
Fachartikel Sprechen
LispelnWenn die Zungenfunktion dahintersteckt
Das S klingt unscharf, die Zunge rutscht zwischen die Zähne? Hier erfährst du, wie ein sauberes S entsteht, warum Lispeln oft mehr über Zunge, Schlucken und Atmung verrät als über das Sprechen allein, was Studien dazu zeigen und wie Training eine Sprachtherapie unterstützen kann.
Kennst du das?
Das S klingt nicht sauber, und Üben allein bringt wenig?
Was trifft auf dich oder dein Kind zu?
Tippe an, was auf dich zutrifft.
Treffen mehrere Punkte zu, lohnt ein Blick über den einzelnen Laut hinaus. Das S ist die feinste Aufgabe, die die Zunge beim Sprechen hat. Wie gut sie gelingt, hängt aus unserer Sicht auch davon ab, wo die Zunge in Ruhe liegt, wie du schluckst und wie du atmest.
Wie ein S entstehtWas die Hamburger Studie zeigtDas Wichtigste in Kürze
- Lispeln, fachlich Sigmatismus, ist die häufigste Aussprachestörung im Kindesalter. Bis etwa zum fünften Geburtstag gehört ein unscharfes S bei vielen Kindern zur normalen Entwicklung.
- Für ein sauberes S muss die Zunge eine feine Rinne formen und seitlich abdichten. Liegt sie in Ruhe tief oder vorn und stößt sie beim Schlucken gegen die Zähne, fehlt ihr aus unserer Sicht oft die Ausgangslage dafür.
- Aus unserer Sicht kommt die Funktion zuerst. Training der Basisfunktionen Atmung, Schlucken und Kopfbalance schafft die Voraussetzung, dass der Laut im Alltag hält, die gezielte Artikulationsübung schließt sich an, wo sich das S nicht von selbst ordnet. Zu diesem Schluss kommt auch die Hamburger Studie.
Video
Lispeln: Es steckt mehr dahinter als ein Sprechfehler
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Der Begriff
Lispeln: was damit gemeint ist
Das Wort Lispeln kennen alle, und doch steckt hinter dem Wort mehr als ein einzelnes Geräusch. Fachleute unterscheiden mehrere Formen, je nachdem, wo die Zunge beim S steht.
Beim Lispeln gelingen die Zischlaute nicht sauber. Betroffen sind vor allem S und Z, oft auch Sch, Ch und die Verbindung Ts. Fachlich heißt das Sigmatismus, nach Sigma, dem griechischen Buchstaben für S. Manche stört es kaum, andere erleben es in Schule, Beruf oder beim Telefonieren als echte Hürde.
alt waren Kinder in den USA, wenn 90 % von ihnen das S korrekt bildeten, ausgewertet über 15 Studien mit 18.907 Kindern1
der Jungen und 20,4 % der Mädchen zwischen 4 und 6 Jahren lispelten in einer Untersuchung an 550 Kindergartenkindern in Skopje. Der Sigmatismus war dort die häufigste Aussprachestörung2
Ein unscharfes S im Kindergartenalter ist für sich genommen kein Grund zur Sorge. Hält es über das fünfte Lebensjahr hinaus an, kommt es nach längerer Zeit zurück oder zeigen sich dazu offener Mund, Mundatmung oder Zungenpressen, lohnt der Blick auf die Zungenfunktion.
Phonetik
Wie ein sauberes S entsteht: Feinarbeit der Zunge
Kaum ein Laut verlangt der Zunge so viel Genauigkeit ab wie das S. Ein Unterschied von wenigen Millimetern entscheidet, ob es scharf klingt oder gelispelt.
Beim S hebt sich die Zunge nach vorn oben. Ihre Spitze nähert sich dem Zahndamm hinter den oberen Schneidezähnen, ohne ihn ganz zu verschließen. Die Seitenränder legen sich an die oberen Backenzähne und dichten ab. In der Mitte bleibt eine schmale Rinne, durch die ein feiner Luftstrahl auf die Kanten der Schneidezähne trifft. Erst dort entsteht das helle Zischen.
Diese Rinne sieht man, wenn die Zunge ihre Form zeigt. Die Mitte senkt sich, die Ränder heben sich. Damit das beim Sprechen in Sekundenbruchteilen gelingt, müssen viele Muskeln der Zunge fein zusammenarbeiten.
Fehlt die seitliche Abdichtung, entweicht die Luft über die Backenzähne. Rutscht die Spitze nach vorn zwischen die Zähne, trifft der Luftstrahl keine Kante mehr. Beides ist deutlich zu hören.

Sag langsam „Sonne“ und halte das S an. Was spürst du?
Zunge und Schlucken
Mehr als ein Sprechfehler: was Lispeln über die Zunge verrät
Die Zunge spricht nur einen kleinen Teil des Tages. Die übrige Zeit liegt sie in der Mundhöhle, hält Kontakt zum Gaumen und schluckt viele hundert bis tausend Mal am Tag.
Aus unserer Sicht ist Lispeln deshalb im Regelfall nicht nur eine Frage des Sprechens. Beim S muss die Zunge an eine Stelle, die sie aus der Ruhe kennen sollte, den vorderen Gaumen. Liegt sie dort in Ruhe gar nicht, sondern unten im Mundboden oder vorn an den Zähnen, startet jedes S aus einer ungünstigen Ausgangslage.
Wir nennen diese Ausgangslage die Zungenreferenzlage. Die Zungenspitze liegt an einer kleinen Erhebung knapp hinter den oberen Schneidezähnen, der Zungenkörper legt sich beim Schlucken breit an den Gaumen. Gesucht wird oft nach der „Zungenruhelage“, gemeint ist dasselbe. Ausführlich erklären wir das im Artikel Zungenruhelage und Zungenreferenzlage.
Der Zahndamm, an dem das S entsteht, liegt direkt neben diesem Referenzpunkt. Eine Zunge, die ihn in Ruhe und beim Schlucken ständig findet, hat es beim Sprechen aus unserer Sicht leichter.

der 10- bis 14-Jährigen mit Zungenstoßschlucken lispelten, in der Vergleichsgruppe ohne diese Gewohnheit keines von 21 Kindern3
von 439 Kindern mit Mundatmung zeigten Auffälligkeiten beim Sprechen, am häufigsten eine Zunge zwischen den Zähnen, gefolgt von Artikulationsstörungen und Lispeln4
Beide Untersuchungen zeigen ein Zusammentreffen, keine Ursache. Sie passen aber zu dem, was wir in der Praxis sehen. Wer mit offenem Mund atmet, bei dem liegt die Zunge tief. Wer beim Schlucken die Zunge gegen die Zähne drückt, bei dem sucht sie auch beim Sprechen vorn Halt. Mehr zum Schluckmuster liest du im Artikel Schlucken und Schluckstörung.
Die Kette dahinter
Vom offenen Mund zum gelispelten S: die Kausalkette
Beschwerden haben aus unserer Sicht selten einen einzigen Auslöser. Beim Lispeln sehen wir bei vielen Betroffenen eine Kette, die lange vor dem ersten gesprochenen S beginnt.
Das Muster weicht ab
Mundatmung, ein langer Schnuller, Daumenlutschen oder die Flasche halten die Zunge unten und vorn. Die Lippen schließen nicht mehr von selbst.
Der Körper gleicht aus
Die Zunge stützt sich beim Schlucken an den Zähnen ab statt am Gaumen. Das Nervensystem speichert diesen Ausgleich als bevorzugtes Muster.
Die Form folgt
Über Jahre können Gaumen und Zahnreihen dem Druck nachgeben. Vorn bleibt ein offener Biss, der Oberkiefer wird schmal, die Schneidezähne stehen vor.
Das Symptom wird hörbar
Beim S findet die Zunge vorn keine Kante und seitlich keinen Halt. Das Lispeln ist oft das erste, was anderen auffällt.
Wann und wie stark sich eine solche Kette zeigt, hängt vom Ausmaß der Abweichung, von ihrer Dauer und vom Alter ab. Nicht jedes lispelnde Kind hat einen offenen Biss, und ein offener Biss führt nicht zwangsläufig zum Lispeln. Der gemeinsame Ausgangspunkt ist aus unserer Sicht aber im Regelfall eine Zunge, die ihre Referenz am Gaumen verloren hat. Wie Zunge und Biss zusammenhängen, zeigt der Fallbericht zum offenen Biss.
Dieselbe Mundatmung, die die Zunge tief hält, begleitet bei Kindern aus unserer Sicht häufig Mittelohrentzündungen, vergrößerte Rachenmandeln, die Polypen, und Zahnfehlstellungen. Das Lispeln kann ein weiteres, hörbares Glied dieser Kette sein4. Geprüft ist die Kette als Ganzes nicht.
Das S ist der hörbare Teil. Die Funktion dahinter läuft den ganzen Tag.Wer nur den Laut übt, arbeitet an wenigen Minuten des Tages. Zunge, Lippen und Atmung arbeiten rund um die Uhr, auch nachts.
Automatische Muster
Warum Üben vor dem Spiegel oft nicht reicht
Viele kennen das. In der Übungsstunde klingt das S sauber, auf dem Schulhof oder im Gespräch ist es wieder weg.
Viele Kinder üben über Jahre gewissenhaft in der Sprachtherapie. Unter bewusster Kontrolle gelingt das S dann besser, im Alltag ändert sich wenig, solange die Lippen kaum Kontakt finden und die Atmung über den Mund läuft. Das beobachten wir oft: Ein Muster, das über Jahre automatisch läuft, lässt sich durch Einsicht und kurze Übungseinheiten allein kaum verdrängen.
Denk an deine Hand. Wenn du Wasser schöpfen willst, formst du sie ohne Nachdenken zu einer Schale. Niemand erklärt dir, welcher Finger wohin gehört. Das Muster ist gespeichert und läuft von selbst ab.
So ähnlich formt die Zunge ihre Rinne für das S. Gelingt das nur, wenn du daran denkst, ist das neue Muster noch nicht gespeichert. Es wird durch häufige, genaue Wiederholung im Alltag verankert, und dazu gehören auch die vielen Schlucke und Atemzüge des Tages.

Studienlage
Zunge, Biss und Lispeln: was Studien zeigen
Der Zusammenhang zwischen Zungenfunktion und Aussprache ist in der Fachwelt anerkannt, im Detail aber schwächer belegt, als die klinische Erfahrung nahelegt. Wir sagen das offen.
Der Brüsseler Sprachforscher Yvan Lebrun wertete 1985 die damals verfügbaren Arbeiten aus. Zungenstoßschlucken war bei Kindern unter zehn Jahren eher die Regel als die Ausnahme. Es verhinderte den Erwerb korrekter Zischlaute nicht, konnte ihn aber verzögern5. Das Schluckmuster ist also kein Schicksal für das S, aber auch nicht gleichgültig.
zu Kindern und Jugendlichen zwischen 3 und 18 Jahren flossen in eine systematische Übersicht aus Gent und Fort Worth ein6
Belastbar war dort der Zusammenhang zwischen frontal offenem Biss und Verzerrungen der vorderen Zungenlaute wie S und Z. Für tief liegende Zunge und Beißgewohnheiten ließ sich kein klarer Schluss ziehen6
Für uns heißt das: Die Verbindung zwischen offenem Biss, Schluckmuster und Lispeln ist gut begründet. Dass eine tief liegende Zunge allein Lispeln verursacht, ist nicht bewiesen, weil es kaum untersucht wurde.
Aus dem Fehlen einer Untersuchung folgt nicht, dass der Zusammenhang nicht besteht. Es folgt, dass er nicht geprüft ist.Genau deshalb trennen wir in diesem Artikel, was gemessen wurde, und was wir aus der Praxis ableiten.
Eigene Studie
Die Hamburger Studie: Basisfunktionen ja, S-Laut nein
Die einzige randomisierte Studie mit dem FaceFormer hat auch das Lispeln gemessen. Ihr Ergebnis dazu ist ernüchternd und gerade deshalb aufschlussreich.
Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf wurden 45 Kinder zwischen knapp 4 und 17 Jahren per Zufall zwei Wegen zugeteilt: FaceFormer-Training in der Klinik oder myofunktionelle Therapie ohne Gerät in logopädischen Praxen. Nach sechs Monaten wurden 30 Kinder nachuntersucht. Eine Sprachtherapeutin beurteilte unter anderem die Bildung des S7.
der Kinder in der FaceFormer-Gruppe atmeten zu Beginn und nach sechs Monaten gewohnheitsmäßig durch den Mund, in der Vergleichsgruppe 94,7 und 69,2 %7
aller untersuchten Kinder lispelten zu Beginn und nach sechs Monaten. In keiner der beiden Gruppen änderte sich das S bedeutsam7
Mundatmung, Schluckmuster und Lippenkraft verbesserten sich also in beiden Gruppen, mit dem FaceFormer schneller. Das S blieb in beiden Gruppen weitgehend, wie es war. Die Autorinnen folgern daraus, dass nach der Verbesserung der Grundfunktionen Atmung und Schlucken gezielte Artikulationsübungen folgen sollten, unabhängig vom Konzept.
Einordnung: Die Gruppen waren klein, und es gibt keine Langzeitdaten. Sabine Berndsen, Mitentwicklerin des FaceFormers, ist Mitautorin. Eine Cochrane-Übersicht fand zudem keinen belastbaren Beleg, dass Mundmotorik-Übungen ohne Sprechen die Aussprache verbessern8. Alle Studien mit ihrer Einordnung findest du unter Studien und Wissenschaft.
Einordnung
Sprachtherapie und Training: zwei Aufgaben, ein Ziel
Aus unserer Sicht kommt die Funktion zuerst und der Laut danach. Das Training der Basisfunktionen schafft die Voraussetzungen, auf denen die Sprachtherapie den Laut aufbaut.
Lippenschluss, Nasenatmung, Zungenreferenzlage und Schluckmuster sind die Voraussetzung dafür, dass der Laut im Alltag hält. Die gezielte Artikulationsübung schließt sich an, wo sich das S danach nicht von selbst ordnet. Zu diesem Schluss kommen auch die Autorinnen der Hamburger Studie7.
Sprachtherapie (Logopädie)
- Bahnt den Laut an und übt ihn in Silben, Wörtern und Sätzen
- Schult das Hören, damit der Unterschied zwischen S und gelispeltem S wahrgenommen wird
- Überträgt das neue S in die freie Rede
- Wird ärztlich verordnet, in der Regel mit Kostenübernahme
FaceFormer-Training
- Übt Lippenschluss, Nasenatmung und Zungenreferenzlage in einem Ablauf
- Trainiert das Schluckmuster, bei dem sich die Zunge am Gaumen statt an den Zähnen abstützt
- Bezieht die Kopfbalance ein, weil sie die Lage von Zunge und Unterkiefer mitbestimmt
- Läuft dreimal täglich zu Hause, bei Bedarf auch nachts
Beide Wege schließen sich nicht aus. Das Training bereitet aus unserer Sicht den Boden, auf dem die Sprachtherapie den Laut aufbaut.
Im Gespräch geht es zuerst um die Frage, wie Zunge, Lippen und Atmung im Alltag arbeiten. Erst dann wird geübt. Trainierst du mit einer Praxis, kann sie Schluckmuster und Mundschluss beurteilen und das Training mit der Sprachtherapie abstimmen.
Du kannst aber auch allein mit der kostenlosen FaceFormer-App und den Übungsseiten starten. Eine Praxis in deiner Nähe findest du im Behandlerverzeichnis.

Läuft bereits eine Sprachtherapie, brich sie nicht ab. Das Training lässt sich parallel durchführen. Sprich am besten mit deiner Therapeutin oder deinem Therapeuten ab, wie ihr beides verbindet.
Kinder
Lispeln beim Kind: wann du genauer hinschauen solltest
Nicht jedes lispelnde Kind braucht eine Behandlung. Einige Zeichen sprechen aber dafür, dass mehr dahintersteckt als ein Entwicklungsschritt.
Über das fünfte Lebensjahr hinaus
Das S bleibt auch nach dem fünften Geburtstag unscharf oder wird wieder schlechter.
Offener Mund in Ruhe
Beim Spielen, Fernsehen oder Schlafen steht der Mund offen, geatmet wird durch den Mund.
Zunge beim Schlucken vorn
Beim Trinken oder Essen sieht man die Zungenspitze zwischen den Zähnen.
Lange Saughabits
Schnuller, Daumen oder Flasche waren noch mit drei oder vier Jahren täglich im Einsatz.
Veränderungen am Biss
Die Schneidezähne treffen sich vorn nicht, oder sie stehen deutlich vor.
Ein Muster, das sich im Wachstum einschleift, prägt Kiefer und Gaumen mit, solange sie wachsen. Aus unserer Sicht lohnt es sich deshalb, bei einem lispelnden Kind früh auf Zungenreferenzlage, Schlucken und Nasenatmung zu schauen, denn das Wachstumsfenster bleibt nicht offen.
Im Zahnwechsel, etwa zwischen sechs und acht Jahren, lispeln viele Kinder vorübergehend, weil vorn die Schneidezähne fehlen. Das gibt sich oft, wenn die bleibenden Zähne da sind. Lass Hören, Zungenbändchen und Zahnstellung ärztlich prüfen, wenn das S auffällig bleibt. Mehr zu Kindern und Training liest du auf der Seite FaceFormer für Kinder.
Korrigiere dein Kind nicht bei jedem S. Wiederhole das Wort lieber beiläufig richtig. Druck macht das Sprechen angestrengter und lenkt vom Muster ab, um das es eigentlich geht.
Training
Die Basisfunktionen trainieren: Atmung, Schlucken, Kopfbalance
Das FaceFormer-Training setzt nicht am Laut an, sondern an der Ausgangslage der Zunge. Geübt werden Atmung, Schlucken und Kopfbalance in einem gemeinsamen Ablauf.
Bei der Grundübung liegt der FaceFormer hinter den Lippen vor den Zähnen. Die Lippen umschließen ihn, die Zungenspitze sucht den Referenzpunkt am Gaumen, der Kopf balanciert aufrecht, geatmet wird durch die Nase. Dann folgt ein Schluck mit Zahnkontakt.
Der Unterdruck, der dabei im Mund entsteht, zieht die Zunge an den Gaumen. So lernt sie ihre Referenz über das Schlucken, nicht über Anstrengung. Ein Spiegel hilft am Anfang, Lippen und Kopfbalance zu kontrollieren.

Im Schnitt sieht man, worauf es ankommt. Der FaceFormer liegt im Mundvorhof, die Lippen schließen, die Zungenspitze liegt am vorderen Gaumen. Genau dort, wo später das S entsteht.
Kinder von 2 bis 10 Jahren trainieren mit dem FaceFormer ZERO aus weicherem Material. Er ist gleich groß wie der ONE, Erwachsene wechseln nach einigen Wochen tagsüber auf den festeren ONE.

- Tag 1 bis 14
Einstieg
Dreimal täglich je 5 Grundübungen und 5 Zugübungen, bei Kindern spielerisch und mit Lob.
- Tag 15 bis 28
Steigern
Dreimal täglich je 10 Grund- und Zugübungen. Achte darauf, dass die Zungenspitze beim Schlucken am Gaumen bleibt.
- Ab Woche 5
Festigen
Dreimal täglich je 20 Wiederholungen. Nachts kann der ZERO dazukommen, siehe nächtliche Anwendung.
- Anschließend oder parallel
Laut üben
Wo sich das S nicht von selbst ordnet, bahnt die Sprachtherapie den Laut an und überträgt ihn in Wörter und Sätze.
- Über Monate
Das Muster läuft von selbst
Bis neue Abläufe ohne Nachdenken laufen, rechnet das Übungsmanual mit sechs bis zwölf Monaten, siehe Ablauf und Dauer.
Alltag
Was du im Alltag für die Zunge tun kannst
Das Training wirkt über Wiederholung. Ein paar Gewohnheiten helfen, dass das neue Muster auch zwischen den Übungen seinen Platz findet.
Lippen zu, Nase auf
In Ruhe liegen die Lippen locker aneinander, geatmet wird durch die Nase. So bleibt die Zunge fast von selbst am Gaumen.
Saughabits behutsam beenden
Schnuller, Daumen und Flasche halten die Zunge unten und vorn. Plant den Abschied gemeinsam und ohne Strafe.
Kurze Checks über den Tag
Kopple einen kurzen Blick nach innen an etwas, das oft passiert: Wo liegt die Zungenspitze, ist der Mund zu?
Kopfbalance bei Hausaufgaben und Bildschirm
Richte Tisch und Stuhl so ein, dass der Kopf über dem Körper balanciert und nicht nach vorn sinkt.
Geduld statt Druck
Ein Muster, das über Jahre entstanden ist, braucht Monate. Kleine Fortschritte bei Mundschluss und Schlucken sind schon ein Schritt in Richtung S.
Fragen
Häufig gefragt
Ist Lispeln bei Kindern normal?
Bis etwa zum fünften Geburtstag ist ein unscharfes S bei vielen Kindern Teil der normalen Sprachentwicklung. In einer Auswertung von 15 Studien bildeten 90 % der Kinder das S zwischen vier und fünf Jahren korrekt. Bleibt das Lispeln länger bestehen oder kommen offener Mund, Mundatmung oder Zungenpressen dazu, lohnt eine Abklärung.
Was ist ein Sigmatismus?
Sigmatismus ist der Fachbegriff für Lispeln. Je nach Zungenstellung unterscheidet man den interdentalen, den addentalen und den lateralen Sigmatismus.
Was sind die Ursachen von Lispeln?
Häufig sind es mehrere Faktoren zusammen. Dazu gehören aus unserer Sicht im Regelfall eine Zunge, die in Ruhe tief oder vorn liegt, ein Schluckmuster, bei dem die Zunge gegen die Zähne drückt, Mundatmung und lange Saughabits. Auch ein offener Biss, Zahnlücken, Hörprobleme oder ein verkürztes Zungenbändchen können eine Rolle spielen und sollten ärztlich abgeklärt werden.
Kann der FaceFormer Lispeln beheben?
Der FaceFormer ist ein Trainingsgerät für die Basisfunktionen Atmung, Schlucken und Kopfbalance, kein Sprechtrainer. In der Hamburger Studie verbesserten sich Mundatmung und Schluckmuster, das S änderte sich in sechs Monaten nicht bedeutsam. Aus unserer Sicht kommt die Funktion trotzdem zuerst, denn sie ist die Voraussetzung dafür, dass der Laut im Alltag hält. Wo sich das S danach nicht von selbst ordnet, schließt sich die gezielte Artikulationsübung an, zu diesem Schluss kommen auch die Autorinnen der Studie.
Kann ich das Training parallel zur Logopädie machen?
Ja. Das Training der Basisfunktionen lässt sich mit einer Sprachtherapie kombinieren. Eine laufende Therapie brichst du nicht ab. Am besten besprichst du mit deiner Therapeutin oder deinem Therapeuten, wie ihr beides verbindet.
Hängen Lispeln und Zahnspange zusammen?
Es gibt einen belegten Zusammenhang zwischen frontal offenem Biss und unscharfen Zischlauten. Eine Zahnspange kann die Zahnstellung verändern, das Schluckmuster und die Zungenreferenzlage aber nicht. Liegt die Zunge weiter vorn an den Zähnen, können sich diese nach der Behandlung aus unserer Sicht wieder verschieben. Mehr dazu im Artikel Retainer und Rezidiv.
Kann man Lispeln als Erwachsener noch ablegen?
Auch im Erwachsenenalter lassen sich Bewegungsmuster neu lernen, es braucht aber Geduld. Aus unserer Sicht kommt zuerst das Training der Basisfunktionen für Zunge, Lippen und Atmung, denn sie sind die Voraussetzung dafür, dass ein neuer Laut im Alltag hält. Wo sich das S danach nicht von selbst ordnet, folgt die Sprachtherapie für den Laut. Rechne mit mehreren Monaten, bis neue Abläufe ohne Nachdenken laufen.
Mein Kind lispelt seit dem Zahnwechsel. Muss ich etwas tun?
Fehlen vorn die Schneidezähne, fehlt der Zunge beim S die Kante. Viele Kinder lispeln dann vorübergehend. Oft gibt sich das, wenn die bleibenden Zähne da sind. Schiebt sich die Zunge aber auch beim Schlucken nach vorn oder steht der Mund in Ruhe offen, lohnt der Blick auf die Zungenfunktion.
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Quellen
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