
Fachartikel Mundmotorik
Stillen ist mehr als Ernährung.Es ist das erste Training für Mund und Atmung
An der Brust arbeitet dein Baby mit Lippen, Zunge und Unterkiefer und stimmt Saugen, Schlucken und Atmen aufeinander ab. Hier erfährst du, was dabei im Mund passiert, was Studien zu Zahnstellung, Flasche und Schnuller zeigen und was du ausgleichen kannst, wenn Stillen nach einem Kaiserschnitt schwerfällt oder nicht möglich ist.
Kennst du das?
Das Stillen klappt nicht wie erhofft, und du fragst dich, was deinem Kind fehlt?
Was trifft auf dich und dein Kind zu?
Tippe an, was auf dich zutrifft.
Treffen einige Punkte zu, ist das kein Grund für Schuldgefühle. Ein Kind, das nicht gestillt werden konnte, ist zu keiner Fehlentwicklung verurteilt. Vieles von dem, was der Mund beim Stillen leistet, lässt sich im Alltag unterstützen und später gezielt üben.
Was an der Brust passiertWas du ausgleichen kannstDas Wichtigste in Kürze
- Stillen fordert Lippen, Zunge und Unterkiefer und trainiert das Zusammenspiel von Saugen, Schlucken und Nasenatmung. Aus unserer Sicht ist es der erste Kalibrierungsreiz für Atmung, Schlucken und Kopfbalance.
- Studien verbinden Stillen mit selteneren Zahnfehlstellungen und weniger Mittelohrentzündungen. Lange Schnullergewohnheiten verändern die Zahnbögen. Es sind Beobachtungsstudien, die Richtung ist aber recht einheitlich.
- Nach Kaiserschnitt hilft früher Hautkontakt beim Stillstart. Klappt Stillen nicht, holt sich das Muster nicht von allein auf, du kannst aber vieles ausgleichen: langsames Trinken, begrenzter Schnuller, freie Nase, später Kauen und gezieltes Training.
Video
Stillen: Das Training fürs Leben
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Die ersten Minuten
Atmen, saugen, schlucken: ein Programm, das schon bereitliegt
Ein gesundes Neugeborenes muss das Trinken nicht erst lernen. Die Abläufe sind im Mutterleib monatelang vorbereitet worden und stehen ab der ersten Minute bereit.
Auf den Bauch der Mutter gelegt, schiebt sich ein Neugeborenes oft mit dem Kopf voran zur Brust. Die Stillforschung nennt das Breast Crawl. Geführt wird es auch vom Geruch des Kolostrums, der ersten Milch der ersten Tage. Es atmet dabei durch die Nase, denn der Kehlkopf sitzt beim Säugling so hoch, dass die Luft wie von selbst den Weg durch die Nase nimmt.
Oft heißt es, Babys könnten gleichzeitig schlucken und atmen. Genau genommen schlucken sie zwischen den Atemzügen, und für den Moment des Schluckens setzt die Atmung kurz aus. Eine Untersuchung aus Boston zeigte, dass beim Stillen die Schlucke geordnet zwischen den Atemzügen liegen und den Atemrhythmus nicht stören1. Ein Programm im Hirnstamm schaltet dafür im Bruchteil einer Sekunde zwischen Durchlassen und Verschließen um.
Das Baby lernt an der Brust nicht das Trinken. Es kalibriert ein Programm, das schon da ist.Aus unserer Sicht ist das Stillen der erste Kalibrierungsreiz für Atmung, Schlucken und Kopfbalance, die drei Basisfunktionen, auf denen später Kauen, Sprechen und freie Nasenatmung aufbauen.
Mundmotorik
Was dein Baby an der Brust trainiert
Trinken an der Brust ist für ein Baby anstrengend. Dr. Klaus Berndsen vergleicht es im Video mit einem kleinen Melkvorgang, bei dem der ganze Mundraum mitarbeitet.
Lippen
Sie umschließen die Brust lückenlos und dichten den Mundraum nach vorn ab.
Zunge
Sie bewegt sich in Wellen von vorn nach hinten und senkt sich dann ab. Die Zungenspitze findet dabei die kleine Erhebung am vorderen Gaumen, die Papilla incisiva. Dort setzt später die Zungenreferenzlage an.
Unterkiefer
Er arbeitet rhythmisch gegen den elastischen Widerstand der Brust.
Atmung
Die Luft geht durch die Nase, geschluckt wird zwischen den Atemzügen.
von 3 bis 24 Wochen beobachtete eine Arbeitsgruppe in Perth beim Stillen mit Ultraschall und maß dabei den Druck im Mund2
Unterdruck im Mund wurden im Mittel erreicht, wenn sich die Zunge am tiefsten gesenkt hatte. Genau dann floss die Milch2
Für die Entwicklung zählt, dass diese Arbeit viele Male am Tag stattfindet, Monat für Monat. Aus unserer Sicht ist das die intensivste frühe Schulung des Mundes. Berührung und Druck an Lippenrand, Zungenspitze und vorderem Gaumen geben dem Nervensystem genau die Rückmeldungen, aus denen es seine Referenz für Zunge, Lippen und Atemweg aufbaut.
Brust und Flasche
Gleiche Milch, andere Arbeit
Muttermilch und Stillen sind nicht dasselbe. Abgepumpte Milch aus der Flasche bleibt Muttermilch, die Arbeit im Mund ändert sich aber.
An der Flasche muss das Baby die Brustwarze nicht selbst in den Mund holen und formen, der Sauger steckt schon darin. Die Milch fließt leichter, oft hilft die Schwerkraft mit. Zunge und Unterkiefer müssen weniger leisten, und je größer das Loch im Sauger, desto mehr wird aus dem Saugen ein bloßes Schlucken.
Flasche ist aber nicht gleich Flasche. In der Bostoner Untersuchung verglichen Forschende das Stillen mit zwei Flaschensystemen. Mit dem weichwandigen System lagen die Schlucke wie an der Brust geordnet zwischen den Atemzügen. Mit dem hartwandigen System schluckten die Babys ungeordneter, die Atmung war stärker gestört und die Sauerstoffsättigung niedriger1.

An der Brust
- Das Baby holt und formt die Brustwarze selbst
- Milch fließt erst, wenn die Zunge Unterdruck aufbaut
- Lippen, Zunge und Unterkiefer arbeiten im Takt
- Das Baby bestimmt Tempo und Pausen
An der Flasche
- Der Sauger liegt fertig im Mund
- Milch fließt leichter, oft mit der Schwerkraft
- Zunge und Unterkiefer müssen weniger leisten
- Tempo hängt stark von Sauger und Haltung ab
Wie viel das Baby an der Flasche selbst arbeitet, lässt sich beeinflussen. Was hilft, steht weiter unten im Abschnitt zum Ausgleichen.
Schnuller und Unterdruck
Was ein Schnuller im Mundraum verändert
Ein Schnuller beruhigt, und kurz eingesetzt ist er kein Drama. Aus funktioneller Sicht kommt es auf die Stunden an, die er im Mund liegt.
Damit der Mundraum dicht ist, braucht es drei Dinge: geschlossene Lippen, eine Zunge, die sich an den Gaumen legt, und Atmung durch die Nase. Dann entsteht im Mund ein leichter Unterdruck, und die Zunge gibt dem Oberkiefer von innen Halt und Richtung. Ohne Mundschluss gibt es diesen Unterdruck nicht.
Ein Schnuller liegt genau in dem Raum, den die Zunge dafür braucht. Solange er im Mund ist, kann sie sich nicht an den Gaumen legen, der Unterkiefer sinkt leicht ab, und die Lippen schließen nur um den Schnuller herum.

Warum die Dauer so wichtig ist, erklärt ein Grundsatz aus der Kieferorthopädie. Für die Lage der Zähne sind vor allem die Kräfte entscheidend, die in Ruhe wirken, also der Druck von Zunge und Lippen3. Im Tierversuch zeigte sich, dass eine Kraft, die nur ein Zehntel der Zeit wirkte, kaum etwas veränderte. Wirkte sie die Hälfte der Zeit, war der Effekt so groß wie bei Dauerbelastung4.
Etwas liegt dauerhaft im Mund
Schnuller, Daumen oder Flaschensauger bleiben über Stunden zwischen Zunge und Gaumen.
Das Nervensystem passt sich an
Es speichert die abgesenkte Zunge und den offenen Mund als bevorzugtes Muster.
Die Form folgt
Zahnbögen und Gaumen entwickeln sich unter veränderten Kräften, bei vielen Kindern sichtbar an Biss und Zahnstellung.
Beschwerden zeigen sich später
Mundatmung, Schnarchen oder Sprechauffälligkeiten treten oft erst Jahre danach auf.
Die Daten passen zu dieser Kette. In Iowa wurden 372 Kinder von Geburt an begleitet. Lange Schnullergewohnheiten veränderten die Zahnbögen, und manche Veränderungen blieben lange nach dem Abgewöhnen bestehen5. Eine brasilianische Kohorte fand, dass Stillen einen vergrößerten Überbiss mit zwölf Jahren seltener machte, und zwar zu einem großen Teil, weil gestillte Kinder weniger Schnuller nutzten6.
In ihren Empfehlungen für sicheren Babyschlaf nennt die amerikanische Kinderärztevereinigung zur Vorbeugung des plötzlichen Kindstods neben Muttermilch auch den Schnuller18. Aus funktioneller Sicht zählt die Dauer. Besprich den Schnuller im Schlaf mit deiner Kinderarztpraxis und begrenze ihn tagsüber.
Studienlage
Stillen und Zahnstellung: was Studien zeigen
Ob Stillen die spätere Zahnstellung beeinflusst, lässt sich nicht im Experiment prüfen. Niemand würde Babys per Los das Stillen verwehren. Die Belege kommen deshalb aus Beobachtungsstudien, und ihre Richtung ist recht einheitlich.
für Zahnfehlstellungen bei gestillten gegenüber nie gestillten Kindern, zusammengefasst aus 41 Studien mit 27.023 Teilnehmenden7
seltener waren mittlere bis starke Fehlbisse bei Fünfjährigen, die bis zum sechsten Monat ausschließlich gestillt wurden, verglichen mit nie gestillten, ausgewertet bei 1.303 Kindern8
von drei bis fünf Jahren wurden beim Kauen untersucht. Wer zwölf Monate oder länger gestillt wurde, kaute im Mittel besser, unabhängig von Flasche und Schnuller9
Nicht jede Studie findet einen Effekt. In Iowa hing die Stilldauer im ersten Lebensjahr nicht mit den gemessenen Zahnbögen zusammen, die Schnullerdauer dagegen schon5. Solche Befunde gehören zur ehrlichen Einordnung. Sie zeigen auch, wie eng Stillen und Sauggewohnheiten zusammenhängen.
Stillen ist ein wichtiger früher Einfluss. Nicht der einzige.Auch Anlage, Nasenatmung, Gewohnheiten und Erkrankungen prägen, wie sich Kiefer und Zähne entwickeln. Eine frühe Risikokonstellation legt das spätere Gebiss nicht fest.
Eine eigene Befragung von Dr. Klaus und Sabine Berndsen aus dem Jahr 2005 passt ins Bild, ist aber nur ein Hinweis. Von 315 Erwachsenen, die wegen Schnarchen behandelt wurden, gaben 20 % an, mindestens sechs Monate gestillt worden zu sein. Eine Vergleichsgruppe ohne Schnarchen gab es nicht19. Alle Studien zur Methode findest du unter Studien und Wissenschaft.
Bindung und Gesundheit
Oxytocin, Infekte, Mittelohr: was Stillen noch leistet
Beim Stillen geht es um mehr als den Mund. Mutter und Kind stimmen sich körperlich aufeinander ein, und die Milch bringt Abwehrstoffe mit.
Wenn das Baby an der Brust saugt, schüttet die Mutter das Hormon Oxytocin aus. Es lässt die Milch fließen und wird oft Bindungshormon genannt. Eine Übersichtsarbeit fasste 29 Untersuchungen mit 601 Frauen zusammen. Das Stillen löste sofort eine etwa 20 Minuten anhaltende Ausschüttung aus. Die Stresshormone sanken, und die Frauen waren weniger ängstlich und offener für Kontakt12.
weniger Mittelohrentzündungen in den ersten zwei Lebensjahren gingen mit sechs Monaten ausschließlichem Stillen einher, zusammengefasst aus 24 Studien10
Die große Übersicht der Fachzeitschrift The Lancet zum Stillen kam zu dem Ergebnis, dass gestillte Kinder besser vor Infekten und vor Zahnfehlstellungen geschützt sind11. Beim Mittelohr sehen wir zusätzlich die Funktion. Wer durch die Nase atmet und richtig schluckt, belüftet das Ohr über die Ohrtrompete. Mehr dazu im Artikel zu Ohrendruck und Druckausgleich.
Kaiserschnitt
Nach dem Kaiserschnitt: der Stillstart braucht oft mehr Hilfe
Viele Kinder kommen per Kaiserschnitt zur Welt. Stillen ist danach genauso möglich, der Anfang ist aber häufiger schwerer.
Nach einem Kaiserschnitt hat die Mutter Wundschmerzen, die Milch kann später einschießen, und das erste Anlegen verzögert sich oft. Beim Kind fehlt die Geburtsreise durch den Geburtskanal. Eine große Auswertung aus 33 Ländern zeigt, wo die Hürde liegt, nämlich am Anfang, besonders nach einem geplanten Eingriff vor Wehenbeginn.
für frühes Stillen nach Kaiserschnitt gegenüber vaginaler Geburt, ausgewertet an über 550.000 Müttern13
mit sechs Monaten, wenn das Stillen einmal begonnen hatte. Der Start ist die Hürde13
Das ist eine gute Nachricht. Es kommt auf die ersten Stunden und Tage an. Legt man das Baby direkt nach der Geburt nackt auf die Brust der Mutter, stillen Mütter laut Cochrane-Übersicht häufiger ausschließlich, bis zur Entlassung und noch Wochen danach14. Auch Oxytocin spielt mit. Nach einem Notkaiserschnitt fiel die Ausschüttung beim Stillen geringer aus12.
Dr. Berndsen beobachtet bei Kindern nach einem Kaiserschnitt häufiger, dass das Saugen anfangs schwächer und weniger geordnet abläuft. Untersucht ist das nicht. Es passt aber dazu, dass der Stillstart nach einem Kaiserschnitt nachweislich häufiger schwerfällt, und es ist ein Grund, das Saugen in den ersten Wochen besonders zu begleiten.
Hautkontakt planen
Sprich vorab mit Klinik und Hebamme über Hautkontakt direkt nach der Geburt, auch im OP oder im Aufwachraum.
Stillberatung nutzen
Hebammen und Stillberaterinnen helfen beim Anlegen und bei der Haltung, wenn die Narbe schmerzt.
Abpumpen statt aufgeben
Klappt das Anlegen noch nicht, hält Abpumpen die Milchbildung in Gang, bis es gelingt.
Brust-OP und Trinkprobleme
Brust-OP, Zungenbändchen, Trinkschwäche: wenn Stillen schwerfällt
Nicht jede Stillhürde liegt an der Geburt. Manche liegen bei der Mutter, manche beim Kind.
Bei einer Brustvergrößerung liegt ein Implantat im Brustgewebe. Eine Übersichtsarbeit fand drei kleine Studien dazu. Stillen versuchten Frauen mit Implantaten genauso oft. Wenn sie stillten, stillten sie aber seltener ausschließlich15. Die Datenlage ist dünn.
Wer eine Brust-OP plant und später stillen möchte, spricht das am besten im Aufklärungsgespräch an. Wer schon operiert ist, kann sich früh Unterstützung durch eine Stillberatung holen.

Beim Kind wird oft zuerst das Zungenbändchen verdächtigt. Ob das Durchtrennen eines straffen Bändchens das Stillen verbessert, ist nach dem Bericht der amerikanischen Kinderärztevereinigung nicht geklärt. Viele Anzeichen überschneiden sich mit anderen Stillproblemen, deshalb empfiehlt sie, das Trinken im Team genau anzusehen16. Entscheidend ist, wie das Kind trinkt, nicht wie das Bändchen aussieht. Wann ein Schnitt nötig ist und warum die Zunge danach neu lernen muss, erklärt der Artikel Zungenbändchen durchtrennen.
Trinkt dein Baby schwach, verschluckt es sich oft, wird es beim Trinken blass oder bläulich, oder nimmt es nicht zu, lass das zeitnah in der Kinderarztpraxis abklären. Das gilt besonders für Frühgeborene, bei denen Saugen, Schlucken und Atmen oft noch nicht ausgereift sind.
Ausgleichen
Wenn Stillen nicht möglich ist: was du ausgleichen kannst
Nicht jede Mutter kann stillen, und nicht jede möchte es. Wichtig ist, was du ab jetzt für die Funktion tun kannst.
Dr. Klaus Berndsen sagt im Video deutlich, dass sich die Arbeit an der Brust nicht eins zu eins nachmachen lässt. Fehlt diese frühe Schulung und kommen weitere Störfaktoren wie Schnuller, Flasche oder eine verlegte Nase hinzu, kann sich ein abweichendes Muster aus Zunge, Lippen und Atmung etablieren. Aus unserer Sicht zeigt es sich später häufig als Mundatmung, Zungenfehlfunktion oder Zahn- und Kieferfehlstellung.
Das ist kein Vorwurf an Eltern, die nicht stillen konnten. Von allein holt sich das Muster nicht auf, aber das Grundprogramm bleibt angelegt und wird höchstens überlagert. Andere Reize müssen einspringen, im Alltag und später im gezielten Training, denn das Muster lässt sich trainieren.
Das Baby arbeiten lassen
Halte dein Baby beim Füttern eher aufrecht und die Flasche eher waagerecht. Dann fließt die Milch nicht von allein, und dein Kind muss selbst saugen.
Langsamer Sauger
Wähle einen Sauger mit kleinem Loch und vergrößere es nie selbst. Die Flasche soll nicht in wenigen Minuten leer sein.
Pausen zulassen
Nimm die Flasche zwischendurch kurz aus dem Mund. So bestimmt dein Baby Tempo und Atemrhythmus selbst.
Schnuller begrenzen
Gib den Schnuller gezielt, nicht als Dauerlösung, und nimm ihn heraus, sobald dein Kind schläft oder ruhig ist.
Nase frei halten
Achte darauf, dass dein Kind durch die Nase atmet. Ist die Nase lange verstopft, lass das ärztlich ansehen.
Kauen und Becher
Biete ab dem Beikostalter Stückchen zum Kauen an und übe früh das Trinken aus dem offenen Becher.
Dein Baby trinkt 120 ml aus der Flasche in fünf Minuten und verschluckt sich dabei. Was ist ein sinnvoller erster Schritt?
Alltag
Den Schnuller gut begleiten
Viele Eltern möchten nicht ganz auf den Schnuller verzichten. Dann kommt es darauf an, wie lange und wie oft er im Mund ist.
Eine Cochrane-Übersicht fand bei gesunden, gestillten Babys, dass ein Schnuller die Stillquote bis zum vierten Monat nicht messbar senkte, wenn das Stillen schon lief. Zu den Folgen für Zähne und Mund lagen dort keine Daten vor17. Die Frage nach der Mundfunktion beantworten die Studien zu Zahnbögen und Biss weiter oben.
Aus logopädischer Sicht gilt eine einfache Regel: Behandle den Schnuller wie ein Medikament. Mit klarem Anlass, begrenzter Dauer und einem festen Ende, spätestens wenn die ersten Wörter den Mund brauchen20.

Anlass statt Gewohnheit
Gib den Schnuller zum Einschlafen oder zum Trösten, nicht beim Spielen oder im Kinderwagen auf Dauer.
Raus, wenn es schläft
Ist dein Kind eingeschlafen, nimm den Schnuller vorsichtig heraus.
Werbeversprechen prüfen
Bezeichnungen wie kiefergerecht ändern nichts daran, dass etwas zwischen Zunge und Gaumen liegt. Das gilt auch für den Daumen.
Früh abgewöhnen
Je kürzer die Gewohnheit, desto leichter fällt der Abschied. Ein Tauschritual hilft vielen Kindern.
Später
Wenn sich ein Ausweichmuster eingeschliffen hat
Ob die frühe Zeit Spuren hinterlassen hat, zeigt sich oft erst im Kleinkind- und Kindergartenalter. Dann lohnt ein genauer Blick auf die Basisfunktionen.
Mund offen
Beim Spielen, Fernsehen oder im Schlaf steht der Mund oft offen.
Schnarchen
Dein Kind schnarcht oder schläft unruhig.
Zunge vorn
Beim Schlucken oder Sprechen schiebt sich die Zunge zwischen die Zähne.
Schnuller oder Daumen
Sie sind lange nach dem zweiten Geburtstag noch oft im Mund.
Häufige Infekte
Erkältungen oder Mittelohrentzündungen kommen wiederholt.
Zähne und Biss
In der Zahnarztpraxis fallen Zahnstellung oder Biss auf.
Ein Muster, das von selbst läuft, lässt sich nicht mit Ermahnungen ändern. Es wird durch viele gleiche Wiederholungen neu gelernt. Genau darauf setzt die FaceFormer-Therapie. Sie trainiert Atmung, Schlucken und Kopfbalance gemeinsam, statt einzelne Muskeln zu kräftigen, und schafft damit aus unserer Sicht die Voraussetzung, dass sich Mundschluss und Nasenatmung einstellen können.
Kinder üben mit dem FaceFormer ZERO. Er hat dieselbe Form und Größe wie der ONE, nur das Material ist weicher. In der Grundübung und der Zugübung legt sich die Zunge an den Gaumen, und die Luft geht durch die Nase. Die Kleinsten üben im Spiel, begleitet von der App-Figur Facy.

Kinder unter vier Jahren trainieren nur mit fachkundiger Begleitung. Wie das Training mit Kindern aufgebaut ist, welche Übungspläne es gibt und wie du dein Kind motivierst, steht ausführlich auf der Seite FaceFormer für Kinder. Ärztlich, zahnärztlich oder logopädisch verordnete Behandlungen setzt du bitte nicht eigenmächtig ab. Das Training lässt sich mit ihnen kombinieren.
Wie Nasenatmung, Zunge und Schlucken im Kindesalter zusammenhängen, vertiefen die Artikel zur Zungenreferenzlage, zum Schluckmuster, zu Polypen und Mundatmung beim Kind und zum Lippenschluss. Schnarcht dein Kind, lohnt der Artikel zu Schnarchen und Schlafapnoe. Warum eine Nase, durch die wenig geatmet wird, eher zuschwillt, erklärt der Artikel zur Nasenscheidewand.
Fragen
Häufig gefragt
Warum ist Stillen gut für die Mundmotorik?
Beim Stillen arbeiten Lippen, Zunge und Unterkiefer im Takt, und Saugen, Schlucken und Atmen werden aufeinander abgestimmt. Die Milch fließt erst, wenn die Zunge einen Unterdruck aufbaut. Aus unserer Sicht ist das die intensivste frühe Schulung des Mundes und die Grundlage für Kauen, Sprechen und Nasenatmung.
Beeinflusst Stillen die Zahnstellung?
Beobachtungsstudien sprechen dafür. In einer Zusammenfassung von 41 Studien hatten gestillte Kinder seltener Zahnfehlstellungen als nie gestillte. Nicht jede Studie findet diesen Zusammenhang, und auch Anlage, Nasenatmung und Sauggewohnheiten wie lange Schnullernutzung spielen eine Rolle.
Ist abgepumpte Muttermilch aus der Flasche genauso gut wie Stillen?
Für die Ernährung bleibt es Muttermilch. Für den Mund ist es ein Unterschied, denn an der Flasche muss das Baby weniger arbeiten. Ein langsamer Sauger, eine aufrechte Haltung und Pausen beim Füttern helfen, dass dein Baby selbst saugt und sein Tempo bestimmt.
Kann ich nach einem Kaiserschnitt stillen?
Ja. Der Start ist nach einem Kaiserschnitt häufiger schwerer, etwa wegen Schmerzen oder später einschießender Milch. Hat das Stillen einmal begonnen, stillen Mütter nach Kaiserschnitt mit sechs Monaten laut einer großen Auswertung ähnlich oft wie nach vaginaler Geburt. Früher Hautkontakt und Unterstützung durch Hebamme oder Stillberatung helfen.
Wie lange darf mein Baby einen Schnuller haben?
Aus funktioneller Sicht zählt vor allem, wie viele Stunden am Tag er im Mund liegt und über wie viele Monate. Gib ihn gezielt statt dauerhaft und gewöhne ihn früh ab, spätestens wenn dein Kind zu sprechen beginnt. Zum Schnuller im Schlaf und zur Vorbeugung des plötzlichen Kindstods berät dich deine Kinderarztpraxis.
Mein Kind wurde nicht gestillt und atmet durch den Mund. Was kann ich tun?
Lass zuerst ansehen, ob die Nase frei ist. Das Muster aus Mundschluss, Zungenreferenzlage und Nasenatmung lässt sich trainieren. Kinder üben dafür mit dem FaceFormer ZERO in Grund- und Zugübung, Kinder unter vier Jahren mit fachkundiger Begleitung. Mehr dazu unter FaceFormer für Kinder.
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Quellen
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