Offener Biss und Zungenvorschub: Fallbericht mit FaceFormer-Training

Fallbericht Zunge und Biss

Offener Biss und ZungenvorschubEin Fall, sorgfältig eingeordnet

Beim Schlucken schiebt sich die Zunge nach vorn, vorn treffen sich die Zähne nicht. Hier zeigen wir einen dokumentierten Verlauf aus einer kieferorthopädischen Praxis über drei Monate FaceFormer-Training und ordnen ein, was ein Einzelfall zeigt, was nicht und wann Kieferorthopädie nötig ist. Das Titelbild ist ein Symbolbild und zeigt nicht die Patientin aus dem Fallbericht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim offenen Biss treffen sich obere und untere Zähne an einer Stelle nicht, beim frontal offenen Biss vorn an den Schneidezähnen. Häufig schiebt sich dabei die Zunge beim Schlucken nach vorn. Das nennt man Zungenvorschub.
  • Der Fallbericht zeigt eine Patientin, bei der sich der offene Biss während drei Monaten FaceFormer-Training weitgehend geschlossen hat. Es ist ein Einzelfall. Er veranschaulicht, wie wir den Zusammenhang sehen, einen Beleg liefert er nicht.
  • Was die Zähne langfristig bewegt, ist aus unserer Sicht im Regelfall weniger der einzelne Schluck als die Dauerlage der Zunge. Läuft dieses Muster nach einer Zahnspange weiter, arbeitet es gegen das Ergebnis, aus unserer Sicht ein Grund, warum Zähne zurückwandern. Das Training setzt an Atmung, Schlucken und Kopfbalance an und ersetzt keine kieferorthopädische Untersuchung.

Video

Offener Biss: Von Ursachen bis Lösungen

Das Video lädt erst nach dem Klick. Dann werden Daten an YouTube (Google) übertragen.

Der Fall

Die Ausgangslage: offener Biss mit Zungenvorschub

Die Aufnahmen stammen aus der Praxis von Dr. Elizabeth Menzel, Kieferorthopädin. Die Patientin hat der Veröffentlichung zugestimmt.

1Patientin

Einzelfall aus einer kieferorthopädischen Praxis, die Aufnahmen erscheinen mit ihrer Einwilligung

frontaloffen

Offener Biss im Bereich der Schneidezähne, auf der linken Seite stärker ausgeprägt, dazu Zungenvorschub beim Schlucken

3Monate

dokumentierter Zeitraum mit FaceFormer-Training nach Übungsanleitung

5Aufnahmen

von vorn und von der Seite, zu Beginn, nach einigen Wochen und nach drei Monaten

Zu Beginn trafen sich die Schneidezähne von Ober- und Unterkiefer nicht. Zwischen ihnen blieb eine deutliche Lücke, links größer als rechts. Das ist ein frontal offener Biss. Im Unterkiefer standen die Schneidezähne verdreht, die Eckzähne waren fehlgestellt.

Wie alt die Patientin war und ob weitere kieferorthopädische Maßnahmen liefen, geht aus den uns vorliegenden Unterlagen nicht hervor. Wir lassen beides offen.

Bild 1: Frontaler Blick zu Beginn. Vorn treffen sich die Schneidezähne nicht.
Bild 1: Frontaler Blick zu Beginn. Vorn treffen sich die Schneidezähne nicht.

Bild 2 zeigt, was beim Schlucken geschah. Die Zunge schob sich nach vorn in die Lücke zwischen den Zähnen. Ein solcher Zungenvorschub gilt als einer der häufigen funktionellen Faktoren beim offenen Biss.

Ob die Zunge dabei Ursache oder Folge ist, wird im Fach seit Jahrzehnten diskutiert. Was die Forschung dazu sagt, zeigen wir weiter unten.

Bild 2: Zu Beginn. Beim Schlucken schiebt sich die Zunge zwischen die Schneidezähne.
Bild 2: Zu Beginn. Beim Schlucken schiebt sich die Zunge zwischen die Schneidezähne.

Verlauf

Drei Monate im Überblick

Die Patientin trainierte mit dem FaceFormer nach Übungsanleitung. Die Aufnahmen entstanden zu drei Zeitpunkten.

  1. Zu Beginn

    Offener Biss, Zunge vorn

    Die Schneidezähne treffen sich nicht, beim Schlucken schiebt sich die Zunge zwischen die Zähne. Das Training beginnt.

  2. Nach einigen Wochen

    Die Lücke wird kleiner

    Der offene Bereich zwischen oberen und unteren Schneidezähnen ist kleiner geworden, im Unterkiefer richten sich die Zähne allmählich aus.

  3. Nach drei Monaten

    Vorn weitgehend geschlossen

    Der offene Biss im Frontbereich ist weitgehend geschlossen. Eckzähne und Prämolaren nähern sich der angestrebten Verzahnung. Das Training wird fortgesetzt.

Auf Bild 3 ist der offene Bereich zwischen den Schneidezähnen schon kleiner, die unteren Frontzähne stehen gerader.

Bild 3: Frontaler Blick nach einigen Wochen.
Bild 3: Frontaler Blick nach einigen Wochen.

Nach drei Monaten überdecken die oberen Schneidezähne die unteren wieder ein kleines Stück. Ob dieser Befund stabil bleibt, zeigt erst die weitere Verlaufskontrolle.

Bild 4: Frontaler Blick nach drei Monaten.
Bild 4: Frontaler Blick nach drei Monaten.

Die Seitenansicht zeigt die Verzahnung im Bereich von Eckzahn und Prämolaren nach drei Monaten. Obere und untere Zähne greifen hier wieder ineinander.

Bild 5: Seitlicher Blick nach drei Monaten.
Bild 5: Seitlicher Blick nach drei Monaten.

Ein Einzelfall zeigt einen Verlauf. Er zeigt nicht, wie oft es so verläuft.Dr. Berndsen beobachtet ähnliche Verläufe in der Praxis wiederholt, wenn die Funktion konsequent trainiert wird. Ein Versprechen für den nächsten Fall ist das nicht, denn wie stark und wie schnell sich ein Biss verändert, hängt unter anderem von Alter, Wachstum, Ausprägung und Regelmäßigkeit des Trainings ab.

Grundlagen

Was ist ein offener Biss?

Beim regelrechten Biss überdecken die oberen Schneidezähne die unteren ein kleines Stück. Beim offenen Biss bleibt dagegen eine Lücke, wenn du die Backenzähne zusammenbringst.

Kieferorthopäden unterscheiden den offenen Biss nach Ort und Herkunft. Liegt die Lücke vorn, spricht man vom frontal offenen Biss, liegt sie weiter hinten, vom seitlich offenen Biss. Für die Behandlung ist vor allem wichtig, ob die Zähne betroffen sind oder ob die Kiefer selbst so gewachsen sind. Das klärt eine kieferorthopädische Untersuchung.

Frontal offen

Vorn treffen sich die Schneidezähne nicht. Das ist die bekannteste Form, auch im Fall oben.

Seitlich offen

Im Bereich der Backenzähne bleibt eine Lücke, oft auf einer Seite. Auch hier kann sich die Zunge beim Schlucken zwischen die Zahnreihen legen.

Zahnbedingt

Vor allem die Stellung der Zähne weicht ab, die Kiefer sind regelrecht gewachsen. Hier spielt die Funktion aus unserer Sicht eine große Rolle.

Knöchern bedingt

Die Kiefer selbst sind so gewachsen, dass sich vorn eine Lücke ergibt. Hier ist die kieferorthopädische, manchmal auch die chirurgische Planung gefragt.

46,2%

von 359 Sechsjährigen einer brasilianischen Geburtskohorte hatten einen frontal offenen Biss. Hauptrisiken waren Sauggewohnheiten zwischen dem ersten und vierten Lebensjahr und Fingerlutschen mit sechs Jahren1

17Studien

wertete eine systematische Übersicht aus Gent zu Kindern mit Zahnfehlstellungen aus. Der frontal offene Biss hing dort mit abweichendem Schlucken und mit Verzerrungen bestimmter Laute zusammen2

Kleiner Test vor dem Spiegel: Beiß locker auf die Backenzähne und zieh die Lippen zurück. Was siehst du vorn?

Zunge

Zungenvorschub: wenn die Zunge gegen die Zähne drückt

Zungenvorschub, Zungenpressen, Zungenstoß oder das englische „tongue thrust“ beschreiben dasselbe Bild. Beim Schlucken drängt die Zunge nach vorn gegen oder zwischen die Schneidezähne.

Beim physiologischen Schluck legt sich die Zungenspitze an eine kleine Erhebung am Gaumen hinter den oberen Schneidezähnen. Von dort baut die Zunge den Druck von vorn nach hinten auf und schiebt Speichel oder Nahrung in den Rachen. Diesen Ausgangspunkt nennen wir die Zungenreferenzlage.

Fehlt dieser Kontakt, sucht sich die Zunge einen anderen Halt, und verfügbar sind die Zähne. Aus unserer Sicht ist der Zungenvorschub deshalb im Regelfall kein isolierter Fehler der Zunge, sondern eine Ersatzlösung. Eine tief liegende Zunge muss den Schluck vorn an den Zähnen abdichten. Wie der Schluck regelrecht abläuft, beschreibt der Artikel Schlucken und Schluckstörung.

Dr. Klaus Berndsen, der Entwickler der FaceFormer-Therapie, beschreibt es im Video zur Zunge so: Beim Schlucken drückt die Zunge dann nach vorn gegen die Zahnreihe, und geschluckt wird viele hundert bis tausend Mal am Tag, auch nachts.

Zungenpressen ist nicht in allen Fällen ein Befund. Bei Kindern unter zehn Jahren ist das Schlucken mit vorgeschobener Zunge nach einer älteren Übersicht eher die Regel als die Ausnahme und hängt dort nur lose mit Zahnfehlstellungen zusammen3. Aus unserer Sicht zählt, ob sich das Muster mit dem Zahnwechsel umstellt.

Dr. Klaus Berndsen erklärt im Video zur Zunge, wie die Zunge beim Schlucken gegen die Zahnreihe drückt.
Dr. Klaus Berndsen erklärt im Video zur Zunge, wie die Zunge beim Schlucken gegen die Zahnreihe drückt.
  1. Das Muster weicht ab

    Mundatmung, eine tief liegende Zunge oder eine veränderte Kopfbalance entstehen häufig früh, etwa durch Schnuller, Flasche oder Daumen.

  2. Der Körper gleicht aus

    Die Zunge stützt sich beim Schlucken an den Zähnen ab, Lippen und Kinn helfen beim Abdichten. Das Nervensystem speichert diesen Ausgleich als Muster.

  3. Die Form folgt

    Über Jahre liegt die Zunge vorn zwischen den Zähnen. Bei vielen Betroffenen bleibt der Biss dort offen oder öffnet sich weiter.

  4. Der Befund wird sichtbar

    Vorn treffen sich die Zähne nicht, Abbeißen fällt schwer, manchmal klingen Zischlaute unscharf. Erst jetzt wird häufig behandelt, und zwar an den Zähnen.

Kräfte

Was Zähne bewegt: Dauer vor Stärke

Zähne stecken nicht starr im Kiefer wie Pfähle im Beton. Sie stehen dort, wo sich die Kräfte um sie herum ausgleichen.

Der Kieferorthopäde William Proffit hat 1978 zusammengefasst, was die Stellung der Zähne bestimmt. Als wichtigste Größen nennt er die Ruhedrücke von Zunge und Lippen und die Kräfte im Zahnhalteapparat. Im selben Text steht, dass die Atmung die Haltung von Kopf, Kiefer und Zunge beeinflusst und damit dieses Gleichgewicht verändert4.

Von innen drückt die Zunge, von außen halten Lippen und Wangen dagegen. Liegt die Zunge vorn zwischen den Zähnen, sitzt dort aus unserer Sicht ein Widerlager, das die Schneidezähne am Zusammentreffen hindert.

Wie Lippen und Lippenschluss in dieses Gleichgewicht eingebunden sind, beschreibt der Artikel Lippentraining.

Rendering aus der Übungsanleitung: Die Pfeile stehen für die Muskelkräfte um den Mund, die von außen zur Mitte wirken.
Rendering aus der Übungsanleitung: Die Pfeile stehen für die Muskelkräfte um den Mund, die von außen zur Mitte wirken.
10% der Zeit

wirkte eine Gegenkraft auf einen nachwachsenden Kaninchenzahn, und sie blieb nahezu wirkungslos5

50% der Zeit

reichten, um dieselbe Wirkung zu erzielen wie eine ständig anliegende Kraft. Die Autoren schließen, dass die Dauer einer Kraft mehr zählt als ihre Stärke5

Ein Schluck dauert nur einen Augenblick, selbst viele hundert Schlucke ergeben nur einen kleinen Teil des Tages. Die Dauerlage der Zunge dazwischen wirkt dagegen über Stunden in eine Richtung. Proffit selbst hielt das abweichende Schlucken eher für eine Anpassung als für eine Ursache4. Aus unserer Sicht zeigt der Schluck vor allem, wo die Zunge auch sonst liegt.

Wie ein Obstbaum am Spalier

Ein Spalierbaum wird nicht mit einem kräftigen Ruck in Form gebracht, sondern mit Bändern, die ihn über Jahre sanft in eine Richtung führen. So ähnlich wirkt aus unserer Sicht die Dauerlage der Zunge auf die Zähne. Der einzelne Schluck ist der kurze Ruck, die Lage dazwischen ist das Band.

Schluckmuster

Form korrigiert, Muster geblieben

Ein offener Biss lässt sich kieferorthopädisch schließen. Ob sich das Schluckmuster dabei mitändert, ist eine andere Frage.

An der Universität Gießen maßen Kirsten Störmer und Hans Pancherz 1999 die elektrische Aktivität der Muskeln um den Mund und der Kaumuskeln beim Schlucken. Sie verglichen Menschen mit offenem Biss und abweichendem Schluckmuster mit Menschen, die unauffällig schluckten6.

20 zu 15Personen

Bei abweichendem Muster arbeiteten beim Schlucken die Muskeln um den Mund stärker und die Kaumuskeln schwächer als in der Vergleichsgruppe6

10Personen

wurden gemessen, nachdem der offene Biss kieferorthopädisch geschlossen war. Eine Normalisierung des Schluckmusters war nicht zu beobachten6

Die Gruppen waren klein, eine unbehandelte Vergleichsgruppe fehlte. Als Hinweis passt der Befund zu unserer Sicht: Die Zähne wurden bewegt, das gespeicherte Muster lief weiter.

47Studien

mit 4.377 Teilnehmenden wertete die Cochrane-Übersicht zur Retention nach Zahnspangen aus. Ein Verfahren, das sich als sicher überlegen erwies, fand sie nicht, die Evidenz war niedrig bis sehr niedrig13

10%

von 31 Behandelten, denen vier kleine Backenzähne gezogen worden waren, hatten in einer Langzeitreihe aus Seattle 20 Jahre nach Ende der Retention noch eine klinisch akzeptable Unterkieferfront14

Dass Zähne nach einer Spangenbehandlung zurückwandern, gilt im Fach als Normalfall, deshalb schließt sich eine Haltephase mit Retainer an13. Zähne wandern aber nicht von allein, sie folgen Kräften. Aus unserer Sicht liegt der Rückfall deshalb im Regelfall daran, dass die Funktion, die die Zähne verschoben hat, unverändert weiterläuft. Eine Übersicht aus Mailand beschreibt die Beziehung als wechselseitig und hält Kieferorthopädie zusammen mit Funktionstraining für den besten Weg7.

4 von 4.750Arbeiten

erfüllten in einer systematischen Übersicht die Kriterien. Sie zeigten Zusammenhänge zwischen abweichendem Schlucken und Fehlstellungen, darunter dem offenen Biss, bei sehr niedriger Sicherheit der Evidenz8

0,5 zu 3,4mm

betrug der mittlere Rückfall des offenen Bisses mit zusätzlichem Funktionstraining gegenüber reiner Kieferorthopädie. Die Vergleichsgruppe bestand aus Menschen mit bereits eingetretenem Rückfall, zufällig zugeteilt wurde nicht9

Aus dem Fehlen einer Untersuchung folgt nicht, dass der Zusammenhang nicht besteht. Es folgt, dass er nicht geprüft ist.Die Forschung zum Zusammenspiel von Zunge und Biss ist dünn. Deshalb beschreiben wir, wie wir den Zusammenhang sehen, und versprechen nichts, was keine Studie gezeigt hat.

Training

Was das Training ansetzt

Das FaceFormer-Training bewegt keine Zähne. Es setzt an den Basisfunktionen an, die aus unserer Sicht bestimmen, wo die Zunge liegt: Atmung, Schlucken und Kopfbalance.

Ein Schluckmuster ändert sich nicht durch Einsicht. Es wird durch ein neues verdrängt, und das braucht präzise, häufige Wiederholung. Deshalb übt das Training Lippenschluss, Nasenatmung, Zungenreferenzlage, Schluckakt und Kopfbalance gleichzeitig in einem Ablauf, statt einzelne Muskeln isoliert zu kräftigen.

Der FaceFormer liegt im Mundvorhof, vor den Zähnen und hinter den Lippen. Die Zungenspitze legt sich an den Referenzpunkt am Gaumen, ohne die Zähne zu berühren. So bekommt der Schluck wieder seinen Ausgangspunkt vorn oben am Gaumen statt vorn an den Zähnen.

3D-Animation im Seitenschnitt: Die Zungenspitze legt sich hinter den oberen Schneidezähnen an den Gaumen.

In der Grundübung pressen die Lippen den Lippenkeil zusammen, die Backenzähne beißen kurz auf, dann folgt ein Schluck. Der Unterdruck im Mund zieht die Zunge an den Gaumen. In der Zugübung kommt ein leichter Zug am Gerät hinzu.

Für den offenen Biss ist ein Detail wichtig. Geschluckt wird mit kurzem Kontakt der Backenzähne und mit der Zunge am Gaumen. Für einen Vorschub zwischen die Schneidezähne bleibt dabei aus unserer Sicht kaum Raum.

3D-Animation im Seitenschnitt: Die Lippen pressen den FaceFormer, die Zunge liegt dabei am Gaumen.
  1. Ab Tag 1

    Grundübung

    Dreimal täglich wenige Minuten mit dem FaceFormer ZERO. Die Wiederholungen steigerst du Woche für Woche.

  2. Ab etwa Woche 3

    Zugübung und Nacht

    Die Zugübung kommt dazu. Nachts trägst du den ZERO als Ergänzung zum Tagestraining, sobald die Grundübung sitzt.

  3. Nach einigen Wochen

    Wechsel auf den ONE

    Tagsüber trainierst du mit dem FaceFormer ONE. Er ist gleich groß und geformt wie der ZERO, nur aus festerem Material. Kinder bis etwa zehn Jahre bleiben beim ZERO.

  4. Über Monate

    Das Muster läuft von selbst

    Bis die neuen Abläufe ohne Nachdenken laufen, rechnet das Übungsmanual mit sechs bis zwölf Monaten, danach mit Erhaltungstraining.

Zahnstellungen verändern sich langsam, über Monate und oft länger. Das Training muss so lange laufen, bis das neue Muster im Alltag trägt, auch ohne dass du daran denkst. Man muss dranbleiben, es kann sich lohnen.

Eine laufende kieferorthopädische Behandlung beendest du nicht eigenmächtig. Das Training ist auch mit fester Zahnspange möglich, bei Brackets hilft Dentalwachs. Trainierst du mit einer Praxis, stimmt ihr den Ablauf gemeinsam ab. Die kostenlose FaceFormer-App leitet die Grundübungen an, für Kinder gibt es einen eigenen Plan unter FaceFormer für Kinder.

Grenzen

Was dieser Fall zeigt und was nicht

Ein gut dokumentierter Verlauf ist wertvoll. Als Beleg für eine Wirkung taugt ein einzelner Fall trotzdem nicht, und dafür gibt es nachvollziehbare Gründe.

Was er zeigt

Bei dieser Patientin hat sich der offene Biss während drei Monaten Training weitgehend geschlossen. Das ist fotografiert und zeitlich eingeordnet.

Was er nicht zeigt

Ob das Training die Ursache war, wie oft ein solcher Verlauf gelingt und ob er stabil bleibt. Dafür braucht es viele Fälle und eine Vergleichsgruppe.

Was offen bleibt

Alter, Wachstum und mögliche weitere Maßnahmen sind uns nicht bekannt. Alle drei können einen Biss verändern.

Gerade im Wachstum verändert sich ein Biss auch ohne Behandlung. Eine Langzeitbeobachtung verfolgte unbehandelte Kinder, die mit fünf Jahren einen offenen Biss hatten, bis zum zwölften Lebensjahr10.

1 von 14Kindern

mit offenem Biss im Milchgebiss hatte mit zwölf Jahren noch einen offenen Biss, ohne Behandlung. Der Überbiss blieb in dieser Gruppe aber geringer, die Autoren sahen ein zugrunde liegendes Wachstumsmuster10

Veröffentlicht ist außerdem ein anderer Fall. Booth und Kinzinger beschrieben 2021 in der Fachzeitschrift Kieferorthopädie die Behandlung eines offenen Bisses mit einer Kombination aus Highpull-Headgear, einem kieferorthopädischen Gerät mit Zug über eine Kopfkappe, und FaceFormer11. Das ist nicht der hier gezeigte Fall. Er zeigt, wie Kieferorthopädie und Training zusammenwirken können, nicht, wie oft das gelingt.

Die einzige randomisierte Studie mit dem FaceFormer, die Hamburger Studie an 45 Kindern, hat Basisfunktionen gemessen, nicht den Biss. Beide Gruppen verbesserten sich. Mit dem FaceFormer lag die Zunge beim Schlucken häufiger am Gaumen, der Mundschluss gelang schneller12. Alle Studien mit ihrer Einordnung findest du unter Studien und Wissenschaft.

Dieser Fall veranschaulicht, wie wir den Zusammenhang sehen. Er lässt sich nicht auf andere übertragen, und ein bestimmtes Ergebnis lässt sich nicht zusagen.

Kieferorthopädie

Wann ein offener Biss in die Praxis gehört

Welche Form vorliegt und was nötig ist, klärt eine zahnärztliche oder kieferorthopädische Praxis. Diese Zeichen sind ein guter Anlass.

Lücke vorn oder seitlich

Die Zähne treffen sich an einer Stelle nicht, auch wenn du fest zubeißt.

Abbeißen fällt schwer

Nudeln oder ein Salatblatt lassen sich mit den Schneidezähnen kaum abbeißen.

Zischlaute klingen unscharf

Bei s, z oder sch schiebt sich die Zunge zwischen die Zähne.

Der Biss verändert sich

Die Lücke wird größer, oder Zähne verschieben sich sichtbar.

Das Kiefergelenk meldet sich

Knacken, Schmerzen oder eine eingeschränkte Mundöffnung kommen hinzu. Mehr dazu im Artikel zu CMD.

Bei Kindern lohnt ein früher Blick. Im Milch- und Wechselgebiss schließt sich ein offener Biss häufig noch im Wachstum, wie die Beobachtung oben zeigt. Bleibt er bestehen, klärt die kieferorthopädische Praxis, ob und wann eine Behandlung sinnvoll ist. Wie Kinder mit dem FaceFormer trainieren, beschreibt FaceFormer für Kinder.

Bei Erwachsenen ist das Wachstum abgeschlossen. Ein zahnbedingter offener Biss wird in der Regel kieferorthopädisch behandelt. Ist er knöchern bedingt und stark ausgeprägt, kann eine Kieferoperation nötig werden. Die Funktion gehört aus unserer Sicht trotzdem davor und danach in die Planung, denn eine Operation ändert die Form, nicht das Muster aus Atmung, Schlucken und Kopfbalance, das die Zunge führt. Arbeitet die Zunge danach weiter nach vorn, arbeitet das alte Muster gegen das neue Ergebnis. Mehr dazu unter Kiefer-OP und BiMax.

Das Training ersetzt keine kieferorthopädische Untersuchung und Behandlungsplanung. Warum Zähne nach der Spange zurückwandern können und was die Funktion damit zu tun hat, beschreibt der Artikel Retainer und Rezidiv.

Alltag

Was du im Alltag beobachten kannst

01

Die Zunge zwischen den Schlucken

Prüf ein paar Mal am Tag, wo deine Zungenspitze liegt. Sie gehört hinter die oberen Schneidezähne an den Gaumen, nicht an oder zwischen die Zähne.

02

Schlucken mit Zahnkontakt

Beim Schlucken berühren sich die Backenzähne kurz, die Lippen bleiben locker. Spannt dabei das Kinn mit an, arbeitet der Mund gegen die Zunge statt mit ihr.

03

Nase statt Mund

Nasenatmung hält den Mund geschlossen und die Zunge oben. Mehr dazu unter Nasenscheidewand verkrümmt. Den Mund nachts zuzukleben ist kein Ersatz, siehe Mouth Taping.

04

Sauggewohnheiten bei Kindern

Langes Saugen an Schnuller oder Finger gilt als wichtigster Risikofaktor für den offenen Biss im Kindesalter. Begleite dein Kind beim Abgewöhnen behutsam und ohne Druck.

05

Kein Pressen trainieren

Die Zunge mit Kraft an den Gaumen zu drücken ist nicht das Ziel. Warum, erklärt der Artikel zu Mewing.

Fragen

Häufig gefragt

Was ist ein offener Biss?

Beim offenen Biss treffen sich obere und untere Zähne an einer Stelle nicht, auch wenn die Backenzähne aufeinanderliegen. Beim frontal offenen Biss bleibt vorn zwischen den Schneidezähnen eine Lücke, beim seitlich offenen Biss im Bereich der Backenzähne. Ob die Zähne oder die Kiefer selbst betroffen sind, klärt eine kieferorthopädische Untersuchung.

Zungenvorschub und Zungenpressen: Warum drückt die Zunge gegen die Zähne?

Beide Begriffe beschreiben, dass die Zunge beim Schlucken nach vorn gegen oder zwischen die Schneidezähne drängt, statt sich am Gaumen abzustützen. Häufig fehlt der Zungenspitze der Kontakt zum Gaumen, etwa bei Mundatmung oder nach langen Sauggewohnheiten. Aus unserer Sicht ist das im Regelfall eine Ersatzlösung, die unbewusst läuft und sich deshalb eher durch Training als durch Vorsätze ändert.

Kann Zungenpressen einen offenen Biss verursachen?

Ein Zusammenhang ist beschrieben, seine Richtung ist im Fach umstritten. Aus unserer Sicht zählt weniger der kurze Schluck als die Dauerlage der Zunge dazwischen. Liegt sie über Jahre vorn zwischen den Zähnen, wirkt sie wie ein Widerlager, das die Schneidezähne am Zusammentreffen hindert.

Wächst sich ein frontal offener Biss bei Kindern aus?

Im Milch- und Wechselgebiss schließt er sich häufig noch im Wachstum. In einer Langzeitbeobachtung hatte von 14 unbehandelten Kindern mit offenem Biss im Alter von fünf Jahren mit zwölf Jahren nur noch eines einen offenen Biss. Lass ihn trotzdem früh ansehen, vor allem wenn Sauggewohnheiten bestehen oder die Lücke bleibt.

Lässt sich ein offener Biss ohne OP behandeln?

Das hängt von der Form ab. Ein zahnbedingter offener Biss wird in der Regel kieferorthopädisch behandelt. Ist er knöchern bedingt und stark ausgeprägt, kann bei Erwachsenen eine Kieferoperation nötig werden, das klärt die kieferorthopädische Untersuchung. Aus unserer Sicht gehört die Funktion vor und nach einem solchen Eingriff in die Planung, denn eine Operation ändert die Form, nicht das Muster, das die Zunge nach vorn führt.

Kann das FaceFormer-Training einen offenen Biss schließen?

Das lässt sich nicht zusagen. Der Fallbericht zeigt einen Verlauf, keinen Beleg. Das Training zielt darauf, Atmung, Schlucken und Kopfbalance wieder physiologisch einzustellen, und schafft damit aus unserer Sicht eine Voraussetzung dafür, dass sich eine Fehlstellung zurückbilden kann. Eine kieferorthopädische Untersuchung ersetzt es nicht.

Kann ich mit Zahnspange mit dem FaceFormer trainieren?

Ja. Das Training ist parallel zu einer festen Zahnspange möglich, bei Brackets hilft Dentalwachs. Eine laufende kieferorthopädische Behandlung beendest du nicht eigenmächtig. Trainierst du mit einer Praxis, stimmt ihr den Ablauf gemeinsam ab.

Hilft das Training auch bei Kreuzbiss oder Kopfbiss?

Kreuzbiss und Kopfbiss sind wie der offene Biss Zahn- und Kieferfehlstellungen, bei denen häufig ein Ungleichgewicht der Muskulatur mitspielt: Die Zunge liegt tief oder schiebt nach vorn, der Unterkiefer wird einseitig oder nach vorn geführt. Hier setzt das FaceFormer-Training an. Es trainiert Zungenreferenzlage, Mundschluss und Schluckablauf und schafft damit die Voraussetzung, dass Zähne und Kiefer in einem stabileren muskulären Gleichgewicht stehen. Das erklärt auch, warum eine Fehlstellung nach Zahnspange oder Operation zurückkommen kann: Die Funktion, die sie verschoben hat, ist oft noch da. Trainiere parallel zu einer kieferorthopädischen Behandlung und besprich den Verlauf mit deiner Praxis.

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Dr. Klaus-Jürgen Berndsen
Dr. Klaus-Jürgen BerndsenEntwickler der FaceFormer-Therapie. Inhaltliche Grundlage: das Buch „Trust the Triad“. Stand: September 2026.

Quellen

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