
Fachartikel Nase
Nasenscheidewand verkrümmt?Mehr als ein gerader Knorpel
Die Nase ist oft zu, und im Befund steht eine schiefe Nasenscheidewand? Hier erfährst du, warum eine Nasenscheidewandverkrümmung so häufig ist, was der Nasenzyklus damit zu tun hat, was Studien zur Septumplastik zeigen und warum freie Nasenatmung ein Muster aus Atmung, Schlucken und Kopfbalance ist.
Kennst du das?
Die Nase ist zu, und die Scheidewand soll schuld sein?
Was trifft auf dich zu?
Tippe an, was auf dich zutrifft.
Treffen mehrere Punkte zu, lohnt ein genauer Blick darauf, wie deine Nase arbeitet. Die Form der Scheidewand ist nur ein Teil davon. Mindestens ebenso viel entscheiden Schleimhaut, Schwellkörper und das Muster, mit dem du atmest. Dieses Muster lässt sich trainieren.
Warum eine Seite oft zu istWas Studien zur OP zeigenDas Wichtigste in Kürze
- Eine leicht schiefe Nasenscheidewand ist die Regel, nicht die Ausnahme, und für sich genommen oft kein Defekt.
- Wie frei die Nase ist, bestimmen vor allem Schleimhaut und Schwellkörper, die Gewebespannung und das Atemmuster. Ist eine Seite zu, ist das oft einfach der Nasenzyklus.
- Die Septumplastik bringt laut Studien am meisten bei starken Beschwerden. Nasenatmung selbst ist aus unserer Sicht ein Muster aus Atmung, Schlucken und Kopfbalance, und Muster lassen sich trainieren.
Video
Nasenscheidewand verkrümmt: Was die Nasenatmung wirklich bestimmt
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Anatomie
Schiefe Nasenscheidewand: die Regel, nicht die Ausnahme
Wer mit verstopfter Nase zur Untersuchung geht, hört oft denselben Befund, die Nasenscheidewand sei verkrümmt. Selten wird dazugesagt, dass das auf die meisten Menschen zutrifft.
Die Nasenscheidewand, das Septum, teilt die Nase in zwei Hälften. Vorn besteht sie aus Knorpel, hinten aus dünnem Knochen. Sie wächst über viele Jahre mit dem Gesicht mit und steht dabei selten exakt in der Mitte. Weicht sie zu einer Seite ab, spricht man von einer Septumdeviation, auf Deutsch Nasenscheidewandverkrümmung.
der Nasenscheidewände waren gerade, untersucht an 2.112 Schädeln aus fünf Weltregionen. Die übrigen waren gebogen oder geknickt1
der Neugeborenen hatten in derselben Arbeit eine gerade Scheidewand, geprüft bei 2.380 Säuglingen direkt nach der Geburt1
der 386 Personen, deren 3D-Röntgenaufnahmen zwei Röntgenzentren in Teheran auswerteten, zeigten eine Abweichung2
Eine Abweichung ist also der Normalfall. Ob sie Beschwerden macht, ist eine andere Frage. Eine Übersichtsarbeit aus den Niederlanden wertete 16 Studien aus, in denen das Empfinden der Nasenatmung mit Messwerten des Luftstroms verglichen wurde. Fast jede denkbare Kombination kam vor, der Zusammenhang blieb unsicher3. Wie frei du atmest, hängt eben nicht nur an der Form.
Physik
Der Strohhalm-Versuch: schneller, nicht weniger
Ein einfacher Versuch zeigt, warum eine Engstelle die Luftmenge nicht automatisch verringert.
Nimm einen Trinkhalm und drück ihn in der Mitte etwas zusammen, ähnlich wie eine Scheidewand, die sich zu einer Seite biegt. Dann atme hindurch. Du bekommst weiter Luft. In der Engstelle strömt sie schneller, aber was vorn hineingeht, kommt hinten auch wieder heraus.
Probier es aus: die Engstelle im Strohhalm
gleich
Verenge den Halm mit dem Regler. In der Engstelle werden die Luftteilchen schneller, durch jeden Querschnitt geht aber pro Sekunde dieselbe Menge Luft.
Physikalisch steckt dahinter die Kontinuität der Strömung und das Prinzip von Bernoulli. Wird der Querschnitt kleiner, steigt die Geschwindigkeit, und der Druck in der Engstelle sinkt. Ganz umsonst ist das nicht, denn eine starke Verengung erhöht den Widerstand spürbar. Bei einer leichten Biegung fällt dieser Mehraufwand aus unserer Sicht kaum ins Gewicht.
Dazu kommt, dass die Nase zwei Kanäle hat. Biegt sich die Scheidewand zu einer Seite, wird diese enger und die andere entsprechend weiter. Im Schema gehen 30 % der Atemluft durch die eine und 70 % durch die andere Seite. In der Summe bleibt der Durchgang erhalten.
Die Luft teilt sich nur anders auf. Eine ungleiche Verteilung ist deshalb für sich genommen noch kein Befund, zumal sie sich im Laufe des Tages ohnehin verschiebt.

3D-Film
Der Weg der Luft durch die Nase
Die Animation zeigt in 32 Sekunden, wie die Luft durch die Nase strömt, wie sie sich bei schiefer Scheidewand verteilt und was sich bei Mundatmung ändert.
Schleimhaut und Schwellkörper
Was die Nase wirklich eng macht
Die Scheidewand steht fest. Was sich im Laufe eines Tages an der Weite der Nase ändert, geht von der Schleimhaut aus.
An der Seitenwand jeder Nasenhälfte liegen drei Nasenmuscheln, Wülste aus Knochen, überzogen von Schleimhaut. In dieser Schleimhaut sitzt ein Schwellkörper, ein dichtes Geflecht aus Blutgefäßen, das sich füllen und wieder leeren kann4.
Das vegetative Nervensystem steuert diese Füllung fortlaufend. Schwillt die Schleimhaut an, wird der Kanal eng, schwillt sie ab, wird er weit. Die Scheidewand bleibt dabei, wie sie ist, und trotzdem ändert sich die Weite der Nase von Stunde zu Stunde.

Die Nase ist kein Rohr. Sie ist ein Funktionsorgan.Schleimhaut, Schwellkörper, Sensoren und Nasenklappe arbeiten zusammen. Wie frei sie ist, entscheidet sich deshalb nicht allein an ihrer Form.
Dazu kommt die Gewebespannung. Aus unserer Sicht verhält sich das Gewebe der Atemwege wie Muskeln und Bindegewebe überall im Körper. Was in eine Funktion eingebunden ist, wird gebraucht und behält seine Spannung. Was nicht gebraucht wird, erschlafft. Eine Nase, durch die kaum geatmet wird, verliert den Reiz des Luftstroms, und die Schleimhaut neigt eher dazu, anzuschwellen.
Die Nase wird wenig benutzt
Oft beginnt es mit Mundatmung in der Kindheit, bei einem Infekt oder einer Allergie.
Der Luftstrom fehlt
Schleimhaut und Schwellkörper bekommen weniger Reiz, die Gewebespannung lässt nach.
Die Schleimhaut schwillt an
Die Nase fühlt sich enger an, besonders nachts und im Liegen.
Der Mund springt ein
Die Luft nimmt den leichteren Weg durch den Mund, und die Nase wird noch weniger gebraucht.
Das Muster schleift sich ein
Mit jeder Nacht wird die Mundatmung selbstverständlicher. Am Ende steht oft der Befund einer schiefen Nasenscheidewand.
Abschwellende Nasensprays wirken schnell, sind aber für wenige Tage gedacht. Bei längerem Gebrauch kann die Schleimhaut selbst anschwellen, fachlich Rhinitis medicamentosa, und nach langem Gebrauch fanden sich in Schleimhautproben verlorene Flimmerzellen13. Wer ein Spray über Wochen braucht, braucht aus unserer Sicht einen Blick auf die Ursache und nicht das nächste Spray. Eine Nase, die kaum durchströmt wird, schwillt leichter zu, und das Spray hält diesen Kreis am Laufen. Ein ärztlich verordnetes Spray setzt du nicht eigenmächtig ab.
Nasenzyklus
Nase zu auf einer Seite? Oft ist das der Nasenzyklus
Selbst mit einer völlig geraden Nasenscheidewand atmest du nie gleichmäßig durch beide Nasenlöcher.
Die Schwellkörper beider Seiten arbeiten im Wechsel. Schwillt die eine Seite an, schwillt die andere ab, und nach einer Weile kehrt sich das um. Diesen natürlichen Wechsel nennt man Nasenzyklus. Eine Arbeitsgruppe am Weizmann-Institut in Israel hat ihn vermessen, indem sie den Luftstrom beider Nasenlöcher getrennt über 24 Stunden aufzeichnete.
dauerte ein Wechsel im Mittel im Wachen, gemessen bei 33 gesunden Personen4
dauerte er im Mittel im Schlaf, in derselben Untersuchung4
Auch die Körperlage wirkt mit. Wer auf der Seite lag, atmete mehr durch das obere Nasenloch4. Dass nachts die untere Seite zugeht, ist also kein Zeichen einer kranken Nase. Eine einzelne Untersuchung, die eine Seite eng zeigt, kann schlicht einen Moment des Zyklus erwischt haben.
Halte dir abwechselnd ein Nasenloch zu. Welche Seite ist gerade freier?
Die Triade
Nasenatmung ist ein Muster
Eine freie Nase ist die eine Hälfte. Die andere ist, ob du sie auch benutzt, am Tag, beim Sport und vor allem im Schlaf.
Atmung
Die Nase wärmt, befeuchtet und reinigt die Luft. In den Nasennebenhöhlen entsteht zudem Stickstoffmonoxid in sehr hoher Konzentration, ein Botenstoff, der mit der Nasenatmung in die Atemwege gelangt5. Bei Mundatmung umgeht die Luft diesen Weg.
Schlucken
Nach jedem Schluck legt sich die Zunge an den Gaumen, die Lippen liegen locker aneinander. Der Zungengrund dichtet den Mundraum zum Rachen hin ab, und der Luftstrom bleibt in der Nase. Den Ausgangspunkt bildet die Zungenreferenzlage.
Kopfbalance
Balanciert der Kopf über dem Körper, bleibt der Raum im Rachen frei. Wandert er nach vorn, verändern sich aus unserer Sicht Spannung und Weite der oberen Atemwege, und der Mund öffnet sich leichter.
Nasenatmung braucht also mehr als eine durchgängige Nase. Sie braucht einen dichten Abschluss des Mundraums. Steht der Mund offen, gleicht sich der Druck über den Mund aus, auch wenn die Nase frei ist. Im Schlaf zeigt sich der Unterschied besonders deutlich. Bei zwölf gesunden Personen war der Widerstand der oberen Atemwege im Schlaf bei Mundatmung deutlich höher als bei Nasenatmung6.
Eine offene Nase ist eine Bedingung. Nasenatmung ist eine Fähigkeit.Diese Fähigkeit entsteht im Zusammenspiel von Atmung, Schlucken und Kopfbalance. Sie ist ein gespeicherter Ablauf, und deshalb lässt sie sich trainieren.
Ist die Scheidewand nur leicht verkrümmt und die Nase trotzdem oft zu, liegt die Ursache aus unserer Sicht im Regelfall im Atemmuster, nicht im Knorpel. Dieser Triadische Funktionskreis steht am Anfang vieler Kausalketten, die bis zur verstopften Nase, zu Schnarchen oder zu trockenem Mund am Morgen reichen können.
Studienlage
Nasenscheidewand-OP: Was Studien zeigen
Die Septumplastik, also die operative Begradigung der Scheidewand, zählt zu den häufigsten HNO-Eingriffen bei Erwachsenen7. Lange gab es kaum vergleichende Studien dazu, inzwischen gibt es zwei große.
In den Niederlanden wurden 203 Erwachsene mit verstopfter Nase und schiefer Scheidewand per Los entweder operiert oder nicht operativ behandelt. Nach zwölf Monaten ging es der operierten Gruppe im Mittel besser, der Vorteil hielt bis zu 24 Monate7. Die britische NAIROS-Studie mit 378 Erwachsenen kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Nach sechs Monaten schnitt die Septumplastik besser ab als Nasenspray mit Kortison und Salzlösung, am deutlichsten bei starken Beschwerden8.
Das ist belastbare Evidenz. Zwei Fragen beantworten diese Studien allerdings nicht. Sie vergleichen die Operation mit Medikamenten, nicht mit einem Training der Basisfunktionen. Und sie reichen höchstens zwei Jahre weit. Wie es danach aussieht, zeigen Registerdaten und Langzeitbefragungen aus Schweden.
der Operierten mit starker Nasenverstopfung berichteten in einer Untersuchung an 888 Operierten nach zwölf Monaten eine Besserung, bei leichter Verstopfung waren es 31 %. Die Autoren raten bei leichten Beschwerden von der Operation ab9
hatten laut schwedischem Register nach dem Eingriff keine oder nur noch leichte Verstopfung, ausgewertet an 11.714 Operationen10
sank bei 111 Operierten der Anteil derer, die ihre Beschwerden los waren, zwischen sechs Monaten und drei bis sechs Jahren nach dem Eingriff11
von 35 Operierten waren nach neun Jahren mit der Operation zufrieden, frei von Verstopfung waren 26 %12
Die Zahlen sprechen nicht gegen die Operation bei starkem Befund, wohl aber dagegen, sie bei leichten Beschwerden als einfache Lösung zu sehen. Bei einem Teil der Operierten lässt die Wirkung zudem mit den Jahren nach. Dazu kommen Risiken. In der schwedischen Registerauswertung mit 11.714 Operierten berichtete fast jeder vierte nach zwölf Monaten eine chronische Komplikation10. In der NAIROS-Studie kamen 4 % der Operierten wegen einer Nachblutung erneut ins Krankenhaus, 12 % brauchten Antibiotika wegen einer Infektion8.
Zu den bekannten Risiken einer Operation an der Nasenscheidewand gehört ein bleibendes Loch in der Scheidewand. Wird zugleich Gewebe an den Nasenmuscheln entfernt, kann ein Empty-Nose-Syndrom entstehen. Die Nase ist dann weit offen und fühlt sich trotzdem verstopft oder trocken an, weil der Luftstrom kaum noch wahrgenommen wird14. Das ist selten, lässt sich aber schwer behandeln15 und gehört deshalb vor die Entscheidung.
Einordnung
Warum die Nase nach einer OP wieder zugehen kann
Eine Operation verändert die Form, das Atemmuster bleibt zunächst, wie es ist. Wer über Jahre durch den Mund geatmet hat, stellt nach einem Eingriff nicht automatisch um, besonders nachts nicht. Aus unserer Sicht entsteht dann eine bekannte Lage. Die Nase ist offen, fühlt sich aber zu an, und geatmet wird weiter durch den Mund. Dann kann der Kreislauf von oben erneut beginnen.
Wie ein frisch geräumter Waldweg
Ein Waldweg, den man freiräumt, bleibt nur frei, wenn er auch begangen wird. Wird er gemieden, wächst er langsam wieder zu. So ähnlich sehen wir die Nase. Eine Operation kann den Weg öffnen, offen hält ihn aus unserer Sicht der tägliche Gebrauch.
Erwägst du eine Nasenscheidewand-OP, lass dich ärztlich beraten und sprich offen über deine Erwartungen. Hilfreich sind Fragen wie diese. Wie stark sind meine Beschwerden? Ist bei mehreren Terminen dieselbe Seite eng? Atme ich nachts durch den Mund? Das Training der Basisfunktionen lässt sich mit einer ärztlichen Behandlung kombinieren, auch vor und nach einer Operation.
Entscheidung
Nasenscheidewand-OP oder Training? Erst die Funktion
Nach der deutschen HNO-Leitlinie kommt eine Nasenscheidewand-OP infrage, wenn Beschwerden bestehen und ein Befund sie erklärt, der sich operativ beheben lässt. Aus unserer Sicht wird zuerst die Funktion trainiert. Bleibt trotz Training und funktionierender Nasenatmung eine relevante Verlegung, ist die Operation die Option, und die Entscheidung trifft die HNO-Praxis gemeinsam mit dir.
Die Leitlinie der HNO-Fachgesellschaft zu Formstörungen der Nase (AWMF-Register 017-070) ist dabei klar. „Entscheidend für die Indikationsstellung sind die subjektiven Beschwerden der Patienten (in der Regel die behinderte Nasenatmung) und der erhobene pathologische Nasenbefund, der die Beschwerden erklären kann und operativ behandelbar ist.“16 Eine schiefe Scheidewand allein reicht also nicht.
Messungen des Luftstroms wie die Rhinomanometrie sind nach der Leitlinie fehlerbehaftet und hängen nicht sicher mit dem Gefühl zusammen, schlecht Luft zu bekommen. Sie liefern deshalb nur Zusatzinformationen16. Vor jedem Eingriff verlangt die Leitlinie außerdem eine Aufklärung über Behandlungsalternativen16. Mundatmung nennt sie als mögliche Folge einer behinderten Nasenatmung16.
Aus unserer Sicht gilt auch die umgekehrte Richtung. Wer über Jahre durch den Mund atmet, nutzt die Nase wenig, und eine wenig genutzte Nase fühlt sich enger an, als ihr Bau es erklärt. Ob die Beschwerden von der Form kommen oder vom Muster, lässt sich deshalb am besten beurteilen, wenn das Muster trainiert ist. Mit Operationen sind wir sehr vorsichtig, weil sie die Form verändern, das Atemmuster aber nicht.
Unsere Reihenfolge, die die Leitlinie so nicht vorgibt:
- Zuerst
Befund klären
Lass die Nase in der HNO-Praxis untersuchen, vor allem wenn eine Seite dauerhaft und vollständig zu ist oder die Nase nach einer Verletzung schief steht.
- Dann
Funktion trainieren
Mundschluss, Nasenatmung, Schlucken und Kopfbalance über Wochen und Monate, tagsüber und nachts. Bei dauerhaft vollständiger Verlegung, wiederkehrenden Entzündungen oder nach einer Verletzung wartest du nicht ab, die HNO-Praxis bestimmt den Zeitpunkt.
- Danach
Neu bewerten
Bleibt trotz Training und funktionierender Nasenatmung eine relevante Verlegung, ist die Operation die Option. Die Entscheidung trifft die HNO-Praxis.
- Nach einer OP
Wieder trainieren
Nach Absprache mit der Praxis, damit die geöffnete Nase auch genutzt wird und das neue Muster bleibt.
Spricht dafür, zuerst zu trainieren
- Die Nase ist mal links, mal rechts zu, das ist oft der Nasenzyklus
- Tagsüber geht es, nachts steht der Mund offen
- Die Beschwerden sind leicht oder wechseln
- Messwerte und Gefühl passen nicht zusammen
Spricht für eine ärztliche Abklärung der OP-Frage
- Beschwerden mit einem Befund, der sie erklärt und operativ behandelbar ist
- Folgeprobleme wie wiederkehrende Nebenhöhlenentzündungen oder Mittelohrbelüftungsstörungen16
- Eine Verformung nach Verletzung
Das Training ersetzt keine Operation, die ein Befund erfordert. Es klärt, was die Funktion leisten kann, und es lässt sich vor und nach einem Eingriff mit der ärztlichen Behandlung kombinieren.
Training
Nasenatmung verbessern: das Muster trainieren
Sich vorzunehmen, durch die Nase zu atmen, klappt oft eine Weile. Bei der nächsten Anstrengung, im Gespräch oder im Schlaf übernimmt wieder der Mund. Ein Atemmuster ist kein Vorsatz, sondern ein gespeicherter Ablauf, und der ändert sich durch Wiederholung. Unser Ansatz ist deshalb das Training der Basisfunktionen Atmung, Schlucken und Kopfbalance, das die Voraussetzung für freie Nasenatmung schafft.
Im FaceFormer-Training liegt der FaceFormer im Mundvorhof, hinter den Lippen und vor den Zähnen. Die Zungenspitze liegt an der kleinen Erhebung hinter den oberen Schneidezähnen, du atmest durch die Nase, der Kopf ist aufrecht balanciert.
In der Grundübung drückst du den Lippenkeil mit den Lippen zusammen, beißt mit den Backenzähnen kurz auf und schluckst einmal. Der Unterdruck zieht die Zunge an den Gaumen, der Mundraum ist dicht, und die Luft nimmt den Weg durch die Nase.
Ab etwa Woche 6 kommt die Atemübung dazu. Du atmest rund sechs Sekunden durch die Nase ein, hältst kurz die Luft an, beißt auf und schluckst, und atmest dann sechs Sekunden lang aus.
Die Atempause danach verlängerst du in kleinen Schritten, nur so weit, wie es angenehm ist. So gewöhnt sich dein Körper an ruhige Nasenatmung.
- Ab Tag 1
Grundübung
Dreimal täglich wenige Minuten mit dem FaceFormer ZERO, die Wiederholungen steigerst du Woche für Woche.
- Ab etwa Woche 3
Zugübung und Nacht
Die Zugübung kommt dazu. Nachts trägst du den FaceFormer ZERO, sobald die Grundübung sitzt.
- Nach einigen Wochen
Wechsel auf den ONE
Tagsüber trainierst du mit dem FaceFormer ONE. Er ist gleich groß und geformt wie der ZERO, nur aus festerem Material.
- Ab etwa Woche 6
Atemübung
Die Atemübung verbindet das Training mit ruhiger Nasenatmung und Atempausen, die mit der Zeit länger werden.
- Über Monate
Das Muster läuft von selbst
Bis die neuen Abläufe ohne Nachdenken laufen, rechnet das Übungsmanual mit sechs bis zwölf Monaten.
Die kostenlose FaceFormer-App leitet die Grundübungen an, alle Module findest du auf den Übungsseiten. Ist deine Nase vollständig und auf Dauer verlegt, lass das vor dem Training ärztlich klären. Ist sie nur oft zu oder wechselt die Seite, gehört das zur Ausgangslage, mit der das Training beginnt. Für Kinder gilt ein eigener Übungsplan, mehr unter FaceFormer für Kinder.
Alltag
Nasenatmung im Alltag
Lippen zu, Nase auf
Die Lippen liegen locker aneinander, die Zungenspitze am Referenzpunkt. So bleibt der Mundraum dicht, und die Luft nimmt von selbst den Weg durch die Nase.
Eine Seite zu ist normal
Geht nachts eine Seite zu, ist das meist der Nasenzyklus. Drehst du dich auf die andere Seite, wechselt oft auch die freie Nasenhälfte.
Ruhig statt kräftig
Ist die Nase eng, atme langsamer statt stärker. Denk an den Strohhalm. Je schneller die Luft strömt, desto mehr sinkt der Druck, und weiche Nasenflügel geben nach.
Beim Sport behutsam steigern
Atme zuerst bei ruhiger Belastung durch die Nase, etwa beim Gehen oder lockeren Radfahren, und steigere dich von dort aus.
Kopfbalance am Bildschirm
Richte Bildschirm und Sitz so ein, dass dein Kopf über dem Körper balanciert und nicht nach vorn wandert.
Verordnetes nicht eigenmächtig absetzen
Nutzt du Nasenspray oder andere Mittel auf ärztlichen Rat, besprich Änderungen mit deiner Praxis. Das Training lässt sich damit kombinieren.
Fragen
Häufig gefragt
Ist eine schiefe Nasenscheidewand normal?
Ja, in den meisten Fällen. In einer Untersuchung an über 2.000 Schädeln war nur rund jede fünfte Nasenscheidewand gerade. Eine leichte Verkrümmung ist eine häufige Variante und für sich genommen kein Defekt. Ob sie Beschwerden macht, hängt von ihrem Ausmaß ab und davon, wie Schleimhaut, Schwellkörper und Atemmuster arbeiten.
Warum ist meine Nase nachts oft nur auf einer Seite zu?
Meist ist das der Nasenzyklus. Die Schwellkörper beider Seiten schwellen im Wechsel an und ab, im Schlaf dauert ein Wechsel im Mittel etwa viereinhalb Stunden. Wer auf der Seite liegt, atmet zudem mehr durch das obere Nasenloch. Dass die untere Seite zugeht, ist deshalb normal.
Muss eine verkrümmte Nasenscheidewand operiert werden?
Nicht jede. Entscheidend sind die Beschwerden, nicht die Form allein. Studien zeigen den größten Nutzen der Septumplastik bei starker Nasenverstopfung, bei leichten Beschwerden raten schwedische Registerautoren von der Operation ab. Ob ein Eingriff für dich sinnvoll ist, besprichst du mit deiner HNO-Praxis.
Gibt es eine Alternative zur Nasenscheidewand-OP?
Das hängt vom Befund ab. Einen Ersatz für eine Operation, die ein Befund erfordert, gibt es nicht. Welche Behandlungsmöglichkeiten bei dir infrage kommen, klärt die HNO-Praxis. Aus unserer Sicht sollte die Funktion zuerst geklärt und trainiert werden, also Mundschluss, Nasenatmung, Schlucken und Kopfbalance. Bleibt eine relevante Verlegung, entscheidet die HNO-Praxis über die Operation.
Nasenscheidewand-OP oder Training: Was kommt zuerst?
Aus unserer Sicht das Training, nach einer Untersuchung in der HNO-Praxis. Eine Operation verändert die Form, das Atemmuster bleibt. Wer zuerst trainiert, sieht, was die Funktion leisten kann, und bei einer späteren OP bringt er das Muster schon mit, das die geöffnete Nase nutzt.
Kann die Nase auch ohne Operation freier werden?
Nach unserer Erfahrung ist eine anhaltende Besserung der Nasenatmung auch ohne Eingriff möglich, wenn nicht ein ausgeprägter knöcherner Befund, sondern das Atemmuster die Nase verlegt hat und konsequent trainiert wird. Manche merken schon in den ersten Wochen, dass die Nase freier wird. Das ist eine Erfahrung aus Einzelfällen und kein Versprechen.
Lässt sich eine schiefe Nasenscheidewand ohne OP begradigen?
Nein. Knorpel und Knochen der Scheidewand begradigt kein Training und kein Hausmittel. Ob die Nase deshalb eng ist, ist aber eine andere Frage. Meist sitzt die Engstelle in der Schleimhaut der Nasenmuscheln, und die hängt davon ab, wie viel Luft durch die Nase strömt. Was sich ohne Eingriff verändern kann, ist deshalb die Funktion, also ob du deine Nase im Alltag und im Schlaf wirklich benutzt.
Welche Hausmittel gibt es bei einer schiefen Nasenscheidewand?
Salzwasserspülungen, Inhalieren und feuchte Raumluft pflegen die Schleimhaut und können eine verstopfte Nase für eine Weile freier machen. An der Form der Scheidewand und am Atemmuster ändern sie nichts. Was du selbst dauerhaft beeinflussen kannst, ist, ob deine Nase genutzt wird: Lippen locker zu, Zungenreferenzlage am Gaumen, Kopf aufrecht, auch beim Sport und nachts. Abschwellendes Nasenspray ist nur für wenige Tage gedacht.
Welche Symptome macht eine schiefe Nasenscheidewand?
Typisch sind eine Nasenseite, die dauerhaft enger ist, Mundatmung besonders nachts, Schnarchen, ein trockener Mund am Morgen und Druck in Nase oder Nebenhöhlen. Viele dieser Beschwerden haben aber eine andere Ursache als die Scheidewand: den Nasenzyklus, geschwollene Schleimhaut oder ein Atemmuster, bei dem der Mund übernimmt. Eine krumme Nasenscheidewand ohne Beschwerden braucht keine Behandlung.
Wie gut hilft eine Nasenscheidewand-OP?
In zwei großen randomisierten Studien ging es Operierten nach sechs bis 24 Monaten im Mittel besser als Vergleichspersonen, die nicht operiert wurden. Langzeitdaten aus Schweden zeigen aber auch, dass die Beschwerdefreiheit bei einem Teil der Operierten über die Jahre nachlässt. Aus unserer Sicht liegt das auch daran, dass die Operation die Form verändert, das Atemmuster aber nicht.
Warum ist meine Nase nach der Septumplastik wieder zu?
Oft liegt es nicht an der Scheidewand, sondern an der Schleimhaut. Sie schwillt im Nasenzyklus, bei Infekten oder bei Allergien an, und sie bekommt wenig Luftstrom, wenn weiter durch den Mund geatmet wird, besonders nachts. Lass den Befund ärztlich kontrollieren und nimm das Atemmuster mit in den Blick.
Hilft Nasenspray auf Dauer?
Abschwellendes Nasenspray ist für wenige Tage gedacht. Bei längerem Gebrauch kann es die Schleimhaut selbst anschwellen lassen, die Nase wird ohne Spray noch enger, und man greift wieder dazu. Wer es über Wochen braucht, sollte aus unserer Sicht nach der Ursache der verstopften Nase schauen, etwa nach dem Atemmuster.
Wie kann ich meine Nasenatmung verbessern?
Indem du sie zum Normalfall machst. Dazu gehören locker geschlossene Lippen, die Zungenreferenzlage am Gaumen und eine aufrechte Kopfbalance, denn dann bleibt der Mundraum dicht und die Luft nimmt den Weg durch die Nase. Im FaceFormer-Training übst du Atmung, Schlucken und Kopfbalance in einem Ablauf, bis das Muster ohne Nachdenken läuft.
Kann ich vor oder nach einer Nasenscheidewand-OP trainieren?
Ja, das Training lässt sich mit einer ärztlichen Behandlung kombinieren. Vor einem Eingriff kannst du beginnen, solange die Nase nicht vollständig verlegt ist. Ist sie nur oft zu, gehört das zur Ausgangslage. Nach einem Eingriff steigst du erst wieder ein, wenn die Nase frei durchgängig ist, und sprichst den Zeitpunkt mit deiner behandelnden Praxis ab.
Was ist der Unterschied zwischen Nasenscheidewand und Nasenmuscheln?
Die Nasenscheidewand ist die Trennwand in der Mitte aus Knorpel und Knochen, ihre Form bleibt. Die Nasenmuscheln sind Wülste an der Seitenwand mit Schleimhaut und Schwellkörpern. Sie schwellen im Laufe des Tages an und ab und bestimmen stark mit, wie frei sich die Nase anfühlt.
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Quellen
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