
Fachartikel Kopf
Migräne oder Nacken?Zwei Kopfschmerzen, eine Schaltstelle
Pulsierende Attacken mit Übelkeit, oder ein Schmerz, der im Nacken beginnt und nach vorn zieht? Hier erfährst du, wie sich Migräne und zervikogener Kopfschmerz unterscheiden, warum der Nacken bei beiden mitspricht und welche Rolle die Kopfbalance spielen kann.
Kennst du das?
Der Kopf schmerzt, und der Nacken ist mit dabei?
Was trifft auf dich zu?
Tippe an, was auf dich zutrifft.
Die ersten beiden Punkte klingen nach Migräne, der vierte und fünfte eher nach einem Kopfschmerz aus dem Nacken. Oft trifft beides zu, denn Nacken und Kopf laufen im Hirnstamm auf denselben Nervenzellen zusammen. Die Diagnose klärt eine ärztliche Untersuchung. Beeinflussen kannst du das Muster aus Atmung, Schlucken und Kopfbalance.
Migräne oder Nacken?Wann zum Arzt?Das Wichtigste in Kürze
- Migräne ist eine eigenständige Erkrankung des Nervensystems mit Attacken von 4 bis 72 Stunden. Der zervikogene Kopfschmerz geht dagegen von einer Störung der Halswirbelsäule oder der Nackenweichteile aus.
- Nackenschmerz begleitet die Migräne sehr häufig, macht sie aber nicht zum Nackenkopfschmerz. Nacken und Kopf teilen sich im Hirnstamm eine Schaltstelle, den trigeminozervikalen Komplex.
- Beim zervikogenen und beim Spannungskopfschmerz ist die Dauerlast des Nackens aus unserer Sicht häufig ein wesentlicher Faktor, bei der Migräne einer von mehreren, der mitbestimmen kann, wie leicht eine Attacke ausgelöst wird. Anlage und Hormone kannst du nicht verändern, das Muster aus Atmung, Schlucken und Kopfbalance schon.
Video
Migräne und zervikogener Kopfschmerz: Was der Nacken damit zu tun hat
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Einordnung
Migräne, Spannungskopfschmerz, zervikogener Kopfschmerz: drei verschiedene Bilder
Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz. Drei Formen begegnen dir im Alltag besonders oft, und jede verlangt einen eigenen Blick.
der Weltbevölkerung haben nach einer Übersicht über 357 Veröffentlichungen eine aktive Migräne, 26 % einen Spannungskopfschmerz1
Menschen lebten 2016 laut Global Burden of Disease Study mit Migräne2
der 1.838 untersuchten Erwachsenen einer norwegischen Gemeinde erfüllten die Kriterien des zervikogenen Kopfschmerzes3
Migräne kostet laut derselben Global-Burden-Analyse weltweit gut sechsmal so viele gesunde Lebensjahre wie der Spannungskopfschmerz, am stärksten bei Frauen zwischen 15 und 49 Jahren2. Die Unterscheidung entscheidet, welche Behandlung infrage kommt und wo Training ansetzen kann.
Migräne
Was eine Migräne ausmacht
Migräne ist mehr als starker Kopfschmerz. Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft beschreibt sie über feste Merkmale4.
- Dauer: Eine Attacke hält unbehandelt 4 bis 72 Stunden an, bei Kindern und Jugendlichen auch kürzer.
- Charakter: Mindestens zwei von vier Merkmalen treffen zu. Der Schmerz ist einseitig, pulsierend, mittelstark bis stark oder wird durch Alltagsbewegung wie Treppensteigen schlimmer.
- Begleiter: Übelkeit oder Erbrechen, oder Licht- und Geräuschempfindlichkeit zugleich.
- Wiederholung: Für die Diagnose braucht es mindestens fünf solcher Attacken.
Manche Betroffene erleben vor dem Kopfschmerz eine Aura, etwa flimmernde Zacken im Gesichtsfeld, Kribbeln oder Sprachstörungen. Als wahrscheinliche Grundlage gilt eine Welle, die sich mit 3 bis 5 Millimetern pro Minute über die Hirnrinde ausbreitet, die sogenannte Streudepolarisation5. Im Anfall wird zudem das trigeminovaskuläre System aktiv, also die Fasern des Trigeminusnervs, die Hirnhäute und Gefäße versorgen.
Migräne ist eine Erkrankung des Nervensystems. Der Nacken redet trotzdem mit.Anlage, Hormone, Schlaf und Stress spielen eine eigene Rolle. Die Frage ist, welche Faktoren die Schwelle für eine Attacke verschieben und welche davon du selbst beeinflussen kannst.
Bekannte Auslöser sind Schlafmangel, Stress, hormonelle Schwankungen und bestimmte Nahrungsmittel. Aus unserer Sicht zählt auch das Grundmuster dazu, mit dem du atmest, schluckst und deinen Kopf trägst. Für die Migräne belegt ist das nicht.
Zervikogener Kopfschmerz
Wenn der Kopfschmerz im Nacken beginnt
Beim zervikogenen Kopfschmerz ist der Nacken nicht Begleiter, sondern Ausgangspunkt. Der Schmerz entsteht in Halswirbelsäule oder Nackenweichteilen und strahlt in den Kopf.
Die Klassifikation verlangt einen Befund an Halswirbelsäule oder Nackenweichteilen, der Kopfschmerz auslösen kann, und mindestens zwei Belege für den Zusammenhang4: zeitliche Kopplung an den Nackenbefund, Besserung parallel zu ihm, eingeschränkte Beweglichkeit mit Schmerzverstärkung bei bestimmten Bewegungen oder Schmerzfreiheit nach gezielter Betäubung im Nacken.
Eher Migräne
- Attacken über Stunden bis Tage, dazwischen oft beschwerdefrei
- Pulsierend, die Seite kann wechseln
- Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit deutlich
- Alltagsbewegung verstärkt den Schmerz
Eher zervikogen
- Beginnt im Nacken oder am Hinterkopf und zieht nach vorn
- Bleibt auf derselben Seite
- Kopfbewegung oder Druck auf Nackenmuskeln löst den typischen Schmerz aus
- Beweglichkeit der Halswirbelsäule eingeschränkt
Keines dieser Merkmale ist für sich beweisend. Auch beim zervikogenen Kopfschmerz können Übelkeit und Lichtempfindlichkeit auftreten, in der Regel schwächer als bei der Migräne4.
der Betroffenen in der norwegischen Vågå-Studie spürten den Beginn der Schmerzschübe im Nacken oder am Hinterkopf. Frauen waren dort nicht häufiger betroffen als Männer3
weniger Drehung im Flexions-Rotations-Test der oberen Halswirbelsäule zeigten Menschen mit zervikogenem Kopfschmerz im Mittel gegenüber Menschen mit Migräne, zusammengefasst aus 62 Studien13
Nackenschmerz
Nackenschmerz bei Migräne: häufig, aber kein Beweis
Viele Menschen mit Migräne spüren ihren Kopfschmerz auch im Nacken. Die Studien geben ihnen recht, nur anders als gedacht.
der Menschen mit Migräne hatten in Klinikstudien Nackenschmerzen, in Vergleichsgruppen ohne Kopfschmerz 23 %. Zusammengefasst aus 24 Studien7
waren es bei chronischer Migräne, also Kopfschmerz an 15 und mehr Tagen im Monat7
protokollierten 113 Menschen mit Migräne in einer US-Studie. Nackenschmerz begleitete sie häufiger als Übelkeit8
In dieser Studie hatten Kopfschmerzfachleute den zervikogenen Kopfschmerz vorher ausgeschlossen8. Der Nackenschmerz gehörte also zur Migräne selbst. Er ist weder ein Hinweis auf eine falsche Diagnose noch ein Beleg, dass der Nacken die Attacke auslöst. Er zeigt, wie eng beide Regionen verschaltet sind.
Wo beginnt dein Kopfschmerz in der Regel?
Anatomie
Der trigeminozervikale Komplex: wo Nacken und Kopf zusammenlaufen
Warum spürst du Nackenprobleme im Kopf? Die Antwort liegt im oberen Halsmark, direkt unter dem Hirnstamm.
Der Nervus trigeminus, der fünfte Hirnnerv, versorgt Gesicht, Stirn, Kiefer und Hirnhäute. Sein absteigender Kern reicht bis in die oberen Halssegmente, wo Fasern aus dem Nacken auf dieselben Nervenzellen treffen. Diese Region heißt trigeminozervikaler Komplex.
Die Konvergenz erlaubt, dass Schmerz zwischen Nacken und Gesicht in beide Richtungen verlagert wird6. Das System kann dann nicht sicher unterscheiden, woher ein Signal stammt. Wie der Trigeminus Gesicht und Kaumuskeln versorgt, erklärt der Artikel zu Trigeminusschmerzen. Warum auch Ohrgeräusche auf Kiefer und Nacken reagieren können, liest du im Artikel zu Tinnitus.
im zweiten Halssegment antworteten bei Ratten zugleich auf Reize der Hirnhaut und des großen Hinterhauptnervs9
der abgeleiteten Zellen vergrößerten nach Reizung der Hirnhaut ihr Empfangsfeld, die Antwort auf Reize der tiefen Nackenmuskeln nahm zu10
Beide Versuche an narkotisierten Ratten stammen aus der Headache Group in London. Sie zeigen die Schaltung, nicht ihre Größenordnung beim Menschen. Reize aus der Nackenmuskulatur wirkten deutlich länger nach als Reize aus der Haut9.
Wie eine gemeinsame Telefonzentrale
Stell dir vor, Nacken und Gesicht melden über dieselbe Zentrale. Klingelt es aus dem Nacken ohne Pause, ist die Leitung vorbelastet, und schon ein kleiner Anruf aus dem Kopf wirkt lauter. Die Dauerspannung verursacht nicht jede Attacke, aber sie kann aus unserer Sicht die Schwelle verschieben, ab der das System Alarm schlägt.
Kopfbalance
Kopf nach vorn: was das für den Nacken bedeutet
Der Kopf eines Erwachsenen wiegt etwa vier bis fünf Kilogramm. Wie viel Arbeit er dem Nacken macht, hängt vor allem davon ab, wo er steht.
Steht der Kopf über der Halswirbelsäule, trägt ihn das System mit wenig Muskelarbeit. Wandert er nach vorn, wächst der Hebel, und die Nackenmuskeln müssen ständig gegenhalten.
Die kursierenden Kilogrammwerte stammen aus einer Modellrechnung ohne Messung am Menschen. Die Richtung ist klar, die Zahlen sind es nicht. Mehr zur Kette bis in den Rücken findest du im Artikel Nacken und Rücken.
mit einseitiger Migräne und ohne Kopfschmerz verglich eine Madrider Studie. Die Migränegruppe hielt den Kopf weiter vorn und hatte mehr aktive Triggerpunkte, vor allem auf der Schmerzseite11
mit und ohne Migräne verglich eine brasilianische Studie mit Röntgenbild und Foto. Einen Unterschied in der Kopfbalance fand sie nicht12
Die Befunde widersprechen sich also. Eine Übersichtsarbeit über 62 Studien fand bei Migräne eine etwas geringere Beweglichkeit der Halswirbelsäule, weniger Kraft der Nackenstrecker und mehr Aktivität in Trapez- und Treppenmuskeln13. Ob das Ursache oder Folge der Kopfschmerzen ist, können Vergleichsstudien nicht klären.
Für uns ist die Kopfbalance deshalb keine Haltungsnote, sondern die Antwort des Systems auf seine Bedingungen, vor allem darauf, wie frei der Atemweg ist. Muss der Kopf nach vorn, damit hinter der Zunge Raum bleibt, wird der Nacken zur Dauerbaustelle.
Den Kopf per Vorsatz zurückzunehmen, hält nur, solange du daran denkst. Ändern lässt sich die Balance über das Muster, das sie erzeugt.

Die Triade
Balance von vorn: Zunge, Zungenbein und Nacken
Der Nacken hält den Kopf von hinten. Seine Feinbalance wird aus unserer Sicht auch von vorn gesteuert.
Unter dem Unterkiefer liegt das Zungenbein, ein Knochen ohne Gelenk zu anderen Knochen. Die Muskeln darüber verbinden es mit Unterkiefer und Schädelbasis, die darunter mit Brustbein und Schulterblatt. Zusammen bilden sie eine vordere Zügelkette.
Dr. Klaus Berndsen beschreibt sie als Ort der Feinabstimmung: Die Nackenmuskeln tragen den Kopf, über die Zungenbeinmuskulatur wird er austariert. Wie diese Kette gespannt ist, hängt an der Zungenreferenzlage und am Schluckmuster.

Das Grundmuster weicht ab
Mundatmung, eine tief liegende Zunge oder ein Schluckmuster mit Pressen verändern die Spannung der vorderen Halsmuskeln.
Der Körper kompensiert
Der Kopf wandert nach vorn und streckt sich im oberen Nacken, damit der Atemweg offen bleibt. Das Nervensystem speichert das als Muster.
Der Nacken arbeitet ohne Pause
Die kurzen Nackenmuskeln halten gegen, ihre Sensoren melden fortlaufend in den trigeminozervikalen Komplex.
Die Schwelle sinkt
Beim zervikogenen und beim Spannungskopfschmerz ist diese Dauerlast aus unserer Sicht häufig ein wesentlicher Faktor. Bei der Migräne ist sie einer von mehreren und kann mitbestimmen, wie leicht eine Attacke ausgelöst wird.
Dazu kommt die Atmung. Wer lange durch den Mund atmet, nimmt aus unserer Sicht häufig Kopfwender und Treppenmuskeln als Atemhilfe dazu. Beide ziehen am Hals und gehören zur selben Kette.
Ob ein verändertes Atemmuster die Migräneschwelle selbst verschiebt, ist nicht untersucht. Das ist eine offene Frage, kein Befund.

Studienlage
Training bei Kopfschmerz: was Studien zeigen und was nicht
Verändert aktives Training etwas? Die Antwort fällt je nach Kopfschmerzform unterschiedlich aus.
mit zervikogenem Kopfschmerz wurden in Australien per Los verteilt. Übungen mit geringer Last senkten Häufigkeit und Stärke der Kopfschmerzen, ebenso Manualtherapie, über zwölf Monate14
mit Migräne trainierten in Schweden dreimal pro Woche 40 Minuten Ausdauer, übten Entspannung oder nahmen Topiramat. In allen Gruppen sank die Zahl der Attacken um knapp eine pro Monat15
zu Physiotherapie bei Kopfschmerz hatten in einer Hamburger Übersichtsarbeit ein hohes Verzerrungsrisiko. Die Autoren stufen die Evidenz als niedrig ein16
Für den zervikogenen Kopfschmerz ist aktives Training damit gut begründet. Bei der Migräne ist Bewegung eine Option unter mehreren, laut den schwedischen Autoren vor allem für Menschen, die von täglichen Medikamenten nicht profitieren oder sie nicht nehmen wollen15.
Zum FaceFormer-Training bei Migräne gibt es keine eigene Untersuchung. Die Studien oben prüfen andere Übungen, nicht den FaceFormer. Welche Arbeiten es zur FaceFormer-Therapie gibt und wie sie einzuordnen sind, findest du unter Studien und Wissenschaft.
Aus dem Fehlen einer Untersuchung folgt nicht, dass der Zusammenhang nicht besteht. Es folgt, dass er nicht geprüft ist.Deshalb versprechen wir bei Migräne nichts. Wir erklären, wie wir den Zusammenhang sehen und warum wir die Basisfunktionen unabhängig vom Symptom für trainierenswert halten.
Sicherheit
Kopfschmerz ärztlich abklären: diese Warnzeichen zählen
Nur ein kleiner Teil der Kopfschmerzen hat eine andere Erkrankung als Ursache. Damit er nicht übersehen wird, gibt es die Warnzeichenliste SNNOOP1017.
Plötzlich und heftig
Ein Kopfschmerz, der schlagartig mit voller Stärke einsetzt.
Mit Fieber
Kopfschmerz zusammen mit Fieber oder anderen Allgemeinsymptomen.
Neurologische Ausfälle
Lähmung, Taubheit, Sprach- oder Sehstörungen, die neu sind oder anders als eine bekannte Aura, oder Bewusstseinstrübung.
Neu, verändert oder zunehmend
Ein neuer, deutlich veränderter oder stetig stärker werdender Kopfschmerz, oder ein erstmaliger Beginn nach dem 65. Lebensjahr.
Husten, Pressen, Körperlage
Kopfschmerz, den Husten, Niesen oder Anstrengung auslösen oder der von der Körperlage abhängt.
Nach Unfall oder Sturz
Kopfschmerz, der nach einer Verletzung beginnt.
Besondere Umstände
Schwangerschaft oder Wochenbett, eine Krebserkrankung in der Vorgeschichte oder ein geschwächtes Immunsystem.
Schmerzhaftes Auge
Ein schmerzhaftes Auge mit Tränen, Rötung oder laufender Nase auf derselben Seite.
Trifft eines dieser Zeichen zu, lass dich zeitnah ärztlich untersuchen. Bei schlagartig einsetzendem, heftigstem Kopfschmerz oder neuen Ausfällen wie Lähmung oder Sprachstörung wählst du den Notruf 112.
Akutmittel gegen Kopfschmerz können bei häufigem Gebrauch selbst Kopfschmerz unterhalten. Die Klassifikation nennt das Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch4. Das ist ein Beispiel dafür, wie eine Symptombehandlung das Symptom verlängern kann.
im Monat Kopfschmerz und über mehr als drei Monate regelmäßig Akutmittel: Das sind die Kriterien für einen Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch4
im Monat mit Triptanen reichen dafür schon aus, bei Paracetamol sind es 15 Tage4
Nimmst du an vielen Tagen im Monat Schmerzmittel, besprich das mit deiner Praxis, statt die Menge selbst zu steigern oder abrupt zu beenden. Das gilt auch für eine verordnete Migräneprophylaxe. Training und Medikamente schließen sich nicht aus.
Training
Kopfbalance trainieren: das Muster statt des Symptoms
Die FaceFormer-Therapie ist kein Mittel gegen Kopfschmerz. Sie trainiert die Basisfunktionen Atmung, Schlucken und Kopfbalance, die aus unserer Sicht am Anfang vieler Beschwerdeketten stehen.
Ein Muster ändert sich nicht durch Einsicht, sondern durch präzise, häufige Wiederholung. Deshalb übst du Lippenschluss, Nasenatmung, Zungenreferenzlage, Schlucken und Kopfbalance in einem Ablauf. Den Einstieg bildet die Grundübung: FaceFormer im Mundvorhof, Zungenspitze an der Erhebung hinter den oberen Schneidezähnen, Nasenatmung, kurz aufbeißen, schlucken.
Ab etwa Woche 6 kommt die Kopf-Balance-Rotation dazu. Du presst den Lippenkeil und drehst den Kopf sechs Sekunden lang langsam zur Seite, bis du die Halsmuskeln spürst, ohne Schmerz.
Dort beißt du kurz auf und schluckst einmal. Dann drehst du in sechs Sekunden zurück zur Mitte, danach folgt die andere Seite.
Die Drehung dehnt die Muskeln, die den Kopf in Balance halten, und trainiert sie im Zusammenspiel mit Zunge und Schluckakt. Der Blick geht geradeaus.
Später verbindest du die Rotation in Modul 9 mit ruhiger Nasenatmung. Wie langsames Atmen den Parasympathikus anspricht, erklärt der Artikel zum Vagusnerv.

- Ab Tag 1
Grundübung
Dreimal täglich wenige Minuten mit dem FaceFormer ZERO, die Wiederholungen steigerst du wöchentlich.
- Ab etwa Woche 3
Zugübung und Nacht
Die Zugübung kommt dazu. Nachts trägst du den ZERO, sobald die Grundübung sitzt.
- Nach einigen Wochen
Wechsel auf den ONE
Tagsüber trainierst du mit dem FaceFormer ONE, gleich groß und geformt wie der ZERO, nur aus festerem Material. Nachts bleibt es beim ZERO.
- Ab etwa Woche 6
Kopf-Balance-Rotation
Acht Wiederholungen dreimal täglich, ab Woche 7 vierzehn, zusätzlich zum Basistraining.
- Über Monate
Das Muster läuft von selbst
Bis die neuen Abläufe ohne Nachdenken laufen, rechnet das Übungsmanual mit sechs bis zwölf Monaten, danach folgt ein Erhaltungstraining.
Die kostenlose FaceFormer-App leitet die Grundübungen an, alle Module findest du auf den Übungsseiten. Trainierst du mit einer Praxis, stimm die Rotation dort ab. Während einer Migräneattacke pausierst du, und den Kopf drehst du nur so weit, wie es schmerzfrei geht.
Alltag
Den Nacken entlasten im Alltag
Kopfschmerztagebuch führen
Notiere Tag, Dauer, Ort und Art des Schmerzes, Begleiter, mögliche Auslöser und jedes Medikament. So erkennst du Muster, und deine Praxis bekommt eine belastbare Grundlage.
Bildschirm auf Augenhöhe
Richte Bildschirm und Sitz so ein, dass dein Kopf über dem Körper balanciert. Das Handy hebst du an, statt den Kopf zu senken.
Lippen zu, Zunge oben
Die Lippen liegen locker aneinander, die Zungenspitze am Referenzpunkt, und du atmest durch die Nase. Prüf das mehrmals am Tag.
Zähne auseinander
In Ruhe berühren sich die Zähne nicht. Pressen und Knirschen fordern die Kaumuskeln, die über den Trigeminus an dieselbe Schaltstelle melden. Mehr dazu im Artikel CMD und Kiefergelenk.
Regelmäßig bewegen
Ausdauerbewegung ist bei Migräne eine untersuchte Option. Steigere langsam und achte darauf, wie dein Kopf reagiert.
Einzelne Anwender berichten uns, dass ihre Attacken seltener oder schwächer geworden sind, seit sie an ihrem Muster arbeiten. Das ist Einzelfallerleben, kein Beleg und kein Versprechen. Ob sich bei dir etwas verändert, zeigt dein Kopfschmerztagebuch über Monate.
Fragen
Häufig gefragt
Was ist der Unterschied zwischen Migräne und zervikogenem Kopfschmerz?
Migräne ist eine eigenständige Erkrankung des Nervensystems mit Attacken von 4 bis 72 Stunden, oft pulsierend und mit Übelkeit oder Lichtempfindlichkeit. Der zervikogene Kopfschmerz geht von Halswirbelsäule oder Nackenweichteilen aus, beginnt typischerweise im Nacken und bleibt auf einer Seite.
Kann Migräne vom Nacken kommen?
Nackenschmerz gehört bei vielen Menschen zur Migräne, in Klinikstudien bei rund drei von vier Betroffenen. Das heißt nicht, dass der Nacken die Migräne verursacht. Nacken und Kopf melden im Hirnstamm an dieselbe Schaltstelle. Aus unserer Sicht kann ein ständig belasteter Nacken deshalb die Schwelle für Attacken mit verschieben, als ein Faktor unter mehreren.
Woran erkenne ich einen zervikogenen Kopfschmerz?
Typisch sind ein Beginn im Nacken oder am Hinterkopf, ein Schmerz, der auf derselben Seite nach vorn zieht, eine eingeschränkte Beweglichkeit der Halswirbelsäule und Schmerz bei bestimmten Kopfbewegungen. Keines dieser Merkmale beweist es allein, die Diagnose stellt eine ärztliche Untersuchung.
Hilft Nackentraining bei Migräne?
Beim zervikogenen Kopfschmerz senkten gezielte Übungen in einer großen randomisierten Studie Häufigkeit und Stärke über zwölf Monate. Bei Migräne schnitt Ausdauertraining ähnlich ab wie Entspannung und Topiramat. Zum FaceFormer-Training bei Migräne gibt es keine eigene Untersuchung.
Welche Rolle spielt die Kopfbalance bei Kopfschmerzen?
Steht der Kopf vor der Lotlinie, müssen die Nackenmuskeln ständig gegenhalten, und ihre Signale laufen dort ein, wo auch der Trigeminus verschaltet ist. Aus unserer Sicht ist die Kopfbalance eine Antwort auf Atmung und Schlucken, deshalb trainieren wir alle drei gemeinsam.
Wann sollte ich mit Kopfschmerzen zum Arzt?
Sobald ein Warnzeichen zutrifft, etwa ein schlagartig einsetzender heftiger Kopfschmerz, Fieber, neue Ausfälle, ein neuer oder deutlich veränderter Kopfschmerz, Kopfschmerz nach einem Unfall oder Schmerzmittel an vielen Tagen im Monat. Bei plötzlichem heftigstem Schmerz oder Lähmungen wählst du den Notruf 112.
Kann ich mit dem FaceFormer trainieren, wenn ich Migränemedikamente nehme?
Ja, Training und Medikamente schließen sich nicht aus. Setz verordnete Mittel nicht eigenmächtig ab, Änderungen besprichst du mit deiner Praxis. Während einer Attacke pausierst du das Training.
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Dein Weg weiter

Quellen
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