Kiefer-OP (BiMax): Ablauf, Risiken und die Rolle der Funktion

Fachartikel Kiefer

Kiefer-OP (BiMax)Die Form wird neu gestellt, die Funktion muss nachziehen

Dir wurde eine BiMax-Operation oder eine Umstellungsosteotomie empfohlen, oder du hast sie schon hinter dir? Hier erfährst du, was bei einer Kiefer-OP geschieht, was sie leisten kann, welche Risiken belegt sind, warum sich ein Kiefer nach der Operation wieder verschieben kann und welche Rolle Atmung, Schlucken und Kopfbalance dabei spielen.

Kennst du das?

Eine Kiefer-OP steht im Raum, und du willst sie verstehen?

Was trifft auf dich zu?

Tippe an, was auf dich zutrifft.

Treffen mehrere Punkte zu, lohnt ein Blick auf beide Seiten. Die Operation verändert die Form der Kiefer. Wie Lippen, Zunge und Kopf danach arbeiten, bestimmt ein gespeichertes Muster aus Atmung, Schlucken und Kopfbalance, und das lässt sich trainieren.

Was belegt ist: RisikenWarum Rezidive vorkommen
Das ersetzt keine Untersuchung. Es zeigt dir nur, wo du in diesem Artikel weiterlesen kannst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die BiMax-Operation stellt Ober- und Unterkiefer chirurgisch neu ein. Bei ausgeprägter Kieferfehlstellung ist sie eine anerkannte Behandlung, und Studien zeigen Gewinne bei Lebensqualität und, als Vorverlagerung, bei schwerer Schlafapnoe.
  • Sie hat Risiken, etwa ein verändertes Gefühl an Unterlippe und Kinn, und ein Teil der Operierten zeigt Jahre später wieder Verschiebungen.
  • Die Operation ändert die Form, das Muster aus Atmung, Schlucken und Kopfbalance stellt sie nicht von selbst um. Wirkt es weiter, bekommt der Knochen weiter dieselben Reize, Rückfälle und Spannungen können folgen. Aus unserer Sicht gehört deshalb das Training der Funktion vor und nach die OP. Ob operiert wird, entscheidet die ärztliche Behandlung.

Video

Kiefer-OP und BiMax: Warum die Funktion dazugehört

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Grundlagen

Was ist eine BiMax-OP? Die Umstellungsosteotomie kurz erklärt

Wenn Ober- und Unterkiefer so ungünstig zueinander stehen, dass Zahnbewegung allein nicht reicht, kommt die Dysgnathie-Chirurgie ins Spiel.

Bei einer BiMax-Operation werden beide Kiefer operiert. Der Oberkiefer wird oberhalb der Zahnwurzeln waagerecht gelöst, der Unterkiefer an beiden Seiten hinter den Backenzähnen längs durchtrennt. Dann werden die Teile in die geplante Lage gebracht und mit kleinen Platten und Schrauben fixiert. Fachleute sprechen von einer Umstellungsosteotomie oder orthognathen Chirurgie. Wird nur ein Kiefer bewegt, etwa um den Unterkiefer vorzuverlagern, heißt der Eingriff monomaxillär.

DysgnathieEine Fehlstellung der Kiefer zueinander, nicht nur der Zähne, etwa Rücklage oder Vorlage des Unterkiefers oder ein offener Biss
bimaxillärBeide Kiefer betreffend, also Oberkiefer (Maxilla) und Unterkiefer (Mandibula)
OsteotomieDas gezielte Durchtrennen eines Knochens, um ihn in eine neue Lage zu bringen
20%

der Bevölkerung wichen in einer großen US-Erhebung von der idealen Bisslage ab1

2%

hatten eine so ausgeprägte Abweichung, dass sie an der Grenze dessen lag, was sich kieferorthopädisch allein korrigieren lässt1

Kieferfehlstellungen sind also häufig, die operationsbedürftigen aber selten. Eine Kiefer-OP kommt infrage bei deutlicher Rücklage oder Vorlage des Unterkiefers, beim skelettalen offenen Biss, bei Asymmetrien und bei manchen Formen der Schlafapnoe. Ob sie angezeigt ist, klären Kieferorthopädie und Kieferchirurgie gemeinsam. Die Entscheidung ist ärztlich und hängt vom Befund ab.

Ablauf

Kiefer-OP Ablauf: Spange, Eingriff, Spange

Die Operation selbst dauert einige Stunden. Die Behandlung drumherum zieht sich in der Regel über viele Monate.

Eine Umstellungsosteotomie ist in der Regel Teil einer kombinierten Behandlung. Vor dem Eingriff werden die Zähne mit einer festen Spange so ausgerichtet, dass sie nach der Umstellung aufeinanderpassen. Oft wird der Biss dafür vorübergehend sogar ungünstiger.

Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose, danach folgen einige Tage im Krankenhaus, Schwellung und weiche Kost. Die Feineinstellung der Zähne übernimmt anschließend wieder die Kieferorthopädie.

Eine Kiefer-OP ist ein Eingriff in Vollnarkose, geplant von Kieferorthopädie und Kieferchirurgie gemeinsam.
Eine Kiefer-OP ist ein Eingriff in Vollnarkose, geplant von Kieferorthopädie und Kieferchirurgie gemeinsam.
  1. Vorher

    Diagnostik und Planung

    Röntgen, Modelle, oft eine digitale Planung. Hier fällt die Entscheidung, ob ein oder beide Kiefer operiert werden.

  2. Vorbereitung

    Kieferorthopädie

    Mit fester Spange werden die Zähne auf die spätere Kieferlage ausgerichtet.

  3. Eingriff

    Umstellung

    Die Kiefer werden durchtrennt, neu positioniert und mit Platten und Schrauben fixiert.

  4. Die ersten Wochen

    Heilung

    Schwellung, weiche Kost, eingeschränkte Mundöffnung. Das Gefühl an Lippe und Kinn kann verändert sein.

  5. Danach

    Nachbehandlung

    Die Kieferorthopädie stellt den Biss fein ein, oft folgt ein Retainer. Jetzt muss sich auch die Funktion auf die neue Form einstellen.

Nutzen

Was eine Kiefer-OP leisten kann

Eine faire Einordnung beginnt mit dem, was belegt ist, und bei ausgeprägtem Befund ist das eine ganze Menge.

Eine Übersichtsarbeit aus Brasilien wertete zwölf Studien zur Lebensqualität von Menschen mit ausgeprägter Kieferfehlstellung aus. Nach der Operation fiel sie in den Fragebögen besser aus als vorher2. Wer vorn nicht abbeißen kann oder unter seinem Profil leidet, erlebt eine gelungene Operation oft als Erleichterung.

63,9 auf 9,5pro Stunde

sank im Mittel der Apnoe-Hypopnoe-Index bei 627 Erwachsenen mit Schlafapnoe nach Vorverlagerung beider Kiefer3

86%

der Operierten erfüllten in dieser Auswertung die Erfolgskriterien, schwere Komplikationen traten bei 1 % auf3

Bei schwerer obstruktiver Schlafapnoe ist die Vorverlagerung von Ober- und Unterkiefer damit eine wirksame Option, vor allem dann, wenn andere Behandlungen nicht getragen werden oder nicht ausreichen. Sie vergrößert den Raum hinter Zunge und Gaumensegel, indem sie das Gesichtsskelett nach vorn bringt.

Manchmal wird die Operation auch als Lösung für Mundatmung und Schnarchen dargestellt. An der Ursache setzt sie aus unserer Sicht nicht an. Sie schafft Raum im Rachen, ändert aber nicht, wie Zunge, Rachenmuskulatur und Mundschluss ihn im Schlaf nutzen. Bei 14 % der Operierten reichte das in der Metaanalyse nicht für die Erfolgskriterien3. Vor einem so großen Eingriff lohnt deshalb der Blick auf Atmung, Schlucken und Kopfbalance, danach gehört das Training dazu. Mehr unter Schnarchen und Schlafapnoe.

Eine Operation kann die Voraussetzung verbessern.Sie schafft Raum und eine passende Form. Wie Lippen, Zunge und Kopf diesen Raum danach nutzen, entscheidet sich im Alltag.

Risiken

Kiefer-OP Risiken: was belegt ist

Keine Operation ist frei von Risiken. Wichtig ist, sie so zu kennen, wie Studien sie beschreiben, nicht größer und nicht kleiner.

Das bekannteste Risiko betrifft den Unterkiefernerv. Er verläuft im Knochen und versorgt Unterlippe und Kinn mit Gefühl. Bei der Durchtrennung des Unterkiefers liegt er nah am Operationsfeld. In den ersten Wochen ist ein taubes oder kribbelndes Gefühl häufig, bei vielen bildet es sich innerhalb von Monaten zurück4. Wie oft es bleibt, hängt stark davon ab, wie gemessen wird. Eine belgische Übersicht fand in 61 Berichten sehr unterschiedliche Angaben, weil einheitliche Messverfahren fehlen5.

15%

von 376 Operierten berichteten in einer Verlaufsstudie drei Jahre nach der Unterkieferosteotomie ein verändertes Gefühl an Unterlippe oder Kinn. Höheres Alter war ein Risikofaktor6

Dazu kommen die Risiken jedes größeren Eingriffs, etwa Blutung, Infektion und Wundheilungsstörungen. Und es geht um die Atemwege. Wird der Unterkiefer allein nach hinten verlegt, wird der Rachen dahinter enger. Eine Übersicht über sechs systematische Reviews fand das bestätigt, bei gleichzeitiger Bewegung des Oberkiefers fiel die Verengung geringer aus. Eine nach der Operation neu entstandene Schlafapnoe war nicht belegt, die Autoren raten aber, das bei der Planung ernst zu nehmen7.

Die individuelle Aufklärung über Risiken gehört in das Gespräch mit deiner Kieferchirurgie. Frag dort auch nach der Atmung. Wohin wird der Unterkiefer bewegt, und was bedeutet das für den Raum hinter der Zunge? Atmest du schon heute nachts durch den Mund oder schnarchst du, gehört das in die Planung.

Stabilität

Rezidiv: wenn sich der Kiefer zurückbewegt

Nach der Heilung ist das Ergebnis nicht in jedem Fall abgeschlossen. Ein Teil der Operierten zeigt über die Jahre wieder Veränderungen.

William Proffit und Kollegen von der University of North Carolina haben die Stabilität verschiedener Kieferbewegungen über viele Jahre verfolgt. Ihr Befund: Klinisch bedeutsame Veränderungen von mehr als zwei Millimetern traten zwischen dem ersten und fünften Jahr nach der Operation bei einem überraschend großen Anteil der Operierten auf, also lange nachdem der Knochen verheilt war. Die Zähne glichen die Verschiebung oft aus, sodass der Biss stabiler wirkte als das Skelett8.

82%

der operativ behandelten offenen Bisse waren in einer Metaanalyse von Fallserien nach mindestens einem Jahr noch geschlossen9

Aufschlussreich ist eine Arbeit aus dem Jahr 2025. Von 50 Operierten mit offenem Biss zeigten 16 schon nach sechs Monaten ein Rezidiv. Diese Gruppe war älter und hatte seltener und kürzer eine begleitende Rehabilitation bekommen. Eine Sprachtherapie erhielten dort 19 %, in der stabilen Gruppe 62 %. Die Autoren nennen das fortbestehende kindliche Schluckmuster als eine Hauptursache für Rückfälle beim offenen Biss10. Die Studie ist rückblickend und klein, einen Beweis liefert sie nicht. Sie zeigt aber, wo die Frage liegt.

Ein Kiefer hat eine Formgeschichte.Sie entsteht aus frühen Entwicklungsbedingungen und aus Funktionen, die im Alltag weiterlaufen. Eine Operation verändert ihr Ergebnis. Die Kräfte, die weiterwirken, verändert sie nicht von selbst.

Ursachen

Wie eine Kieferfehlstellung entsteht

Nicht jede Fehlstellung ist erworben. Gene, Wachstum und Erkrankungen spielen mit. Funktionen aber wirken jeden Tag, über Jahre.

Wie wichtig die Atmung für das Wachstum der Kiefer ist, zeigten Versuche an jungen Rhesusaffen in San Francisco. Wurde ihre Nase verschlossen, hielten sie den Mund offen, senkten den Unterkiefer oder schoben die Zunge vor. Mit der Zeit veränderten sich bei allen Tieren Gesicht und Biss11. Beim Menschen wuchs der Unterkiefer nach Entfernung vergrößerter Rachenmandeln bei Mädchen in einer schwedischen Verlaufsstudie deutlich horizontaler, bei Jungen blieb die Tendenz unsicher12.

  1. Das Steuerungsmuster weicht ab

    Mundatmung, eine tief liegende Zunge oder ein nach vorn wandernder Kopf, oft schon früh in der Kindheit.

  2. Der Körper kompensiert

    Lippen, Zunge und Unterkiefer weichen aus, damit Atmen und Schlucken weiter gelingen. Das Nervensystem speichert den Ausgleich als bevorzugtes Muster.

  3. Die Form folgt

    Über Jahre verändern die fehlenden oder falschen Kräfte Gaumenform, Zahnstellung und die Lage der Kiefer zueinander.

  4. Der Befund wird sichtbar

    Offener Biss, Rücklage oder Vorlage des Unterkiefers. Am Ende steht bei vielen die Frage nach einer Operation.

Die Kette beginnt oft schon beim Säugling. Beim Stillen sucht die Zungenspitze einen fühlbaren Punkt am vorderen Gaumen, und Saugen, Schlucken und Nasenatmung laufen im Takt. Das ist ein frühes Training des Musters. Fällt das Stillen weg oder ist es kurz, was viele Gründe haben kann, fehlt ein Teil dieses Trainings. Kommen Störfaktoren wie Dauerschnuller, Daumenlutschen oder eine verlegte Nase hinzu, kann sich ein abweichendes Muster etablieren.

Dazu passt eine brasilianische Geburtskohorte. Länger gestillte Jugendliche hatten seltener einen vergrößerten Überbiss, und dieser Zusammenhang lief zu einem wesentlichen Teil über einen geringeren Schnullergebrauch13. Aus unserer Sicht liegt der Ausgangspunkt vieler Kausalketten im Regelfall in den Basisfunktionen Atmung, Schlucken und Kopfbalance. Den Grundgedanken dazu findest du auch im Artikel zur CMD, wo dieselben Muster auf das Kiefergelenk wirken.

Einordnung

Neue Form, altes Muster?

Eine Operation stellt die Knochen um. Die Muskeln, die an ihnen ziehen, und die Steuerung dahinter stellen sich nicht automatisch mit um.

Zähne und Kiefer stehen in einem Gleichgewicht der Kräfte. Proffit beschrieb 1978 als wichtigste Größen den Ruhedruck von Zunge und Lippen. Die Atmung beeinflusst dabei die Haltung von Kopf, Kiefer und Zunge14.

Entscheidend ist also, was stundenlang anliegt. Liegt die Zunge unten und stehen die Lippen offen, bekommt auch ein frisch umgestellter Kiefer weiter dieselben Reize. Aus unserer Sicht liegt die Ursache einer Kieferfehlstellung im Regelfall in diesem Muster aus Atmung, Schlucken und Kopfbalance, und die Operation stellt es nicht von selbst um. Wirkt es weiter, können Rückfälle folgen oder Spannungen in Kaumuskeln und Kiefergelenk, weil Muskeln und neue Form nicht zueinander passen.

Schema: Von außen wirken Lippen und Wangen auf Zähne und Kiefer, von innen die Zunge. Die Form steht in ihrem Gleichgewicht.
Schema: Von außen wirken Lippen und Wangen auf Zähne und Kiefer, von innen die Zunge. Die Form steht in ihrem Gleichgewicht.

Ob sich die Funktion nach einer Operation von selbst einstellt, ist nicht einheitlich belegt. Bei zehn Operierten stieg der zu niedrige Zungendruck gegen die oberen Zähne nach der Umstellung auf normale Werte. Proffit deutete das so, dass die Funktion der Form folgt15. Andere Arbeiten zeigen, dass sich die Funktion nicht bei allen Operierten von selbst einstellt, und auch die Lage von Zunge und Kopf verändert sich mit.

19 von 30Operierten

brauchten nach Abschluss der kieferorthopädisch-chirurgischen Behandlung noch eine Therapie, um Schlucken und Zungenhaltung neu zu lernen16

60Operierte

mit Rückverlagerung des Unterkiefers: Zunge und Zungenbein lagen danach weiter hinten, der Rachen blieb enger, die Kopf- und Halshaltung veränderte sich17

Wie ein neu eingerichtetes Zimmer

Stellst du die Möbel um, läufst du trotzdem noch wochenlang die alten Wege. Der Raum ist neu, die Gewohnheit nicht. So ähnlich sehen wir den Kiefer nach einer Operation. Die gespeicherten Bewegungen müssen sich erst auf die neue Form einstellen, und dafür braucht es Wiederholung.

Für ein Training nach der Operation gibt es erste Belege. Eine Übersichtsarbeit von 2025 fand für die Zeit nach Kieferoperationen Hinweise, dass myofunktionelle Therapie Funktionsstörungen bessern kann. Insgesamt fehlen hochwertige Studien18. In einer randomisierten Studie verbesserte sich das Kauen bei Operierten mit Therapie bis sechs Monate nach dem Eingriff, die Messwerte näherten sich denen von Menschen mit regelrechtem Biss19. Zum FaceFormer rund um Kiefer-OPs gibt es keine eigene Studie, unsere Studienlage steht unter Studien und Wissenschaft.

Die Triade

Atmung, Schlucken und Kopfbalance rund um die OP

Drei Basisfunktionen bestimmen, welche Kräfte nach der Operation auf die neue Form wirken.

Atmung

Durch die Nase bei locker geschlossenen Lippen. Bei Mundatmung sinkt der Unterkiefer ab, und die Zunge folgt ihm nach unten. Warum freie Nasenatmung eine Fähigkeit ist, zeigt der Artikel zur Nasenscheidewand.

Schlucken

Viele hundert bis tausend Mal am Tag. Beim physiologischen Schluck legt sich die Zunge an den Gaumen, die Zähne berühren sich kurz, die Lippen bleiben locker. Drückt die Zunge nach vorn, wirkt das auf den Biss. Mehr im Artikel Schlucken und Schluckstörung.

Kopfbalance

Balanciert der Kopf über dem Körper, finden Unterkiefer, Zungenbein und Zunge ihren Platz. Wandert er nach vorn, ändern sich aus unserer Sicht Zug und Spannung am Unterkiefer und die Weite des Rachens.

Den Ausgangspunkt bildet die Zungenreferenzlage. Die Zungenspitze liegt an der kleinen Erhebung hinter den oberen Schneidezähnen, der Zungenrücken schmiegt sich an den Gaumen. Eine feste „Zungenruhelage“ gibt es so eigentlich nicht, denn die Zunge bewegt sich ständig und kehrt in diese Form zurück.

Warum das so ist und wie du sie findest, erklärt der Artikel zur Zungenruhelage.

Im Profil: Lippen locker um den Lippenkeil, der Kopf balanciert über dem Körper.
Im Profil: Lippen locker um den Lippenkeil, der Kopf balanciert über dem Körper.

Wo liegt deine Zungenspitze gerade, während du das liest?

3D-Film

Die Zugübung in drei Richtungen

Die Animation zeigt in 45 Sekunden, wie Lippen, Zunge und Schlucken gegen einen sanften Zug zusammenarbeiten, bei aufrecht balanciertem Kopf. Zug nach oben und unten gehören zu den erweiterten Modulen 4 und 5.

Training

Training vor und nach der Kiefer-OP: das Muster einstellen

Sich vorzunehmen, mit geschlossenen Lippen durch die Nase zu atmen, klappt eine Weile. Im Gespräch und im Schlaf übernimmt wieder das alte Muster. Ein Kompensationsmuster wird nicht durch Einsicht aufgegeben, sondern durch präzise, häufige Wiederholung verdrängt. Das FaceFormer-Training übt Lippenschluss, Nasenatmung, Zungenausrichtung, Schluckakt und Kopfbalance im selben Ablauf. Es wird vor und nach Operationen an Gesicht, Kiefer oder Zunge eingesetzt.

In der Grundübung liegt der FaceFormer im Mundvorhof, hinter den Lippen und vor den Zähnen. Du presst den Lippenkeil mit den Lippen zusammen, beißt kurz mit den Backenzähnen auf und schluckst einmal.

Der Unterkiefer bleibt dabei in seiner gewohnten Lage und wird nicht vorgeschoben. Gerade nach einer Umstellung ist das wichtig, denn trainiert wird das Zusammenspiel, nicht eine neue Kieferstellung.

3D-Film im Seitenschnitt: Grün markiert bleibt der Unterkiefer in seiner Lage, rot markiert wird er nach vorn geschoben. Das soll im Training nicht passieren.

Ab Woche 3 kommt die Zugübung dazu. Du ziehst den Lippenkeil sanft nach vorn, während die Lippen den Mundschluss halten.

Im Mund entsteht ein Unterdruck, die Membran saugt sich an die Zahnreihen an, und die Zunge wird an den Gaumen gezogen. Lippen, Zunge und Schlucken arbeiten so auch unter Belastung zusammen.

3D-Film: Bei der Zugübung zieht die Hand den Lippenkeil nach vorn, die Lippen halten dagegen.
  1. Vor der OP

    Muster kennenlernen

    Grundübung dreimal täglich mit dem FaceFormer ZERO. Lippenschluss, Zungenreferenzlage und Nasenatmung lernst du schon vor dem Eingriff.

  2. Nach dem Eingriff

    Heilung abwarten

    Du pausierst, bis die Wunden verheilt sind und die operierende Praxis zustimmt.

  3. Wiedereinstieg

    Behutsam beginnen

    Wenige Wiederholungen der Grundübung mit dem weicheren ZERO. Mundöffnung und Gefühl im Mund bestimmen das Tempo.

  4. Ab etwa Woche 3

    Zugübung

    Die Zugübung kommt dazu. Nach einigen Wochen trainierst du tagsüber mit dem FaceFormer ONE, gleich groß, nur aus festerem Material.

  5. Über Monate

    Das Muster läuft von selbst

    Bis die neuen Abläufe ohne Nachdenken laufen, rechnet das Übungsmanual mit sechs bis zwölf Monaten, danach folgt ein Erhaltungstraining.

Nach einer Kieferoperation klärst du den Einstieg am besten vorher mit deiner Praxis oder mit uns unter 02303 89991. Retainer, Schienen oder andere verordnete Mittel setzt du nicht eigenmächtig ab, das Training lässt sich damit kombinieren. Weitere Beiträge findest du unter Vor und nach Operationen an Gesicht, Kiefer oder Zunge.

Kosten

Was kostet eine BiMax-OP? Kasse oder privat

Was eine BiMax-OP kostet, hängt vor allem davon ab, ob sie medizinisch nötig ist. Bei einer schweren Kieferfehlstellung, die kieferchirurgisch und kieferorthopädisch gemeinsam behandelt werden muss, kann die Kasse auch bei Erwachsenen die Kosten übernehmen, wenn die Behandlung medizinisch nötig ist und sie vorher zugestimmt hat. Eine belastbare Durchschnittssumme für Selbstzahler gibt es nicht, deshalb nennen wir keine Zahl.

Gesetzlich versichert, medizinisch nötig

Erwachsene haben bei der Kasse grundsätzlich keinen Anspruch auf eine Kieferorthopädie. Die Ausnahme sind schwere Kieferanomalien, die kombinierte kieferchirurgische und kieferorthopädische Behandlung erfordern20. Dann kann die Kasse die kombinierte Behandlung übernehmen: die Spange nach § 28 Abs. 2 SGB V, die Operation als Krankenhausbehandlung nach § 39. Für den Klinikaufenthalt fallen die gesetzlichen Zuzahlungen an2223.

Der Eigenanteil bei der Spange

Für die kieferorthopädische Behandlung vor und nach der OP zahlst du zunächst 20 % der Kosten an die Praxis. Die Kasse erstattet diesen Anteil, wenn die Behandlung im geplanten Umfang abgeschlossen ist21.

Privat versichert

Was übernommen wird, regelt dein Tarif. Abgerechnet wird nach den Gebührenordnungen für Ärzte (GOÄ) und für Zahnärzte (GOZ). Lass dir vorher einen Kostenplan geben und die Übernahme schriftlich bestätigen.

Aus ästhetischen Gründen

Ist die Operation vor allem für das Profil gewünscht und liegt keine schwere Kieferanomalie vor, zahlst du sie in der Regel selbst. Die Summe setzt sich aus Kieferorthopädie, Operation, Narkose, Klinik und Nachsorge zusammen und schwankt mit Befund und Aufwand.

Zu den Kosten gehört auch die Zeit. Die Behandlung zieht sich mit Spange vor und nach dem Eingriff über lange Zeit, dazu kommen der Klinikaufenthalt und die Erholung danach. Wie lange das in deinem Fall dauert, kann dir nur die behandelnde Praxis sagen.

Eine verbindliche Zahl nennt dir nur der Behandlungs- und Kostenplan deiner Praxis. Frag dort auch nach Zusatzleistungen, die nicht übernommen werden. Das FaceFormer-Training übernehmen die Krankenkassen in der Regel nicht, mehr dazu auf der Seite Kostenübernahme durch die Krankenkasse.

Entscheidung

Vor der Entscheidung: Fragen für dein Gespräch

Aus unserer Sicht erlebt die Kiefer-OP in sozialen Netzwerken einen Hype, sie wird dort teils als Abkürzung zu einem anderen Gesicht dargestellt. Sie ist ein großer Eingriff mit Vollnarkose, monatelanger Vor- und Nachbehandlung, einem belegten Risiko für verändertes Gefühl an Lippe und Kinn und der Möglichkeit, dass sich der Kiefer Jahre später wieder verschiebt. Wer aus ästhetischen Gründen operieren will, sollte all das vorher in Ruhe abwägen.

Ob eine Kiefer-OP für dich sinnvoll ist, entscheidest du gemeinsam mit Kieferorthopädie und Kieferchirurgie. Diese Fragen helfen, das Gespräch vorzubereiten. Wie Operation, Spange, Schiene und Training zusammenpassen, beschreibt die Seite FaceFormer und andere Behandlungen.

01

Warum operieren?

Geht es um Kauen und Biss, um die Atmung im Schlaf oder um das Profil? Davon hängt ab, was du erwarten kannst.

02

Welche Bewegung ist geplant?

Wird der Unterkiefer nach vorn oder nach hinten verlegt, einer oder beide Kiefer? Frag nach der Wirkung auf den Rachenraum.

03

Wie stabil ist das Ergebnis?

Frag, wie häufig sich bei deiner Art der Fehlstellung der Kiefer später wieder verschiebt und was die Praxis dagegen tut.

04

Wer kümmert sich um die Funktion?

Aus unserer Sicht gehört vor jede Kiefer-OP die Frage, warum die Kiefer so stehen. Frag, ob Atmung, Schlucken, Zungenreferenzlage und Kopfbalance vor und nach der Operation untersucht und trainiert werden.

05

Was ist mit dem Gefühl im Gesicht?

Wie hoch ist bei dir das Risiko für ein verändertes Gefühl an Lippe und Kinn, auch mit Blick auf dein Alter?

Fragen

Häufig gefragt

Was ist eine BiMax-OP?

Eine BiMax-Operation ist eine Umstellungsosteotomie beider Kiefer. Ober- und Unterkiefer werden durchtrennt, in eine neue Lage gebracht und mit Platten und Schrauben fixiert. Sie wird bei ausgeprägten Kieferfehlstellungen eingesetzt, in der Regel in Kombination mit einer kieferorthopädischen Behandlung davor und danach.

Wann ist eine Kiefer-OP sinnvoll?

Wenn die Kiefer so ungünstig zueinander stehen, dass Zahnbewegung allein nicht reicht, etwa bei deutlicher Rücklage oder Vorlage des Unterkiefers, bei einem skelettalen offenen Biss, bei Asymmetrien oder bei manchen Formen schwerer Schlafapnoe. Aus unserer Sicht gehört vor jede Kiefer-OP die Frage, warum die Kiefer so stehen, also eine Untersuchung von Atmung, Schlucken, Zungenreferenzlage und Kopfbalance. Bei Kindern und Jugendlichen im Wachstum ist das besonders wichtig, weil sich die Kieferform unter der täglichen Funktion entwickelt. Ob operiert wird, entscheiden Kieferorthopädie und Kieferchirurgie nach Befund.

Welche Risiken hat eine Kiefer-OP?

Neben den allgemeinen Risiken einer Operation vor allem ein verändertes Gefühl an Unterlippe und Kinn. In einer Studie mit 376 Operierten berichteten drei Jahre nach dem Eingriff 15 % davon. Wird der Unterkiefer allein nach hinten verlegt, kann der Rachenraum enger werden. Über dein persönliches Risiko klärt dich die Kieferchirurgie auf.

Was kostet eine BiMax-OP und zahlt die Krankenkasse?

Bei einer schweren Kieferfehlstellung, die kieferchirurgisch und kieferorthopädisch gemeinsam behandelt werden muss, kann die gesetzliche Krankenkasse auch bei Erwachsenen die Kosten übernehmen, wenn die Behandlung medizinisch nötig ist und sie vorher zugestimmt hat. Für die Spange leistest du zunächst einen Eigenanteil von 20 %, den die Kasse nach Abschluss erstattet, dazu kommen die Zuzahlungen für die Klinik. Ist die OP vor allem ästhetisch gewünscht, zahlst du in der Regel selbst. Eine belastbare Durchschnittssumme gibt es nicht, verbindlich ist der Kostenplan der Praxis.

Kann sich der Kiefer nach der Operation wieder verschieben?

Ja, bei einem Teil der Operierten. Langzeitdaten zeigen klinisch bedeutsame Veränderungen auch Jahre nach der Heilung. Beim offenen Biss nennen die Autoren einer aktuellen Studie das fortbestehende kindliche Schluckmuster als eine Hauptursache für Rückfälle. Die Operation stellt die Knochen um, das Muster aus Atmung, Schlucken und Kopfbalance stellt sie nicht von selbst mit um. Wirkt es weiter, bekommt der Knochen weiter dieselben Reize. Aus unserer Sicht gehört das Training der Funktion deshalb vor und nach der Operation dazu.

Hilft eine Kiefer-OP bei Schlafapnoe?

Die Vorverlagerung von Ober- und Unterkiefer ist bei schwerer obstruktiver Schlafapnoe eine wirksame Option. In einer Metaanalyse sank der Apnoe-Hypopnoe-Index im Mittel von 63,9 auf 9,5 pro Stunde. Den gewonnenen Raum nutzen Zunge und Rachenmuskulatur im Schlaf aber weiter nach ihrem gewohnten Muster, deshalb gehört aus unserer Sicht das Training der Funktion dazu. Ob die Operation für dich infrage kommt, entscheidet die Schlafmedizin gemeinsam mit der Kieferchirurgie.

Kann ich nach einer Kiefer-OP mit dem FaceFormer trainieren?

Das Training wird vor und nach Operationen an Gesicht, Kiefer oder Zunge eingesetzt. Nach dem Eingriff beginnst du erst, wenn die Wunden verheilt sind und die operierende Praxis zustimmt. Den Einstieg klärst du am besten vorher mit deiner Praxis oder mit uns unter 02303 89991.

Ich trage nach der OP einen Retainer. Muss ich trotzdem trainieren?

Aus unserer Sicht ja. Ein Retainer hält die Zähne in der erreichten Stellung, an den Kräften von Lippen und Zunge ändert er nichts. Sie wirken in Ruhe und bei jedem Schluckakt weiter auf Zähne und Kiefer. Retainer und Training ergänzen sich deshalb: Der Retainer sichert die Form, das Training setzt an der Funktion an. Du trainierst tagsüber. Ob du einen herausnehmbaren Retainer dafür herausnimmst, klärst du mit deiner Praxis. Eigenmächtig absetzen solltest du ihn nicht.

Was hat Mundatmung mit einer Kieferfehlstellung zu tun?

Bei Mundatmung sinkt der Unterkiefer ab, die Zunge liegt tiefer, und die Kräfte auf Gaumen und Zähne verändern sich. Tierversuche und Studien an Kindern zeigen, dass das Kieferwachstum darauf reagiert. Aus unserer Sicht liegt hier im Regelfall der Anfang vieler Kausalketten.

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Dr. Klaus-Jürgen Berndsen
Dr. Klaus-Jürgen BerndsenEntwickler der FaceFormer-Therapie. Inhaltliche Grundlage: das Buch „Trust the Triad“. Stand: September 2026.

Quellen

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  21. Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V), § 39 Abs. 4 (Zuzahlung bei vollstationärer Krankenhausbehandlung, längstens 28 Tage je Kalenderjahr). Abgerufen am 06.10.2026. Quelle
  22. Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V), § 61 Satz 2 (Höhe der Zuzahlung bei stationären Maßnahmen, 10 Euro je Kalendertag). Abgerufen am 06.10.2026. Quelle

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