Parkinson: Schlucken, Sprechen und Haltung trainieren

Fachartikel Parkinson

Parkinson und die BasisfunktionenSchlucken, Sprechen, Kopfbalance

Bei Parkinson denken viele zuerst an zitternde Hände. Im Alltag belasten oft andere Dinge: Verschlucken, Speichel im Mundwinkel, eine leisere Stimme, ein Kopf, der nach vorn sinkt. Hier erfährst du, was Studien dazu zeigen und warum wir Atmung, Schlucken und Kopfbalance als trainierbare Funktionen sehen, ohne die Erkrankung selbst zu behandeln.

Kennst du das?

Parkinson ist mehr als Zittern, der Alltag zeigt es beim Essen und Sprechen

Was trifft auf dich oder deinen Angehörigen zu?

Tippe an, was auf dich zutrifft.

Treffen mehrere Punkte zu, sprich sie bei der nächsten neurologischen Kontrolle an, denn Schluckprobleme bleiben bei Parkinson oft unerwähnt. Die Erkrankung behandelt die Medizin. Die Funktionen dahinter lassen sich aus unserer Sicht zusätzlich üben.

Woher der Speichel im Mundwinkel kommtWas geprüft ist und was nicht
Das ersetzt keine Untersuchung. Es zeigt dir nur, wo du in diesem Artikel weiterlesen kannst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Parkinson verändert nicht nur Gang und Hände. Schlucken, Stimme und Kopfbalance sind bei vielen Betroffenen mitbetroffen.
  • Die Erkrankung behandelt die Medizin. Atmung, Schlucken und Kopfbalance lassen sich aus unserer Sicht zusätzlich üben, am besten schon im frühen Stadium, als unterstützende Stellschraube, nicht als Mittel gegen Parkinson.
  • Zur FaceFormer-Therapie bei Parkinson gibt es keine Studie. Unabhängige Studien zu anderen Trainingsformen zeigen aber, dass Schluck- und Sprechfunktionen bei Parkinson auf Training ansprechen können.

Video

Schlucken: Warum das Schluckmuster zählt

Das Video lädt erst nach dem Klick. Dann werden Daten an YouTube (Google) übertragen.

Die Erkrankung

Parkinson ist mehr als Zittern

Bekannt ist Parkinson für das Zittern der Hände. Für den Alltag entscheidend sind oft Funktionen, über die kaum jemand spricht.

Bei der Parkinson-Krankheit, auch Morbus Parkinson genannt, gehen im Gehirn nach und nach Nervenzellen zugrunde, die den Botenstoff Dopamin bilden. Warum das geschieht, ist bis heute nicht geklärt. Der Dopaminmangel verändert die Steuerung von Bewegungen in tief liegenden Hirnregionen, den Basalganglien. Das betrifft nicht nur Arme und Beine, sondern viele Bewegungen, die der Körper automatisch abruft.

Rigor

Erhöhte Muskelspannung, die Muskeln fühlen sich steif an

Bradykinese

Verlangsamte Bewegungen, die mit der Zeit kleiner werden

Tremor

Zittern, typischerweise in Ruhe

Posturale Instabilität

Unsicheres Gleichgewicht und eine gebeugte Haltung

Dazu gehören auch Atmen, Schlucken und das Balancieren des Kopfes. Geschluckt wird viele hundert bis tausend Mal am Tag, geatmet noch weit öfter. Werden diese Abläufe langsamer und kleiner, merkt man es beim Essen, beim Sprechen und an der Haltung. Um diese Funktionen geht es hier.

Diagnose und Behandlung der Parkinson-Krankheit gehören in neurologische Hand. Verordnete Medikamente, Logopädie und Physiotherapie änderst du nie eigenmächtig. Das Training setzt an den Funktionen an, nicht an der Krankheit.

Schlucken

Schluckstörung bei Parkinson: häufig und oft unbemerkt

Verschlucken wirkt wie eine Kleinigkeit. Bei Parkinson gehört es zu den häufigsten Veränderungen, die im Gespräch mit der Praxis trotzdem fehlen.

Fachleute nennen eine Schluckstörung Dysphagie. Eine Arbeitsgruppe aus Nijmegen in den Niederlanden hat zusammengetragen, wie oft sie bei Parkinson vorkommt. Sie wertete zwölf Studien aus und unterschied dabei zwei Wege, das, was Betroffene selbst berichten, und das, was Untersuchungen des Schluckakts messen1.

35%

der Menschen mit Parkinson berichteten selbst von Schluckbeschwerden, gepoolt aus zehn Studien1

82%

zeigten eine Schluckstörung, wenn der Schluckakt gemessen wurde, gepoolt aus vier Studien1

3,2fach

höher lag das Risiko einer Schluckstörung als bei Gleichaltrigen ohne Parkinson1

Die Lücke zwischen den ersten beiden Zahlen ist die eigentliche Botschaft. Viele merken die Veränderung nicht oder sprechen sie nicht an, die Autoren raten deshalb, gezielt danach zu fragen. Den Schluckablauf im Einzelnen beschreibt der Artikel Schlucken und Schluckstörung.

Unbemerkt heißt nicht harmlos. Gelangen Speichel oder Nahrung in die Atemwege, kann daraus eine Lungenentzündung entstehen, und Menschen mit Parkinson gehören zu den besonders Gefährdeten12. Deshalb gehört das Schlucken früh angesehen, noch bevor es im Alltag auffällt, und aus unserer Sicht auch geübt.

Beim Schlucken zieht die Muskulatur des Mundbodens das Zungenbein und mit ihm den Kehlkopf nach oben und vorn. Der Kehldeckel legt sich über den Eingang zur Luftröhre, und der Speiseweg öffnet sich. Das geschieht in Sekundenbruchteilen und muss zeitlich genau sitzen.

Wird diese Bewegung langsamer oder kleiner, bleibt der Atemweg einen Moment zu lange offen, und Flüssigkeit gelangt leichter an die falsche Stelle. Das zeigt sich als Husten, manchmal aber auch gar nicht.

3D-Film: Zungenbein und Kehlkopf von unten gesehen, an ihnen setzen die Muskeln des Mundbodens an.

Speichel

Speichel im Mundwinkel: eine Frage des Schluckens

Viele Betroffene haben den Eindruck, sie bildeten zu viel Speichel. Die Messungen zeigen etwas anderes.

Speichelverlust aus dem Mund, fachlich Sialorrhö, ist bei Parkinson verbreitet und für viele belastend. Naheliegend wäre, dass der Körper zu viel Speichel bildet. Drei Untersuchungen sprechen für eine andere Erklärung.

56%

der Menschen mit Parkinson berichteten in acht Studien von Speichelverlust, bei Gesunden 14 %2

wenigerSpeichel

bildeten 44 Menschen mit Parkinson im Vergleich zu 44 Gleichaltrigen ohne Parkinson4

16von 16

Betroffenen mit Speichelverlust zeigten im Röntgenfilm Veränderungen in der Mundphase des Schluckens3

Der Speichel sammelt sich also, weil er seltener und weniger wirksam abgeschluckt wird. Eine britische Untersuchung an 18 Betroffenen zeigte zudem, wie sehr das Schlucken an der Aufmerksamkeit hängt. Lösten sie nebenbei eine ablenkende Sprachaufgabe am Computer, schluckten sie seltener, und der Speichel lief häufiger heraus. Als weitere Faktoren nennen die Autoren einen ungewollt geöffneten Mund und eine nach vorn gebeugte Haltung5.

  1. Das Schlucken wird seltener

    Die automatische Steuerung arbeitet langsamer, besonders wenn die Aufmerksamkeit woanders ist.

  2. Speichel sammelt sich

    Er bleibt im Mund liegen, statt regelmäßig abgeschluckt zu werden.

  3. Der Mund steht offen

    Die Lippen schließen nicht mehr von selbst, der Mundraum ist nicht mehr dicht.

  4. Der Kopf sinkt nach vorn

    Mit der gebeugten Haltung fließt der Speichel der Schwerkraft folgend nach vorn.

  5. Speichel läuft heraus

    Aus unserer Sicht treffen hier alle drei Basisfunktionen zusammen: Schlucken, Lippenschluss mit Nasenatmung und Kopfbalance.

Ein dichter Mundraum entsteht, wenn die Lippen locker geschlossen sind, die Backenzähne sich beim Schlucken kurz berühren und die Zunge aus der Zungenreferenzlage an den Gaumen steigt. Sinkt der Unterkiefer dagegen ab, fehlt dem Schluck der Ausgangspunkt.

Dass manche zugleich über einen trockenen Mund klagen, ist kein Widerspruch, denn ein offener Mund trocknet aus, siehe Mundtrockenheit.

Animation: Mit dem FaceFormer im Mundvorhof wechselt der Unterkiefer zwischen geschlossener Lage (Haken) und abgesunkener Lage (Kreuz).

Stimme und Sprechen

Leise Stimme, undeutliche Aussprache

Oft fällt es zuerst den anderen auf. Die Stimme wird leiser und gleichförmiger, am Telefon wird häufiger nachgefragt.

In Australien wurde die Sprechweise von 200 Menschen mit Parkinson beurteilt. Am häufigsten und frühesten betroffen war die Stimme selbst, also Lautstärke und Klang. Aussprache und Sprechfluss veränderten sich später und standen im schwersten Stadium im Vordergrund6. Das Fachwort dafür lautet hypokinetische Dysarthrie, eine Sprechstörung durch zu kleine Bewegungen.

Die Stimme entsteht aus dem Atem.Die Stimmlippen schwingen im Luftstrom der Ausatmung. Wie laut und tragfähig die Stimme ist, hängt deshalb auch an der Atmung und an der Aufrichtung von Kopf und Rumpf.

Dass sich die Stimme bei Parkinson trainieren lässt, ist gut untersucht. In einer randomisierten Studie aus den USA übten Betroffene einen Monat lang intensiv lautes Sprechen nach dem Programm LSVT LOUD. Ihre Lautstärke stieg stärker als in einer Gruppe mit Artikulationstraining und als in einer Gruppe ohne Training, auch sieben Monate später noch. Bis zu 89 % der Menschen mit Parkinson entwickeln laut der Studie eine Sprechstörung7.

Logopädische Stimm- und Sprechtherapie ist bei Parkinson eine etablierte Behandlung. Das Training der Basisfunktionen ersetzt sie nicht, es setzt an Atmung und Kopfbalance an, auf die die Stimme aufbaut.

Kopfbalance

Wenn der Kopf nach vorn sinkt: Haltung und Schlucken

Die gebeugte Haltung gehört zu den bekannten Zeichen der Erkrankung. Weniger bekannt ist, dass die Stellung des Kopfes den Schluckweg von innen verändert.

Kopf, Hals und Rachen bilden eine Einheit. Neigt sich der Kopf nach vorn, schiebt sich der Kehlkopf unter den Zungengrund, und der Eingang zum Atemweg wird enger. Liegt der Kopf im Nacken, öffnet er sich weiter. Die äußere Ausrichtung verändert also die innere Geometrie des Schluckwegs.

Der Kopf balanciert nicht für sich allein, er ruht auf dem Rumpf. Sinkt der Rumpf zusammen, wandert der Kopf mit nach vorn. Balanciert er aufrecht über dem Becken, stehen Kiefer, Zungenbein und Kehlkopf aus unserer Sicht am günstigsten, und Zwerchfell und Brustkorb haben Raum für die Atmung.

Sinkt der Kopf dagegen nach vorn, leisten Hals- und Nackenmuskeln Ersatzarbeit, siehe Nacken und Rücken. Wie Zwerchfell und Beckenboden bei der Atmung zusammenarbeiten, zeigt der Artikel Beckenbodentraining.

3D-Film: aufrechter Sitz mit dem FaceFormer, der Kopf balanciert über dem Rumpf. Zwerchfell und Beckenboden (rot) bewegen sich mit der Atmung.

Wie stark die Kopfposition wirkt, untersuchte eine große Studie aus den USA an 711 Menschen mit Demenz oder Parkinson, die sich an dünner Flüssigkeit verschluckten. Unter Röntgenkontrolle erprobten alle drei Hilfen: das Kinn zur Brust neigen, nektarartig und honigartig angedickte Getränke. Am häufigsten verhinderte honigartig Angedicktes das Verschlucken, gefolgt von Nektar und der Kinnhaltung. Die Kinnhaltung mochten die Teilnehmenden am liebsten8.

Welche Hilfe im Einzelfall am besten schützt, zeigt laut den Autoren nur eine Schluckuntersuchung. Für uns steckt darin noch etwas anderes. Eine bewusst eingenommene Kopfposition verändert den Schluckweg für den Moment, ersetzt aber keine Schluckmotorik, die von selbst sitzt.

Probier es mit deinem Speichel aus, nicht mit Wasser. In welcher Haltung schluckt es sich am leichtesten?

Die Triade

Atmung, Schlucken und Kopfbalance: ein gemeinsamer Takt

Schluckstörung, leise Stimme und gebeugte Haltung werden oft von verschiedenen Fachrichtungen getrennt betrachtet. Aus unserer Sicht hängen sie zusammen.

Atmung und Schlucken teilen sich den Rachen und müssen sich deshalb zeitlich abstimmen, denn während des Schluckens steht die Atmung kurz still. Bei gesunden Erwachsenen folgte der Schluck in 62 % der Fälle dem Muster Ausatmen, Schlucken, Ausatmen9. Die Steuerung dafür liegt im Hirnstamm, wo auch der Vagusnerv entspringt, der Rachen und Kehlkopf mitversorgt.

Atmung

Liefert den Luftstrom für die Stimme und den Takt, in den sich die Schlucke einfügen. Bei Parkinson verändert sich aus unserer Sicht die Atemkoordination und damit der Spielraum für den Schluck.

Schlucken

Viele hundert bis tausend Mal am Tag. Es räumt Speichel ab, schützt die Atemwege und braucht einen dichten Mundraum mit der Zunge am Gaumen.

Kopfbalance

Bestimmt, wie Kiefer, Zungenbein und Kehlkopf zueinander stehen. Sinkt der Kopf, verändern sich Schluckweg, Lippenschluss und Stimme zugleich.

Eine Störung ist nie lokal.Atmung, Schlucken und Kopfbalance laufen auf gemeinsamen Schaltkreisen im Hirnstamm. Verändert sich eine Funktion, verändern sich die anderen mit.

Daraus folgt kein Versprechen, aber eine Richtung. Das Gehirn automatisiert keine Einzelteile, sondern ganze Abläufe. Deshalb üben wir Atmung, Schlucken und Kopfbalance im selben Ablauf, so wie der Körper sie im Alltag braucht.

Erklärungsmodell

Funktion statt Symptom: wo das Training ansetzt

Das Training behandelt nicht die Parkinson-Krankheit. Es setzt an den Funktionen an, über die sich die Erkrankung im Alltag bemerkbar macht.

Die Erkrankung

  • Nervenzellen, die Dopamin bilden, gehen zugrunde
  • Diagnose und Verlaufskontrolle in der Neurologie
  • Behandlung mit Medikamenten und weiteren ärztlichen Verfahren
  • Logopädie und Physiotherapie nach Verordnung

Die Basisfunktionen

  • Atmung, Schlucken und Kopfbalance als Grundabläufe des Alltags
  • Werden bei Parkinson langsamer und kleiner
  • Lassen sich im selben Ablauf mehrmals täglich üben
  • Liegen zu einem guten Teil in deiner eigenen Hand

Die beiden Seiten ersetzen sich nicht. Das Training ist aus unserer Sicht eine unterstützende Stellschraube neben der ärztlichen Behandlung, kein Mittel gegen die Erkrankung. Wie es wirkt, beschreibt Wie wirkt die FaceFormer-Therapie?, die Einordnung neben anderen Verfahren FaceFormer und andere Behandlungen.

Unser Erklärungsmodell ist einfach. Muskeln, die nicht in ihre Funktion eingebunden sind, werden weniger gebraucht und verlieren an Spannung. Bei Parkinson kommt hinzu, dass die Steuerung Bewegungen kleiner und langsamer ausführt. Aus unserer Sicht verstärken sich beide Vorgänge. Wer seltener und kleiner schluckt, spricht und sich aufrichtet, gibt dem Körper weniger Anlass, diese Abläufe kraftvoll zu halten.

Wie ein Instrument, das gespielt wird

Ein Instrument verstimmt, wenn es lange nicht gespielt wird. Die Saiten sind noch da, doch Klang und Griffe gehen verloren. Regelmäßiges Spielen hält es im Ton. So sehen wir die Grundfunktionen. Das Training nimmt der Erkrankung nichts, es sorgt aus unserer Sicht dafür, dass vorhandene Möglichkeiten genutzt werden.

Gerade im frühen Stadium, solange Schlucken, Stimme und Haltung noch gut laufen, lohnt es sich aus unserer Sicht, mit dem Üben zu beginnen und diese Abläufe groß und präzise zu halten. Das ersetzt keine Behandlung, es nutzt den Spielraum, den der Körper noch hat. Einen Verlauf verspricht es nicht. Stadium, Verlauf und Tagesform setzen den Rahmen, und was sich bei einem Menschen ändert, sagt etwas über ihn, nicht über die Erkrankung.

Nase und Riechen

Riechen und Nasenatmung: eine offene Frage

Ein Zeichen der Parkinson-Krankheit zeigt sich oft schon Jahre vor den Bewegungsstörungen, der nachlassende Geruchssinn.

Eine Studie unter Leitung der Universität Dresden testete den Geruchssinn von 400 Menschen mit Parkinson in Deutschland, den Niederlanden und Australien. Nur 3,3 % rochen normal. Gemessen an jungen Gesunden hatten 96,7 % einen deutlichen Riechverlust, gemessen an Gleichaltrigen 74,5 %. Die Autoren sehen darin ein verlässliches Merkmal der Erkrankung10.

Nasenatmung

  • Mit jedem Atemzug erreichen Duftstoffe die Riechschleimhaut im oberen Nasenraum
  • Die Signale laufen auf kurzem Weg ins Gehirn
  • Die Riechbahn bekommt einen stetigen Reiz, viele tausend Mal am Tag

Mundatmung

  • Der Luftstrom nimmt den Weg durch den Mund
  • Die Riechschleimhaut wird kaum noch angeströmt
  • Der stetige Duftreiz fehlt weitgehend

Riechen setzt Nasenatmung voraus. Wie die Nase den Luftstrom lenkt, beschreibt der Artikel Nasenscheidewand verkrümmt.

Im Buch „Trust the Triad“ steht dazu eine Frage. Wenn der Riechverlust ein frühes Zeichen ist, könnte umgekehrt eine jahrelang wenig genutzte Riechbahn an der Entstehung beteiligt sein? Nervenverbindungen, die selten genutzt werden, schwächen sich ab. Belegt ist ein solcher Zusammenhang mit Parkinson aber nicht.

Ein Schutz vor Parkinson lässt sich aus der Nasenatmung nicht ableiten. Wir nennen die Frage, weil sie naheliegt, nicht weil sie beantwortet wäre.

Studienlage

Was geprüft ist und was nicht

Zur FaceFormer-Therapie bei Parkinson gibt es keine Studie. Es gibt aber unabhängige Studien, die zeigen, dass sich Schluck- und Sprechfunktionen bei Parkinson durch Training beeinflussen lassen.

Die wichtigste zum Schlucken stammt aus Florida. 60 Menschen mit Parkinson übten vier Wochen lang an fünf Tagen je 20 Minuten, kräftig gegen den Widerstand eines Handgeräts auszuatmen. Die Vergleichsgruppe übte verblindet mit einem Scheingerät. Nur in der Trainingsgruppe verbesserte sich die Schlucksicherheit im Röntgenfilm, und Zungenbein und Kehlkopf bewegten sich besser11.

Geprüft

Gezieltes Ausatem- und Stimmtraining verbessert bei Parkinson messbar Schlucksicherheit und Lautstärke, gezeigt in randomisierten Studien mit Vergleichsgruppe.

Nicht geprüft

Ob das FaceFormer-Training bei Parkinson Schlucken, Stimme oder Haltung verändert. Dazu gibt es keine Untersuchung.

Was es zum FaceFormer gibt

Eine randomisierte Studie bei Kindern, eine begutachtete Arbeit mit Vergleichsgruppe zu Kieferbeschwerden, dazu Pilotbeobachtungen, siehe Studien und Wissenschaft.

Aus dem Fehlen einer Untersuchung folgt nicht, dass der Zusammenhang nicht besteht. Es folgt, dass er nicht geprüft ist.Die Studien zu Ausatem- und Stimmtraining untersuchen nicht den FaceFormer. Sie zeigen, dass Funktionen bei Parkinson auf Training ansprechen können.

Für Stimme und Ausatmung gibt es bei Parkinson gut untersuchte Übungsprogramme. Übungen, die Lippen, Zunge, Gaumen und Rachen im Zusammenspiel von Atmen und Schlucken ansprechen, sind nach unserer Erfahrung rar. Das FaceFormer-Training setzt an diesem Zusammenspiel an und lässt sich in wenigen kurzen Einheiten in den Tag einbauen.

Fair prüfen ließe sich das Training nur unter drei Bedingungen. Es muss korrekt ausgeführt werden, es braucht Zwischenziele wie Schluckablauf und Lippenschluss vor dem Symptom, und es braucht mehrere Monate. Eine unabhängige Untersuchung bei Parkinson würden wir unterstützen, ohne Einfluss auf Durchführung und Auswertung.

Sicherheit

Grenzen und Rücksprache

Parkinson verläuft bei jedem Menschen anders. Deshalb gelten für das Training klare Grenzen.

Fortgeschrittener Parkinson

Bei degenerativen neuromuskulären Erkrankungen im fortgeschrittenen Stadium beginnst du das Training nur nach ärztlicher Rücksprache.

Bekannte Schluckstörung

Verschluckst du dich häufig, hattest du eine Lungenentzündung oder verlierst du ungewollt Gewicht, lass das Schlucken zuerst untersuchen, etwa in einer logopädischen oder ärztlichen Schluckdiagnostik.

Verordnetes bleibt

Medikamente, Logopädie und Physiotherapie änderst oder beendest du nie eigenmächtig. Das Training lässt sich damit kombinieren.

Akute Beschwerden

Bei akuten Entzündungen in Mund, Rachen oder Atemwegen, vollständig verlegter Nase oder frischen Operationen im Mund pausierst du.

Verschlucken beim Üben

Hustest du beim Training oder bleibt Speichel im Hals, brich die Einheit ab und übe beim nächsten Mal mit weniger Wiederholungen.

Typische Rückmeldungen zu Beginn sind Muskelermüdung, Druck an den Zähnen oder eine gereizte Schleimhaut. Dann pausierst du kurz und machst mit weniger Wiederholungen weiter.

Training

So kann das Training aussehen

Geübt wird im Sitzen, in kurzen Einheiten und mit einem Ablauf, der Atmung, Schlucken und Kopfbalance verbindet.

Im FaceFormer-Training liegt der FaceFormer im Mundvorhof, hinter den Lippen und vor den Zähnen. Du sitzt aufrecht, der Kopf balanciert über dem Körper, die Zungenspitze liegt an der kleinen Erhebung hinter den oberen Schneidezähnen, und du atmest durch die Nase. In der Grundübung presst du den Lippenkeil mit den Lippen zusammen, beißt kurz mit den Backenzähnen auf und schluckst einmal.

Ab etwa Woche 3 kommt die Zugübung dazu. Du presst den Lippenkeil und ziehst ihn dabei mit Daumen und Zeigefinger sanft nach vorn, beißt kurz auf und schluckst. Lippen, Zunge, Mundboden und die aufrechte Kopfbalance arbeiten dabei zusammen.

Bei Parkinson zählt aus unserer Sicht weniger die Kraft als die Regelmäßigkeit, also kurze Einheiten mehrmals am Tag, möglichst in einer guten Phase der Tagesform.

3D-Film: die Zugübung im aufrechten Sitz, der Mundboden arbeitet mit (grün).
  1. Ab Tag 1

    Grundübung mit dem ZERO

    Dreimal täglich wenige Minuten mit dem FaceFormer ZERO aus weicherem Material. Die Wiederholungen richtest du nach deiner Tagesform.

  2. Ab etwa Woche 3

    Zugübung

    Die Zugübung kommt dazu, aufrecht sitzend. Angehörige können beim Zählen helfen.

  3. Später

    Atmung und Kopfbalance

    Die Atemübung und die Kopf-Balance-Rotation verbinden das Training mit Nasenatmung und Kopfbalance, am besten in Absprache mit einer Praxis.

  4. Über Monate

    Dranbleiben

    Bis neue Abläufe von selbst laufen, rechnet das Übungsmanual mit sechs bis zwölf Monaten. Parkinson verändert sich mit der Zeit, deshalb ist Üben hier aus unserer Sicht eine Daueraufgabe.

  5. Danach

    Erhaltungstraining

    Nach der Aufbauphase genügt ein kurzes Erhaltungstraining, das du beibehältst. Man muss dranbleiben, es kann sich lohnen.

01

Aufrecht essen und trinken

Setz dich zum Essen aufrecht hin, der Kopf balanciert über dem Körper. Kleine Schlucke und Bissen, ohne nebenbei zu reden.

02

Bewusst schlucken

Bei Ablenkung schluckt der Körper seltener. Ein kurzer Gedanke an Lippenschluss und Schluck, etwa beim Fernsehen oder Lesen, kann helfen, den Speichel abzuräumen.

03

Lippen zu, Nase auf

In Ruhe liegen die Lippen locker aneinander, die Zunge liegt am Gaumen. So bleibt der Mundraum dicht.

04

Aufgerichtet sprechen

Sprich im Sitzen oder Stehen mit aufgerichtetem Kopf. So bekommt die Stimme mehr Atem.

05

Mit Praxis oder allein

Die kostenlose FaceFormer-App leitet die Grundübungen an, alle Module stehen auf den Übungsseiten. Trainierst du mit einer Praxis, findest du Adressen im Behandlerverzeichnis.

Fragen

Häufig gefragt

Kann man bei Parkinson das Schlucken trainieren?

Schluckfunktionen sprechen bei Parkinson auf Training an, das zeigen unabhängige Studien etwa zum Ausatemtraining. Das FaceFormer-Training übt das Schlucken zusammen mit Atmung und Kopfbalance, für Parkinson ist es aber nicht untersucht. Bei bekannter Schluckstörung klärst du den Start vorher ärztlich ab.

Woher kommt der vermehrte Speichelfluss bei Parkinson?

In der Regel nicht aus zu viel Speichel, Menschen mit Parkinson bilden eher weniger. Der Speichel wird seltener abgeschluckt, der Mund steht öfter offen, und der Kopf neigt sich nach vorn. Aus unserer Sicht treffen dabei Schlucken, Lippenschluss und Kopfbalance zusammen.

Warum wird die Stimme bei Parkinson leiser?

Die Bewegungen, mit denen Atmung und Stimmlippen die Stimme erzeugen, werden kleiner. Die Stimme ist häufig das Erste, was sich am Sprechen verändert. Intensives Stimmtraining nach LSVT LOUD hat in einer randomisierten Studie die Lautstärke über Monate verbessert.

Hilft der FaceFormer gegen Parkinson?

Nein. Das Training behandelt nicht die Erkrankung. Es übt Atmung, Schlucken und Kopfbalance, also Funktionen, die bei Parkinson mitbetroffen sind. Wie sich das im Einzelfall auswirkt, lässt sich nicht vorhersagen, und eine Studie zum FaceFormer bei Parkinson gibt es nicht.

Darf ich mit fortgeschrittenem Parkinson trainieren?

Nur nach ärztlicher Rücksprache. Bei degenerativen neuromuskulären Erkrankungen im fortgeschrittenen Stadium ist das Training nicht ohne Weiteres angezeigt. Gemeinsam mit deiner Praxis klärst du, ob und in welchem Umfang du übst.

Mit welchem FaceFormer beginne ich?

Mit dem FaceFormer ZERO. Er ist genauso groß und geformt wie der ONE, nur aus weicherem Material. Fällt das Einsetzen wegen Zittern oder Steifigkeit schwer, können Angehörige helfen.

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Dr. Klaus-Jürgen Berndsen
Dr. Klaus-Jürgen BerndsenEntwickler der FaceFormer-Therapie. Inhaltliche Grundlage: das Buch „Trust the Triad“. Stand: September 2026.

Quellen

  1. Kalf JG, de Swart BJ, Bloem BR, Munneke M (2012). Prevalence of oropharyngeal dysphagia in Parkinson’s disease: a meta-analysis. Parkinsonism and Related Disorders 18(4):311-315. PMID 22137459. Quelle
  2. Kalf JG, de Swart BJ, Borm GF, Bloem BR, Munneke M (2009). Prevalence and definition of drooling in Parkinson’s disease: a systematic review. Journal of Neurology 256(9):1391-1396. PMID 19288042. Quelle
  3. Nóbrega AC, Rodrigues B, Torres AC, Scarpel RD, Neves CA, Melo A (2008). Is drooling secondary to a swallowing disorder in patients with Parkinson’s disease? Parkinsonism and Related Disorders 14(3):243-245. PMID 17892967. Quelle
  4. Proulx M, de Courval FP, Wiseman MA, Panisset M (2005). Salivary production in Parkinson’s disease. Movement Disorders 20(2):204-207. PMID 15389996. Quelle
  5. Reynolds H, Miller N, Walker R (2018). Drooling in Parkinson’s Disease: Evidence of a Role for Divided Attention. Dysphagia 33(6):809-817. PMID 29785679. Quelle
  6. Ho AK, Iansek R, Marigliani C, Bradshaw JL, Gates S (1998). Speech impairment in a large sample of patients with Parkinson’s disease. Behavioural Neurology 11(3):131-137. PMID 11568413. Quelle
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  8. Logemann JA, Gensler G, Robbins J et al. (2008). A randomized study of three interventions for aspiration of thin liquids in patients with dementia or Parkinson’s disease. Journal of Speech, Language, and Hearing Research 51(1):173-183. PMID 18230864. Quelle
  9. Hiss SG, Treole K, Stuart A (2001). Effects of age, gender, bolus volume, and trial on swallowing apnea duration and swallow/respiratory phase relationships of normal adults. Dysphagia 16(2):128-135. PMID 11305223. Quelle
  10. Haehner A, Boesveldt S, Berendse HW et al. (2009). Prevalence of smell loss in Parkinson’s disease: a multicenter study. Parkinsonism and Related Disorders 15(7):490-494. PMID 19138875. Quelle
  11. Troche MS, Okun MS, Rosenbek JC et al. (2010). Aspiration and swallowing in Parkinson disease and rehabilitation with EMST: a randomized trial. Neurology 75(21):1912-1919. PMID 21098406. Quelle
  12. Hoecker RN, Schweiger J, Prunier J, Dua A (2026). Aspiration Risk. In: StatPearls. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing. PMID 29262188. Quelle

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Bereit für das Training?

Die kostenlose FaceFormer-App leitet die Grundübungen an, zählt mit und erinnert dich an die Einheiten. Auf Wunsch begleitet dich eine Praxis aus dem Behandlerverzeichnis.

Das FaceFormer-Training zielt darauf, die Basisfunktionen Atmung, Schlucken und Kopfbalance mit Mundschluss und Zungenreferenzlage wieder physiologisch einzustellen, und schafft damit die Voraussetzung dafür, dass sich Beschwerden bessern können. Es ersetzt keine ärztliche Abklärung. Behandlerinnen und Behandler in deiner Nähe findest du im Behandlerverzeichnis.


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