
Fachartikel Nase
SinusitisWenn die Nebenhöhlen keine Luft bekommen
Druck im Gesicht, die Nase ist zu, und die Nasennebenhöhlenentzündung kehrt wieder? Hier erfährst du, wie die Nebenhöhlen belüftet werden, was bei einer Sinusitis in ihnen passiert, was ärztliche Behandlungen leisten und warum die Nasenatmung ein Muster aus Atmung, Schlucken und Kopfbalance ist.
Kennst du das?
Druck im Gesicht, und die Nase ist zu?
Was trifft auf dich zu?
Tippe an, was auf dich zutrifft.
Treffen mehrere Punkte zu, lohnt ein Blick darauf, wie deine Nebenhöhlen belüftet werden. Eine Sinusitis beginnt oft mit einem Infekt. Ob sie abklingt oder wiederkehrt, hängt aus unserer Sicht auch davon ab, wie viel Luft Tag und Nacht durch deine Nase strömt.
Woher der Druck kommtWas du jetzt tun kannstWann du ärztlichen Rat brauchstDas Wichtigste in Kürze
- Die Nasennebenhöhlen sind luftgefüllte Räume, die über enge Öffnungen mit der Nase verbunden sind. Schwillt die Schleimhaut dort zu, staut sich Sekret, und es entsteht Druck im Gesicht.
- Eine akute Sinusitis beginnt in vielen Fällen mit einem Virusinfekt und klingt oft von selbst ab. Von chronischer Sinusitis spricht man, wenn die Beschwerden länger als zwölf Wochen anhalten.
- Belüftung und Drainage der Nebenhöhlen hängen an der Nasenatmung, und ständige Mundatmung ist aus unserer Sicht ein Glied in dieser Kette. Nasenatmung ist ein Muster aus Atmung, Schlucken und Kopfbalance, und Muster lassen sich trainieren.
Video
Nasennebenhöhlen: chronische Entzündung und Belüftung
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Anatomie
Was sind die Nasennebenhöhlen?
Rund um die Nase liegen mehrere Hohlräume im Schädel. Ihr Zustand entscheidet mit, ob aus einem Schnupfen eine Nasennebenhöhlenentzündung wird.
Die Nasennebenhöhlen sind paarig angelegte, luftgefüllte Räume im Gesichtsschädel. Es gibt vier Gruppen: die Stirnhöhlen über den Augenbrauen, die Kieferhöhlen in den Wangen, die Siebbeinzellen zwischen den Augen und die Keilbeinhöhlen tief hinter der Nase. Ausgekleidet sind sie mit Schleimhaut, die in die Schleimhaut der Nase übergeht. Die Fachliteratur spricht deshalb heute von Rhinosinusitis.
Die Gänge von Stirnhöhle, Kieferhöhle und vorderen Siebbeinzellen münden auf engem Raum im mittleren Nasengang, unter der mittleren Nasenmuschel. Schwillt die Schleimhaut an dieser Stelle an, kann das gleich mehrere Nebenhöhlen betreffen. Wo du den Druck spürst, verrät oft, welche Höhle beteiligt ist.
Wo spürst du den Druck, wenn du dich nach vorn beugst?
Die Nase als Labor
Die Nebenhöhlen sind kein leerer Raum
Lange galten die Nebenhöhlen als Hohlräume ohne klare Aufgabe, etwa als Resonanzraum für die Stimme. Heute ist bekannt, dass in ihnen fortlaufend etwas entsteht.
1995 zeigte eine Arbeitsgruppe um Jon Lundberg am Karolinska-Institut in Stockholm, dass die Schleimhaut der Nasennebenhöhlen Stickstoffmonoxid bildet, kurz NO. In der Luft der Nebenhöhlen lag es in sehr hohen Konzentrationen vor. In der Schleimhaut der Nasenhaupthöhle zeigte das NO-bildende Enzym dagegen nur eine schwache Aktivität1.
Die Nebenhöhlen sind kein Hohlraum. Sie sind ein Labor.Sie bilden fortlaufend einen Botenstoff, der mit der Nasenatmung in die Atemwege gelangt.
NO hemmt das Wachstum von Bakterien. Die Autoren sahen darin einen Grund dafür, dass gesunde Nebenhöhlen keimarm bleiben1. Mit der Einatemluft gelangt das NO aus den Nebenhöhlen in Rachen, Luftröhre und Lunge. Bei Mundatmung umgeht die Luft diesen Weg. Aus unserer Sicht ist das einer der Gründe, warum die Nase der vorgesehene Zugang für die Atemluft ist.
Belüftung und Drainage
Warum ein enger Gang so viel ausmacht
Gesunde Nebenhöhlen brauchen zweierlei. Frische Luft muss hinein, Schleim muss hinaus. Beides läuft über dieselbe enge Öffnung.
Die Schleimhaut der Nebenhöhlen trägt feine Flimmerhärchen. Sie schlagen in koordinierten Wellen und schieben den Schleimfilm mit allem, was sich darin verfangen hat, zur Öffnung der Höhle und weiter in Richtung Rachen. Man nennt das mukoziliäre Reinigung. Damit sie funktioniert, braucht die Schleimhaut Feuchtigkeit, Wärme und Luft.
Die Öffnungen der Nebenhöhlen sind eng. Schon eine leichte Schwellung der Schleimhaut kann sie verlegen. Dann kommt keine frische Luft mehr hinein, der Schleim fließt nicht mehr ab, und im abgeschlossenen Raum finden Erreger gute Bedingungen.
Die Stockholmer Arbeitsgruppe um Eddie Weitzberg und Jon Lundberg fasste 2002 zusammen, die Verlegung dieser Öffnung sei ein zentrales Ereignis in der Entstehung einer Sinusitis2.
stieg das NO in der Nase beim Summen gegenüber ruhigem Ausatmen, gemessen bei zehn gesunden Personen. Die schwingende Luft verbesserte im Modell den Gasaustausch zwischen Nase und Nebenhöhle deutlich2
Wie ein Kellerraum mit kleinem Fenster
Ein Kellerraum mit einem kleinen Fenster bleibt trocken, solange das Fenster offen ist und die Luft zirkuliert. Wird das Fenster zugestellt, steht die Luft, und es wird feucht und muffig. So ähnlich sehen wir die Nebenhöhlen. Entscheidend ist nicht ihre Größe, sondern dass Luft und Schleim ungehindert durch die Öffnung kommen.
Ursachen
Nasennebenhöhlen: Ursachen einer Entzündung
Eine Nasennebenhöhlenentzündung hat selten nur einen Grund. Am Anfang steht häufig ein Infekt, dazu kommen Bedingungen, die die Belüftung erschweren.
In vielen Fällen beginnt eine akute Sinusitis mit einem Virusinfekt, also einer gewöhnlichen Erkältung. Wie eng Schnupfen und Nebenhöhlen zusammenhängen, zeigte eine Untersuchung an der Universität von Virginia. Dort wurden junge Erwachsene mit frischer Erkältung im Computertomogramm untersucht.
der 31 Erwachsenen mit einer zwei bis vier Tage alten Erkältung zeigten im CT Veränderungen in einer oder beiden Kieferhöhlen3
hatten einen verlegten Siebbeintrichter, die Engstelle, über die mehrere Nebenhöhlen in die Nase münden3
zeigten zwei Wochen später deutlich weniger oder keine Veränderungen mehr, ohne Antibiotika3
Eine Erkältung erreicht also fast regelhaft die Nebenhöhlen und klingt in vielen Fällen von selbst wieder ab. Ob daraus eine hartnäckige oder wiederkehrende Nasennebenhöhlenentzündung wird, hängt von weiteren Bedingungen ab. Sie haben eines gemeinsam: Sie erschweren Belüftung und Abfluss.
Allergien
Heuschnupfen und andere Allergien lassen die Schleimhaut anschwellen und können die Öffnungen der Nebenhöhlen zusätzlich verengen.
Rauchen
In einer europäischen Befragung war chronische Sinusitis bei Rauchenden deutlich häufiger als bei Menschen, die nicht rauchen4.
Enge Stellen
Polypen, vergrößerte Nasenmuscheln oder eine stark verkrümmte Nasenscheidewand können den Abfluss behindern.
Mundatmung
Wird die Nase wenig durchströmt, fehlt ihrer Schleimhaut der Reiz des Luftstroms. Aus unserer Sicht ein häufig übersehener Faktor, mehr dazu weiter unten.
Eine leicht schiefe Nasenscheidewand ist übrigens der Normalfall. Warum ihre Form allein wenig darüber sagt, wie frei die Nase ist, liest du im Beitrag Nasenscheidewand verkrümmt.
Symptome und Verlauf
Akute oder chronische Sinusitis?
Die Beschwerden ähneln sich. Unterschiedlich sind Dauer und Verlauf.
Druck im Gesicht
Über der Stirn, in den Wangen oder zwischen den Augen, oft stärker beim Bücken.
Nase zu
Die Nase ist verstopft, auf einer oder auf beiden Seiten.
Sekret
Schleim läuft vorn aus der Nase oder hinten in den Rachen.
Riechen
Geruchs- und Geschmackssinn sind abgeschwächt.
Kopf und Zähne
Kopfschmerzen oder ein Ziehen in den oberen Backenzähnen.
Abgeschlagenheit
Du fühlst dich müde und krank, bei akuter Entzündung manchmal mit Fieber.
Klingen die Beschwerden innerhalb einiger Wochen ab, spricht man von einer akuten Sinusitis. Von einer chronischen Sinusitis ist die Rede, wenn mehrere dieser Beschwerden länger als zwölf Wochen anhalten, darunter eine verstopfte oder laufende Nase. Eine große europäische Befragung hat diese Kriterien auf die Bevölkerung angewendet4.
der 57.128 Befragten in 19 europäischen Zentren erfüllten die Kriterien einer chronischen Sinusitis, rund jede zehnte Person4
betrug der Anteil je nach Zentrum. Die Unterschiede zwischen den Regionen waren groß4
Lass dich ärztlich untersuchen, wenn du hohes Fieber oder sehr starke, einseitige Schmerzen hast, wenn Augenlider oder die Haut um die Augen rot werden oder anschwellen, wenn du doppelt oder schlechter siehst, bei starken Kopfschmerzen mit steifem Nacken oder wenn es dir nach anfänglicher Besserung wieder deutlich schlechter geht. Eine bakterielle Sinusitis mit Fieber und starken Schmerzen gehört in ärztliche Behandlung.
Selbst aktiv werden
Was tun bei Nasennebenhöhlenentzündung? Erst bewegen, dann summen
Bei einer Nasennebenhöhlenentzündung kannst du selbst zwei Dinge tun, die an den engen Öffnungen der Nebenhöhlen ansetzen: ein paar Minuten zügig bewegen, damit die Nasenschleimhaut abschwillt, und danach mit geschlossenen Lippen summen, damit die Luft in Nase und Nebenhöhlen in Schwingung gerät. Bei hohem Fieber, starken Schmerzen oder Schwellung um die Augen gehört die Entzündung in ärztliche Behandlung.
Nebenhöhlen zu, was tun? Die Nebenhöhlen hängen über enge Öffnungen an der Nase. Schwillt die Schleimhaut dort an, staut sich das Sekret, und der Druck im Gesicht steigt. Dr. Berndsen zeigt dafür einen einfachen Ablauf aus Bewegung und Summen. Die Bewegung lässt die Schleimhaut für einige Minuten abschwellen, und genau in diesem Fenster bringt das Summen die Luft an den Öffnungen in Schwingung.
- Schritt 1
Ein paar Minuten zügig bewegen
Geh flott bergauf oder nimm ein paar Treppen, so kräftig, wie es dir guttut. Bei Belastung schaltet das vegetative Nervensystem auf Aktivität, der Sympathikus verengt die Blutgefäße in den Schwellkörpern der Nasenschleimhaut, und sie schwillt ab. Mit Fieber, bei Herz-Kreislauf-Beschwerden oder wenn dir Belastung nicht guttut, lässt du diesen Schritt weg und summst in Ruhe.
- Schritt 2
Mund zu und summen
Lippen geschlossen, ein tiefes, ruhiges Mmmh, einige Sekunden lang. Dann ruhig durch die Nase einatmen und wiederholen. Die Luft in der Nase schwingt, und an den Öffnungen der Nebenhöhlen wird der Luftaustausch deutlich schneller8.
- Schritt 3
Kurze Runden mit Pausen
Bei mehreren Summstößen direkt hintereinander wird der Effekt schwächer. Nach etwa drei Minuten Pause ist er wieder voll da8. Du kannst das mehrmals am Tag in kurzen Runden machen.
- Danach
Durch die Nase weiteratmen
Lass die Lippen geschlossen und atme ruhig durch die Nase. So bleibt der Luftstrom dort, wo die Nebenhöhlen ihn brauchen.
„Also ihr macht Mund zu und dann wie ein Bär.“Dr. Berndsen zum Summen in seinem Video über die ständige Nasennebenhöhlenentzündung (2024). Gemeint ist ein tiefes Brummen mit geschlossenen Lippen.
mehr Stickstoffmonoxid (NO) maßen Weitzberg und Lundberg in der Nasenluft beim Summen als beim ruhigen Ausatmen, untersucht an zehn Gesunden2
weniger Nasenwiderstand fünf Minuten nach fünf Minuten kräftiger Belastung, gemessen an 20 Gesunden. Ein abschwellendes Nasenspray senkte ihn bei denselben Personen um 49 %9
Pause reichten bei Gesunden, bis die NO-Spitze beim Summen wieder ihren Ausgangswert erreichte8
Warum das Stickstoffmonoxid zählt: Die Nebenhöhlen bilden NO in hoher Menge, es hemmt Keime und gelangt mit der Atemluft in die tieferen Atemwege. Beim Summen steigt es in der Nase stark an, weil die schwingende Luft die Nebenhöhlen rasch durchmischt2. Ob Summen eine Entzündung verkürzt, ist nach unserer Kenntnis nicht untersucht, gemessen wurde an Gesunden. Die Arbeitsgruppe schreibt selbst, dass mögliche therapeutische Effekte erst geprüft werden müssen2.
Im Modell der Arbeitsgruppe war die Weite der Öffnung für den Effekt der wichtigste Faktor8. Sind die Öffnungen stark zugeschwollen, dürfte beim Summen entsprechend wenig ankommen, deshalb steht die Bewegung davor. Beides ist eine Hilfe für den Moment, eine Krücke im besten Sinn. Warum die Nebenhöhlen immer wieder zugehen, beantwortet erst der Blick auf das Atemmuster weiter unten.
Geh zum Arzt oder zur Ärztin, wenn du hohes Fieber oder sehr starke, einseitige Schmerzen hast, wenn die Haut um die Augen anschwillt oder rot wird, wenn du schlechter siehst oder wenn es nach anfänglicher Besserung wieder schlechter wird. Dann ersetzen Bewegung und Summen keine Behandlung.
Mundatmung und Schleimhaut
Wenn die Nase nicht mehr gebraucht wird
Eine verstopfte Nase führt zu Mundatmung. Umgekehrt nimmt Mundatmung der Nase, was sie gesund hält.
Die Schleimhaut der Nase lebt vom Luftstrom. Er gibt Schwellkörpern, Drüsen und Flimmerhärchen ihren Reiz und trägt das NO aus den Nebenhöhlen mit sich. Aus unserer Sicht verhält sich das Gewebe der Atemwege wie Muskeln und Bindegewebe überall im Körper. Was in eine Funktion eingebunden ist, wird gebraucht und behält seine Spannung. Was nicht gebraucht wird, erschlafft.
Bei Mundatmung nimmt die Luft den kürzeren Weg. Sie umgeht Nasenmuscheln und Nebenhöhlen, kommt kälter und trockener im Rachen an, und der Luftstrom durch die Nase wird schwächer.
Wie eng Mundatmung und Nebenhöhlenentzündungen direkt zusammenhängen, ist in Studien bisher wenig untersucht. Die Mechanismen dahinter, Belüftung, Reinigung und NO, sind dagegen gut beschrieben. Auf ihnen baut unsere Sicht auf.
Die Nase wird wenig benutzt
Oft beginnt es mit einem Infekt, einer Allergie oder mit Mundatmung schon in der Kindheit.
Der Luftstrom fehlt
Schleimhaut und Schwellkörper bekommen weniger Reiz, die Reinigung verlangsamt sich.
Die Schleimhaut schwillt
Die engen Öffnungen der Nebenhöhlen werden noch enger. Luft kommt schlechter hinein, Schleim schlechter heraus.
Der Mund springt ein
Die Nase fühlt sich zu an, und die Luft nimmt den leichteren Weg durch den Mund.
Der Kreis schließt sich
Jeder neue Infekt trifft auf schlecht belüftete Nebenhöhlen. So kann aus vielen Erkältungen eine wiederkehrende oder chronische Sinusitis werden.
Nach unserer Auffassung ist ständige Mundatmung ein Glied in dieser Kette. Strömt kaum Luft durch die Nase, werden auch die Öffnungen der Nebenhöhlen weniger belüftet, die Schleimhaut schwillt leichter zu, und Sekret staut sich. Der Schluss liegt nahe, dass Mundatmung Entzündungen der Nebenhöhlen begünstigt. Am Anfang dieser Kausalketten steht aus unserer Sicht im Regelfall eine gestörte Basisfunktion, und wer den Kreis verlassen will, braucht ein Atemmuster, das die Nase nutzt, am Tag und in der Nacht.
Behandlung
Was bei Nasennebenhöhlenentzündung hilft
Die ärztliche Behandlung einer Sinusitis zielt darauf, Schwellung und Beschwerden zu lindern und den Abfluss zu verbessern. Hier ordnen wir die häufigsten Mittel sachlich ein.
Antibiotika wirken gegen Bakterien, nicht gegen Viren. Eine Cochrane-Übersicht hat 15 Studien mit 3.057 Erwachsenen ausgewertet, die wegen akuter Sinusitis ambulant behandelt wurden. Für unkomplizierte Verläufe sehen die Autoren keinen Platz für Antibiotika. Kinder, Menschen mit geschwächter Abwehr und schwere Verläufe waren in den Studien allerdings nicht vertreten5.
waren ohne Antibiotika nach einer Woche gesund, nach 14 Tagen waren es 64 %5
wurden mit Antibiotika schneller gesund als ohne5
hatten mit Antibiotika zusätzlich Nebenwirkungen5
Zu Nasenspülungen mit Salzlösung ist die Studienlage dünn. Eine weitere Cochrane-Übersicht fand für die chronische Sinusitis nur zwei geeignete Studien. Tägliche Spülungen mit größerer Menge zeigten einen gewissen Nutzen, die Qualität der Belege war aber gering6. Abschwellende Nasensprays verschaffen kurzfristig Luft und sind nur für wenige Tage gedacht. Kortisonhaltige Sprays werden bei chronischer Sinusitis oft über längere Zeit verordnet.
Bei ausgeprägter chronischer Sinusitis, etwa mit Polypen, wird manchmal operiert. Ein Eingriff erweitert die Öffnungen der Nebenhöhlen, das Atemmuster ändert er nicht. In einer großen Auswertung aus Utah mit 33.090 Erwachsenen wurde bei 10,8 % der wegen chronischer Sinusitis Operierten später noch einmal operiert, bei Operierten mit zusätzlichem Asthma bei 21,5 %7. Aus unserer Sicht gehört deshalb vor jeden Eingriff der Blick auf die Nasenatmung, das Training schließt eine Operation aber nicht aus.
Nutzt du Nasenspray, Kortisonspray oder andere Mittel auf ärztlichen Rat, setz sie nicht eigenmächtig ab und besprich Änderungen mit deiner Praxis. Das Training der Basisfunktionen lässt sich mit einer ärztlichen Behandlung kombinieren, auch vor oder nach einer Operation.
Die Triade
Nasenatmung ist ein Muster
Die Behandlung lindert die Entzündung. Ob die Nebenhöhlen danach gut belüftet bleiben, entscheidet sich im Alltag, mit jedem Atemzug und jedem Schluck.
Atmung
Ruhige Nasenatmung wärmt, befeuchtet und reinigt die Luft und hält den Austausch zwischen Nase und Nebenhöhlen in Gang. Mit ihr gelangt das NO der Nebenhöhlen in die Atemwege.
Schlucken
Du schluckst viele hundert bis tausend Mal am Tag. Danach legt sich die Zunge an den Gaumen, der Zungengrund dichtet den Mundraum zum Rachen hin ab, und der Luftstrom bleibt in der Nase. Den Ausgangspunkt bildet die Zungenreferenzlage.
Kopfbalance
Balanciert der Kopf über dem Körper, bleibt der Raum im Rachen frei. Wandert er nach vorn, öffnet sich der Mund aus unserer Sicht leichter, und die Nase wird weniger genutzt.
Nasenatmung braucht also mehr als eine durchgängige Nase. Sie braucht einen dichten Mundraum. Steht der Mund offen, gleicht sich der Druck über den Mund aus, auch wenn die Nase frei ist, und ein großer Teil der Luft nimmt den kürzeren Weg. Dann fehlt den Nebenhöhlen genau der Luftstrom, von dem ihre Belüftung lebt.
Nicht die offene Nase belüftet die Nebenhöhlen, sondern die genutzte.Wie oft die Nase genutzt wird, entscheidet das Zusammenspiel von Atmung, Schlucken und Kopfbalance. Dieses Zusammenspiel ist ein gespeicherter Ablauf, und deshalb lässt es sich trainieren.
Kehrt eine Nasennebenhöhlenentzündung wieder, liegt die Ursache aus unserer Sicht im Regelfall nicht allein in der Schleimhaut, sondern auch im Atemmuster. Der Triadische Funktionskreis steht am Anfang vieler dieser Kausalketten.
Training
Nasenatmung trainieren: die Voraussetzung schaffen
Der Vorsatz, durch die Nase zu atmen, hält oft nur bis zum nächsten Gespräch oder bis zum Einschlafen. Ein Atemmuster ist ein gespeicherter Ablauf, und der ändert sich durch Wiederholung. Das FaceFormer-Training setzt an Atmung, Schlucken und Kopfbalance an und zielt auf die Umstellung von Mund- auf Nasenatmung, tags und nachts. Wenn man dieser Logik folgt, kann eine wieder durchströmte Nase die Voraussetzungen schaffen, dass die Nebenhöhlen besser belüftet werden und die Schleimhaut ihre Reinigung wieder leisten kann.
Beim Training sitzt der FaceFormer im Mundvorhof, also zwischen Lippen und Zähnen. Die Zungenspitze findet ihren Platz an der kleinen Erhebung gleich hinter den oberen Schneidezähnen. Der Kopf ist aufrecht, geatmet wird durch die Nase.
Die Grundübung besteht aus drei Schritten: Die Lippen schließen sich fest um den Lippenkeil, die Backenzähne beißen kurz aufeinander, dann schluckst du einmal. Dabei entsteht im Mund ein leichter Unterdruck, der die Zunge an den Gaumen holt. Der Mund bleibt dicht, und die Atemluft strömt durch die Nase ein und aus.
Ab etwa Woche 6 kommt die Atemübung dazu. Du atmest rund sechs Sekunden durch die Nase ein, hältst kurz die Luft an, beißt auf und schluckst und atmest dann sechs Sekunden lang aus. Die Atempause danach verlängerst du in kleinen Schritten, nur so weit, wie es angenehm ist.
- Ab Tag 1
Grundübung
Dreimal täglich wenige Minuten mit dem FaceFormer ZERO, die Wiederholungen steigerst du Woche für Woche.
- Ab etwa Woche 3
Zugübung und Nacht
Die Zugübung kommt dazu. Nachts trägst du den FaceFormer ZERO, sobald die Grundübung sitzt.
- Nach einigen Wochen
Wechsel auf den ONE
Tagsüber trainierst du mit dem FaceFormer ONE. Er ist gleich groß und geformt wie der ZERO, nur aus festerem Material.
- Ab etwa Woche 6
Atemübung
Die Atemübung verbindet das Training mit ruhiger Nasenatmung und Atempausen, die mit der Zeit länger werden.
- Über Monate
Das Muster läuft von selbst
Bis die neuen Abläufe ohne Nachdenken laufen, rechnet das Übungsmanual mit sechs bis zwölf Monaten.
Durch die Grundübungen führt dich die kostenlose FaceFormer-App, sämtliche Module stehen auf den Übungsseiten. Hast du Fieber, starke Schmerzen im Gesicht oder Beschwerden, die nicht abklingen, lass deine Nebenhöhlen zuerst ärztlich untersuchen. Kinder üben nach einem eigenen Plan, mehr dazu unter FaceFormer für Kinder.
Alltag
Gut für die Nebenhöhlen im Alltag
Nase als Normalweg
Lippen locker geschlossen, Zungenspitze am Referenzpunkt. So bleibt der Mundraum dicht, und die Luft nimmt von selbst den Weg durch die Nase.
Summen
Summen versetzt die Luft in Schwingung und verbessert in Messungen den Austausch zwischen Nase und Nebenhöhlen. Ob das bei einer Sinusitis etwas bewirkt, ist nicht untersucht.
Ruhig statt kräftig
Ist die Nase eng, atme langsamer statt stärker. Ruhige Atemzüge gehen durch eine enge Nase leichter als hastige.
Feuchte Schleimhaut
Trockene Heizungsluft setzt der Schleimhaut zu. Regelmäßiges Lüften und genug Trinken unterstützen sie bei ihrer Arbeit.
Rauch meiden
Tabakrauch reizt die Schleimhaut der Nase und der Nebenhöhlen. Das gilt auch für Passivrauch.
Kopfbalance am Bildschirm
Richte Bildschirm und Sitz so ein, dass dein Kopf über dem Körper balanciert und nicht nach vorn wandert.
Verordnetes nicht eigenmächtig absetzen
Nutzt du Nasenspray oder andere Mittel auf ärztlichen Rat, besprich Änderungen mit deiner Praxis. Das Training lässt sich damit kombinieren.
Fragen
Häufig gefragt
Was ist eine Sinusitis?
Sinusitis ist der Fachbegriff für eine Nasennebenhöhlenentzündung, also eine Entzündung der Schleimhaut in Stirnhöhlen, Kieferhöhlen, Siebbeinzellen oder Keilbeinhöhlen. Weil die Schleimhaut der Nase in der Regel mitbeteiligt ist, spricht die Fachliteratur auch von Rhinosinusitis.
Was sind die Ursachen einer Nasennebenhöhlenentzündung?
Am Anfang steht in vielen Fällen ein Virusinfekt. Entscheidend ist dann, ob die engen Öffnungen der Nebenhöhlen frei bleiben. Allergien, Rauchen, Polypen oder andere Engstellen können Belüftung und Abfluss erschweren. Aus unserer Sicht gehört eine wenig genutzte Nase, etwa durch gewohnheitsmäßige Mundatmung, mit auf diese Liste.
Woran erkenne ich eine chronische Sinusitis?
Typisch sind eine verstopfte oder laufende Nase, Druck im Gesicht und ein verminderter Geruchssinn. Halten mehrere dieser Beschwerden länger als zwölf Wochen an, spricht man von chronischer Sinusitis. In einer europäischen Befragung traf das auf rund jede zehnte erwachsene Person zu.
Wann sollte ich mit einer Nasennebenhöhlenentzündung zum Arzt?
Bei hohem Fieber, sehr starken oder einseitigen Schmerzen, Schwellung oder Rötung um die Augen, Sehstörungen, starken Kopfschmerzen mit steifem Nacken oder wenn es nach anfänglicher Besserung wieder schlechter wird. Eine bakterielle Sinusitis mit Fieber und starken Schmerzen gehört in ärztliche Behandlung.
Was tun bei Nasennebenhöhlenentzündung?
Ein paar Minuten zügig bewegen, damit die Nasenschleimhaut abschwillt, dann mit geschlossenen Lippen summen und ruhig durch die Nase atmen. Summen erhöht das Stickstoffmonoxid in der Nase stark, weil die schwingende Luft die Nebenhöhlen schneller belüftet. Bei hohem Fieber, starken oder einseitigen Schmerzen oder Schwellung um die Augen lass dich ärztlich untersuchen.
Nebenhöhlen zu, was tun?
Sind die Nebenhöhlen zu, ist häufig die Schleimhaut an ihren engen Öffnungen geschwollen, manchmal sind es auch Polypen oder zähes Sekret. Bewegung lässt sie für einige Minuten abschwellen, in diesem Fenster bringt Summen mit geschlossenen Lippen die Luft an den Öffnungen in Schwingung. Summ in kurzen Runden mit etwa drei Minuten Pause. Ob das die Entzündung verkürzt, ist nach unserer Kenntnis nicht untersucht, es ist eine einfache Hilfe für den Moment.
Braucht man bei Sinusitis Antibiotika?
Bei einer unkomplizierten akuten Sinusitis in vielen Fällen nicht. Eine Cochrane-Übersicht fand, dass ohne Antibiotika nach 14 Tagen knapp zwei Drittel gesund waren und Antibiotika nur wenigen Menschen einen schnelleren Verlauf brachten, bei häufigeren Nebenwirkungen. Ob du ein Antibiotikum brauchst, entscheidet die ärztliche Untersuchung.
Helfen Nasenspülungen bei Sinusitis?
Für die chronische Sinusitis gibt es Hinweise auf einen gewissen Nutzen täglicher Spülungen mit größerer Menge Salzlösung, die Belege sind aber von geringer Qualität. Spülungen lindern Beschwerden. An den Gewohnheiten, mit denen die Nase im Alltag genutzt wird, ändern sie nichts.
Kann Mundatmung eine Sinusitis begünstigen?
Direkte Studien dazu gibt es wenige. Gut beschrieben ist aber, dass Belüftung, Schleimhautreinigung und das NO der Nebenhöhlen am Luftstrom durch die Nase hängen. Bei ständiger Mundatmung fehlt dieser Luftstrom, die Öffnungen der Nebenhöhlen werden schlechter belüftet, und Sekret staut sich leichter. Der Schluss liegt nahe, dass Mundatmung Entzündungen der Nebenhöhlen begünstigt. Aus unserer Sicht ist sie im Regelfall ein Baustein, wenn eine Nasennebenhöhlenentzündung wiederkehrt.
Kann ich während einer Sinusitis mit dem FaceFormer trainieren?
Das Training lässt sich mit einer ärztlichen Behandlung kombinieren. Während einer akuten Entzündung mit Fieber steht die Behandlung im Vordergrund, danach steigst du wieder ein. Ist deine Nase über lange Zeit verlegt, lass das vor dem Training abklären.
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Quellen
- Lundberg JO, Farkas-Szallasi T, Weitzberg E, Rinder J, Lidholm J, Änggård A, Hökfelt T, Lundberg JM, Alving K (1995). High nitric oxide production in human paranasal sinuses. Nature Medicine 1(4):370-373. PMID 7585069. Quelle
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