
Fachartikel Nase und Atmung
Polypen beim Kind?Warum die freie Nase nur der Anfang ist
Dein Kind atmet durch den Mund, schnarcht nachts, und in der Praxis fällt das Wort Polypen? Hier erfährst du, was Polypen, Adenoide und Nasenpolypen unterscheidet, was Studien zur Polypen-OP zeigen und warum Nasenatmung ein Muster aus Atmung, Schlucken und Kopfbalance ist, das ein Kind lernen kann.
Kennst du das?
Der Mund steht offen, und alle reden von Polypen?
Was trifft auf dein Kind zu?
Tippe an, was auf dich zutrifft.
Treffen mehrere Punkte zu, lohnt ein genauer Blick darauf, wie dein Kind atmet. Eine vergrößerte Rachenmandel kann die Nase verlegen. Ob ein Kind durch die Nase atmet, entscheidet aber auch das Muster, mit dem es Lippen, Zunge und Kopf hält. Dieses Muster lässt sich trainieren.
Polypen oder Nasenpolypen?Nach der OP noch MundatmungWiederkehrende MandelentzündungDas Wichtigste in Kürze
- Mit Polypen ist beim Kind im Regelfall die vergrößerte Rachenmandel gemeint, fachlich Adenoide. Echte Nasenpolypen sind eine Erkrankung der Nasenschleimhaut, vor allem bei Erwachsenen.
- Eine große Rachenmandel kann die Nase verlegen, und das Kind weicht auf den Mund aus. Als Notlösung ist das sinnvoll. Bleibt es als Muster, hat es seinen Preis für Schlaf, Mittelohr und die Entwicklung von Kiefer und Gesicht.
- Eine Polypen-OP kann den Luftweg öffnen. Das Atemmuster ändert sie nicht von selbst. Dafür setzen wir auf das Training der Basisfunktionen Atmung, Schlucken und Kopfbalance.
Video
Nasenpolypen und adenoide Wucherungen: Nasenatmung beim Kind
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Begriffe
Polypen, Adenoide, Nasenpolypen: drei Wörter, zwei Dinge
Wenn in der Kinderarztpraxis von Polypen die Rede ist, meint das etwas anderes als der Befund Nasenpolypen bei einem Erwachsenen.
Umgangssprachlich heißen bei Kindern vergrößerte Rachenmandeln Polypen. Fachlich spricht man von Adenoiden oder adenoiden Vegetationen. Die Rachenmandel sitzt oben im Nasenrachen, dort, wo die Nase hinten in den Rachen übergeht. Sie gehört zum Abwehrgewebe und ist bei jedem Kind vorhanden. Zur Frage wird sie erst, wenn sie so groß ist, dass sie den Luftweg hinter der Nase einengt.
Polypen beim Kind (Adenoide)
- Vergrößerte Rachenmandel im Nasenrachen
- Häufig im Kleinkind- und Vorschulalter
- Bildet sich mit dem Wachstum im Regelfall zurück
- Engt den Luftweg hinter der Nase ein
Nasenpolypen (vor allem Erwachsene)
- Ausstülpungen der Schleimhaut von Nase und Nebenhöhlen
- Folge einer chronischen Entzündung
- Häufiger bei Asthma und im höheren Alter
- Verlegen die Nase von innen, oft mit eingeschränktem Riechen
Bei Kindern sind echte Nasenpolypen selten. Bei Mukoviszidose treten sie dagegen häufig auf1. Wird bei einem Kind ein Nasenpolyp gefunden, gehört die Ursache deshalb ärztlich geklärt.
Beides kann die Nasenatmung behindern, und beides wird oft in einem Atemzug genannt. Dieser Artikel handelt vor allem von der Rachenmandel beim Kind und der Mundatmung, die sie auslösen kann. Den Nasenpolypen der Erwachsenen gilt ein eigener Abschnitt.
Anatomie
Die Rachenmandel: groß in den ersten Lebensjahren
In der Kleinkindzeit wächst die Rachenmandel schneller als der Raum, in dem sie liegt. Das erklärt, warum so viele Kinder in diesem Alter durch den Mund atmen.
Die Rachenmandel liegt am Dach des Nasenrachens, direkt hinter der Nasenhöhle. Seitlich davon öffnet sich die Ohrtrompete, der Kanal, der das Mittelohr belüftet. Ist die Mandel groß, engt sie den Weg ein, den die Atemluft von der Nase in den Rachen nimmt.
Die Luft sucht sich dann den leichteren Weg durch den Mund. Im Modell ist die Rachenmandel rot umkreist, die Pfeile zeigen den Luftstrom durch den offenen Mund.

der Kinder und Jugendlichen hatten in zufällig ausgewählten Stichproben eine vergrößerte Rachenmandel, festgestellt per Nasenendoskopie. Die Einzelstudien streuten stark2
waren es in Stichproben aus Kliniken und Praxen, ausgewertet in derselben Übersichtsarbeit mit zusammen 5.248 Kindern und Jugendlichen2
Mit dem Wachstum ändert sich das Verhältnis. In einer Langzeitbeobachtung aus Denver wurden zwölf Kinder vom ersten Lebensjahr bis zum achtzehnten wiederholt geröntgt. Eng war der Luftweg im Nasenrachen vor allem im Vorschul- und frühen Schulalter. Danach wurde er weiter, weil der Raum mitwuchs und sich die Rachenmandel zurückbildete3.
Ist der Nasenrachen frei, strömt die Luft durch die Nase über die Nasenmuscheln in den Rachen und wird unterwegs gewärmt, befeuchtet und gereinigt.
Die Weite des Nasenrachens ist nur die eine Hälfte. Ob ein Kind diesen Weg auch nutzt, hängt aus unserer Sicht davon ab, ob Lippen, Zunge und Kopfbalance den Mundraum schließen.

Mundatmung
Kind atmet durch den Mund: woran du es erkennst
Mundatmung fällt oft zuerst nachts auf. Tagsüber zeigt sie sich in kleinen Zeichen, die leicht als Eigenart durchgehen.
Typische Zeichen sind ein offener Mund beim Spielen oder Fernsehen, trockene Lippen, Schnarchen und unruhiger Schlaf. Manche Kinder klingen verschnupft, obwohl sie nicht erkältet sind, und wirken tagsüber müde.
Die vergrößerte Rachenmandel ist eine häufige Ursache, aber nicht die einzige. Oft kommen mehrere Dinge zusammen, etwa eine allergisch geschwollene Nasenschleimhaut und eine Gewohnheit, die sich in der Zeit einer verlegten Nase eingespielt hat.

der mundatmenden Kinder zwischen 3 und 9 Jahren schliefen in einer Untersuchung aus Brasilien mit offenem Mund, 79 % schnarchten4
dieser Kinder hatten eine allergische Rhinitis, also eine allergisch entzündete Nasenschleimhaut4
hatten eine vergrößerte Rachenmandel. Viele Kinder hatten beides, die Anteile überschneiden sich4
Beobachte dein Kind beim Spielen oder Fernsehen. Wie liegen die Lippen?
Kausalkette
Vom Hindernis zum Muster
Eine große Rachenmandel ist ein Hindernis. Was daraus wird, entscheidet sich im Nervensystem.
Atmet ein Kind über Wochen und Monate durch den Mund, passt sich mehr an als der Luftweg. Die Lippen bleiben offen, die Zunge sinkt vom Gaumen nach unten, damit Luft durch den Mund strömen kann, und der Kopf schiebt sich aus unserer Sicht leicht nach vorn, weil das den Raum im Rachen weitet.
Das Nervensystem speichert diesen Ausgleich als bevorzugtes Muster. Ähnlich wirken frühe Gewohnheiten wie Schnuller, Flasche oder Daumen, die die Zunge von ihrer Zungenreferenzlage am Gaumen fernhalten.

Die Nase ist verlegt
Eine große Rachenmandel, ein Infekt oder eine Allergie engen den Luftweg ein. Der Mund springt ein.
Der Körper gleicht aus
Lippen offen, Zunge unten, Kopf leicht vorn. Das Nervensystem speichert den Ausgleich als bevorzugtes Muster.
Die Form folgt
Im Wachstum richten sich Gaumen, Kiefer und Zahnstellung nach den Kräften, die Tag für Tag auf sie wirken.
Beschwerden treten auf
Schnarchen, unruhiger Schlaf, häufige Infekte, ein schlecht belüftetes Mittelohr. Wann und wie stark, hängt vom Ausmaß, von der Dauer und vom Alter ab.
Schläft ein Kind mit offenem Mund und unruhig, fehlt ihm erholsamer Schlaf, und tagsüber kann sich das als Müdigkeit, Unruhe oder Konzentrationsprobleme zeigen. Verlegt die vergrößerte Rachenmandel zusätzlich die Ohrtrompete, kann sich Flüssigkeit im Mittelohr sammeln. Das Kind hört schlechter, und das erschwert auch das Sprechenlernen. Diese Folgen werden oft einzeln angesehen und selten mit der Atmung in Verbindung gebracht.
Aus unserer Sicht steht eine gestörte Basisfunktion im Regelfall am Anfang vieler solcher Ketten. Muskeln, die nicht in ihre Funktion eingebunden sind, werden nicht gebraucht und verlieren an Spannung. Wird der Nasenrachen kaum noch durchströmt, fehlen dem Abwehrgewebe dort Luftstrom, Befeuchtung und Reinigung. Der Schluss liegt nahe, dass sich eine vergrößerte Rachenmandel und Mundatmung gegenseitig unterhalten. Die Mandel verlegt die Nase, und die fehlende Durchströmung begünstigt, dass sie groß bleibt. Untersucht ist das so nicht, es ist unsere Sicht.
Die Nase ist frei. Das Muster bleibt.Ist der offene Mund zur Gewohnheit geworden, atmet ein Kind oft weiter durch ihn, auch wenn die Nase längst frei ist. Das Grundprogramm der Nasenatmung ist nicht gelöscht, sondern überlagert, und es lässt sich wieder erlernen.
Die Mundatmung ist bei verlegter Nase zunächst eine sinnvolle Notlösung. Bleibt sie als Muster bestehen, hat sie ihren Preis: Zunge und Unterkiefer sinken ab, der Nasenrachen wird kaum noch durchströmt, der Schlaf wird flacher, und im Wachstum richten sich Kiefer und Gaumen nach diesen Kräften6. Aus unserer Sicht ist das im Regelfall der Grund, warum ein Kind nach freier Nase weiter durch den Mund atmet.
Wachstum
Mundatmung, Kiefer und Gesicht: was Studien zeigen
Ob Mundatmung die Entwicklung des Gesichts mitbestimmt, wird seit Jahrzehnten untersucht. Die Befunde passen zusammen, beweisen aber nicht alles.
Eine Übersichtsarbeit aus Chongqing fasste zehn Studien zusammen, in denen mundatmende mit nasenatmenden Kindern verglichen wurden. Bei den Mundatmern waren Ober- und Unterkiefer im Mittel nach hinten und unten gedreht, die Kauebene stand steiler, die oberen Schneidezähne neigten sich nach vorn, und die Atemwege im Rachen waren enger5.
Einen ursächlichen Zusammenhang zeigen Tierversuche aus San Francisco. Jungen Rhesusaffen wurde die Nase mit Silikonstopfen verschlossen. Die Tiere hielten den Mund offen, passten Unterkiefer und Zunge an und entwickelten mit der Zeit ein anderes Gesicht und einen anderen Biss als die Vergleichstiere6. Beim Menschen lässt sich so etwas nicht prüfen. Aufschlussreich sind hier Beobachtungen nach einer Polypen-OP.
zwischen 7 und 12 Jahren wurden in Schweden nach Entfernung stark vergrößerter Rachenmandeln beobachtet und mit 37 Kindern mit freien Atemwegen verglichen7
lang wuchs der Unterkiefer danach bei den Mädchen waagerechter als in der Vergleichsgruppe. Bei den Jungen zeigte sich dieselbe Tendenz, statistisch aber unsicher7
Die schwedische Untersuchung war nicht randomisiert, und eine enge Anatomie kann ihrerseits die Atmung erschweren. Aus unserer Sicht ist der gemeinsame Nenner die Funktion. Die Zunge, die flächig am Gaumen liegt, gibt dem Oberkiefer von innen Halt und Richtung. Fehlt sie dort viele Stunden am Tag, fehlt dieser Reiz.
Studien beschreiben Zusammenhänge, keine Zwangsläufigkeit. Nicht jedes Kind, das eine Zeit lang durch den Mund atmet, entwickelt eine Fehlstellung, und beim einzelnen Kind lässt sich die Richtung der Wirkung nicht aus dem Aussehen ablesen.
Studienlage
Polypen-OP beim Kind: was Studien zeigen
Die Entfernung der Rachenmandel heißt Adenotomie, werden die Gaumenmandeln mitoperiert, Adenotonsillektomie. Für einige Fragen gibt es dazu randomisierte Studien.
Die amerikanische CHAT-Studie teilte 464 Kinder zwischen fünf und neun Jahren mit obstruktiver Schlafapnoe per Los ein. Ein Teil wurde früh an Rachen- und Gaumenmandeln operiert, der andere zunächst beobachtet. Nach sieben Monaten ging es der operierten Gruppe bei Symptomen, Verhalten, Lebensqualität und Schlafmessung besser. Aufmerksamkeit und exekutive Funktionen, das eigentliche Hauptziel, unterschieden sich nicht8.
der früh operierten Kinder hatten nach sieben Monaten eine unauffällige Schlafmessung8
waren es in der Gruppe, die zunächst nur beobachtet wurde8
Bei häufigen Infekten sieht es anders aus. In den Niederlanden wurden 111 Kinder zwischen einem und sechs Jahren, bei denen wegen wiederkehrender Infekte der oberen Atemwege eine Polypen-OP geplant war, per Los früh operiert oder zunächst beobachtet. Über zwei Jahre hatten beide Gruppen gleich viele Infekte, knapp acht pro Jahr. Die frühe Operation brachte hier keinen Vorteil9.
Ob ein Eingriff für dein Kind sinnvoll ist, besprichst du mit der HNO-Praxis. Das Training der Basisfunktionen lässt sich damit kombinieren, vor und nach einer Operation. Wie wir andere Behandlungen einordnen, steht unter FaceFormer und andere Behandlungen.
Einordnung
Nase frei, Mund offen?
Viele Eltern erleben nach der Polypen-OP dasselbe. Die Nase ist frei, und das Kind atmet trotzdem weiter durch den Mund.
Eine Operation verändert den Raum im Nasenrachen, das Atemmuster bleibt zunächst, wie es ist. Ein Kind, das über Jahre durch den Mund geatmet hat, stellt nach dem Eingriff nicht automatisch um, besonders nachts nicht. Dasselbe sehen wir bei Erwachsenen nach einer Operation an der Nasenscheidewand.
Nach der Operation kann Rachenmandelgewebe nachwachsen. Eine Auswertung von Studien fand das bei etwa 8 % der Kinder, eine erneute Operation war in etwa 2 % nötig17. Häufiger als das Nachwachsen ist aus unserer Sicht, dass die Mundatmung bleibt, obwohl die Nase frei ist. Eine Arbeitsgruppe aus Stanford hat das bei Kindern untersucht.
Kindern atmeten nach der Operation an Rachen- und Gaumenmandeln im Schlaf weiter einen großen Teil der Nacht durch den Mund10
hatten nach der Operation weiter nächtliche Atemstörungen. Alle 26 gehörten zu den Kindern, die im Schlaf durch den Mund atmeten10
Die Autoren empfehlen, nach der Operation gezielt auf Mundatmung im Schlaf zu achten. Kinder, die anschließend eine myofunktionelle Therapie machten, schnitten nach einem Jahr besser ab als Kinder ohne. Das war allerdings eine kleine, rückblickende Auswertung mit neun behandelten Kindern, und untersucht wurde nicht der FaceFormer10.
Wie eine Umleitung nach der Baustelle
Wird eine Straße lange gesperrt, gewöhnen sich alle an die Umleitung. Ist die Baustelle geräumt, fahren viele trotzdem weiter den gewohnten Umweg. So sehen wir die Nasenatmung nach einer Polypen-OP. Der Weg ist frei, benutzt wird er erst, wenn das Muster neu gelernt ist.
Gaumenmandeln
Wiederkehrende Mandelentzündung: welche Rolle spielt die Atmung?
Neben der Rachenmandel sitzen im Rachen die Gaumenmandeln. Entzünden sie sich häufig, lohnt auch hier ein Blick darauf, wie dein Kind atmet.
Die Rachenmandel ist nicht die einzige Mandel im Rachen. Die Gaumenmandeln, fachlich Tonsillen, sitzen seitlich am Übergang von der Mundhöhle zum Rachen, dort, wo eine Ärztin oder ein Arzt beim Blick in den offenen Mund hinschaut. Sie sind gemeint, wenn im Alltag von einer Mandelentzündung die Rede ist.
Mandeln gehören zum Abwehrgewebe der Schleimhaut und liegen dort, wo eingeatmete Luft und Nahrung zuerst auf größere Mengen körperfremder Stoffe treffen. In den ersten Lebensjahren sind sie besonders aktiv. Dass sie dabei reagieren und gelegentlich anschwellen, gehört zunächst zu ihrer Aufgabe. Zum Thema für die HNO-Praxis werden sie, wenn sich Entzündungen häufen oder eine Mandel dauerhaft vergrößert bleibt.
Wiederkehrende Mandelentzündungen haben aus unserer Sicht im Regelfall mehrere Ursachen zugleich, etwa die vielen Infekte im Kita-Alter oder eine familiäre Neigung. Die Mundatmung kann einer dieser Faktoren sein. Die Nase wärmt, befeuchtet und reinigt die Atemluft. Atmet dein Kind durch den Mund, fällt dieser Filter weg, und die Luft trifft kühler, trockener und weniger gereinigt auf die Gaumenmandeln. Eine kleine Studie aus Indien hat Kinder mit Mundatmung dazu untersucht.
zwischen 5 und 12 Jahren, die durch den Mund atmeten, trugen sechs Monate lang eine Mundvorhofplatte (oral screen)15
später waren weniger Streptokokken der Gruppe A (Streptococcus pyogenes) nachweisbar, die Gaumenmandeln waren kleiner und der Rachenraum weiter als zu Beginn15
Die Aussagekraft ist begrenzt. Es waren 24 Kinder, eine Vergleichsgruppe gab es nicht, und untersucht wurde eine Mundvorhofplatte, nicht der FaceFormer. Ob Mandelentzündungen durch ein Training der Nasenatmung seltener werden, lässt sich daraus nicht ableiten.
Ob eine Mandel-OP sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, wie oft und wie schwer die Entzündungen sind und ob sie ärztlich dokumentiert wurden. Eine viel zitierte Studie aus den USA untersuchte Kinder, die besonders häufig betroffen waren: mindestens sieben Episoden im Jahr vor Studienbeginn, fünf in jedem der beiden oder drei in jedem der drei Jahre davor.
zwischen 3 und 15 Jahren mit besonders häufigen Halsentzündungen nahmen teil, 91 davon per Los auf Operation oder Abwarten verteilt, die übrigen nach Wunsch der Eltern16
der operierten Kinder hatten eine Komplikation durch den Eingriff. Alle waren gut beherrschbar oder klangen von selbst ab16
In den ersten beiden Jahren nach der Operation hatten die operierten Kinder seltener Halsentzündungen als die nicht operierten. Zugleich hatten viele nicht operierte Kinder weniger als drei Episoden im Jahr, und ihre Episoden verliefen überwiegend mild. Die Autoren halten die Operation bei Kindern, die ihre strengen Kriterien erfüllen, für gerechtfertigt, sehen aber auch das Abwarten gestützt und raten zur Entscheidung im Einzelfall16.
Ist bei deinem Kind eine Mandel-OP ärztlich angezeigt, stellen wir das nicht infrage. Die Entscheidung liegt bei der HNO-Praxis. Das Training der Basisfunktionen ersetzt keine notwendige Operation. Es setzt bei der Atmung an, lässt sich vor und nach einem Eingriff ergänzend nutzen und wird bei akuten Entzündungen in Mund, Rachen oder Atemwegen pausiert.
Erwachsene
Nasenpolypen: eine Erkrankung der Schleimhaut
Echte Nasenpolypen haben mit der Rachenmandel nichts zu tun. Sie wachsen aus der Schleimhaut von Nase und Nebenhöhlen.
Nasenpolypen sind weiche, gutartige Ausstülpungen der Schleimhaut. Sie entstehen im Rahmen einer chronischen Entzündung der Nebenhöhlen, fachlich chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen, wachsen in die Nase hinein und können sie verlegen und das Riechen einschränken.
Wie die Nebenhöhlen belüftet werden und warum sie sich entzünden, erklärt der Artikel zur Sinusitis.

der Erwachsenen hatten in einer schwedischen Bevölkerungsstudie mit 1.387 Untersuchten Nasenpolypen, festgestellt per Nasenendoskopie11
waren es bei den über 60-Jährigen. Männer und Menschen mit Asthma waren häufiger betroffen11
Die europäische Leitlinie EPOS 2020 beschreibt die Behandlung in Stufen. Am Anfang stehen Nasenspülungen und ein Nasenspray mit Kortison, bei stärkeren Beschwerden kurzzeitig Kortison als Tablette, danach eine Operation der Nebenhöhlen und bei schweren Verläufen Antikörpertherapien12. Wie oft Polypen nach einer Operation wiederkommen, hat eine amerikanische Studie an 363 Operierten verfolgt.
der Operierten hatten sechs Monate nach der Nebenhöhlenoperation wieder Polypen, trotz fortgesetzter Behandlung mit Medikamenten13
waren es nach 18 Monaten. Ein Risikofaktor war eine frühere Operation13
Ob Nasenatmung Nasenpolypen vorbeugt, ist nicht untersucht. Ein verordnetes Kortisonspray setzt du nicht eigenmächtig ab, das Training lässt sich mit der ärztlichen Behandlung kombinieren.
Studienlage Training
Was zum Training untersucht ist
Wir legen offen, was vorliegt und was nicht.
Die einzige randomisierte Studie zur FaceFormer-Therapie ist die Hamburger Studie der Kieferorthopädie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. 45 Kinder und Jugendliche mit Funktionsstörungen im Mundraum wurden per Los entweder mit dem FaceFormer oder mit myofunktioneller Therapie ohne Gerät behandelt. Gemessen wurden die Basisfunktionen selbst, darunter Mundschluss, Lippenkraft und Schluckmuster14.
Beide Gruppen verbesserten sich. In der FaceFormer-Gruppe stellte sich der gewohnheitsmäßige Mundschluss schneller ein, und die Zunge lag beim Schlucken häufiger am Gaumen14. Die Grenzen gehören dazu. Nach sechs Monaten wurden nur 30 der 45 Kinder nachuntersucht, eine Mitentwicklerin der Methode war Mitautorin, und Polypen oder Rachenmandeln waren kein Thema der Studie.
Aus dem Fehlen einer Untersuchung folgt nicht, dass der Zusammenhang nicht besteht. Es folgt, dass er nicht geprüft ist.Ob Training die Rachenmandel oder Nasenpolypen verändert, ist nach unserem Kenntnisstand nicht untersucht. Untersucht ist, dass sich die Basisfunktionen trainieren lassen. Alle Studien mit ihren Grenzen findest du unter Studien und Wissenschaft.
Training
Nasenatmung beim Kind trainieren: das Muster neu lernen
Ermahnungen wie „Mach den Mund zu“ helfen selten lange. Ein Atemmuster ist kein Vorsatz, sondern ein gespeicherter Ablauf, und der ändert sich durch viele gleiche Wiederholungen. Unser Ansatz ist das Training der Basisfunktionen Atmung, Schlucken und Kopfbalance. Es zielt darauf, die Nasenatmung als Muster neu zu verankern, und schafft die Voraussetzung, dass sie wieder der Normalfall wird.
Wenn man dieser Logik folgt, kann das auch die Voraussetzungen schaffen, dass die Abwehr der Nase wieder arbeitet: Filterung, Befeuchtung und das Stickstoffmonoxid aus den Nebenhöhlen, das nur bei Nasenatmung mit der Atemluft in die Lunge gelangt.
Atmung
Die Lippen liegen locker aufeinander, die Luft strömt durch die Nase und wird dort gewärmt, befeuchtet und gereinigt.
Schlucken
Viele hundert bis tausend Mal am Tag schluckt ein Mensch. Danach legt sich die Zunge in die Zungenreferenzlage am Gaumen, und der Mundraum ist dicht.
Kopfbalance
Balanciert der Kopf über dem Körper, bleibt der Rachen weit, ohne dass der Kopf nach vorn ausweichen muss.
Kinder trainieren mit dem FaceFormer ZERO. Der ZERO besteht aus weicherem Material, Form und Größe entsprechen dem ONE. Er wird für Kinder von 2 bis 10 Jahren empfohlen. Von Anfang an üben Kinder die Grundübung und die Zugübung.
Bei der Zugübung halten die Lippen den FaceFormer, während er sanft nach vorn gezogen wird. Dabei legt sich die Zunge an den Gaumen, und die Luft geht durch die Nase. So üben Kinder Nasenatmung und Mundschluss, ohne an ihre Atmung denken zu müssen.
- Tag 1 bis 14
Einstieg
Dreimal täglich je 5 Grundübungen und 5 Zugübungen mit dem ZERO. Die Kleinsten üben im Spiel statt nach Zahlen.
- Tag 15 bis 28
Steigern
Dreimal täglich je 10 Grund- und Zugübungen.
- Ab Woche 5
Volles Programm
Dreimal täglich je 20 Grund- und Zugübungen, wenn dein Kind gut mitkommt. Öfter als dreimal am Tag wird nicht geübt.
- Nach einigen Wochen
Auch nachts
Der ZERO kommt in der Nacht dazu. Fällt er anfangs heraus, ist das normal.
- Über Monate
Das Muster läuft von selbst
Bis die neuen Abläufe ohne Nachdenken laufen, rechnet das Training mit sechs bis zwölf Monaten. Danach folgt ein Erhaltungstraining.
Kinder lernen über Spiel und Nachahmung. In der kostenlosen FaceFormer-App begleitet die Figur Facy das Training, die App leitet die Grundübungen an und zählt mit.
Übt die Familie mit, wird das Training zur Routine. Kraft ist dabei nicht wichtig. Es zählt, dass jede Wiederholung sauber gelingt.

Mehr zum Training mit Kindern, zu Schnuller, Daumen und ersten Anzeichen findest du unter FaceFormer für Kinder. Ihr könnt allein mit der App und den Übungsseiten trainieren. Trainierst du mit einer Praxis, stimmt sie den Plan auf dein Kind ab. Kinder unter 4 Jahren trainieren mit fachkundiger Begleitung. Ist die Nase vollständig verlegt oder akut entzündet, lass das vor dem Training abklären.
Alltag
Nasenatmung im Familienalltag
Lippen zu, Nase auf
Zeig deinem Kind, wie die Lippen locker aufeinanderliegen und die Zungenspitze hinter den oberen Schneidezähnen ihren Platz hat. Macht ihr es gemeinsam, wird ein Spiel daraus.
Nachts hinsehen
Schau ab und zu nach, ob dein Kind mit geschlossenem Mund schläft. Gerade nach einer Polypen-OP zeigt sich dort, ob das Muster schon umgestellt ist.
Schnuller und Daumen im Blick
Beides hält die Zunge vom Gaumen fern. Begleite das Abgewöhnen spielerisch, statt mit Verboten zu arbeiten.
Die Nase frei halten
Bei Schnupfen die Nase frei halten, etwa mit Salzlösung, damit der Mund nicht über Wochen einspringt.
Den Mund nicht zukleben
Ein Pflaster über dem Mund schließt die Lippen von außen, am Muster ändert es nichts. Bei Kindern raten wir ausdrücklich davon ab, mehr dazu im Artikel Mouth Taping.
Verordnetes nicht eigenmächtig absetzen
Nutzt dein Kind Nasenspray oder andere Mittel auf ärztlichen Rat, besprich Änderungen mit der Praxis. Das Training lässt sich damit kombinieren.
Fragen
Häufig gefragt
Was sind Polypen beim Kind?
Mit Polypen ist beim Kind im Regelfall die vergrößerte Rachenmandel gemeint, fachlich Adenoide. Sie sitzt am Dach des Nasenrachens und gehört zum Abwehrgewebe. Ist sie groß, engt sie den Luftweg hinter der Nase ein, und das Kind atmet durch den Mund. Mit den Nasenpolypen der Erwachsenen hat sie nichts zu tun.
Was ist der Unterschied zwischen Polypen und Nasenpolypen?
Polypen beim Kind sind vergrößertes Abwehrgewebe im Nasenrachen. Nasenpolypen sind Ausstülpungen der entzündeten Schleimhaut in Nase und Nebenhöhlen. Sie kommen vor allem bei Erwachsenen vor, häufiger zusammen mit Asthma. Bei Kindern sind echte Nasenpolypen selten und gehören ärztlich abgeklärt.
Woran erkenne ich, dass mein Kind durch den Mund atmet?
Am offenen Mund beim Spielen oder Fernsehen, an trockenen Lippen, an Schnarchen und unruhigem Schlaf. Ein einfacher Test: Bitte dein Kind, die Lippen zu schließen und eine Minute ruhig durch die Nase zu atmen.
Bilden sich Polypen von selbst zurück?
Die Rachenmandel ist im Kleinkind- und Vorschulalter am größten und bildet sich im Regelfall mit dem Wachstum zurück, während der Nasenrachen mitwächst. Das Muster, das sich in der Zeit der verlegten Nase eingespielt hat, bleibt aus unserer Sicht ohne gezieltes Training oft bestehen.
Muss eine Polypen-OP sein?
Das entscheidest du gemeinsam mit der HNO-Praxis. Bei Kindern mit obstruktiver Schlafapnoe zeigte eine große randomisierte Studie einen klaren Nutzen der Operation. Bei wiederkehrenden Infekten allein brachte die frühe Operation in einer niederländischen Studie keinen Vorteil gegenüber dem Abwarten.
Warum atmet mein Kind nach der Polypen-OP weiter durch den Mund?
Weil die Operation den Raum verändert, nicht das Muster. In einer Untersuchung aus Stanford atmeten 35 von 64 Kindern nach der Operation im Schlaf weiter einen großen Teil der Nacht durch den Mund. Ein Atemmuster lässt sich durch Training der Basisfunktionen Atmung, Schlucken und Kopfbalance neu lernen.
Können Polypen nach der OP wiederkommen?
Rachenmandelgewebe kann nachwachsen. Eine Auswertung von Studien fand das bei etwa 8 % der operierten Kinder, eine erneute Operation war in etwa 2 % nötig. Häufiger bleibt aus unserer Sicht die Mundatmung, weil die Operation Gewebe nimmt und nicht das Muster.
Kann Mundatmung die Kiefer- und Gesichtsentwicklung beeinflussen?
Studien beschreiben bei mundatmenden Kindern im Mittel nach hinten und unten gedrehte Kiefer, eine steilere Kauebene und engere Atemwege im Rachen. Das sind Zusammenhänge, keine Zwangsläufigkeit, und beim einzelnen Kind lässt sich die Richtung nicht aus dem Aussehen ablesen.
Welcher FaceFormer ist für Kinder geeignet?
Kinder trainieren mit dem FaceFormer ZERO aus weicherem Material, der für Kinder von 2 bis 10 Jahren empfohlen wird. Form und Größe entsprechen dem ONE. Kinder unter 4 Jahren trainieren mit fachkundiger Begleitung.
Beugt Nasenatmung Nasenpolypen vor?
Das ist nicht untersucht. Nasenpolypen entstehen aus einer chronischen Entzündung der Schleimhaut, ihre Behandlung gehört in ärztliche Hand. Das Training lässt sich damit kombinieren.
Was ist der Unterschied zwischen Gaumenmandeln und Rachenmandel?
Die Rachenmandel sitzt am Dach des Nasenrachens und wird umgangssprachlich Polypen genannt, wenn sie beim Kind vergrößert ist. Die Gaumenmandeln, fachlich Tonsillen, liegen seitlich im Rachen und sind beim Blick in den offenen Mund sichtbar. Beide gehören zum Waldeyerschen Rachenring, dem Abwehrgewebe rund um Nasen- und Mundrachen.
Kann Mundatmung Mandelentzündungen begünstigen?
Wiederkehrende Mandelentzündungen haben aus unserer Sicht im Regelfall mehrere Ursachen zugleich. Mundatmung ist ein möglicher Faktor unter mehreren, weil die Luft dann ohne den Filter der Nase kühler und trockener auf die Gaumenmandeln trifft. Ob Mundatmung Mandelentzündungen häufiger macht, ist nach unserem Kenntnisstand nicht in aussagekräftigen Studien untersucht.
Ist eine Mandel-OP bei wiederkehrender Mandelentzündung sinnvoll?
Das entscheidest du mit der HNO-Praxis anhand der dokumentierten Episoden. Eine randomisierte Studie an besonders häufig betroffenen Kindern zeigte in den ersten beiden Jahren nach der Operation weniger Halsentzündungen als ohne Operation. Die Autoren rieten trotzdem zu einer Entscheidung im Einzelfall statt zu einer pauschalen Regel.
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Dein Weg weiter

Quellen
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Die kostenlose FaceFormer-App leitet die Grundübungen an, zählt mit und erinnert dich an die Einheiten. Auf Wunsch begleitet dich eine Praxis aus dem Behandlerverzeichnis.

FaceFormer ZERO + ONE
Beide Materialhärten für Einstieg, Tag und Nacht. Das Set für Erwachsene.

FaceFormer ZERO
Der weichere FaceFormer für den Einstieg, für Kinder und für die Nacht.

FaceFormer ZERO Kinder Set
ZERO mit Hygienebox, Plüschtasche und Erfolgsbuch mit Stempel.
Das FaceFormer-Training zielt darauf, die Basisfunktionen Atmung, Schlucken und Kopfbalance mit Mundschluss und Zungenreferenzlage wieder physiologisch einzustellen, und schafft damit die Voraussetzung dafür, dass sich Beschwerden bessern können. Es ersetzt keine ärztliche Abklärung. Behandlerinnen und Behandler in deiner Nähe findest du im Behandlerverzeichnis.









