
Fachartikel Kiefer
Kopfbiss und KreuzbissWarum der Unterkiefer muskulär geführt wird
Die Schneidezähne treffen Kante auf Kante, oder unten steht außen? Hier erfährst du, was Kopfbiss und Kreuzbiss sind, warum Muskeln und Zunge den Unterkiefer führen und wie Training und Zahnspange zusammenpassen.
Kennst du das?
Wie treffen deine Zähne aufeinander?
Was trifft auf dich zu?
Tippe an, was auf dich zutrifft.
Treffen zwei oder mehr Punkte zu, lohnt ein genauerer Blick auf deinen Biss und darauf, was ihn führt. Aus unserer Sicht ist das im Regelfall nicht der Knochen allein, sondern die Muskulatur mit der Zunge in ihrer Mitte.
Was Kopfbiss und Kreuzbiss sindWarum der Unterkiefer geführt wirdDas Wichtigste in Kürze
- Beim Kopfbiss treffen die Schneidekanten aufeinander. Beim Kreuzbiss stehen untere Zähne außen vor den oberen, vorn oder seitlich, auf einer oder beiden Seiten.
- Der Unterkiefer hängt an zwei Gelenken und in Muskeln. Wo er steht, bestimmt aus unserer Sicht im Regelfall die Muskulatur, und die Zunge zentriert ihn von innen.
- Zahnspange und Operation verändern die Form, nicht das Muster. Eine Operation ist deshalb aus unserer Sicht keine gute erste Wahl, und ob eine Spange hält, entscheidet die Funktion. Sie trainierst du am besten parallel.
Video
Überbiss, Kopfbiss, Kreuzbiss: Kieferfehlstellungen verstehen
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Die Begriffe
Kopfbiss und Kreuzbiss: was damit gemeint ist
Im regelrechten Biss überdecken die oberen Schneidezähne die unteren ein kleines Stück, und seitlich greifen die oberen Backenzähne außen über die unteren.
Beim Kopfbiss treffen die Schneidezähne Kante auf Kante, statt sich zu überlappen. Beim Kreuzbiss kreuzen sich die Zahnreihen, und untere Zähne stehen außen vor den oberen. Liegt das vorn, heißt es frontaler Kreuzbiss. Liegt es bei den Backenzähnen, spricht man vom seitlichen Kreuzbiss, einseitig oder beidseitig.
Regelbiss
Die oberen Schneidezähne überdecken die unteren ein Stück, seitlich greifen die oberen Backenzähne außen über die unteren.
Kopfbiss
Die Schneidekanten treffen aufeinander. Oft fehlt dann der Kontakt der Backenzähne, oder er entsteht erst, wenn der Unterkiefer ausweicht.
Frontaler Kreuzbiss
Einzelne oder alle unteren Schneidezähne stehen vor den oberen. Steht der ganze Unterkiefer vorn, spricht man von Progenie oder einer Tendenz dazu.
Seitlicher Kreuzbiss
Bei den Backenzähnen beißen die unteren außen über die oberen. Ist nur eine Seite betroffen, rückt die Mitte des Unterkiefers häufig zu dieser Seite.
Beidseitiger Kreuzbiss
Auf beiden Seiten stehen die unteren Backenzähne außen, der Oberkiefer wirkt im Verhältnis schmal.
der Kinder und Jugendlichen in Europa beziehungsweise in Amerika haben nach einer Cochrane-Übersicht einen seitlichen Kreuzbiss1
Ein Kreuzbiss kann darauf beruhen, dass die Kiefer verschieden breit gewachsen sind, dass Zähne gekippt stehen oder dass der Unterkiefer beim Zubeißen ausweicht. Derselbe Befund kann also verschiedene Geschichten haben. Treffen sich die Schneidezähne gar nicht, liegt ein offener Biss vor, siehe Offener Biss und Zungenvorschub.
Zeichen
Kreuzbiss und Kopfbiss: Symptome, die du bemerkst
Viele merken einen Kreuzbiss oder Kopfbiss nicht an den Zähnen selbst, sondern an dem, was drumherum geschieht.
Wangenbeißen auf einer Seite
Du beißt dir wiederholt auf dieselbe Wange. Häufig steht der Unterkiefer dann zur Gegenseite verschoben.
Verschobene Mitte
Die Mitte der unteren Schneidezähne liegt neben der Mitte der oberen.
Kauen auf einer Seite
Eine Seite fühlt sich beim Kauen sicherer an, die andere meidest du.
Abgeriebene Kanten
Beim Kopfbiss reiben die Schneidekanten aufeinander und nutzen sich sichtbar ab. Abbeißen fällt schwer.
Lippen arbeiten mit
Fehlt beim Schlucken der Kontakt der Backenzähne, gleichen Lippen und Kinn mit Druck aus.
Das Kiefergelenk meldet sich
Knacken, Druck vor dem Ohr oder verspannte Kaumuskeln, oft auf einer Seite. Mehr im Artikel zu CMD.
Ein einseitiger Kreuzbiss zeigt sich oft auch im Gesicht. Steht der Unterkiefer über Jahre aus der Mitte, passen sich Muskeln und Weichteile an. Wie sich dabei Lage und Form unterscheiden, beschreibt der Artikel Gesichtsasymmetrie und schiefer Kiefer.
Das Herzstück
Der Unterkiefer wird muskulär geführt
Der Oberkiefer ist fest mit dem Schädel verbunden. Der Unterkiefer ist ein eigener, beweglicher Knochen, und genau hier entscheidet sich, wie ein Biss zustande kommt.
Der Unterkiefer hängt über zwei Kiefergelenke am Schädel. Getragen und bewegt wird er von Muskeln: Kaumuskel und Schläfenmuskel schließen den Mund, die Mundbodenmuskeln öffnen ihn, die Flügelmuskeln schieben ihn nach vorn und zur Seite. Ohne diese Muskeln fiele er schlicht herunter.
Wo der Unterkiefer steht und wo die Zähne aufeinandertreffen, bestimmt deshalb aus unserer Sicht im Regelfall nicht der Knochen allein, sondern das Zusammenspiel dieser Muskeln. Arbeiten sie beidseits ausgewogen, steht der Unterkiefer in der Mitte.

Probier es aus: Neig den Kopf zur Seite und klappere leicht mit den Backenzähnen, dann zur anderen Seite, dann mit dem Kopf nach vorn. Was merkst du?
öffneten und schlossen in einer Studie aus Umeå rhythmisch den Mund. Der Kopf bewegte sich durchweg mit, und seine Bewegung begann in der Regel vor der des Unterkiefers2
von 36 Kindern mit frontalem Kreuzbiss, deren Unterkiefer beim Zubeißen nach vorn auswich, hatten keine familiäre Vorgeschichte, drei von vier in der gewohnten Bisslage regelrecht verzahnte Backenzähne3
Die Kieferorthopädie nennt ein solches Nach-vorn-Gleiten Pseudo-Progenie. Der Unterkiefer ist dabei nicht zu groß. Er gleitet beim Schließen nach vorn, weil die Schneidezähne sonst Kante auf Kante stoßen, und landet im umgekehrten Biss. So kann aus einem Kopfbiss ein frontaler Kreuzbiss werden. Die Stellung entsteht in der Bewegung, nicht im Knochen.
Der Unterkiefer hat keinen festen Platz. Er wird geführt.Die Zähne zeigen, wohin die Führung ihn bringt. Deshalb setzt das Training an der Führung an und nicht an den Zähnen.
Auch das Etikett „vererbt“ sehen wir kritisch. In Familien werden nicht nur Gene weitergegeben, sondern auch Muster wie Mundatmung, Schluckgewohnheiten und Schnuller. Aus einer familiären Häufung allein auf einen unveränderlichen Knochen zu schließen, halten wir in vielen Fällen für einen Fehlschluss.
Die Zunge
Die Zunge zentriert den Unterkiefer
Die Kaumuskeln ziehen von außen. Von innen gibt die Zunge dem Unterkiefer seine Mitte.
In der Zungenreferenzlage liegt die Zungenspitze an einer kleinen Erhebung hinter den oberen Schneidezähnen, der Zungenkörper breit am Gaumen. Von oben gesehen füllt die Zunge den Zahnbogen aus, und ihre Spitze zeigt genau zur Mitte.
Diese Anlage ist locker, aber sie orientiert, und der Unterkiefer richtet sich daran aus. Liegt die Zunge dagegen unten im Mund, fehlt die innere Mitte, und der Unterkiefer rutscht dorthin, wohin die stärkeren Muskeln ziehen.

Wie der Kiel eines Segelboots
Ein Segelboot mit Kiel hält seinen Kurs, auch wenn der Wind von der Seite drückt. Ohne Kiel treibt es ab. So sehen wir die Zunge: Sie ist der Kiel in der Mitte des Mundes. Fehlt er, genügt eine etwas stärkere Muskelseite, und der Unterkiefer driftet nach vorn oder zur Seite.
verglich eine Arbeit aus Ljubljana. Bei Progenie-Biss lag die Zunge deutlich tiefer als bei regelrechtem Biss, der Oberkiefer war an den Eckzähnen schmaler, der untere Zahnbogen hinten breiter4
Die Richtung des Zusammenhangs zeigt ein solcher Vergleich nicht sicher. Er passt aber zu unserem Modell: Liegt die Zunge tief und vorn, fehlt dem Oberkiefer der Druck von innen, den stattdessen der Unterkiefer bekommt. Der obere Zahnbogen bleibt schmal, der untere wird breit, und der Biss rückt nach vorn oder kreuzt sich.
Das Bild zeigt die andere Seite des Gleichgewichts: Lippen, Wangen und Kinn ziehen von außen zur Mittellinie. Arbeiten Zunge und Muskelring ausgewogen, steht der Unterkiefer mittig. Genau dieses Gleichgewicht nimmt das Training ins Visier, nicht einen einzelnen Muskel.

Ursachen
Wie ein Biss aus der Mitte gerät
Ein Kreuzbiss oder Kopfbiss entsteht aus unserer Sicht im Regelfall nicht über Nacht. Er ist das Ergebnis eines Musters, das sich über Jahre einschleift.
Tiefe oder vorgeschobene Zunge
Liegt die Zunge unten oder schiebt sie beim Schlucken nach vorn, fehlt dem Oberkiefer der Halt von innen, und der Unterkiefer wird nach vorn geführt.
Mundatmung
Wer durch den Mund atmet, muss die Zunge senken. Bei Kindern mit Zeichen einer verlegten Nase fand eine Auswertung aus Jerusalem bei 49 Prozent einen seitlichen Kreuzbiss, bei Nasenatmern bei 26 Prozent5.
Einseitiges Kauen und Schlucken
Wer über Jahre eine Seite bevorzugt, belastet die Muskeln ungleich. Die Schieflage wird zum gewohnten Weg des Unterkiefers.
Habits
Schnuller, Daumen, Lippenbeißen, das Kinn in die Hand stützen. Aus unserer Sicht Ausdruck einer fehlenden Funktion, die sie zugleich verstärken, weil sie stundenlang Kräfte setzen.
Kopfbalance
Hängt der Kopf nach vorn oder zur Seite, verschiebt sich der Bezugsrahmen, in dem der Unterkiefer geführt wird.
Eine Arbeitsgruppe in Amsterdam maß mit feinen Elektroden, dass in jedem Kauzyklus beide Seiten arbeiten, die Seite mit dem Bissen nur stärker6. Wer eine Seite bevorzugt, wählt zudem häufig die, auf der die Zähne besser zusammenpassen. Die Vorliebe folgt der Schieflage und schleift sie weiter ein.
im Milchgebiss mit einseitigem Kreuzbiss kauten auf der Kreuzbissseite häufiger in umgekehrter Richtung als Kinder mit regelrechtem Biss7
wurden in Ljubljana mit drei, vier und fünf Jahren untersucht, jedes fünfte hatte am Ende einen seitlichen Kreuzbiss. Bei diesen Kindern nahm das abweichende Schlucken zu, bei den anderen ab. Mundatmung und Schnuller waren in der Kreuzbissgruppe häufiger8
Das Muster weicht ab
Mundatmung, eine tief liegende Zunge oder Habits verändern früh das Zusammenspiel von Zunge, Lippen und Kaumuskeln.
Der Körper gleicht aus
Der Unterkiefer weicht dorthin aus, wo die Zähne am leichtesten Kontakt finden. Das Nervensystem speichert diesen Weg als gewohnten Biss.
Die Form folgt
Bei vielen Betroffenen passen sich im Wachstum Zahnbögen, Gelenke und Knochen an die geführte Lage an.
Beschwerden zeigen sich
Abgeriebene Zähne, ein einseitig belastetes Kiefergelenk, Verspannungen bis in den Nacken oder ein ungleiches Gesicht können am Ende stehen.
Behandlungen
Zahnspange und OP ändern die Form, die Funktion bleibt
Kieferorthopädie und Kieferchirurgie leisten handwerklich präzise Arbeit. Die Frage ist, was sie verändern und was nicht.
Für Kinder ist gut belegt, dass Geräte zur Erweiterung des Oberkiefers einen seitlichen Kreuzbiss korrigieren. Die Cochrane-Übersicht wertete 31 randomisierte Studien aus und fand für Sieben- bis Elfjährige mit hoher Sicherheit, dass eine Quad-Helix oder eine Dehnplatte besser korrigiert als Abwarten1.
nach der Gaumenerweiterung kauten 14 Kinder mit seitlichem Kreuzbiss so zügig wie Gleichaltrige. Die umgekehrte Form ihrer Kaubewegung blieb aber unverändert9
beträgt die in Studien berichtete Erfolgsrate der Behandlung eines einseitigen Kreuzbisses im Kindesalter10
Das ist der Punkt, um den es uns geht. Zähne und Knochen lassen sich bewegen, das gespeicherte Bewegungsmuster läuft weiter. Aus unserer Sicht erklärt das, warum ein Biss nach Spange oder Operation zurückwandern kann: Die Funktion, die ihn verschoben hat, ist noch da.
Eine Operation ist bei Kopf- oder Kreuzbiss deshalb aus unserer Sicht keine gute erste Wahl, weil sie die Form ändert und nicht das Muster, das den Biss verschoben hat. Auch eine Zahnspange stellt Zähne und Kiefer um. Ob das Ergebnis hält, hängt aus unserer Sicht im Regelfall davon ab, ob die Funktion mitzieht.
Eine Spange verschiebt die Zähne. Wohin sie danach gehen, entscheidet die Funktion.Warum Zähne nach der Behandlung gehalten werden müssen, beschreibt der Artikel Retainer und Rezidiv. Was eine Operation leistet und was nicht, steht unter Kiefer-OP und BiMax.
Kinder
Kreuzbiss beim Kind: Behandlung und Vorbeugung
Im Milch- und Wechselgebiss wächst der Kiefer noch. Was Muskeln und Zunge ihm vorgeben, kann sich in der Form niederschlagen, in beide Richtungen.
Ein seitlicher Kreuzbiss im Milchgebiss korrigiert sich nur selten von selbst. In einer Stockholmer Langzeitbeobachtung gelang das bis zum neunten Lebensjahr bei 17 Prozent der unbehandelten Vierjährigen, nach frühem Einschleifen störender Zahnkontakte bei 50 Prozent11. Ungleiche Unterkieferhälften glichen sich nach früher Behandlung weitgehend aus12.
Schnullerzeit markierten in einer Studie aus Ljubljana die Grenze, ab der ein seitlicher Kreuzbiss wahrscheinlicher wurde. Die Autoren führen das auf die tiefe Zungenhaltung zurück13
erfüllten die Kriterien einer systematischen Übersicht zu sogenannten kiefergerechten Schnullern. Beim seitlichen Kreuzbiss zeigte keine einen Unterschied zu herkömmlichen Schnullern14
Aus unserer Sicht gibt es keinen physiologischen Schnuller, auch wenn Hersteller das versprechen. Ein Sauger hält die Zunge unten und vorn, gleich welche Form er hat. Daumenlutschen und Lippenbeißen sehen wir als orale Habits, als Folge einer fehlenden Funktion. Abgewöhnen gelingt am verlässlichsten, wenn das Kind die richtige Funktion lernt.
Lass einen Kreuzbiss beim Kind früh zahnärztlich oder kieferorthopädisch ansehen. Für Kinder von 2 bis 10 Jahren wird der FaceFormer ZERO empfohlen, mehr unter FaceFormer für Kinder.
Training
Kopfbiss und Kreuzbiss trainieren
Egal welche Bissform: Die Muskulatur wird harmonisiert, die Zunge eingestellt und zentriert, und Atmung, Schlucken und Kopfbalance laufen in einem Ablauf mit.
Ein Muster ändert sich nicht durch Einsicht, es wird durch präzise, häufige Wiederholung verdrängt. In der Grundübung liegt der FaceFormer im Mundvorhof. Die Lippen pressen den Lippenkeil, die Zungenspitze liegt am Referenzpunkt, die Backenzähne beißen kurz auf, dann folgt ein Schluck. So richtet sich der Unterkiefer bei jedem Schluck an der Mitte aus.
Beim Kopfbiss, beim frontalen Kreuzbiss und bei vorverlagertem Unterkiefer wird ab etwa Woche 3 die Zugübung nach unten statt der Zugübung nach vorn eingesetzt. Die Zugübung nach oben ist für einen zurückliegenden Unterkiefer gedacht und passt bei Progenie nicht.
Beim seitlichen Kreuzbiss kommt die Zugübung in variierende Richtungen in Frage, die das Zentrieren des Unterkiefers beim Schlucken übt. Die Richtung legst du am besten mit einer Praxis fest.

- Ab Tag 1
Grundübung
Dreimal täglich wenige Minuten mit dem FaceFormer ZERO, die Wiederholungen steigerst du Woche für Woche.
- Ab etwa Woche 3
Zugrichtung nach Bissform
Statt der Zugübung nach vorn kommt die passende Richtung dazu. Nachts trägst du den ZERO als Ergänzung.
- Nach einigen Wochen
Wechsel auf den ONE
Tagsüber trainierst du mit dem ONE, gleich groß wie der ZERO, nur aus festerem Material. Kinder bis etwa zehn Jahre bleiben beim ZERO.
- Alle vier Wochen
Fotos vergleichen
Fotografiere von Anfang an deinen Biss mit gespreizten Lippen von vorn und von der Seite. So siehst du Veränderungen, die im Spiegel untergehen.
- Über Monate
Das Muster läuft von selbst
Bis die neuen Abläufe ohne Nachdenken laufen, rechnet das Übungsmanual mit sechs bis zwölf Monaten.
Die kostenlose FaceFormer-App leitet die Grundübungen an, alle Module stehen auf den Übungsseiten. Kommst du allein nicht weiter, ist eine Praxis eine gute Unterstützung. Bei Schmerzen im Kiefergelenk unterbrich das Training.
Zusammen
Zahnspange und Training parallel
Das Training bewegt keine Zähne, und eine Zahnspange trainiert keine Funktion. Deshalb ergänzen sich beide.
Das Training ist auch mit fester Zahnspange möglich, bei Brackets hilft Dentalwachs. Eine laufende kieferorthopädische Behandlung beendest du nicht eigenmächtig. Trainierst du mit einer Praxis, stimmt ihr den Ablauf mit der Kieferorthopädie ab.
Aus unserer Sicht ist gerade diese Phase günstig. Während die Spange die Form verändert, lernt die Muskulatur, die neue Lage mitzutragen, statt weiter in die alte zu führen.

Was die Spange leistet
Sie bewegt Zähne und kann im Wachstum den Oberkiefer weiten.
Was das Training ansetzt
Es stellt Zunge, Lippenschluss, Schlucken, Nasenatmung und Kopfbalance ein, die Kräfte, die den Unterkiefer im Alltag führen.
Was offen ist
Ob Training den Rückfall nach einer Kreuzbissbehandlung verringert, ist nicht untersucht, eine FaceFormer-Studie zu Kopfbiss oder Kreuzbiss gibt es nicht.
Bei Erwachsenen ist das Wachstum abgeschlossen, und beim Kopfbiss wird häufig zu Spange, Schiene oder Operation geraten. Aus unserer Sicht gehört die Funktion vor jede dieser Entscheidungen. Wer den Unterkiefer sechs bis zwölf Monate trainiert und den Biss fotografiert, sieht, wie viel an der Stellung Lage ist und wie viel Knochen.
Eine Aufbissschiene gibt dem Unterkiefer von außen eine Lage vor und nimmt Belastung von den Zähnen. Führen kann sie ihn nicht: Du beißt auf, die Kaumuskeln werden dabei aus unserer Sicht eher getriggert als umgestellt, und das Muster, das den Unterkiefer aus der Mitte zieht, bleibt. Deshalb ist sie für uns eine Stütze, keine Antwort darauf, warum der Biss aus der Mitte geraten ist. Ob und wann sie wegfallen kann, besprichst du mit der Praxis, die sie angepasst hat.
Das Training ersetzt keine kieferorthopädische Untersuchung, ein bestimmtes Ergebnis lässt sich nicht zusagen. Mehr unter FaceFormer und andere Behandlungen.
Alltag
Was du im Alltag für deinen Biss tun kannst
Zähne in der Schwebe
Außer beim Kauen und Schlucken berühren sich die Zähne nicht. Ertappst du dich beim Zubeißen, löse sie und leg die Zungenspitze an den Gaumen.
Beidseitig kauen
Verteil die Bissen bewusst auf beide Seiten, auch wenn sich eine ungewohnt anfühlt.
Nase statt Mund
Nasenatmung hält die Zunge oben und den Mund geschlossen. Mehr dazu unter Mundatmung und Nasenatmung.
Kinn aus der Hand
Stütz den Kopf nicht einseitig in die Hand und wechsle ab und zu die Schlafseite.
Nicht vorschieben
Schieb den Unterkiefer nicht nach vorn, um die Schneidezähne aufeinanderzubringen. Du übst damit eher den Weg nach vorn ein.
Kein Kraftakt
Die Zunge nicht mit Kraft an den Gaumen pressen. Warum, erklärt der Artikel zu Mewing.
Fragen
Häufig gefragt
Was ist ein Kopfbiss?
Beim Kopfbiss treffen die Schneidekanten der oberen und unteren Schneidezähne aufeinander, statt sich zu überlappen. Oft fehlt dann der Kontakt der Backenzähne. Aus unserer Sicht ist das im Regelfall eine Frage der muskulären Führung des Unterkiefers.
Was ist ein Kreuzbiss?
Beim Kreuzbiss stehen untere Zähne außen vor den oberen. Vorn spricht man vom frontalen, bei den Backenzähnen vom seitlichen Kreuzbiss, einseitig oder beidseitig. Beim einseitigen Kreuzbiss ist der Unterkiefer häufig zur Seite verschoben.
Welche Symptome hat ein Kreuzbiss?
Typisch sind eine verschobene Mitte der Schneidezähne, Wangenbeißen und Kauen auf einer Seite, ein einseitig knackendes Kiefergelenk und ein ungleich wirkendes Gesicht. Beim Kopfbiss kommen abgeriebene Schneidekanten und Mühe beim Abbeißen hinzu.
Kopfbiss behandeln als Erwachsener: Geht das ohne OP?
Das hängt davon ab, wie viel an der Stellung Lage ist und wie viel Knochen. Weicht der Unterkiefer vor allem muskulär geführt nach vorn aus, spielt die Funktion aus unserer Sicht eine große Rolle, bei ausgeprägt anders gewachsenem Knochen kommen Kieferorthopädie und Kieferchirurgie in Frage. Wir raten, vorher über Monate zu trainieren und den Biss mit Fotos zu dokumentieren. Ein Ergebnis lässt sich nicht zusagen.
Wann sollte ein Kreuzbiss beim Kind behandelt werden?
Am besten früh ansehen lassen, schon im Milchgebiss. Ein seitlicher Kreuzbiss korrigiert sich nur selten von selbst. Parallel lohnt der Blick auf Mundatmung, Schnuller, Daumen und Schluckmuster. Für Kinder von 2 bis 10 Jahren wird der FaceFormer ZERO empfohlen.
Kann ein einseitiger Kreuzbiss das Gesicht verändern?
Das ist möglich. Steht der Unterkiefer über Jahre zur Seite verschoben, passen sich Muskeln, Weichteile und im Wachstum auch der Knochen an. Häufig liegt der Unterschied mehr in der Lage des Unterkiefers als in seiner Form.
Warum kommt ein Kreuzbiss nach der Zahnspange zurück?
Eine Spange verändert Zähne und Kiefer, das gespeicherte Bewegungsmuster nicht von selbst. In einer Studie blieb nach der Gaumenerweiterung die umgekehrte Kaubewegung der Kinder bestehen. Aus unserer Sicht wirkt die Funktion, die den Biss verschoben hat, weiter. Deshalb gehört sie parallel trainiert.
Welche Zugübung passt bei Kopfbiss oder Progenie?
Beim Kopfbiss, frontalen Kreuzbiss und vorverlagerten Unterkiefer die Zugübung nach unten, beim seitlichen Kreuzbiss die Zugübung in variierende Richtungen, jeweils ab etwa Woche 3. Die Zugübung nach oben passt bei Progenie nicht. Die Richtung legst du am besten mit einer Praxis fest.
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Quellen
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