Ziel künftiger Forschung. Bis dahin lohnt der Blick auf die Zellen, die Energie verbrauchen.

Fettzellen speichern, Muskelzellen verbrauchen. Diesen Gedanken stellt Dr. Berndsen in der Folge in den Mittelpunkt. Wenn die Fettzelle Energie horten will, lässt man andere Zellen mehr davon abrufen. Muskeln, die arbeiten, holen sich ihre Energie auch aus den Fettspeichern.

160%

mehr körperliche Aktivität als vor der Abnehmshow hatten die Teilnehmenden, die ihr Gewicht sechs Jahre später gehalten hatten. Bei denen, die wieder zugenommen hatten, waren es 34 %7

93%

der Unterschiede im Gewicht nach sechs Jahren erklärten Bewegung und Energieaufnahme zusammen. Mit dem Wiederzunehmen hing nur die Bewegung zusammen, nicht die Essensmenge7

Die Gruppe war mit 14 Personen klein. Leistungssport braucht es dafür nicht, bei starkem Übergewicht werden die Gelenke schnell überlastet. Wichtiger als die Intensität ist, dass Bewegung zum Alltag wird.

Schwimmen und Wassergymnastik

Das Wasser trägt einen Teil des Körpergewichts, die Muskeln arbeiten trotzdem. So bleiben die Gelenke geschont.

Gehen und Radfahren

Lässt sich in Wege einbauen, die du ohnehin machst, und in kleinen Schritten steigern.

Bewegung im Kleinen

Treppe statt Aufzug, Aufstehen beim Telefonieren. Auch kleine Bewegungen verbrauchen Energie.

Atmung und Schlaf

Nasenatmung, Schlaf und Appetit: was belegt ist

Sauerstoff ist der Brennstoff der Zellatmung. In der Folge betont Dr. Berndsen deshalb, welchen Weg die Luft in den Körper nimmt.

Die Nase ist mehr als ein Luftkanal. Sie wärmt, befeuchtet und reinigt die Atemluft. In den Nasennebenhöhlen entsteht zudem Stickstoffmonoxid in sehr hoher Konzentration8, ein Botenstoff, der Gefäße weitet und mit der Nasenatmung in die Lunge gelangt.

Eine schwedische Arbeitsgruppe hat gemessen, was das ausmacht. Bei sechs von acht gesunden Personen lag der Sauerstoffdruck, gemessen an der Haut, während der Nasenatmung um 10 % höher als während der Mundatmung9.

3D-Seitenschnitt: Die Luft strömt durch die Nase in den Rachen, der FaceFormer liegt im Mundvorhof, die Lippen sind geschlossen.
3D-Seitenschnitt: Die Luft strömt durch die Nase in den Rachen, der FaceFormer liegt im Mundvorhof, die Lippen sind geschlossen.

Keine Studie zeigt, dass Nasenatmung schlank macht.Das sagen wir offen. Aus unserer Sicht schafft die Nasenatmung aber eine Voraussetzung dafür, dass Sauerstoffversorgung und Schlaf so arbeiten können, wie sie angelegt sind.

1.024Personen

aus einer Schlafstudie in Wisconsin wurden im Schlaflabor untersucht, ihre Hormone morgens nüchtern bestimmt10

15,5%

weniger Leptin sagte das Rechenmodell bei fünf statt acht Stunden gewohntem Schlaf voraus, dazu 14,9 % mehr Ghrelin nach fünf statt acht Stunden Schlaf in der Messnacht10

Wer kurz oder unruhig schläft, hat also eher mehr Appetit, unabhängig vom Körpergewicht. Hier schließt sich aus unserer Sicht ein Kreis. Nächtliche Mundatmung und Schnarchen stören bei vielen Menschen den Schlaf, und zusätzliches Gewebe am Hals kann die Atemwege im Liegen weiter verengen. Mehr dazu findest du im Beitrag zu Schnarchen und Schlafapnoe.

  1. Mundatmung in der Nacht

    Der Mund steht offen, die Zunge sinkt nach hinten, die Luft umgeht die Nase.

  2. Unruhiger Schlaf

    Schnarchen und kurze Weckreaktionen machen den Schlaf flacher.

  3. Verschobene Hormone

    Weniger Leptin, mehr Ghrelin, der Appetit am Tag steigt.

  4. Mehr Gewicht

    Zusätzliches Gewebe engt die Atemwege im Liegen weiter ein.

  5. Der Kreis schließt sich

    Der Schlaf wird noch unruhiger, und die Mundatmung festigt sich.

Den Mund nachts zuzukleben, empfehlen wir nicht, mehr dazu unter Mouth Taping. Bei Atemaussetzern gehört der Schlaf ärztlich untersucht, eine verordnete Therapie setzt du nicht eigenmächtig ab.

Kauen und Mikrobiom

Die Verdauung beginnt im Mund

Im letzten Teil der Folge geht es um einen Abschnitt, der beim Thema Gewicht selten zur Sprache kommt.

Mit jedem Bissen, den du gründlich kaust, mischt sich Speichel unter die Nahrung, und die Verdauung beginnt. Erst wenn der Bissen zerkleinert und eingespeichelt ist, folgt das Schlucken, einer der Abläufe, die du viele hundert bis tausend Mal am Tag ausführst. Wer schnell isst und wenig kaut, überspringt diesen ersten Schritt zum Teil.

10 von 16Versuchen

einer Übersichtsarbeit zeigten, dass längeres Kauen die gegessene Menge senkte. Die Arbeit entstand unter Beteiligung eines Kaugummiherstellers, die Autoren selbst werten die Daten als vorläufig11

In deinem Körper leben geschätzt 38 Billionen Bakterien, etwa so viele, wie er eigene Zellen hat. Zusammen wiegen sie rund 200 Gramm12. Diese Gemeinschaft, das Mikrobiom, wirkt an der Verwertung der Nahrung mit.

Auch das Mikrobiom scheint frühere Phasen zu speichern. Bei Mäusen blieb die Darmflora nach einer erfolgreichen Diät verändert, und die Tiere nahmen schneller wieder zu. Übertrug man diese Darmflora auf keimfreie Mäuse, nahmen auch diese schneller zu13. Für den Menschen ist das noch nicht belegt.

Das Mikrobiom: Bakterien und andere Kleinstlebewesen, die im Darm mit uns zusammenleben.
Das Mikrobiom: Bakterien und andere Kleinstlebewesen, die im Darm mit uns zusammenleben.

Die Triade

Zwei Gedächtnisse: eines lässt sich trainieren

Das FaceFormer-Training ist kein Abnehmprogramm. Es setzt an den Basisfunktionen Atmung, Schlucken und Kopfbalance an, die aus unserer Sicht vielen Abläufen im Körper vorausgehen.

Das Gedächtnis der Fettzelle

  • Sitzt als chemische Markierung am Erbgut der Fettzelle
  • Entsteht in Phasen mit Übergewicht
  • Lässt sich bisher nicht gezielt löschen
  • Kann mit der Zelle über Jahre weitergetragen werden

Das Gedächtnis des Nervensystems

  • Speichert Abläufe wie Atmen, Schlucken und Kopfbalance
  • Entsteht aus unserer Sicht im Regelfall früh, etwa durch Schnuller, Infekte oder eine verlegte Nase
  • Läuft ohne Nachdenken ab, am Tag und in der Nacht
  • Lässt sich durch genaue und häufige Wiederholung neu prägen

Neugeborene atmen bevorzugt durch die Nase, Kehlkopf und Gaumensegel liegen so, dass sie trinken und zugleich atmen können. In der Folge sagt Dr. Berndsen deshalb, dass Mundatmung nicht angeboren ist. Aus unserer Sicht ist sie im Regelfall kein Erbe der Familie, sondern ein Muster, das sich später einschleift, und was gelernt ist, lässt sich umlernen.

Atmung

Nasenatmung mit locker geschlossenen Lippen. Der Mundraum bleibt dicht, und die Luft nimmt den Weg durch die Nase, auch im Schlaf.

Schlucken

Nach dem Kauen legt sich die Zunge an den Gaumen, in die Zungenreferenzlage, und der Schluck läuft geordnet ab.

Kopfbalance

Der Kopf balanciert über dem Körper. Das hält aus unserer Sicht den Rachen frei und entlastet Nacken und Rumpf.

Im Training übst du diese drei Funktionen in einem Ablauf. Der FaceFormer liegt im Mundvorhof, hinter den Lippen und vor den Zähnen. Du drückst ihn mit den Lippen, beißt kurz auf und schluckst, die Zunge geht an den Gaumen, und du atmest durch die Nase.

Ab etwa Woche 6 kommt die Atemübung dazu, mit sechs Sekunden Einatmen, einer Pause mit Aufbeißen und Schlucken und sechs Sekunden Ausatmen. Die Atempause danach verlängerst du Woche für Woche in kleinen Schritten, nur so weit, wie es angenehm ist. Die kostenlose FaceFormer-App leitet die Grundübungen an, alle Module findest du auf den Übungsseiten.

Atemübung aus Modul 7: Die Atempause nach dem Ausatmen wächst über die Trainingswochen in kleinen Stufen.
Atemübung aus Modul 7: Die Atempause nach dem Ausatmen wächst über die Trainingswochen in kleinen Stufen.

Ein Versprechen zum Gewicht geben wir nicht, dafür wirken zu viele Faktoren mit. Das Training korrigiert die Basisfunktionen. Wie es aufgebaut ist und wie lange es dauert, erfährst du unter Ablauf und Dauer.

Alltag

Was du im Alltag tun kannst

01

Langsam essen

Leg das Besteck zwischen den Bissen ab und kau gründlich, bis der Bissen breiig ist. So bekommt das Sättigungssignal Zeit.

02

Lippen zu, Nase auf

Achte tagsüber auf locker geschlossene Lippen und Nasenatmung. Was am Tag zur Gewohnheit wird, trägt aus unserer Sicht in die Nacht.

03

Bewegung, die bleibt

Such dir eine Bewegung, die deine Gelenke schont und die du gern machst. Regelmäßigkeit zählt mehr als Intensität.

04

Schlaf ernst nehmen

Feste Schlafenszeiten und ein ruhiges, dunkles Schlafzimmer unterstützen die Hormone, die Hunger und Sättigung regeln.

05

Geduld mit dem Körper

Das Gedächtnis der Fettzellen braucht Zeit. Kleine Veränderungen, die du hältst, zählen mehr als eine strenge Diät auf Zeit.

Fragen

Häufig gefragt

Was ist der Jojo-Effekt?

Das Wiederzunehmen nach einer Diät, oft bis zum Ausgangsgewicht. Der Körper senkt danach seinen Energieverbrauch, die Hormone für Hunger und Sättigung verschieben sich, und das Fettgewebe trägt Spuren der früheren Phase.

Haben Fettzellen wirklich ein Gedächtnis?

Bei Mäusen ja. Eine Studie der ETH Zürich fand in den Fettzellen früher übergewichtiger Tiere epigenetische Markierungen, die nach dem Abnehmen blieben und die Tiere schneller wieder zunehmen ließen. Beim Menschen zeigte dieselbe Studie zwei Jahre nach einer Magenoperation veränderte Genaktivität im Fettgewebe. Die Markierungen selbst ließen sich in menschlichen Proben noch nicht messen.

Wie lange erinnern sich Fettzellen an das alte Gewicht?

Gemessen ist ein Zeitraum von zwei Jahren beim Menschen. Die oft genannten zehn Jahre ergeben sich aus der Lebensdauer der Fettzellen. Pro Jahr werden rund 10 % von ihnen erneuert, rechnerisch ist der Bestand also nach etwa zehn Jahren einmal ausgetauscht. Ob das Gedächtnis so lange hält, ist nicht untersucht.

Warum habe ich nach einer Diät mehr Hunger als vorher?

Weil das Sättigungshormon Leptin mit den Fettspeichern sinkt und das Hungerhormon Ghrelin steigt. In einer Studie mit 50 Personen waren beide ein Jahr nach der Diät noch verschoben. Das ist eine Reaktion des Körpers, kein Mangel an Willenskraft.

Kann man den Jojo-Effekt verhindern?

Sicher verhindern lässt er sich nach heutigem Wissen nicht. Gut belegt ist, dass regelmäßige Bewegung beim Halten des Gewichts hilft. Dazu kommen ausreichender Schlaf, langsames Essen mit gründlichem Kauen und Gewohnheiten, die du beibehalten kannst, statt einer strengen Diät auf Zeit.

Was hat Nasenatmung mit dem Stoffwechsel zu tun?

Bei Nasenatmung gelangt Stickstoffmonoxid aus den Nebenhöhlen in die Lunge, und in einer kleinen Messung lag der Sauerstoffdruck dabei höher als bei Mundatmung. Dass Nasenatmung beim Abnehmen hilft, zeigt keine Studie. Aus unserer Sicht wirkt sie über die Sauerstoffversorgung und einen ruhigeren Schlaf, der Hunger und Sättigung mitreguliert.

Hilft das FaceFormer-Training beim Abnehmen?

Das Training ist kein Abnehmprogramm, und ein Versprechen zum Gewicht geben wir nicht. Es trainiert die Basisfunktionen Atmung, Schlucken und Kopfbalance, also Nasenatmung, einen geordneten Schluckablauf und einen balancierten Kopf. Aus unserer Sicht sind das Grundlagen, auf denen Schlaf, Essen und Bewegung aufbauen.

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Dein Weg weiter

Dr. Klaus-Jürgen Berndsen
Dr. Klaus-Jürgen BerndsenEntwickler der FaceFormer-Therapie. Inhaltliche Grundlage: das Buch „Trust the Triad“. Stand: September 2026.

Quellen

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  2. Fothergill E, Guo J, Howard L, Kerns JC, Knuth ND, Brychta R, Chen KY, Skarulis MC, Walter M, Walter PJ, Hall KD (2016). Persistent metabolic adaptation 6 years after „The Biggest Loser“ competition. Obesity 24(8):1612-1619. PMID 27136388. Quelle
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  6. Sumithran P, Prendergast LA, Delbridge E, Purcell K, Shulkes A, Kriketos A, Proietto J (2011). Long-term persistence of hormonal adaptations to weight loss. New England Journal of Medicine 365(17):1597-1604. PMID 22029981. Quelle
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  14. Arterburn DE, Telem DA, Kushner RF, Courcoulas AP (2020). Benefits and Risks of Bariatric Surgery in Adults: A Review. JAMA 324(9):879-887. PMID 32870301. Quelle
  15. Wilding JPH, Batterham RL, Calanna S, Davies M, Van Gaal LF, Lingvay I et al. (2021). Once-Weekly Semaglutide in Adults with Overweight or Obesity. New England Journal of Medicine 384(11):989-1002. PMID 33567185. Quelle
  16. Wilding JPH, Batterham RL, Davies M, Van Gaal LF, Kandler K, Konakli K et al. (2022). Weight regain and cardiometabolic effects after withdrawal of semaglutide: The STEP 1 trial extension. Diabetes, Obesity and Metabolism 24(8):1553-1564. PMID 35441470. Quelle

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