
Fachartikel Kinder
Schnuller abgewöhnenWarum es um die Zunge geht
Schnuller, Daumen, Unterlippe: Was beruhigt, liegt genau dort, wo die Zunge ihren Platz lernen soll. Hier erfährst du, was Sauggewohnheiten im Mund verändern, warum es keinen guten Schnuller gibt und wie dein Kind statt der Gewohnheit die richtige Funktion lernt.
Kennst du das?
Wie viel Zeit verbringt der Schnuller im Mund deines Kindes?
Was trifft auf dein Kind zu?
Tippe an, was auf dich zutrifft.
Treffen zwei oder mehr Punkte zu, lohnt ein genauer Blick. Nicht weil etwas Schlimmes passiert ist, sondern weil sich ein Muster gerade festigt. Und was gelernt wurde, kann auch wieder umgelernt werden.
Was ein Schnuller im Mund verändertSo gelingt das AbgewöhnenDas Wichtigste in Kürze
- Ein Schnuller liegt genau in dem Raum, in dem sich die Zunge nach oben an den Gaumen orientiert. Er hält sie aus unserer Sicht unten, öffnet den Mund und lässt das Schlucken unter ihm ablaufen. Aus unserer Sicht gibt es deshalb keinen physiologischen Schnuller, gleich wie er geformt oder bezeichnet ist.
- Für Zähne und Kiefer zählt vor allem die Dauer in Stunden am Tag und in Monaten. Daumenlutschen und Lippenbeißen sehen wir als orale Habits, aus unserer Sicht im Regelfall als Folge einer Funktion, die fehlt.
- Abgewöhnen heißt deshalb mehr als wegnehmen. Aus unserer Sicht sind die Voraussetzungen am besten, wenn dein Kind die richtige Funktion lernt, eingebettet in Atmung, Schlucken und Kopfbalance: geschlossene Lippen, Zungenreferenzlage, Nasenatmung und ein Schluck, der oben am Gaumen beginnt.
Video
Schnuller oder nicht? Stillen, Schnuller und der plötzliche Kindstod
Das Video lädt erst nach dem Klick. Dann werden Daten an YouTube (Google) übertragen.
Saugen
Warum Babys saugen und wofür der Schnuller erfunden wurde
Saugen ist das erste große Training im Leben. Es ordnet Atmung, Schlucken und Kopfbalance, die drei Grundfunktionen, auf denen vieles im Körper aufbaut.
Schon im Mutterleib, etwa ab der 10. bis 14. Schwangerschaftswoche, schluckt dein Kind Fruchtwasser. So wird die Schluckbahn im Hirnstamm angelegt, lange bevor sie gebraucht wird. An der Brust wird dieses Programm dann richtig gefordert: Die Lippen dichten ab, die Zunge arbeitet in einer Welle von vorn nach hinten, die Atmung läuft durch die Nase. Wie viel dabei trainiert wird, beschreibt der Artikel zum Stillen.
Der Schnuller hat eine andere Geschichte. Er wurde nie erfunden, um einen Kiefer zu formen, sondern um Kinder zu beruhigen. Früher waren es zusammengeknüllte Stofffetzen, getränkt mit Honig und teils sogar mit Alkohol oder Opium. Heute ist es Silikon, die Absicht ist dieselbe.
Das ist kein Vorwurf an Eltern. Wer seinem Kind einen Schnuller gibt, will ihm etwas Gutes tun. Nur ersetzt das Nuckeln nicht das Saugen an der Brust. Es ist eine andere Bewegung, und genau das ist der Punkt.

Ein Schnuller braucht keinen Ersatz. Einfach keinen.So antwortet Dr. Klaus Berndsen Eltern, die fragen, was an die Stelle des Schnullers treten soll. Ein Kind kommt gut ohne ihn zurecht, wenn er nicht schon angewöhnt ist.
Im Mund
Was ein Schnuller im Mund verändert
Ob Schnuller, Daumen, Finger, Flaschensauger oder Trinkhalm als Dauernuckel: Entscheidend ist der Effekt, nicht die Bezeichnung. Ein Gegenstand liegt über lange Zeit im Mund.
Der Sauger liegt genau dort, wo sich die Zunge nach oben ausrichten soll. In der Zungenreferenzlage liegt die Zungenspitze an der kleinen Erhebung hinter den oberen Schneidezähnen, der Zungenkörper breit am Gaumen. Mit dem Schnuller kann die Zunge diesen Ankerpunkt nicht einnehmen, und sie lernt ihn womöglich gar nicht als ihren Platz kennen.
Der Mund steht offen
Mit dem Sauger zwischen den Lippen bleibt der Unterkiefer abgesenkt. Die Muskeln, die den Mund schließen, verlieren ihre Spannungsbalance.
Die Zunge arbeitet unten
Viele Schlucke beginnen dann unter dem Fremdkörper. Die Zunge drückt nach vorn gegen Zähne und Kiefer statt nach oben gegen den Gaumen.
Das Gehirn speichert den Umweg
Weil sich das viele hundert bis tausend Mal am Tag wiederholt, wird aus dem Umweg ein Standardmuster, besonders im Schlaf.
Die Form folgt
Im Wachstum reagiert der Knochen auf die Kräfte, die lange auf ihn wirken. Gaumen und Zahnbögen können sich nach dem Muster entwickeln, das sie erleben.
Mit dem offenen Mund verbindet sich häufig die Mundatmung, weil der Weg durch den Mund kürzer wirkt. So wird aus einer Gewohnheit ein zweites Muster, das sich selbst stabilisiert. Warum das für die Atemwege zählt, steht im Artikel Mundatmung und Nasenatmung.
Kiefergerecht?
Gibt es einen guten Schnuller? Aus unserer Sicht nicht
„Kiefergerecht“, „kieferorthopädisch“, „physiologisch“, „zahnfreundlich“: Die Etiketten versprechen viel. An der Lage im Mund ändern sie nichts.
Probier es selbst: Leg einen Bleistift quer zwischen deine Schneidezähne, schließ die Lippen darum und schluck. Was passiert?
Hersteller machen den Hals des Saugers deshalb besonders dünn. Das ändert aus unserer Sicht wenig, denn jeder Gegenstand zwischen den Kiefern stellt den Unterkiefer ab und hält die Zunge vom Gaumen fern. Dr. Berndsen formuliert es zugespitzt: Solche Schnuller sind nicht kieferformend, sondern eher kieferverformend.
erfüllten die Einschlusskriterien einer systematischen Übersicht zu kiefergerechten Schnullern. Eine fand bei herkömmlichen Schnullern häufiger einen offenen Biss, zwei fanden keinen Unterschied, beim seitlichen Kreuzbiss keine einzige5
wertete eine Übersicht aus Basel aus, zwölf mit hohem Verzerrungsrisiko. Schnuller hingen mit offenem Biss und seitlichem Kreuzbiss zusammen, sogenannte funktionelle Sauger zeigten seltener einen offenen Biss4
Weniger offener Biss heißt nicht, dass die Zunge ihren Platz lernt. Die Studien messen Zahnstellungen, nicht Funktion. Dass ein Schnuller an der Lage der Zunge und am Schluckweg etwas zum Guten ändert, hat keine dieser Arbeiten gezeigt. Wir sagen deshalb klar: Es gibt keinen physiologischen Schnuller, auch wenn Hersteller das behaupten.
Die Dauer
Nicht die Kraft, die Stunden entscheiden
Ein kurzes Nuckeln beim Einschlafen wirkt anders als ein Schnuller, der den halben Tag im Mund ist. Das hat einen einfachen Grund.
Der Kieferorthopäde William Proffit hat beschrieben, dass für die Lage der Zähne vor allem die Kräfte zählen, die lange anliegen, also der Druck von Zunge, Lippen und Wangen in Ruhe. Kurze, starke Kräfte wie beim Kauen verschieben Zähne kaum1. Ein Schnuller wirkt über Stunden. Genau das macht ihn für den wachsenden Kiefer bedeutsam.
Liegt die Zunge breit am Gaumen, gibt sie dem Oberkiefer von innen Halt und Richtung. Beim Schlucken drückt sie viele hundert bis tausend Mal am Tag nach oben. Fehlt dieser Reiz, weil ein Sauger die Zunge unten hält, fehlt dem Gaumen aus unserer Sicht eine wichtige Formkraft.
Mehr zu diesem Zusammenhang steht im Artikel Hoher Gaumen.

wurden in Iowa von Geburt an begleitet. Lange Schnullergewohnheiten veränderten die Zahnbögen, und manche Veränderungen bestanden lange nach dem Abgewöhnen weiter2
fasste eine Übersicht zum Nuckeln und Lutschen zusammen. Je länger die Gewohnheit dauerte, desto höher war das Risiko für Zahn- und Kieferfehlstellungen3
Die Botschaft für Eltern ist entlastend und klar zugleich. Je kürzer die tägliche Saugzeit und je früher die Gewohnheit endet, desto weniger Gelegenheit hat ein Muster, sich einzuschleifen. Aus logopädischer Sicht gilt die Regel, den Schnuller wie ein Medikament zu behandeln, mit klarem Anlass, begrenzter Dauer und festem Ende11.
Mehr als Zähne
Atmung und Ohren: was mit dem offenen Mund zusammenhängt
Die Zahnstellung ist nur der sichtbare Teil. Mund, Nase, Rachen und Ohren hängen an denselben Muskeln und denselben Abläufen.
Ohne Mundschluss fehlt der leichte Unterdruck im Mund, der beim Schlucken entsteht. Die Muskeln des Gaumensegels öffnen beim Schlucken auch die Ohrtrompete und belüften so das Mittelohr. Wird anders geschluckt, wird aus unserer Sicht auch das Ohr anders belüftet. Kleine Kinder mit wiederkehrenden Mittelohrentzündungen sind deshalb aus unserer Sicht ein Anlass, auf Schnuller und Mundatmung zu schauen.
akute Mittelohrentzündungen gab es in einer finnischen Studie bei Kindern aus Vorsorgestellen, deren Eltern zum Begrenzen des Schnullers beraten wurden, verglichen mit Stellen ohne diese Beratung. Schon die Beschränkung auf das Einschlafen wirkte6
Offener Mund
Beim Spielen, Fernsehen oder im Schlaf steht der Mund offen.
Schnarchen
Dein Kind schnarcht oder schläft unruhig mit offenem Mund.
Ohren
Mittelohrentzündungen kommen immer wieder, oder das Ohr fühlt sich lange zu an.
Infekte
Erkältungen schleppen sich, die Nase ist oft zu.
Schnarchen und wiederkehrende Ohrentzündungen gehören zuerst in die Kinderarztpraxis, die zum Beispiel Polypen und das Hören prüft. Mehr dazu in den Artikeln zur Mittelohrentzündung bei Kindern und zu Polypen und Mundatmung.
Schlaf
Und der plötzliche Kindstod? Eine dünne Datenlage
Viele Eltern hören, ein Schnuller im Schlaf schütze ihr Baby. Schaut man auf die Studien, bleibt davon wenig übrig, und auf der anderen Seite stehen Schäden, die kaum jemand gegenrechnet.
Die amerikanische Kinderärztevereinigung nennt in ihren Empfehlungen für sicheren Babyschlaf neben Rückenlage, fester Unterlage, Muttermilch und rauchfreier Umgebung auch den Schnuller im Schlaf, bei gestillten Babys erst, wenn das Stillen gut läuft7. Grundlage dafür sind Beobachtungsstudien, in denen Babys mit Schnuller seltener betroffen waren. Solche Studien zeigen einen Zusammenhang, keine Ursache. Schlaflage, Rauchen, Stillen und Schlafumgebung lassen sich darin kaum sauber trennen, und einen anerkannten Wirkmechanismus gibt es bis heute nicht. Eine Cochrane-Übersicht suchte nach randomisierten Studien zu dieser Frage und fand keine einzige8.
Gut begründete Schutzfaktoren
- Schlafen auf dem Rücken
- Feste, ebene Unterlage, Schlafsack statt Decke und Kissen
- Eigenes Bett im Zimmer der Eltern
- Rauchfreie Umgebung, keine Überwärmung
- Muttermilch
Schnuller im Schlaf
- Zusammenhang aus Beobachtungsstudien, keine Ursache belegt
- Keine randomisierte Studie vorhanden
- Wie er wirken soll, ist ungeklärt
- Meist fällt er kurz nach dem Einschlafen heraus, laut Empfehlung muss er nicht wieder hinein
Die großen Rückgänge kamen, als Eltern ihre Babys nicht mehr auf dem Bauch schlafen ließen.
Schon das passt schlecht zusammen: Der Schnuller fällt meist kurz nach dem Einschlafen aus dem Mund. Für den größten Teil der Nacht, für den der Schutz behauptet wird, ist er also gar nicht da. Ein häufiges Argument lautet, er halte die Atemwege offen. Aus unserer Sicht öffnet er den Atemweg durch den Mund, und genau den soll ein Baby nicht als Gewohnheit lernen. Die Nase ist der Atemweg, für den der Körper gebaut ist.
Was in der Empfehlung kaum gegengerechnet wird, sind die Kosten: Der Schnuller hält die Zunge unten und vorn, er stört das Stillen, er hängt in Studien mit häufigeren Mittelohrentzündungen zusammen, und er kann Biss und Kiefer verformen. Wir halten den Schnuller deshalb nicht für einen Schutzfaktor. Aus unserer Sicht richtet er mehr Schaden an, als er nach dieser Datenlage verhindern kann. Gut belegt sind die anderen Punkte: Rückenlage, feste Unterlage, Schlafsack, eigenes Bett im Elternzimmer, rauchfreie Umgebung und Muttermilch. Wie du den Schlaf deines Babys sicher gestaltest, besprichst du mit deiner Kinderarztpraxis.
Daumen und Lippe
Daumenlutschen und Lippenbeißen: Gewohnheit als Folge
Viele Eltern verbieten, kleben Pflaster oder streichen bittere Lacke auf. Das setzt am Ende der Kette an.
Daumen, Finger und Unterlippe wirken im Mund ähnlich wie der Schnuller. Der Daumen hat einen Vorteil: Wer mit den Händen spielt, muss ihn herausnehmen. Dr. Berndsen beobachtet, dass Kinder, die über das erste Lebensjahr hinaus lange lutschen, häufig vorher an den Schnuller gewöhnt waren. Es ist ein trainiertes Saugverhalten.
Beim Lippenbeißen zieht dein Kind die Unterlippe hinter die oberen Schneidezähne. Sie drückt die Zähne nach vorn, und der Mund schließt nicht über die Lippen, sondern über die Zähne.

Gewohnheit ist Folge
Daumenlutschen und Lippenbeißen sehen wir als orale Habits, aus unserer Sicht im Regelfall eine Ersatzlösung für eine Funktion, die fehlt. Wo die Zunge nicht am Gaumen liegt und die Lippen nicht von selbst schließen, sucht der Mund sich einen anderen Halt.
Verbote greifen zu kurz
Pflaster und bittere Lacke blockieren den Daumen, die Zunge lernt dadurch ihren Platz nicht. Ein Gaumengitter ist sogar ein zweiter Fremdkörper, genau dort, wo die Zunge hin soll. Dr. Berndsen beobachtet häufig, dass die Gewohnheit dann weiterwandert, zur Lippe, zu den Nägeln, zur Zunge zwischen den Zähnen.
Was die Studien sagen
Eine Cochrane-Übersicht fand für Gaumengitter und Belohnungsprogramme Wirkung auf das Daumenlutschen, bei Studien geringer Qualität mit wenigen Kindern9. Ob die Funktion dahinter in Ordnung kam, wurde nicht untersucht.
Eine Gewohnheit lässt sich nicht wegnehmen. Sie wird durch eine bessere ersetzt.Ein Muster ändert sich nicht durch Einsicht, sondern durch viele genaue Wiederholungen. Darauf baut das Training.
Praktisch
Schnuller abgewöhnen: so gehst du vor
Am leichtesten geht der Schnuller, der gar nicht erst angewöhnt wird. Ist er da, hilft nach unserer Erfahrung ein ruhiger, immer gleicher Ablauf mehr als Strenge.
- Woche 1
Tagsüber weg
Der Schnuller bleibt beim Spielen, im Kinderwagen und unterwegs weg. Lass ihn nicht sichtbar liegen und häng ihn nicht an eine Kette. Was nicht zu sehen ist, wird seltener verlangt.
- Woche 2
Nur noch zum Einschlafen
Er kommt nur noch für wenige Minuten beim Einschlafen. Schläft dein Kind, nimmst du ihn vorsichtig heraus.
- Danach
Ganz weg
Manche Kinder brauchen dafür wenige Tage, andere einige Wochen. Verschenken, eintauschen oder feierlich verabschieden, hier ist eure Fantasie gefragt.
Beim Daumen umleiten
Wandert der Daumen in den Mund, nimm die Hand ruhig weg und gib deinem Kind etwas in die Hand, ein Tuch oder die Lieblingsfigur. Sag immer denselben kurzen Satz.
Abendritual
Beim Einschlafen ist das Bedürfnis am größten. Gib deinem Kind etwas in beide Hände, sing leise oder erzähl eine Geschichte, jeden Abend gleich.
Erinnern ohne Bloßstellen
Vereinbart beim Lippenbeißen ein liebevolles Zeichen, etwa ein Antippen der eigenen Lippen.
Fortschritt sichtbar machen
Ein Sternchenkalender, in den ihr jeden geschafften Tag eintragt, und eine kleine Belohnung für eine volle Woche.
Trinken ohne Sauger
Aus einem offenen Becher trinkt dein Kind mit den Lippen am Rand, die Zunge bleibt im Mund. Ein Schnabel oder Trinkhalm liegt dagegen wieder im Mund.
Rückschläge gelassen nehmen
An kranken oder müden Tagen kommt die alte Gewohnheit oft zurück. Am nächsten Tag geht es einfach weiter.
Spätestens wenn die ersten Wörter kommen, braucht der Mund seinen Platz zum Sprechen. Das ist ein guter Zeitpunkt, den Schnuller zu verabschieden. Hält sich die Gewohnheit trotz ruhiger, konsequenter Versuche über Monate, ist das ein Hinweis, dass die Funktion dahinter Unterstützung braucht.
Umlernen
Die richtige Funktion lernen: Training statt Ersatz
Abgewöhnen nimmt eine Gewohnheit weg. Umlernen gibt dem Mund eine neue Aufgabe. Hier setzt das FaceFormer-Training an.
Daumenlutschen und Schnullergewohnheiten gehören zu den Anwendungsgebieten, die die Übungsanleitung des FaceFormers nennt. In der Grundübung schließen die Lippen um den Lippenkeil, die Zungenspitze liegt an ihrem Referenzpunkt, die Atmung läuft durch die Nase, dann folgt ein Schluck, der oben am Gaumen beginnt. Das ist die Ordnung, die das Saugen an der Brust angelegt hat.
Ziehen zum DrehenZwischen den Lippen Der Lippenkeil liegt zwischen den Lippen und zeigt nach vorn. Die Übung trainiert den Lippenschluss.
Vor den Zähnen Die Membran liegt im Mundvorhof vor den Zähnen. Im Mund selbst bleibt der Platz für die Zunge frei.
Weiches Silikon Der gelbe ZERO ist aus weicherem Material. Für Kinder bis zehn Jahre wird er empfohlen.
Der FaceFormer ist damit kein Schnullerersatz. Er wird nicht zum Beruhigen gegeben, sondern zum Üben, in kurzen Einheiten. ZERO und ONE sind gleich groß und gleich geformt, sie unterscheiden sich nur in der Materialhärte. Ältere Kinder üben nach einem Plan, der mit wenigen Wiederholungen beginnt. Die kostenlose FaceFormer-App leitet die Grundübungen an.
Zum Programm gibt es eine Elternbefragung der Universität Jena: Nach sechs Wochen Übungsprogramm berichteten 19 von 24 Eltern von Kindern zwischen 9 und 11 Jahren, dass Gewohnheiten wie Daumenlutschen, Lippenbeißen oder Nägelkauen seltener geworden seien10. Das ist eine Beobachtung ohne Vergleichsgruppe, kein Wirksamkeitsnachweis. Sie passt aber zu dem, was wir in der Praxis sehen.
Bei kleinen Kindern legt die Praxis fest, ab wann und in welcher Form trainiert wird. Kinder unter vier Jahren trainieren nur mit fachkundiger Begleitung. Übungspläne, Motivation und Ablauf beschreibt die Seite FaceFormer für Kinder. Eine laufende logopädische oder kieferorthopädische Behandlung lässt sich mit dem Training kombinieren und wird nicht eigenmächtig beendet.
Genauer hinsehen
Wann du genauer hinschauen solltest
Manche Zeichen zeigen, dass sich ein Ausweichmuster schon gefestigt hat, auch wenn Schnuller oder Daumen längst weg sind.
Zunge zwischen den Zähnen
Beim Sprechen oder Schlucken wird die Zunge sichtbar, oder dein Kind lispelt.
Zähne treffen nicht
Die Schneidezähne treffen beim Zubeißen nicht aufeinander, oder die oberen stehen weit vor.
Einseitiger Biss
Die unteren Backenzähne beißen auf einer Seite außen über die oberen.
Mund und Speichel
Der Mund steht in Ruhe offen, die Lippen glänzen feucht, Speichel läuft.
Gewohnheit bleibt
Lutschen oder Lippenbeißen halten sich trotz aller Versuche über Monate.
Unruhiger Schlaf
Dein Kind schnarcht, schläft unruhig oder wacht morgens mit trockenem Mund auf.
Dann lohnt es sich, nicht nur die Zähne, sondern die Funktion anzusehen. Die Zusammenhänge vertiefen die Artikel zum offenen Biss, zu Kopfbiss und Kreuzbiss und zum Lispeln. Praxen, die mit der FaceFormer-Therapie arbeiten, findest du im Behandlerverzeichnis.
Fragen
Häufig gefragt
Wann sollte man den Schnuller abgewöhnen?
So früh wie möglich, am besten gar nicht erst angewöhnen. Spätestens wenn die ersten Wörter kommen, braucht der Mund seinen Platz zum Sprechen. Für Zähne und Kiefer zählt vor allem, wie viele Stunden am Tag und wie viele Monate der Schnuller im Mund ist.
Gibt es einen kiefergerechten Schnuller?
Aus unserer Sicht gibt es keinen physiologischen Schnuller. Jeder Sauger liegt zwischen den Kiefern und hält aus unserer Sicht die Zunge unten und den Mund offen. Eine systematische Übersicht fand unter 607 Arbeiten nur drei brauchbare Vergleiche, und keiner zeigte beim seitlichen Kreuzbiss einen Vorteil des kiefergerechten Schnullers.
Wie gewöhne ich meinem Kind den Schnuller ab?
Schritt für Schritt: zuerst tagsüber weglassen, dann nur noch kurz zum Einschlafen, und herausnehmen, sobald dein Kind schläft. Manche Kinder brauchen wenige Tage, andere einige Wochen. Ein festes Ritual, ein Tausch oder ein Sternchenkalender helfen. Einen Ersatz braucht der Schnuller nicht.
Ist Daumenlutschen besser als ein Schnuller?
Beide wirken im Mund ähnlich, weil ein Gegenstand dort liegt, wo die Zunge hingehört. Der Daumen muss beim Spielen heraus, dafür ist er immer verfügbar und schwerer abzugewöhnen. Wir sehen Daumenlutschen als Gewohnheit, hinter der eine fehlende Funktion steht.
Wie kann ich meinem Kind das Daumenlutschen abgewöhnen?
Verbote und bittere Lacke setzen am Ende der Kette an. Besser wirken Umleiten am Tag, ein gleichbleibendes Abendritual und Lob für jeden Fortschritt. Aus unserer Sicht sind die Voraussetzungen am besten, wenn dein Kind in der Grundübung Lippenschluss, Zungenreferenzlage und Nasenatmung übt, damit der Mund den Daumen nicht mehr als Halt braucht.
Gehen Zahnfehlstellungen nach dem Abgewöhnen von selbst zurück?
Manche ja, manche nicht. In einer Langzeitbeobachtung bestanden einzelne Veränderungen wie ein seitlicher Kreuzbiss lange nach dem Abgewöhnen weiter. Bleibt die Zunge unten oder schluckt dein Kind weiter nach vorn, wirkt die Ursache fort. Deshalb lohnt der Blick auf die Funktion.
Schützt der Schnuller vor dem plötzlichen Kindstod?
Belegt ist das nicht. Der Zusammenhang stammt aus Beobachtungsstudien, eine Cochrane-Übersicht fand keine einzige randomisierte Studie dazu, und der Schnuller fällt meist kurz nach dem Einschlafen heraus. Aus unserer Sicht überwiegen seine Nachteile für Zunge, Stillen und Kiefer. Gut begründet sind Rückenlage, feste Unterlage, Schlafsack, eigenes Bett im Elternzimmer, rauchfreie Umgebung und Muttermilch. Wie du den Schlaf deines Babys sicher gestaltest, besprichst du mit deiner Kinderarztpraxis.
Kann der FaceFormer den Schnuller ersetzen?
Nein, und das soll er auch nicht. Der Lippenkeil liegt zwischen den Lippen, die Membran vor den Zähnen, der Mund bleibt für die Zunge frei. Der FaceFormer wird zum Üben in kurzen Einheiten eingesetzt, nicht zum Beruhigen. Für Kinder bis zehn Jahre wird der ZERO empfohlen.
Weitere Artikel aus dem Wissen
Dein Weg weiter

Quellen
- Proffit WR (1978). Equilibrium theory revisited: factors influencing position of the teeth. The Angle Orthodontist 48(3):175-186. PMID 280125. Quelle
- Warren JJ, Bishara SE (2002). Duration of nutritive and nonnutritive sucking behaviors and their effects on the dental arches in the primary dentition. American Journal of Orthodontics and Dentofacial Orthopedics 121(4):347-356. PMID 11997758. Quelle
- Doğramacı EJ, Rossi-Fedele G (2016). Establishing the association between nonnutritive sucking behavior and malocclusions: A systematic review and meta-analysis. Journal of the American Dental Association 147(12):926-934. PMID 27692622. Quelle
- Schmid KM, Kugler R, Nalabothu P, Bosch C, Verna C (2018). The effect of pacifier sucking on orofacial structures: a systematic literature review. Progress in Orthodontics 19(1):8. PMID 29532184. Quelle
- Medeiros R, Ximenes M, Massignan C, Flores-Mir C, Vieira R, Porporatti AL, De Luca Canto G (2018). Malocclusion prevention through the usage of an orthodontic pacifier compared to a conventional pacifier: a systematic review. European Archives of Paediatric Dentistry 19(5):287-295. PMID 30054865. Quelle
- Niemelä M, Pihakari O, Pokka T, Uhari M (2000). Pacifier as a risk factor for acute otitis media: a randomized, controlled trial of parental counseling. Pediatrics 106(3):483-488. PMID 10969091. Quelle
- Moon RY, Carlin RF, Hand I, Task Force on Sudden Infant Death Syndrome (2022). Sleep-Related Infant Deaths: Updated 2022 Recommendations for Reducing Infant Deaths in the Sleep Environment. Pediatrics 150(1):e2022057990. PMID 35726558. Quelle
- Psaila K, Foster JP, Pulbrook N, Jeffery HE (2017). Infant pacifiers for reduction in risk of sudden infant death syndrome. Cochrane Database of Systematic Reviews 4:CD011147. PMID 28378502. Quelle
- Borrie FR, Bearn DR, Innes NP, Iheozor-Ejiofor Z (2015). Interventions for the cessation of non-nutritive sucking habits in children. Cochrane Database of Systematic Reviews 3:CD008694. PMID 25825863. Quelle
- Kopp S, Berndsen K, Berndsen S, Ifert F, Langbein U (2004). Strategien myofunktioneller Therapie mit dem FaceFormer. Quintessenz 55(1):45-52. Universität Jena, 24 Kinder, ohne Vergleichsgruppe. Quelle
- Furtenbach M, Wallner B (2009). Myofunktionelle Therapie (MFT) im orofazialen Bereich: praktische und kritische Aspekte aus logopädischer Sicht. Kieferorthopädie 41(4):259-264. Quelle
Loslegen
Bereit für das Training?
Die kostenlose FaceFormer-App leitet die Grundübungen an, zählt mit und erinnert dich an die Einheiten. Auf Wunsch begleitet dich eine Praxis aus dem Behandlerverzeichnis.

FaceFormer ZERO + ONE
Beide Materialhärten für Einstieg, Tag und Nacht. Das Set für Erwachsene.

FaceFormer ZERO
Der weichere FaceFormer für den Einstieg, für Kinder und für die Nacht.

FaceFormer ZERO Kinder Set
ZERO mit Hygienebox, Plüschtasche und Erfolgsbuch mit Stempel.
Das FaceFormer-Training zielt darauf, die Basisfunktionen Atmung, Schlucken und Kopfbalance mit Mundschluss und Zungenreferenzlage wieder physiologisch einzustellen, und schafft damit die Voraussetzung dafür, dass sich Beschwerden bessern können. Es ersetzt keine ärztliche Abklärung. Behandlerinnen und Behandler in deiner Nähe findest du im Behandlerverzeichnis.









