
Fachartikel Atmung
Mundatmung und NasenatmungWarum der Atemweg zählt
Durch den Mund bekommst du auch Luft. Warum es trotzdem nicht gleichgültig ist, welchen Weg sie nimmt, erfährst du hier: was die Nase mit jeder Einatmung leistet, warum Mundatmung so oft unbemerkt bleibt, wie früh sich das Atemmuster prägt und warum Nasenatmung ein Muster aus Atmung, Schlucken und Kopfbalance ist.
Kennst du das?
Du atmest durch die Nase, solange du daran denkst?
Was trifft auf dich oder dein Kind zu?
Tippe an, was auf dich zutrifft.
Treffen mehrere Punkte zu, ist die Nase aus unserer Sicht nicht dein bevorzugter Atemweg. Das ist kein Grund zur Sorge, aber ein Grund, genauer hinzusehen. Nasenatmung ist kein Vorsatz, sondern ein gespeichertes Muster, und Muster lassen sich trainieren.
Woran du Mundatmung erkennstWas die Nase leistetDas Wichtigste in Kürze
- Mundatmung ist häufig und bleibt oft unbemerkt, weil die Nase im Ruhezustand funktioniert und der Mund erst unter Belastung und im Schlaf übernimmt.
- Die Nase filtert, wärmt und befeuchtet die Luft, ihre Schleimhaut ist die erste Abwehrlinie, und aus den Nasennebenhöhlen gelangt Stickstoffmonoxid mit der Atemluft in die Lunge. Bei Mundatmung entfällt all das, und die Luft trifft ungefiltert auf Rachen und Kehlkopf. Deshalb ist Mundatmung aus unserer Sicht schädlich, sobald sie zum Normalfall wird.
- Das Atemmuster prägt sich früh und hängt aus unserer Sicht an Mundschluss, Zungenreferenzlage und Kopfbalance. Deshalb lässt es sich nicht wegdenken, aber trainieren.
Video
Mundatmung und Nasenatmung: Warum der Atemweg zählt
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Häufigkeit
Mundatmung: häufig und oft unbemerkt
Die wenigsten Mundatmer wissen, dass sie Mundatmer sind. Das liegt nicht an mangelnder Aufmerksamkeit, sondern daran, wann der Mund übernimmt.
Im TV: In „JENKE. Experiment. Schlaflos“ (ProSieben, 08.10.2026) geht es um schlechten Schlaf und seine Folgen. Auch der FaceFormer ist in der Sendung zu sehen, im Zusammenhang mit Schlaf und Körperhaltung. Sendung kostenlos bei Joyn ansehen
Wer darauf achtet, kann in aller Regel durch die Nase atmen. Genau das macht Mundatmung so schwer zu erkennen. Der Wechsel geschieht dort, wo niemand auf sich achtet: bei leichter Anstrengung, im Gespräch, vor dem Bildschirm und vor allem im Schlaf. Am Tag wirkt alles unauffällig, in der Nacht steht der Mund offen.
der 370 zufällig ausgewählten Kinder zwischen drei und neun Jahren in einer brasilianischen Kleinstadt waren nach klinischer Einschätzung Mundatmer. Der Erhebungsbogen war eigens entwickelt und nicht geprüft1
der Mundatmer unter diesen Kindern schliefen mit offenem Mund, 79 % schnarchten, 62 % hinterließen Speichel auf dem Kissen2
Die Zahlen stammen aus einer einzelnen Region und lassen sich nicht einfach auf Deutschland übertragen. Sie zeigen aber, wie verbreitet das Muster sein kann und wie es sich verrät: selten am Tag, deutlich in der Nacht.
Bei Erwachsenen ist es ähnlich. Oft fällt die Mundatmung erst über ihre Folgen auf, über einen trockenen Mund am Morgen, über Schnarchen oder über den Hinweis des Partners.

Offener Mund in Ruhe
Beim Lesen, Spielen oder Fernsehen stehen die Lippen leicht offen.
Trockener Mund am Morgen
Zunge und Lippen fühlen sich nach dem Aufwachen trocken und belegt an.
Schnarchen
Geräusche im Schlaf, auch leise, zeigen, dass die Luft nicht ruhig durch die Nase strömt.
Feuchtes Kissen
Speichel läuft nachts aus dem offenen Mund.
Unruhiger Schlaf
Häufiges Umdrehen, Aufwachen, bei Kindern auch Reizbarkeit am Tag.
Funktionen der Nase
Was die Nase mit jeder Einatmung leistet
Die Nase ist kein Rohr, durch das Luft zur Lunge gelangt. Sie bereitet die Luft auf, prüft sie und meldet ans Gehirn, was hereinkommt.
Filtern
Staub, Pollen und Keime bleiben im Schleim der Nasenschleimhaut haften, bevor sie tiefer gelangen.
Anwärmen
Über die gut durchbluteten Nasenmuscheln erwärmt sich die Luft auf dem kurzen Weg durch die Nase.
Befeuchten
Die Schleimhaut gibt Feuchtigkeit ab, damit die Luft die unteren Atemwege nicht austrocknet.
Riechen und Takt geben
Mit jeder Einatmung streicht Luft an der Riechschleimhaut vorbei und meldet sich im Gehirn.
Wie schnell die Nase arbeitet, hat eine Ulmer Arbeitsgruppe gemessen. Bei 23 Freiwilligen zeichnete sie Temperatur und Luftfeuchte an mehreren Stellen der Nase auf. Schon im vorderen Abschnitt stiegen beide Werte deutlich an. Die Aufbereitung beginnt also kurz hinter dem Nasenloch, lange bevor die Luft den Rachen erreicht3.
Auch das Gehirn hört mit. In einer Untersuchung an Menschen, denen zur Epilepsiediagnostik Elektroden ins Gehirn gesetzt worden waren, folgte die elektrische Aktivität im Riechhirn, im Mandelkern und im Hippocampus dem Takt der Atmung. Wurde die Luft von der Nase auf den Mund umgeleitet, schwächte sich dieser Takt ab4.
Durch den Mund kommt Luft hinein. Durch die Nase kommt aufbereitete Luft hinein.Du atmest am Tag rund 20.000 Mal, und jeder Atemzug geht entweder durch den Filter der Nase oder an ihm vorbei. Der Mund übernimmt keine ihrer Aufgaben. Er ist ein Notweg, und als Notweg ist er sinnvoll, etwa bei Schnupfen oder großer Anstrengung.
Abwehr
Schleim und Flimmerhärchen: die erste Abwehrlinie
Die Nasenschleimhaut ist die Stelle, an der die Atemluft zuerst auf den Körper trifft. Entsprechend dicht ist sie mit Schutzfunktionen ausgestattet.
Die Oberfläche der Schleimhaut ist von einer dünnen Schleimschicht bedeckt, darunter stehen feine Flimmerhärchen, die Zilien. Sie schlagen in koordinierten Wellen und schieben den Schleim mit allem, was darin hängen bleibt, Richtung Rachen. Dort wird er unbemerkt geschluckt.
Diesen Abtransport nennt man mukoziliäre Clearance. Eine Übersichtsarbeit bezeichnet ihn als wichtigsten angeborenen Abwehrmechanismus der Atemwege5. Im Schleim selbst wirken zusätzlich Antikörper und körpereigene keimhemmende Eiweiße.

Dieses System braucht eine feuchte, durchströmte Schleimhaut. Wer über Jahre durch den Mund atmet, lässt die Nase aus unserer Sicht ungenutzt, und was nicht in seine Funktion eingebunden ist, verliert an Leistung.
Der Mund übernimmt
Die Luft nimmt den scheinbar leichteren Weg, besonders im Schlaf.
Die Nase wird weniger durchströmt
Schleimhaut und Schwellkörper bekommen weniger Reiz.
Die Schleimhaut verändert sich
Aus unserer Sicht wird sie anfälliger und schwillt leichter an.
Nasenatmung fällt schwerer
Die Nase fühlt sich enger an, und der Mund springt noch öfter ein.
Mundatmung ist aus unserer Sicht schädlich, und der Mechanismus ist schlicht. Filter, Anwärmung und Befeuchtung der Nase entfallen, die Luft trifft ungefiltert auf Mund, Rachen und Kehlkopf, deren Schleimhaut dafür nicht gebaut ist. Das begünstigt Reizzustände und Infekte im Mund-Rachen-Raum. Ein Schutzschild ist die Nasenatmung nicht, auch wer durch die Nase atmet, bekommt Erkältungen. Sie ist aber die Atemform, für die die Abwehr der oberen Atemwege gebaut ist. Mehr zur Rolle der Nase bei Heuschnupfen findest du im Artikel Allergien und Nasenatmung.
Stickstoffmonoxid
Ein Botenstoff, den nur die Nase liefert
In den Nasennebenhöhlen entsteht ein Gas, das lange nur als Luftschadstoff bekannt war. Mit der Nasenatmung gelangt es in die Lunge.
Eine Forschungsgruppe am Karolinska-Institut in Stockholm fand 1995 heraus, dass die Schleimhaut der Nasennebenhöhlen fortlaufend Stickstoffmonoxid bildet, kurz NO. Die Konzentration in der Luft der Nebenhöhlen war sehr hoch. Wegen der bekannten keimhemmenden Wirkung von NO vermuteten die Forschenden eine Rolle dabei, die Nebenhöhlen keimarm zu halten6.
höher lag der Sauerstoff-Partialdruck an der Haut bei sechs von acht gesunden Personen, während sie durch die Nase statt durch den Mund atmeten7
stieg das NO in der ausgeatmeten Nasenluft bei zehn Gesunden, wenn sie summten statt ruhig auszuatmen8
Mit der Nasenatmung gelangt dieses NO bei jeder Einatmung in die Lunge, wo es als Botenstoff auf die Gefäße wirkt. Bei Mundatmung nimmt die Luft diesen Weg nicht. Das Summen zeigt, wie eng Belüftung und NO zusammenhängen: Die schwingende Luft spült die Nebenhöhlen durch. Mehr zu den Nebenhöhlen steht im Artikel Sinusitis.
Summ mit geschlossenen Lippen eine Minute lang einen tiefen Ton. Was bemerkst du?
Frühe Kindheit
Mundatmung ist nicht angeboren
Neugeborene atmen durch die Nase. Ob das so bleibt, entscheidet sich in den ersten Lebensjahren.
Ein Säugling atmet beim Trinken weiter durch die Nase, obwohl der Mund voller Milch ist. Der Kehlkopf steht in den ersten Monaten so hoch, dass der Mund als Atemweg praktisch nicht zur Verfügung steht. Erst mit dem Absinken des Kehlkopfs wird Mundatmung überhaupt möglich. Ob sie später zum bevorzugten Weg wird, hängt aus unserer Sicht davon ab, welche Muster sich bis dahin eingespielt haben.
An der Brust arbeitet das Kind mit Lippen, Zunge und Kiefer gegen einen Widerstand. Die Zungenspitze sucht dabei den Punkt hinter den oberen Schneidezähnen, die Lippen schließen. So spielt sich die Zungenreferenzlage ein.
Ein Schnuller, der über Stunden im Mund liegt, besetzt genau diesen Raum. Die Zunge liegt tiefer, die Lippen gewöhnen sich an einen offenen Stand. Das Kind atmet noch durch die Nase, gespeichert wird aber das Muster eines geöffneten Mundes.
Mundatmung ist keine Anlage. Sie ist eine erworbene Fehlfunktion.Das Grundprogramm der Nasenatmung ist nicht gelöscht, sondern überlagert. Deshalb lässt es sich wieder erlernen, auch im Erwachsenenalter.
Das Muster weicht ab
Offener Mund, tief liegende Zunge, der Mund wird Atemweg.
Der Körper gleicht aus
Das Nervensystem speichert die Ausweichlösung als bevorzugtes Muster, besonders für den Schlaf.
Die Form folgt der Funktion
Gaumen, Kiefer, Zahnstellung und Kopfbalance passen sich über die Jahre an.
Beschwerden zeigen sich
Wann und wie stark, hängt vom Ausmaß, von der Dauer und vom Lebensalter ab.
Kiefer, Zähne, Ohr
Was Studien zu den Folgen bei Kindern zeigen
Bei Kindern wächst das Gesicht noch. Deshalb zeigen sich die Folgen eines veränderten Atemwegs dort besonders deutlich.
Den Zusammenhang hat eine Arbeitsgruppe in San Francisco schon 1981 im Versuch untersucht. Jungen Rhesusaffen wurde die Nase mit Silikonstopfen verschlossen. Alle Tiere hielten danach den Mund offen, manche senkten den Unterkiefer ab oder schoben die Zunge vor. Mit der Zeit entwickelten sie ein anderes Gesicht und einen anderen Biss als die Vergleichstiere9.
Kreuzbiss im Seitenzahnbereich bei Kindern mit behinderter Nasenatmung gegenüber Nasenatmern, rückblickend ausgewertet an 116 kieferorthopädisch behandelten Kindern in Jerusalem10
fehlender Abschluss zwischen Lippen und Zunge vorn im Mund, in derselben Auswertung10
fasste eine Metaanalyse aus China zusammen. Bei Mundatmern waren Ober- und Unterkiefer nach hinten unten gedreht, der Rachenraum enger11
Auch Zahnfleisch und Zähne sind betroffen. Eine Übersichtsarbeit über elf Querschnittsstudien fand bei Kindern und Jugendlichen mit Mundatmung mehr Zahnfleischbluten und mehr Beläge. Für Karies war der Zusammenhang nur bei bestimmten Stadien erkennbar12. Querschnittsstudien zeigen Zusammenhänge, nicht deren Richtung. Sie passen aber zu dem, was der Tierversuch nahelegt.
Kiefer und Zähne
Ein schmaler Oberkiefer, ein Kreuzbiss oder ein offener Biss begleiten aus unserer Sicht häufig einen Mund, der nicht schließt.
Ohr
Die Ohrtrompete verbindet Rachen und Mittelohr. Wie gut sie belüftet, hängt aus unserer Sicht mit Schlucken und Nasenatmung zusammen, mehr unter Ohrendruck.
Rachenmandel
Vergrößerte Rachenmandeln und Mundatmung treten oft gemeinsam auf, mehr unter Polypen.
Sprechen
Liegt die Zunge tief und vorn, verändert sich auch die Bildung einzelner Laute, etwa des S.
Bei Erwachsenen ist das Gesicht ausgewachsen, die Folgen zeigen sich aus unserer Sicht im Regelfall an anderer Stelle: trockener Mund und gereizte Schleimhaut, Schnarchen, Beschwerden an Zähnen und Kiefergelenk, Verspannungen in Nacken und Kopf. Mit der Atmung bringt diese Beschwerden kaum jemand in Verbindung, und so wird jede für sich behandelt.
Die Triade
Nasenatmung ist ein Muster, kein Vorsatz
Eine freie Nase reicht nicht. Damit die Luft durch die Nase strömt, muss der Mundraum dicht sein, und dafür sorgen drei Funktionen gemeinsam.
Atmung, Schlucken und Kopfbalance bilden aus unserer Sicht einen gemeinsamen Funktionskreis. Nach jedem Schluck legt sich die Zunge an den Gaumen, die Lippen liegen locker aneinander, der Zungengrund dichtet zum Rachen ab. Dann bleibt der Luftstrom in der Nase.
Balanciert der Kopf über dem Körper, bleibt der Raum im Rachen frei. Wandert er nach vorn, öffnet sich der Mund leichter. Eine Störung an einer Stelle zieht die anderen mit.

Deshalb klappt der Vorsatz, durch die Nase zu atmen, nur, solange du daran denkst. Die Zungenreferenzlage und das Schluckmuster laufen ohne Bewusstsein ab. Muskeln, die nicht in ihre Funktion eingebunden sind, werden nicht gebraucht und verlieren an Spannung. Wird die Funktion im Alltag wieder gebraucht, baut sich die Spannung wieder auf.
Eine Gewohnheit wird nicht durch Einsicht aufgegeben, sondern durch Wiederholung verdrängt.Mundatmung ist im impliziten Gedächtnis gespeichert, dort, wo auch Gehen und Schlucken liegen. Umlernen braucht deshalb häufige, genaue Wiederholung über Monate.
Einordnung
Spray, Pflaster, Operation: warum das Muster bleibt
Viele versuchen, die Mundatmung von außen abzustellen. Das kann eine Weile entlasten, an der Steuerung ändert es nichts.
Die Folgen einer Mundatmung landen bei verschiedenen Stellen: die trockene Nase beim Nasenspray, das Knirschen bei der Schiene, die Zahnstellung bei der Spange, die nächste Mittelohrentzündung bei der Medikation. Jede Behandlung kann das Symptom mildern, das Atemmuster dahinter bleibt unberührt, und den Zusammenhang stellt aus unserer Sicht kaum jemand her. Wer die Ursache nicht mitbehandelt, erreicht eine Abschwächung der Auswirkungen, keine Auflösung der Kette.
Ähnlich ist es mit vielen Atemtechniken. Sie arbeiten mit bewusst gesetzten Reizen, etwa weniger atmen oder durch die Nase ein und den Mund aus. Damit übst du eine Fertigkeit, die du nur mit Aufmerksamkeit ausführst. Das Muster, das im Schlaf und unter Belastung läuft, also Mundschluss, Zungenreferenzlage, Schlucken und Kopfbalance, erreichen sie aus unserer Sicht im Regelfall nicht, und ein Wechsel zwischen Nase und Mund hält den Mund im Atemweg.
Von außen oder bewusst steuern
- Den Mund nachts zukleben (Mouth Taping)
- Nasenspray, Nasenpflaster oder Nasenklammer
- Sich tagsüber an Nasenatmung erinnern
- Atemtechniken, die nur mit Aufmerksamkeit laufen
Das Muster umlernen
- Mundschluss, Zungenreferenzlage und Schlucken gemeinsam üben
- Die Kopfbalance in denselben Ablauf einbinden
- So oft wiederholen, bis es im Schlaf von selbst läuft
Ein Pflaster schließt den Mund, aber es lehrt ihn nicht, sich zu schließen. Warum wir Mouth Taping nicht empfehlen, erklärt der Artikel Mouth Taping.
Passive Hilfen verändern für die Dauer der Anwendung den Luftweg, die Steuerung dahinter bleibt, wie sie war. Nasenspray und Nasenspülung können die Nase freimachen oder befeuchten und sind dafür sinnvoll, an der Gewohnheit, den Mund zu benutzen, ändern sie nichts. Abschwellende Sprays greifen im Dauergebrauch die Schleimhaut an. Sie gewöhnt sich an den Wirkstoff und schwillt ohne Spray schneller zu14. Einen Ausstieg aus abschwellenden Sprays planst du mit deiner Praxis.
Eine Nasenoperation kann die Durchgängigkeit verbessern, ob aus einem langjährigen Mundatmer wieder ein Nasenatmer wird, entscheidet aber das Atemmuster. Eine offene Nase ist eine Bedingung, Nasenatmung ist eine Fähigkeit, deshalb gehört das Umlernen auch nach einem Eingriff dazu. Eine Nebenwirkung, die selten mit dem Eingriff in Verbindung gebracht wird, ist das Empty-Nose-Syndrom: Nach zu starker Verkleinerung der Nasenmuscheln fühlt sich die Nase trotz freiem Weg verstopft oder trocken an.
Wie ein Stützrad am Fahrrad
Ein Stützrad hält das Rad aufrecht, solange es montiert ist. Das Gleichgewicht lernt das Kind erst, wenn es selbst balanciert. Pflaster, Klammer und Dauerspray sind aus unserer Sicht solche Stützräder. Das Gleichgewicht der Atmung entsteht im Zusammenspiel von Atmung, Schlucken und Kopfbalance, und das Training lässt sich mit jeder ärztlichen Behandlung kombinieren.
Training
Nasenatmung trainieren: vom Tag in die Nacht
Im FaceFormer-Training übst du die Bausteine der Nasenatmung in einem Ablauf, bis er ohne Nachdenken läuft.
Der FaceFormer liegt im Mundvorhof, hinter den Lippen und vor den Zähnen. Die Zungenspitze liegt an der kleinen Erhebung hinter den oberen Schneidezähnen, der Kopf ist aufrecht balanciert, du atmest durch die Nase.
In der Grundübung drückst du den Lippenkeil mit den Lippen zusammen, beißt kurz mit den Backenzähnen auf und schluckst. Der Unterdruck zieht die Zunge an den Gaumen, der Mundraum ist dicht.

Die Nacht kommt erst dazu, wenn die Nase durch das Tagestraining besser mitarbeitet, in der Regel nach zwei bis drei Wochen. Fällt der FaceFormer anfangs nachts heraus, ist das normal. Das Muster ist dann tagsüber noch nicht gefestigt.
Ab etwa Woche 6 verbindet die Atemübung das Training mit ruhiger Nasenatmung und kurzen Atempausen.
- Ab Tag 1
Grundübung
Dreimal täglich wenige Minuten mit dem FaceFormer ZERO, die Wiederholungen steigerst du Woche für Woche.
- Nach zwei bis drei Wochen
Die Nacht
Nachts trägst du den FaceFormer ZERO, sobald die Nasenatmung am Tag besser gelingt.
- Nach einigen Wochen
Wechsel auf den ONE
Tagsüber trainierst du mit dem FaceFormer ONE. Er ist gleich groß und geformt wie der ZERO, nur aus festerem Material.
- Ab etwa Woche 6
Atemübung
Ruhige Nasenatmung mit Atempausen, die mit der Zeit länger werden.
- Über Monate
Das Muster läuft von selbst
Das Übungsmanual rechnet mit sechs bis zwölf Monaten, danach folgt ein Erhaltungstraining.
Nasenatmung ist aus unserer Sicht ein wichtiger Teil des Rezepts, mit dem sich der Körper gegen Erreger und Allergene abschirmt, und eine Voraussetzung für einen ruhigen Schlaf. Das Training kann die Voraussetzungen schaffen, dass sie wieder im Alltag und in der Nacht läuft. Man muss dranbleiben, es kann sich lohnen.
Was ist untersucht? In der Hamburger Studie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf wurden 45 Kinder mit Funktionsstörungen im Mundraum per Los entweder mit dem FaceFormer oder mit myofunktioneller Therapie ohne Gerät behandelt. Beide Gruppen verbesserten sich, in der FaceFormer-Gruppe stellte sich der gewohnheitsmäßige Mundschluss schneller ein13. Nach sechs Monaten wurden nur 30 Kinder nachuntersucht, eine Mitentwicklerin der Methode war Mitautorin. Alle Studien findest du unter Studien und Wissenschaft.
Die kostenlose FaceFormer-App leitet die Grundübungen an, alle Module findest du auf den Übungsseiten. Ist deine Nase über lange Zeit vollständig verlegt, lass das vor dem Training abklären. Für Kinder gilt ein eigener Übungsplan, mehr unter FaceFormer für Kinder.
Alltag
Nasenatmung im Alltag: was du selbst tun kannst
Beobachten statt erzwingen
Achte einige Tage darauf, wann dein Mund aufgeht: am Bildschirm, beim Treppensteigen, beim Einschlafen. Das zeigt dir, wo das Muster kippt.
Lippen zu, Zunge oben
Die Lippen liegen locker aneinander, die Zungenspitze liegt hinter den oberen Schneidezähnen. Aus dieser Lage strömt die Luft von selbst durch die Nase.
Summen
Ein paar Minuten Summen mit geschlossenen Lippen belüftet die Nebenhöhlen und macht die Nase spürbar.
Sport behutsam steigern
Atme zuerst bei ruhiger Belastung durch die Nase, etwa beim Gehen, und steigere von dort aus.
Kopfbalance am Bildschirm
Richte Bildschirm und Sitz so ein, dass dein Kopf über dem Körper balanciert und nicht nach vorn wandert.
Kein Pflaster
Den Mund zuzukleben empfehlen wir nicht. Ist die Nase nachts zu, fehlt dann der Notweg.
Verordnetes nicht eigenmächtig absetzen
Nutzt du Nasenspray oder andere Mittel auf ärztlichen Rat, besprich Änderungen mit deiner Praxis.
Mundatmung steht am Anfang vieler Kausalketten, die bis zu Schnarchen, einem trockenen Mund oder einer oft verstopften Nase reichen können. Die einzelnen Themen findest du in den verlinkten Artikeln, den gemeinsamen Ausgangspunkt hier.
Fragen
Häufig gefragt
Woran erkenne ich, dass ich durch den Mund atme?
Typische Zeichen sind ein trockener Mund am Morgen, spröde Lippen, Schnarchen, ein feuchtes Kopfkissen und leicht geöffnete Lippen in Ruhe. Weil der Wechsel vor allem im Schlaf und bei Anstrengung geschieht, fällt er am Tag oft nicht auf. Ein Hinweis von Partner oder Eltern ist deshalb häufig der erste Anhaltspunkt.
Ist Mundatmung schädlich?
Aus unserer Sicht ja, sobald sie zum Normalfall wird. Bei Schnupfen oder großer Anstrengung ist der Mund ein sinnvoller Notweg. Als Dauerzustand umgeht die Luft Filter, Befeuchtung und Erwärmung der Nase und trifft ungefiltert auf Rachen und Kehlkopf, und das Muster wirkt aus unserer Sicht auf Kiefer, Zähne und Kopfbalance zurück. Studien bei Kindern zeigen Zusammenhänge mit Kieferform, Biss und Zahnfleisch.
Warum ist Nasenatmung besser als Mundatmung?
Die Nase filtert, wärmt und befeuchtet die Luft, ihre Schleimhaut transportiert Partikel und Keime ab, und aus den Nasennebenhöhlen gelangt Stickstoffmonoxid mit der Einatmung in die Lunge. Der Mund übernimmt keine dieser Aufgaben.
Kann man Mundatmung abtrainieren?
Ja, als Muster. Ein Vorsatz reicht nicht, weil die Atmung im Schlaf und bei Anstrengung automatisch abläuft. Im FaceFormer-Training übst du Mundschluss, Zungenreferenzlage, Schlucken und Kopfbalance in einem Ablauf, bis er ohne Nachdenken läuft. Das Übungsmanual rechnet mit sechs bis zwölf Monaten.
Hilft es, den Mund nachts zuzukleben?
Wir empfehlen Mouth Taping nicht. Ein Pflaster schließt den Mund von außen, das Muster dahinter bleibt. Ist die Nase nachts zu, fehlt zudem der Notweg. Mehr dazu im Artikel Mouth Taping.
Warum atmet mein Kind durch den Mund?
Häufige Gründe sind aus unserer Sicht eine früh eingespielte offene Mundhaltung, etwa durch langen Schnullergebrauch, eine tief liegende Zunge, vergrößerte Rachenmandeln oder eine allergisch geschwollene Nasenschleimhaut. Oft kommt mehreres zusammen. Lass Rachenmandeln und Nase ärztlich ansehen und nimm das Muster mit in den Blick.
Ab wann kann ein Kind Nasenatmung trainieren?
Für Kinder von 2 bis 10 Jahren wird der FaceFormer ZERO aus weicherem Material empfohlen, ab etwa 3 Jahren mit kurzen aktiven Einheiten. Unter 4 Jahren trainiert ein Kind am besten mit fachkundiger Begleitung. Den Übungsplan findest du unter FaceFormer für Kinder.
Meine Nase ist oft zu. Kann ich trotzdem trainieren?
Eine zeitweise engere Nase ist kein Hindernis, die Nasenatmung soll ja gerade durch das Training besser werden. Die nächtliche Anwendung beginnt deshalb erst nach einigen Wochen Tagestraining. Ist die Nase über lange Zeit vollständig verlegt, lass das vor dem Training abklären.
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Quellen
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