
Fachartikel Gleichgewicht
Schwindel und Morbus MenièreWas Mittelohr und Kopfbalance damit zu tun haben
Dreht sich alles, schwankt der Boden, ist der Kopf wie in Watte? Hier erfährst du, welche Schwindelformen es gibt, wann Schwindel ein Notfall ist, was Morbus Menière ausmacht und warum Mittelohr und Kopfbalance aus unserer Sicht zum Gleichgewicht gehören.
Kennst du das?
Der Boden schwankt, und keiner findet etwas?
Was trifft auf dich zu?
Tippe an, was auf dich zutrifft.
Schwindel hat viele Ursachen, einige davon sind ernst. Neuer, heftiger oder anhaltender Schwindel gehört deshalb in ärztliche Hände. Ist Bedrohliches ausgeschlossen, lohnt aus unserer Sicht der Blick auf Mittelohr, Nacken und Kopfbalance. Diese Funktionen lassen sich trainieren.
Wann Schwindel ein Notfall istWas das Mittelohr damit zu tun hatDas Wichtigste in Kürze
- Schwindel ist häufig. In einer deutschen Bevölkerungsstudie hatte fast jeder vierte Erwachsene im zurückliegenden Jahr mittleren oder starken Schwindel. Die Ursachen reichen vom harmlosen Lagerungsschwindel bis zum Schlaganfall.
- Plötzlicher Schwindel mit Lähmung, Sprach- oder Sehstörung, heftigem Kopfschmerz oder Gangunsicherheit ist ein Notfall. Dann wählst du den Notruf 112.
- Gleichgewicht entsteht aus den Meldungen von Innenohr, Nacken und Augen. Aus unserer Sicht spielen der Druckausgleich im Mittelohr und die Kopfbalance dabei eine Rolle, und beides hängt an den Basisfunktionen Atmung, Schlucken und Kopfbalance. Wenn man dieser Logik folgt, kann das Training die Voraussetzungen schaffen, dass sich Schwindel bessern kann, sofern er mit diesem Zusammenspiel zusammenhängt.
Video
Schwindel: Ursachen erkennen, Funktionen trainieren
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Einordnung
Schwindel: häufig, belastend, oft ungeklärt
Schwindel nach dem Karussell, nach zu schnellem Aufstehen oder nach einem Glas zu viel kennen fast alle. Bei vielen bleibt er aber nicht die Ausnahme.
Schwindel ist kein eigenes Krankheitsbild, sondern ein Beschwerdebild mit vielen möglichen Ursachen. Betroffene beschreiben ihn sehr unterschiedlich: als Drehschwindel wie im Karussell, als Schwankschwindel wie auf einem Boot, als kurzen Lagerungsschwindel beim Umdrehen im Bett oder als Benommenheit, bei der der Kopf wie in Watte steckt. Diese Beschreibung ist für die Abklärung wichtig, denn jede Form weist in eine andere Richtung.
der Erwachsenen hatten in den zurückliegenden zwölf Monaten mittleren oder starken Schwindel, erhoben an 4.869 Menschen in Deutschland1
hatten Schwindel, der vom Gleichgewichtsorgan im Innenohr ausging1
der Betroffenen mit Schwindel aus dem Gleichgewichtsorgan nannten eine Diagnose, die nicht dazu passte1
Schwindel wird also nicht selten falsch eingeordnet. Dazu kommen die Fälle, in denen die Untersuchungen nichts Auffälliges zeigen.
Genau dort lohnt es sich, das Gleichgewicht als System zu betrachten. Es ist eine Rechenleistung des Gehirns, und die hängt an mehr als am Innenohr.

Sicherheit
Wann Schwindel ein Notfall ist
Der weitaus größte Teil der Schwindelanfälle ist nicht gefährlich. Einige wenige sind es, und die solltest du erkennen.
Wähle ohne Zögern den Notruf 112, wenn Schwindel plötzlich auftritt und eines dieser Zeichen dazukommt: Lähmung, Schwäche oder Taubheit einer Körperseite, ein hängender Mundwinkel, verwaschene Sprache oder Wortfindungsstörung, Doppelbilder oder plötzliche Sehstörung, ein heftiger, ungewohnter Kopfschmerz, du kannst nicht mehr sicher stehen oder gehen, Benommenheit bis zur Bewusstlosigkeit, Brustschmerz oder Herzrasen. Das können Zeichen eines Schlaganfalls oder einer Herz-Kreislauf-Störung sein. Warte nicht ab, ob es von selbst besser wird.
Notruf 112
Schwindel mit einem der Warnzeichen oben, ein erstmaliger heftiger Dauerschwindel, bei dem du nicht mehr gehen kannst, oder Schwindel nach einem Sturz auf den Kopf.
Noch am selben Tag
Plötzlich schlechteres Hören auf einem Ohr, mit oder ohne Schwindel. Ein Hörsturz gehört zügig in die HNO-Praxis.
Zeitnah abklären
Wiederkehrende Attacken, Schwindel mit Ohrgeräusch oder Ohrdruck, nach einem neuen Medikament oder über Tage anhaltend.
der über 44-Jährigen, die in einer amerikanischen Bevölkerungsstudie mit Schwindel oder Gangunsicherheit in die Notaufnahme kamen, hatten einen Schlaganfall oder eine vorübergehende Durchblutungsstörung im Gehirn, 53 von 1.6662
waren es, wenn der Schwindel ganz ohne andere neurologische Zeichen auftrat2
Ein Schlaganfall ist bei Schwindel also selten, aber er kommt vor, und er verrät sich in der Regel durch Begleitzeichen. Achte deshalb auf das, was dazukommt. Ist Bedrohliches ausgeschlossen, lautet die Frage nicht mehr, ob der Schwindel gefährlich ist, sondern was dein Gleichgewicht auf Dauer stört.
Schwindelformen
Die häufigsten Formen im Überblick
Hinter dem Wort Schwindel stecken sehr verschiedene Vorgänge. Die Einteilung hilft, die richtige Abklärung zu finden.
Gutartiger Lagerungsschwindel
Kurze, heftige Drehschwindel-Attacken beim Hinlegen oder Umdrehen im Bett. Auslöser sind winzige Kristalle, die in einen Bogengang geraten sind.
Ausfall eines Gleichgewichtsorgans
Plötzlicher, tagelanger Drehschwindel mit Übelkeit, oft nach einem Infekt. Man spricht von Neuritis vestibularis. Er muss ärztlich vom Schlaganfall abgegrenzt werden.
Morbus Menière
Wiederkehrende Anfälle von Drehschwindel über Stunden, dazu auf einem Ohr schwankendes Hören, Ohrgeräusch und ein Gefühl von Druck.
Zentraler Schwindel
Der Schwindel entsteht im Gehirn selbst, etwa bei Durchblutungsstörungen, bei vestibulärer Migräne oder bei Erkrankungen des Kleinhirns.
Kreislauf und Stoffwechsel
Schwarzwerden vor Augen beim Aufstehen, Benommenheit bei niedrigem Blutdruck, Unterzucker, Blutarmut oder durch Medikamente.
Funktioneller Schwindel
Anhaltendes Schwanken oder Benommenheit, stärker im Stehen und in unruhiger Umgebung. Fachbegriff PPPD: Das Gehirn hält an einer Alarmstellung fest.
Bei der Untersuchung achten Ärztinnen und Ärzte besonders auf ruckartige Augenbewegungen, den Nystagmus. Er verrät, ob die Störung im Gleichgewichtsorgan, im Nerv oder im Gehirn sitzt. Bleibt nach allen Tests keine klare Ursache, ist der Schwindel nicht eingebildet. Die Störung liegt dann nur nicht in einem einzelnen Organ, das sich gezielt prüfen lässt.
Wie fühlt sich dein Schwindel am ehesten an?
Gleichgewicht
Drei Sinne, eine Rechnung
Das Gehirn kann nicht direkt sehen, wo dein Körper im Raum steht. Es berechnet es aus drei Quellen.
Innenohr
Das Gleichgewichtsorgan liegt neben der Hörschnecke. Drei Bogengänge melden Drehungen, zwei kleine Organe mit Kristallen melden Neigung und Beschleunigung. Zusammen liefern sie die Lage des Kopfes zur Schwerkraft.
Nacken
Dehnungsfühler in den Muskeln und Gelenken der oberen Halswirbelsäule melden, wie der Kopf auf dem Rumpf steht.
Augen
Horizont, senkrechte Kanten und die vorbeiziehende Umgebung beim Gehen zeigen, wo die Welt relativ zum Blick liegt.
Wie ein Navi mit drei Ortungen
Stell dir ein Navi vor, das seine Position aus Satellit, Radsensor und Kompass bestimmt. Stimmen alle überein, zeigt es ruhig die Straße. Liefert eine Quelle falsche Werte, springt der Pfeil. So ähnlich geht es dem Gleichgewicht: Schwindel entsteht dann nicht durch ein kaputtes Teil, sondern durch Meldungen, die nicht zueinander passen.
Wie eng Innenohr und Nacken verrechnet werden, zeigte 2025 eine Arbeitsgruppe der Johns Hopkins University in Baltimore. In einem Bereich des Kleinhirns verarbeitete die Mehrzahl der Nervenzellen, die auf Gleichgewichtsreize antworteten, zugleich Meldungen aus dem Nacken. Veränderten die Forscher die Stellung des Kopfes zum Rumpf, passten dieselben Zellen ihre Antwort an3. Die Messungen stammen von Rhesusaffen. Die Richtung ist trotzdem klar: Die Kopfstellung geht in die Gleichgewichtsrechnung ein.
Schwindel ist aus unserer Sicht häufig ein Widerspruch zwischen den Sinnen, kein Defekt eines einzelnen Organs.Deshalb reicht es nicht, nur das Ohr oder nur den Nacken anzusehen. Gleichgewicht ist eine Gemeinschaftsleistung.
Warum macht Schwindel übel? Nach einer Hypothese von Michel Treisman aus dem Jahr 1977 deutet das Brechzentrum im Hirnstamm widersprüchliche Sinnesmeldungen als mögliche Vergiftung, weil viele Nervengifte genau diese Abstimmung stören4. Bei Seekrankheit und bei vielen Schwindelformen ist das ein Fehlalarm.
Morbus Menière
Morbus Menière: Schwindel, Ohr und Gehör im Anfall
Bei der Menière-Krankheit treffen Gleichgewicht und Hören zusammen. Die Anfälle kommen oft ohne Vorwarnung und prägen den Alltag stark.
Seit 2015 gibt es gemeinsame Diagnosekriterien mehrerer internationaler Fachgesellschaften. Für einen gesicherten Morbus Menière müssen wiederholte Anfälle von Drehschwindel auftreten, zusammen mit einer Innenohr-Schwerhörigkeit im tiefen bis mittleren Tonbereich. Dazu kommen auf dem betroffenen Ohr wechselnde Beschwerden: schlechteres Hören, Ohrgeräusch oder ein Gefühl von Druck und Völle. Ein Anfall dauert nach diesen Kriterien zwischen 20 Minuten und 12 Stunden5.
mit Morbus Menière nahmen an der deutschen BEMED-Studie teil. Sie bekamen neun Monate lang Betahistin in zwei Dosierungen oder ein Scheinmedikament6
weniger Anfälle hatten die Teilnehmenden im Beobachtungszeitraum im Mittel, und zwar in allen drei Gruppen. Zwischen den Gruppen gab es keinen Unterschied6
Als Grundlage gilt ein Stau der Innenohrflüssigkeit, der endolymphatische Hydrops, dessen Ursache offen ist. Die BEMED-Studie zeigt, wie schwer die Krankheit zu beurteilen ist: Die Anfälle wurden auch ohne Wirkstoff seltener. Placeboeffekt, natürlicher Verlauf und Schwankungen lassen sich nach Aussage der Autoren ohne unbehandelte Vergleichsgruppe nicht trennen.
Das Training der Basisfunktionen lässt sich mit einer HNO- oder neurologischen Behandlung kombinieren.
Mittelohr
Druckausgleich und Gleichgewicht
Mittelohr und Innenohr liegen Wand an Wand. Was im luftgefüllten Mittelohr passiert, bleibt dem flüssigkeitsgefüllten Innenohr nicht verborgen.
Zwischen Mittelohr und Innenohr liegen zwei kleine, mit Membranen verschlossene Öffnungen, das ovale und das runde Fenster. Über sie gelangen Schall und Druckänderungen ins Innenohr. Belüftet wird das Mittelohr über die Ohrtrompete, die sich beim Schlucken kurz öffnet. Mehr dazu im Artikel Ohrendruck und Druckausgleich.
Schlucken
Das Gaumensegel hebt sich, seine Muskeln ziehen die Ohrtrompete auf.
Belüftung
Luft gleicht den Druck zwischen Nasenrachen und Mittelohr aus.
Fenster zum Innenohr
Ovales und rundes Fenster geben Druckunterschiede an die Flüssigkeit des Innenohrs weiter.
Gleichgewichtsorgan
Ändert sich der Druck auf beiden Seiten ungleich, kann das Gleichgewichtsorgan Meldungen senden, die nicht zur Bewegung passen.
von 63 erfahrenen Sporttauchern kannten den Druckschwindel beim Tauchen, den alternobaren Schwindel7
der Taucherinnen waren betroffen, aber nur 15 % der Taucher. Frauen hatten in der Tauchambulanz der Autoren häufiger Probleme mit dem Druckausgleich7
Der alternobare Schwindel entsteht, wenn sich der Druck in beiden Mittelohren ungleich ändert. Außer dem Geschlecht unterschied die Betroffenen nur eines: frühere Probleme beim Druckausgleich. Ein ungleich belüftetes Mittelohr kann also das Gleichgewicht stören.
Auch beim Morbus Menière wurde die Ohrtrompete untersucht. In Malmö maß eine Arbeitsgruppe den Druck direkt im Mittelohr. 15 von 21 Menschen mit aktiver Menière-Krankheit konnten einen künstlich erzeugten Über- oder Unterdruck durch Schlucken nicht ausgleichen, alle 20 Gesunden konnten es8. Die Autoren halten es für möglich, dass solche Druckabweichungen die Innenohrflüssigkeit und damit die Beschwerden beeinflussen.
Spricht dafür
In Tokio hatte jede vierte untersuchte Person mit Morbus Menière eine gestörte Ohrtrompete, und das Hören hing mit deren Messwerten zusammen9.
Spricht dagegen
In einer älteren amerikanischen Auswertung von 341 Fällen war eine gestörte Ohrtrompete nicht häufiger als bei Innenohr-Schwerhörigkeit anderer Ursache10.
Druck von außen
Geräte, die über ein Paukenröhrchen Druckimpulse ins Mittelohr geben, zeigten in einer Cochrane-Übersicht mit fünf Studien keinen belegten Nutzen, das Hören war mit Gerät etwas schlechter11.
Ein Beweis, dass eine schwache Belüftung Menière-Anfälle auslöst, ist das nicht. Die Befunde zeigen aber, dass Mittelohr und Gleichgewicht zusammenhängen und ein funktionierender Druckausgleich keine Nebensache ist. Aus unserer Sicht liegt der Hebel nicht darin, Druck von außen einzuspeisen. Er liegt darin, dass der Körper sein Mittelohr selbst belüftet, bei vielen hundert bis tausend Schlucken am Tag.
Nacken und Kopfbalance
Der Nacken als Gleichgewichtssinn
Die kleinen Muskeln zwischen Hinterhaupt und oberer Halswirbelsäule halten den Kopf nicht nur. Sie messen fortlaufend, wie er steht.
pro Gramm Muskel trägt der untere schräge Kopfmuskel unter dem Hinterhaupt. Muskelspindeln sind eingebaute Längenmesser12
pro Gramm sind es im großen Trapezmuskel, den man bei Verspannungen im Nacken tastet12
Diese kurzen, tiefen Nackenmuskeln sind Messfühler, keine Kraftpakete. Ihre Meldungen laufen im Hirnstamm mit denen des Gleichgewichtsorgans zusammen.
Wandert der Kopf dauerhaft nach vorn, etwa am Bildschirm, müssen sie ständig Haltearbeit leisten. Aus unserer Sicht verschiebt sich dabei der Nullpunkt, von dem aus sie messen. Innenohr und Nacken melden dann Unterschiedliches, und das Gehirn muss fortlaufend nachrechnen.

Der Kopf wandert nach vorn
Am Bildschirm, am Handy, bei vielen schon seit der Kindheit zusammen mit Mundatmung.
Die Nackenmuskeln halten dauerhaft
Die kleinen Muskeln unter dem Hinterhaupt arbeiten gegen das Gewicht des Kopfes.
Der Messpunkt verschiebt sich
Ihre Meldungen passen nicht mehr zu denen aus dem Innenohr.
Das Gehirn rechnet nach
Solange die Reserve reicht, merkst du wenig. Bei Stress oder Infekt kippt es.
Schwindel und Unsicherheit
Benommenheit beim Aufstehen, Unsicherheit im Dunkeln, ein wackeliges Gefühl beim Gehen.
Fachleute sprechen vom zervikogenen Schwindel. Er ist beschrieben, als eigenes Krankheitsbild aber umstritten, weil einheitliche Kriterien fehlen. Eine Übersicht aus Antwerpen wertete 13 Studien mit 898 Betroffenen aus. Manuelle Therapie verringerte Schwindel, Nacken- und Gleichgewichtsbeschwerden mit mäßig sicherer Evidenz, kombiniert mit Übungen noch stärker, hier allerdings mit sehr unsicherer Evidenz13. Mehr zum Nacken liest du im Artikel Nacken und Rücken.
Die Kette ist unser Modell, kein Befund für den Einzelfall. Bleibt Schwindel ohne Befund im Innenohr bestehen, liegt die Ursache aus unserer Sicht im Regelfall nicht im Nacken allein, sondern im Zusammenspiel von Atmung, Schlucken und Kopfbalance.
Die Triade
Atmung, Schlucken und Kopfbalance: ein Zusammenspiel
Schwindel kommt selten allein. Viele Betroffene kennen dazu Ohrgeräusche, Ohrdruck, Nacken- oder Kieferbeschwerden.
Diese Beschwerden werden häufig einzeln behandelt, in der HNO-Praxis, in der Neurologie, in der Physiotherapie oder beim Zahnarzt. Aus unserer Sicht haben viele von ihnen einen gemeinsamen Ausgangspunkt: das Zusammenspiel von Atmung, Schlucken und Kopfbalance.
Die Grafik aus unserem Modell zeigt, wie eng Nacken, Mund und Rachen, Nase und Nervensystem verzahnt sind. Schwindel steht darin neben Tinnitus, Kiefergelenk und Nacken.

Atmung
Bei Nasenatmung mit geschlossenen Lippen ist der Nasenrachen durchströmt, dort mündet die Ohrtrompete. Bei Mundatmung sinkt die Zunge ab, und der Kopf wandert oft nach vorn.
Schlucken
Ein korrekter Schluck aus der Zungenreferenzlage mit kurzem Zahnkontakt hebt das Gaumensegel kräftig und gibt der Ohrtrompete die Gelegenheit, sich zu öffnen.
Kopfbalance
Steht der Kopf ausbalanciert über der Wirbelsäule, arbeiten die Nackenmuskeln als Messfühler statt als Dauerhalter, und Innenohr und Nacken melden Übereinstimmendes.
Auch im Hirnstamm liegen diese Funktionen nah beieinander. Bei Ratten ziehen Nervenzellen der Gleichgewichtskerne direkt in einen Schaltkern, der Atmung, Herzschlag und Blutdruck mitsteuert14. Wer eine Funktion ändert, verändert die anderen mit. Deshalb trainieren wir sie gemeinsam.
Mehr dazu in den Artikeln zur Zungenreferenzlage, zum Schlucken und zum Vagusnerv.
Behandlungen
Was die Medizin anbietet
Für viele Schwindelformen gibt es wirksame Behandlungen. Auffällig ist, wie gut dabei aktive Verfahren abschneiden.
der Behandelten waren nach dem Epley-Manöver beim Lagerungsschwindel beschwerdefrei, gegenüber 21 % nach Scheinbehandlung, in fünf Studien mit 273 Personen15
betrug laut derselben Cochrane-Übersicht die Rückfallrate nach der Behandlung15
Beim Epley-Manöver wird der Kopf in einer festen Abfolge gelagert, damit die verirrten Kristalle den Bogengang wieder verlassen. Die Rückfallrate zeigt aber auch: Das Manöver räumt die Kristalle weg. Warum sie sich lösen, beantwortet es nicht.
Zum Gleichgewichtstraining, der vestibulären Rehabilitation, gibt es eine Cochrane-Übersicht mit 39 Studien und 2.441 Menschen mit einseitig gestörtem Gleichgewichtsorgan. Die Übungen verringerten den Schwindel deutlich gegenüber keiner Behandlung, Nebenwirkungen wurden nicht berichtet16. Das Gehirn kann eine gestörte Gleichgewichtsrechnung neu lernen, wenn es gefordert wird.
Das Symptom dämpfen
- Medikamente gegen Schwindel und Übelkeit in der akuten Phase
- Durchblutungsfördernde oder pflanzliche Mittel
- Mittel zur Vorbeugung von Menière-Anfällen
Die Funktion trainieren
- Lagerungsmanöver beim Lagerungsschwindel
- Gleichgewichtstraining nach Ausfall eines Gleichgewichtsorgans
- Nacken und Kopfbalance aktiv einbeziehen
- Atmung, Schlucken und Kopfbalance als gemeinsames Muster üben
Medikamente gegen Schwindel und Übelkeit, vor allem Antihistaminika und Anticholinergika, dämpfen das Symptom und sind für die akute Phase gedacht. Die Ursache ändern sie nicht, und sie können die Kompensation des Gehirns verzögern, statt sie zu fördern17. Deshalb sind sie kein Dauerbegleiter. Das Gleichgewichtstraining ist bei vielen Formen der Weg, den das Gehirn selbst lernt. Verordnete Mittel setzt du dabei nicht eigenmächtig ab.
Diese Studien untersuchen nicht den FaceFormer. Sie zeigen aber das Prinzip, auf dem auch unser Ansatz beruht: Gleichgewicht ist lernfähig, und genau wiederholtes Training verändert es. Unsere eigenen Untersuchungen ordnen wir auf der Seite Studien und Wissenschaft ein.
Training
Kopfbalance und Schlucken trainieren
Unser Ansatz setzt dort an, wo Atmung, Schlucken und Kopfbalance zusammenkommen, statt an einem einzelnen Symptom.
Das Training setzt aus unserer Sicht an den Mechanismen an, die Belüftung und Druckausgleich des Mittelohrs steuern: Schlucken, Gaumensegel, Nasenatmung und Kopfbalance. Wenn man dieser Logik folgt, kann es die Voraussetzungen schaffen, dass sich Schwindel und Ohrdruck bessern können, sofern sie mit diesem Zusammenspiel zusammenhängen. Man muss dranbleiben, es kann sich lohnen.
Im FaceFormer-Training liegt der FaceFormer im Mundvorhof, hinter den Lippen und vor den Zähnen. In der Grundübung hältst du ihn mit den Lippen, die Zunge liegt in ihrer Referenzlage am Gaumen, du atmest durch die Nase, beißt kurz auf und schluckst. So übst du Nasenatmung, einen kräftigen Schluck, bei dem sich das Gaumensegel hebt, und eine aufrechte Kopfbalance in einem Ablauf.
Der Film zeigt die Kopf-Balance-Rotation aus Modul 8. Sie kommt zum Basistraining dazu, in Modul 9 ergänzt um die Atmung, am besten in Absprache mit einer Praxis.
Langsam statt weit
Dreh den Kopf gleichmäßig und ohne Schwung. Wird dir beim Drehen schwindelig, dreh langsamer und weniger weit. Hält das Gefühl an, unterbrich die Übung.
Nicht im Anfall
Während eines akuten Schwindel- oder Menière-Anfalls trainierst du nicht. Du steigst wieder ein, wenn er abgeklungen ist.
Druckübungen absprechen
Der AirFlip aus Modul 11 arbeitet mit Druckwechseln im Rachen. Bei Morbus Menière, nach einem Hörsturz oder mit Paukenröhrchen besprichst du ihn vorher mit deiner HNO-Praxis.
- Ab Tag 1
Grundübung
Dreimal täglich wenige Minuten mit dem FaceFormer ZERO, angeleitet von der kostenlosen App.
- Ab etwa Woche 3
Zugübung und Nacht
Die Zugübung kommt dazu. Nachts trägst du den ZERO, sobald die Grundübung sitzt.
- Nach einigen Wochen
Wechsel auf den ONE
Tagsüber trainierst du mit dem FaceFormer ONE. Er ist gleich groß und geformt wie der ZERO, nur aus festerem Material.
- Wenn das Basistraining sitzt
Kopf-Balance-Rotation
Modul 8 kommt dazu, später Modul 9 mit der Atmung.
- Über Monate
Das Muster läuft von selbst
Bis die neuen Abläufe ohne Nachdenken laufen, rechnet das Übungsmanual mit sechs bis zwölf Monaten.
Das Training ersetzt nicht die Abklärung deines Schwindels. Neigst du zu Schwindel, übst du anfangs im Sitzen. Alle Module findest du auf den Übungsseiten, mehr zu Ablauf und Dauer der Therapie auf der eigenen Seite.
Fragen
Häufig gefragt
Was kann Schwindel auslösen?
Gelöste Kristalle im Gleichgewichtsorgan, eine Entzündung des Gleichgewichtsnervs, Morbus Menière, Durchblutungsstörungen, Migräne, niedriger Blutdruck, Medikamente oder ein anhaltender Widerspruch zwischen Innenohr, Nacken und Augen. Welche Form vorliegt, klärt die ärztliche Untersuchung. Bei ungeklärtem Schwindel lohnt aus unserer Sicht der Blick auf Mittelohr, Nacken und Kopfbalance.
Wann ist Schwindel gefährlich?
Wenn er plötzlich auftritt und Warnzeichen dazukommen: Lähmung oder Taubheit einer Körperseite, hängender Mundwinkel, Sprach- oder Sehstörung, heftiger Kopfschmerz, Unfähigkeit zu stehen oder zu gehen, Brustschmerz oder Bewusstseinsstörung. Dann wählst du ohne Zögern den Notruf 112. Plötzlich schlechteres Hören auf einem Ohr gehört noch am selben Tag in die HNO-Praxis.
Was ist Morbus Menière?
Eine Erkrankung des Innenohrs mit wiederkehrenden Anfällen von Drehschwindel, die 20 Minuten bis 12 Stunden dauern. Dazu kommen auf einem Ohr schwankendes Hören, Ohrgeräusch und ein Gefühl von Druck. Als Grundlage gilt ein Stau der Innenohrflüssigkeit, dessen Ursache offen ist. Die Diagnose stellt die HNO-Praxis.
Kann Schwindel vom Nacken kommen?
Die tiefen Nackenmuskeln sind dicht mit Messfühlern besetzt, ihre Meldungen fließen in die Gleichgewichtsrechnung ein. Man spricht vom zervikogenen Schwindel, der beschrieben, aber nicht einheitlich definiert ist. Vorher sollten andere Ursachen ausgeschlossen sein.
Helfen Medikamente gegen Schwindel?
Sie dämpfen Schwindel und Übelkeit und sind für die akute Phase gedacht. Die Ursache ändern sie nicht. Mittel, die das Gleichgewichtsorgan dämpfen, vor allem Antihistaminika und Anticholinergika, können zudem die Anpassung des Gehirns verzögern. Deshalb sind sie kein Dauerbegleiter. Auf Dauer lernt das Gehirn über Training, eine gestörte Gleichgewichtsrechnung neu einzustellen.
Welche Übungen helfen bei Schwindel?
Das hängt von der Form ab: Lagerungsmanöver beim Lagerungsschwindel, Gleichgewichtstraining nach Ausfall eines Gleichgewichtsorgans, beides nach ärztlicher Diagnose. Im FaceFormer-Training übst du Atmung, Schlucken und Kopfbalance in einem Ablauf, dazu die Kopf-Balance-Rotation aus Modul 8. Wie schnell sich etwas ändert, ist verschieden.
Kann ich mit Morbus Menière das FaceFormer-Training machen?
Das Training der Basisfunktionen lässt sich mit der HNO-Behandlung kombinieren. Während eines Anfalls pausierst du. Den AirFlip aus Modul 11, der mit Druckwechseln arbeitet, besprichst du vorher mit deiner HNO-Praxis. Verordnete Medikamente setzt du nicht eigenmächtig ab.
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Quellen
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