Trigeminusschmerzen: Trigeminusnerv, Neuralgie und Gesichtsschmerzen einordnen

Fachartikel Kiefer und Kopf

TrigeminusschmerzenDer große Gefühlsnerv des Gesichts

Es schmerzt in Wange, Kiefer oder Schläfe, und im Raum steht der Trigeminus? Hier erfährst du, wo der Trigeminusnerv verläuft, woran man eine Trigeminusneuralgie erkennt und warum sie neurologisch behandelt gehört. Und du erfährst, was Kaumuskeln, Nacken und die Basisfunktionen Atmung, Schlucken und Kopfbalance mit vielen anderen Gesichtsschmerzen zu tun haben.

Kennst du das?

Es schmerzt im Gesicht, und alle reden vom Trigeminus?

Was trifft auf dich zu?

Tippe an, was auf dich zutrifft.

Die ersten fünf Punkte passen zu Schmerzen, an denen Kaumuskeln, Kiefergelenk und Nacken beteiligt sind. Hier lohnt der Blick auf Atmung, Schlucken und Kopfbalance. Der letzte Punkt beschreibt das typische Bild einer Trigeminusneuralgie. Sie gehört zuerst in neurologische Hände.

Woran man die Neuralgie erkenntKiefer, Kaumuskeln und Nacken
Das ersetzt keine Untersuchung. Es zeigt dir nur, wo du in diesem Artikel weiterlesen kannst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Trigeminus ist der fünfte Hirnnerv und der große Gefühlsnerv des Gesichts. Er meldet Berührung, Druck, Temperatur und Schmerz aus Haut, Zähnen, Mund und Nase und steuert die Kaumuskeln.
  • Die Trigeminusneuralgie mit kurzen, blitzartigen Attacken ist eine neurologische Erkrankung. Sie gehört ärztlich abgeklärt und behandelt, das Training ersetzt das nicht.
  • Viele andere Gesichtsschmerzen haben mit Kaumuskeln, Kiefergelenk und Nacken zu tun. Am Anfang steht aus unserer Sicht im Regelfall ein gestörtes Muster aus Atmung, Schlucken und Kopfbalance, und Muster lassen sich trainieren.

Video

Trigeminusnerv: Wo er verläuft und warum er schmerzen kann

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Anatomie

Nervus trigeminus: der Drillingsnerv des Gesichts

Zwölf Nervenpaare treten direkt aus dem Gehirn aus. Der fünfte von ihnen versorgt fast das ganze Gesicht.

Der Nervus trigeminus heißt auf Deutsch Drillingsnerv, weil er sich in drei große Äste teilt. Er ist der größte sensible Hirnnerv des Kopfes. Seine Fasern melden Berührung, Druck, Temperatur und Schmerz aus Stirn, Wangen, Lippen, Zähnen, Zahnfleisch, Gaumen, Nasenschleimhaut und Kiefergelenk. Dazu kommt ein motorischer Anteil. Er steuert die Kaumuskeln, die den Unterkiefer heben, halten und bewegen.

V1 AugenastNervus ophthalmicus: Stirn, Oberlid, Auge und Nasenrücken
V2 OberkieferastNervus maxillaris: Wange, Oberlippe, obere Zähne, Gaumen und Nasenschleimhaut
V3 UnterkieferastNervus mandibularis: Unterlippe, Kinn, untere Zähne, vordere Zunge, Kiefergelenk und die Kaumuskeln

Umgangssprachlich wird der Trigeminus oft Gesichtsnerv genannt. Anatomisch ist das ein anderer Nerv. Der Nervus facialis, der siebte Hirnnerv, bewegt die mimische Muskulatur und mit ihr die Lippen. Der Trigeminus fühlt, der Facialis bewegt die Mimik. Wer nach Gesichtsnerv und Schmerzen sucht, meint deshalb in der Regel den Trigeminus.

Wie viel Kraft der Trigeminus steuert, zeigt der Blick auf die Kaumuskeln. Der Schläfenmuskel fächert sich über die Schläfe, der Kaumuskel, der Masseter, spannt sich vom Jochbogen zum Kieferwinkel. Beide werden über den dritten Ast versorgt.

Aus diesen Muskeln und aus dem Halteapparat der Zähne laufen Meldungen über Länge und Druck in einen besonderen Kern im Hirnstamm. Seine Nervenzellen sind die einzigen ersten Sinneszellen, deren Zellkörper im Zentralnervensystem selbst liegen1. So lassen sich Bisskraft und Kieferstellung fein und schnell regeln.

3D-Modell: Schläfenmuskel und Kaumuskel (rot), beide vom dritten Trigeminusast versorgt.
3D-Modell: Schläfenmuskel und Kaumuskel (rot), beide vom dritten Trigeminusast versorgt.

Sensorik

Wo verläuft der Trigeminusnerv? Ein Fühler für Mund, Zähne und Nase

Der Trigeminus ist kein bloßes Schmerzkabel. Den größten Teil des Tages meldet er ganz alltägliche Dinge.

Der Nerv entspringt am Hirnstamm und bildet an der Schädelbasis einen Nervenknoten, das Ganglion trigeminale. Von dort ziehen die drei Äste durch kleine Knochenöffnungen über dem Auge, unter dem Auge und am Unterkiefer in Haut und Schleimhaut. Lippen, Zungenspitze und vorderer Gaumen gehören zu den am feinsten fühlenden Regionen des Körpers. Jeder Bissen, jeder Schluck und jeder Atemzug durch die Nase erzeugt Meldungen, die über den Trigeminus in den Hirnstamm laufen.

Der Trigeminus ist kein Schmerzkabel. Er ist der wichtigste Fühler des Mundes.Er meldet Kontakt, Druck und Luftstrom, und das Gehirn richtet danach Zunge, Kiefer und Lippen aus.

Wie sehr die Nase über diesen Nerv wahrgenommen wird, zeigt eine Untersuchung an 44 gesunden Personen. Ob sich die Nase frei anfühlte, hing nicht mit dem gemessenen Widerstand zusammen. Am stärksten zählte die Kühlung der Schleimhaut durch die einströmende Luft, eine Empfindung, die trigeminale Fasern liefern2. Bei Mundatmung fehlt dieser Reiz. Mehr zur Nase im Artikel Nasenscheidewand verkrümmt.

Trigeminusneuralgie

Trigeminusneuralgie: blitzartig, kurz und heftig

Wenn von Trigeminusschmerzen die Rede ist, denken viele zuerst an die Neuralgie. Sie ist ein eigenes, klar beschriebenes Krankheitsbild.

Typisch sind sehr heftige, stechende Schmerzattacken im Gesicht, die nur kurz dauern und durch leichte Reize ausgelöst werden3. Betroffene beschreiben sie wie einen elektrischen Schlag. Auslöser können Berührung, Zähneputzen, Sprechen, Kauen oder ein Luftzug sein. Zwischen den Attacken ist oft Ruhe, bei einem Teil der Betroffenen bleibt ein dumpfer Hintergrundschmerz.

69%

hatten die Attacken nur im zweiten oder dritten Ast, also in Wange, Kiefer oder Zähnen, untersucht an 158 Betroffenen einer Spezialklinik4

49%

hatten neben den Attacken zusätzlich einen anhaltenden Schmerz4

52,9Jahre

betrug das mittlere Alter bei Beginn, 60 % der Betroffenen waren Frauen4

Die Fachgesellschaften unterscheiden drei Formen5. Bei der klassischen Form drückt ein Blutgefäß auf die Nervenwurzel und verändert sie. Bei der sekundären Form steckt eine andere Erkrankung dahinter, etwa Multiple Sklerose oder ein Tumor. Findet sich keine Ursache, heißt sie idiopathisch. Weil sich die Formen am Beschwerdebild allein nicht sicher unterscheiden lassen, gehört eine spezielle Kernspintomographie zur Abklärung6.

Blitzartige Schmerzattacken im Gesicht gehören neurologisch abgeklärt und behandelt. Laut europäischer Leitlinie sind Carbamazepin und Oxcarbazepin die Medikamente erster Wahl. Reichen sie nicht aus oder werden sie schlecht vertragen, kommt eine Operation in Betracht6. Das FaceFormer-Training ist keine Behandlung der Trigeminusneuralgie. Verordnete Medikamente setzt du nie eigenmächtig ab.

Unterscheiden

Gesichtsschmerzen: nicht jeder Schmerz ist der Nerv

Die Neuralgie ist selten. Viele Schmerzen in Wange, Kiefer und Schläfe haben einen anderen Charakter.

In einer niederländischen Auswertung von Hausarztdaten traten die dort untersuchten Formen von Gesichtsschmerz zusammen bei 38,7 von 100.000 Menschen pro Jahr neu auf. Die Trigeminusneuralgie war darunter eine der häufigsten7. Die Autoren nennen Gesichtsschmerz dieser Art relativ selten. Schmerzen im Gesicht insgesamt sind dagegen häufig, wie eine große Studie aus den USA zeigt.

19%

der anfangs beschwerdefreien Erwachsenen gaben pro Jahr Gesichtsschmerzen an, beobachtet an 3.258 Personen in der US-Studie OPPERA8

4%

entwickelten pro Jahr eine ärztlich bestätigte CMD mit Schmerzen, also Beschwerden an Kaumuskeln und Kiefergelenk8

Trigeminusneuralgie

  • Kurze Attacken, oft nur Sekunden
  • Stechend, elektrisierend, einschießend
  • Ausgelöst durch leichte Berührung, Sprechen oder Zähneputzen
  • In der Regel einseitig, im Gebiet eines oder zweier Äste

Muskel- und Kiefergelenkschmerz

  • Hält Stunden bis Tage an
  • Dumpf, drückend oder ziehend
  • Stärker bei Kauen, Pressen, Knirschen oder langem Sprechen
  • Oft zusammen mit Nacken- oder Kopfschmerzen

Die Gegenüberstellung ersetzt keine Untersuchung. Sie hilft dir, deine Beobachtungen für das ärztliche Gespräch zu ordnen.

Weil die Schmerzen oft in Zähnen und Kiefer sitzen, landen viele Menschen mit einer Neuralgie zuerst beim Zahnarzt. In einer Klinik in Bagdad war das bei 88 von 104 Betroffenen so. Am häufigsten wurde ein Zahn gezogen, rund zwei Drittel sprachen auf die zahnärztliche Behandlung nicht an9. Zeitnah abklären lassen solltest du außerdem diese Zeichen.

Taubheit im Gesicht

Ein Bereich fühlt sich anhaltend taub oder pelzig an.

Neue Ausfälle

Doppelbilder, ein hängender Mundwinkel, Hör- oder Sprechstörungen kommen hinzu.

Bläschen oder Ausschlag

Brennender Schmerz mit Hautausschlag, etwa bei einer Gürtelrose im Gesicht.

Fieber oder Schwellung

Schmerz mit Fieber oder Schwellung an Zahn, Wange oder Nebenhöhle.

Zahnschmerz ohne Befund

Ein Zahn sieht gesund aus und schmerzt trotzdem blitzartig.

Neuer, starker Dauerschmerz

Ein Schmerz, der neu auftritt, stark ist und nicht nachlässt.

Kiefer und Kaumuskeln

Trigeminus und Kiefer: wenn die Kaumuskeln Dauerdienst haben

Der dritte Ast fühlt nicht nur, er bewegt auch. Das macht ihn zum Nerv des Kiefers.

Kaumuskeln sind für kurze, kräftige Arbeit gebaut. Beim Kauen, beim Schlucken und beim kurzen Aufbeißen treffen die Zähne aufeinander, danach lösen sie sich wieder. In Ruhe haben die Zahnreihen keinen Kontakt, die Lippen liegen locker aufeinander, die Zunge liegt am Gaumen. Wird aus kurzer Arbeit Dauerarbeit, etwa durch Pressen oder Knirschen, melden Muskeln, Zahnhalteapparat und Kiefergelenk das über den Trigeminus.

  1. Das Muster weicht ab

    Mundatmung, eine tief liegende Zunge oder ein nach vorn verlagerter Kopf. Oft beginnt das früh, etwa mit Schnuller, Flasche oder Daumen.

  2. Der Körper kompensiert

    Kaumuskeln, Mundboden und Nacken übernehmen Haltearbeit, für die sie nicht gedacht sind. Das Nervensystem speichert diese Lösung als gewohntes Muster.

  3. Strukturen passen sich an

    Zahnabrieb, Belastung des Kiefergelenks, veränderte Spannung im Nacken.

  4. Beschwerden treten auf

    Schmerz in Kaumuskeln, Schläfe, Wange oder Zähnen, also im Versorgungsgebiet des Trigeminus. Wann und wie stark, hängt vom Ausmaß, von der Dauer und vom Lebensalter ab.

So sehen wir die Kette vieler Gesichtsschmerzen. Am Anfang steht aus unserer Sicht im Regelfall kein kranker Nerv, sondern ein Nerv, der zuverlässig meldet, was die Muskulatur leistet. Bei muskulär bedingten Gesichtsschmerzen dämpfen Schmerzmittel und Muskelrelaxantien die Meldung oder die Spannung. Warum die Kaumuskeln Dauerdienst haben, klären sie nicht.

Eine Aufbissschiene hält den Biss von außen, ohne ihn zu führen, und kann die Kaumuskeln weiter zum Pressen reizen. Die Belastung kann sich dann auf andere Muskeln und Gelenke verlagern. Bei der Trigeminusneuralgie liegt der Fall anders, dort sind Medikamente die Standardbehandlung der Leitlinie. Ausführlich zu Kiefergelenk, Aufbissschiene und Übungen liest du im Artikel CMD verstehen.

Nacken

Trigeminusnerv und Nacken: eine gemeinsame Schaltstelle

Wer Schmerzen im Gesicht hat, hat häufig auch einen festen Nacken. Dafür gibt es eine anatomische Grundlage.

Ein Teil der Trigeminusfasern zieht im Hirnstamm abwärts bis ins obere Halsmark. Dort treffen sie auf Fasern der oberen Halsnerven. Diese Region heißt trigeminozervikaler Kern. Nach einer Übersichtsarbeit erlaubt dieses Zusammenlaufen, dass Schmerz zwischen Nacken und Gesicht in beide Richtungen verlagert empfunden wird10.

Nachbarschaft allein ist allerdings noch keine Übertragung. Belegt ist eine eigene Reflexbahn. Reizt man einen Trigeminusast unter dem Auge, antwortet der Kopfwendermuskel am Hals mit kurzer Verzögerung. Diesen trigemino-zervikalen Reflex fand eine Arbeitsgruppe in Meran bei 13 von 15 Menschen mit chronischem Spannungskopfschmerz verändert, bei episodischem nur bei einem von 1511.

Dr. Berndsen erklärt am Modell, wie Schädel, Kiefer und Halswirbelsäule zusammenarbeiten.
Dr. Berndsen erklärt am Modell, wie Schädel, Kiefer und Halswirbelsäule zusammenarbeiten.

Auch in der Bewegung arbeiten Kiefer und Kopf zusammen. Bei zwölf gesunden Erwachsenen streckte sich der Kopf zu Beginn der ersten Kieferbewegung leicht und behielt diese Stellung bei. Die Kopfbewegung setzte in der Regel vor der Kieferbewegung ein12. In einer Messung aus Nagasaki wurde der Kopfwendermuskel im Mittel 12,5 bis 24,3 Millisekunden vor der Kopfbewegung aktiv. Die Autoren sehen darin ein zentral vorprogrammiertes Zusammenspiel13.

Leg zwei Finger seitlich an den Nacken, knapp unter den Schädel, und öffne langsam den Mund, so weit es angenehm ist. Was spürst du?

Dieselbe Nachbarschaft von Gesicht, Kiefer und Nacken spielt auch bei Ohrgeräuschen eine Rolle. Mehr dazu im Artikel Tinnitus.

Die Triade

Warum wir auf Atmung, Schlucken und Kopfbalance schauen

Der Trigeminus meldet, was im Gesicht geschieht. Was dort geschieht, bestimmen die drei Basisfunktionen.

Atmung

Bei Nasenatmung liegen die Lippen locker aufeinander, und der Unterkiefer hängt entspannt. Bei Mundatmung sinkt er ab, Zunge und Kaumuskeln halten anders, und der Luftstrom in der Nase fehlt dem Trigeminus als Reiz.

Schlucken

Du schluckst viele hundert bis tausend Mal am Tag. Beim reifen Schluck liegt die Zunge am Gaumen, die Zähne treffen kurz aufeinander, die Kaumuskeln geben gleich wieder frei. Wird beim Schlucken gepresst, arbeiten sie jedes Mal mit.

Kopfbalance

Balanciert der Kopf über dem Körper, trägt der Nacken ihn mit wenig Aufwand. Wandert er nach vorn, ändern sich aus unserer Sicht die Zuglinien an Unterkiefer und Zungenbein, und Kaumuskeln wie Nacken leisten mehr Haltearbeit.

Ein Gesichtsschmerz ist aus unserer Sicht häufig das Ende einer solchen Kette, nicht ihr Anfang. Ob eine gestörte Basisfunktion korrigiert werden sollte, entscheidet sich an ihr selbst, nicht an der Beschwerde, die sie schon verursacht hat. Eine Besserung ist dann aus unserer Sicht eine häufige Folge, nicht der eigentliche Gegenstand des Trainings. Wie ein reifer Schluck abläuft, liest du im Artikel Schlucken und Schluckstörung.

Wie ein Rauchmelder in der Küche

Ein Rauchmelder, der beim Kochen anschlägt, ist nicht kaputt. Er meldet zuverlässig, was am Herd passiert. Stellt man nur den Melder leiser, ändert sich am Herd nichts. Ruhig wird es, wenn weniger qualmt. So sehen wir den Trigeminus bei vielen muskulären Gesichtsschmerzen. Anders ist es bei der Neuralgie, dort ist der Nerv selbst betroffen.

Studienlage

Was belegt ist, und was nicht

Wir trennen, was untersucht ist, von dem, was wir aus der Funktion ableiten.

187Menschen

mit überwiegend muskulär bedingten Kieferschmerzen wurden an der Universität Jena 12 Wochen begleitet. In beiden Trainingsgruppen sank der Schmerz, in der Gruppe ohne Training nicht14

84 / 79 / 24Personen

übten koordinativ mit dem FaceFormer, mit einem Kräftigungsprogramm oder gar nicht. Die beiden Trainingsgruppen unterschieden sich nicht voneinander14

Diese Arbeit ist begutachtet und hat eine Vergleichsgruppe, sie hat aber Grenzen. Wie die Gruppen gebildet wurden, ist nicht beschrieben, die Gruppe ohne Training war klein, und zwei Entwickler des FaceFormers sind Mitautoren. Beobachtet wurde nur 12 Wochen lang. Zur Trigeminusneuralgie gibt es keine Untersuchung mit dem FaceFormer, und wir beanspruchen dort keine Wirkung.

Aus dem Fehlen einer Untersuchung folgt nicht, dass der Zusammenhang nicht besteht. Es folgt, dass er nicht geprüft ist.Unabhängige Studien unterstützen wir, ohne Einfluss auf Durchführung und Auswertung. Alle eigenen Arbeiten mit ihren Grenzen stehen auf der Seite Studien und Wissenschaft.

Training

Trigeminusnerv beruhigen? Die Basisfunktionen trainieren

Ein Muster ändert sich nicht durch Einsicht, sondern durch präzise, häufige Wiederholung.

Wer die Zähne presst, nimmt sich oft vor, es zu lassen. Im nächsten konzentrierten Moment liegen sie wieder aufeinander. Kompensationsmuster sind gespeicherte Abläufe. Das ursprüngliche Programm ist nicht gelöscht, sondern überlagert, und es lässt sich wieder erlernen. Im FaceFormer-Training übst du Lippenschluss, Nasenatmung, Zungenreferenzlage, Schlucken und Kopfbalance gleichzeitig in einem Ablauf, nicht einzelne Muskeln isoliert.

Der FaceFormer liegt im Mundvorhof, hinter den Lippen und vor den Zähnen. Die Zungenspitze liegt an der kleinen Erhebung hinter den oberen Schneidezähnen, du atmest durch die Nase, der Kopf ist aufgerichtet.

In der Grundübung presst du den Lippenkeil mit den Lippen zusammen, beißt kurz mit den Backenzähnen auf und schluckst einmal. Danach entspannst du, und die Zähne lösen sich wieder voneinander. Genau diesen Wechsel aus kurzer Arbeit und Loslassen üben die Kaumuskeln dabei mit.

Dr. Berndsen zeigt den FaceFormer, das Trainingsgerät der FaceFormer-Therapie.
Dr. Berndsen zeigt den FaceFormer, das Trainingsgerät der FaceFormer-Therapie.

Ab etwa Woche 6 kommt die Kopf-Balance-Rotation dazu. Du presst den Lippenkeil und drehst den Kopf sechs Sekunden lang langsam zur Seite, bis du die Halsmuskeln spürst, nie in den Schmerz.

In dieser Stellung beißt du kurz auf und schluckst, dann drehst du langsam zurück zur Mitte. So verbindet die Übung Kiefer, Zunge und die Muskeln, die den Kopf in Balance halten.

FaceFormer eingesetzt, Kopf aufgerichtet, Atmung durch die Nase: die Ausgangslage der Kopf-Balance-Übungen.
FaceFormer eingesetzt, Kopf aufgerichtet, Atmung durch die Nase: die Ausgangslage der Kopf-Balance-Übungen.
  1. Ab Tag 1

    Grundübung

    Dreimal täglich mit dem FaceFormer ZERO, die Wiederholungen steigerst du Woche für Woche.

  2. Ab etwa Woche 3

    Zugübung und Nacht

    Die Zugübung kommt dazu. Nachts trägst du den ZERO, sobald die Grundübung sitzt.

  3. Nach einigen Wochen

    Wechsel auf den ONE

    Tagsüber trainierst du mit dem FaceFormer ONE. Er ist gleich groß und geformt wie der ZERO, nur aus festerem Material.

  4. Ab etwa Woche 6

    Kopfbalance und Atmung

    Kopf-Balance-Rotation und Atemübung ergänzen das Basistraining.

  5. 6 bis 12 Monate

    Das Muster läuft von selbst

    Bis die neuen Abläufe ohne Nachdenken laufen, rechnet das Übungsmanual mit sechs bis zwölf Monaten, danach folgt ein Erhaltungstraining.

Zu Beginn sind müde Muskeln oder Druck an den Zähnen häufig. Dann pausierst du kurz und machst mit weniger Wiederholungen weiter. Bei einer akuten Kiefersperre mit starken Schmerzen sprichst du vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Hast du eine Trigeminusneuralgie und löst das Einsetzen oder Pressen Attacken aus, pausierst du und besprichst das Vorgehen mit deiner neurologischen Praxis. Die kostenlose FaceFormer-App leitet die Grundübungen an, alle Module findest du auf den Übungsseiten.

Alltag

Kiefer entlasten im Alltag

Achte ein paar Tage darauf, wo deine Zähne sind, wenn du nichts isst. Die Lippen liegen locker aufeinander, die Zahnreihen haben keinen Kontakt, die Zungenspitze liegt am Gaumen.

Treffen sich die Zähne außerhalb von Kauen und Schlucken, arbeiten die Kaumuskeln. Viele merken erst beim bewussten Hinspüren, wie oft das tagsüber geschieht.

3D-Modell: kurzer Zahnkontakt beim Aufbeißen, grün markiert. Danach lösen sich die Zahnreihen wieder.
3D-Modell: kurzer Zahnkontakt beim Aufbeißen, grün markiert. Danach lösen sich die Zahnreihen wieder.
01

Zähne frei, Lippen zu

In Ruhe berühren sich die Zähne nicht. Lippen locker geschlossen, Zunge am Referenzpunkt, Atmung durch die Nase.

02

Schmerztagebuch führen

Notiere Dauer, Art und Auslöser deiner Schmerzen. Sekundenkurze, elektrisierende Attacken und stundenlanger Druckschmerz sind verschiedene Befunde, und deine Notizen helfen bei der Abklärung.

03

Kaugummi weglassen

Dauerkauen hält die Kaumuskeln in Arbeit und stört aus unserer Sicht das Muster, das du neu aufbaust.

04

Kopfbalance am Bildschirm

Stell Bildschirm und Sitz so ein, dass dein Kopf über dem Körper balanciert und nicht nach vorn wandert.

05

Nasenatmung auch nachts

Steht der Mund nachts offen, sinkt der Unterkiefer, und Zunge und Kaumuskeln halten anders. Den Mund zuzukleben empfehlen wir nicht.

06

Verordnetes nicht eigenmächtig ändern

Medikamente oder eine Aufbissschiene, die dir verordnet wurden, änderst du nur in Absprache mit deiner Praxis. Das Training lässt sich damit kombinieren.

Fragen

Häufig gefragt

Wo verläuft der Trigeminusnerv?

Er entspringt am Hirnstamm, bildet an der Schädelbasis einen Nervenknoten und teilt sich in drei Äste. Der erste zieht zu Stirn, Auge und Nasenrücken, der zweite zu Wange, Oberkiefer, oberen Zähnen und Nasenschleimhaut, der dritte zu Unterkiefer, unteren Zähnen, Kinn, vorderer Zunge und Kiefergelenk. Der dritte Ast steuert außerdem die Kaumuskeln.

Ist der Trigeminus der Gesichtsnerv?

Umgangssprachlich ja, anatomisch nicht. Der Gesichtsnerv im engeren Sinn ist der Nervus facialis, der siebte Hirnnerv. Er bewegt die Mimik. Der Trigeminus ist für das Gefühl im Gesicht und für die Kaumuskeln zuständig. Schmerzen im Gesicht laufen deshalb über den Trigeminus.

Was tun bei Trigeminusschmerzen?

Zuerst unterscheiden. Sekundenkurze, elektrisierende Attacken, ausgelöst durch Berührung oder Sprechen, sprechen für eine Trigeminusneuralgie und gehören neurologisch abgeklärt und behandelt. Dumpfe, ziehende Schmerzen über Stunden haben oft mit Kaumuskeln, Kiefergelenk und Nacken zu tun. Dort setzen wir an den Basisfunktionen Atmung, Schlucken und Kopfbalance an.

Kann der Trigeminusnerv durch Verspannungen gereizt werden?

Verspannte Kaumuskeln und ein fester Nacken erzeugen Meldungen, die über den Trigeminus und die oberen Halsnerven in dieselbe Schaltstelle im Hirnstamm laufen. Schmerz kann deshalb zwischen Nacken und Gesicht verlagert empfunden werden. Der Nerv selbst ist dabei in der Regel nicht geschädigt, er meldet, was die Muskulatur leistet.

Ist der Trigeminusnerv entzündet, wenn das Gesicht schmerzt?

Mit einer Trigeminusentzündung ist umgangssprachlich oft ein gereizter Nerv gemeint. Hinter Schmerzen in seinem Versorgungsgebiet stehen sehr unterschiedliche Ursachen, etwa Zähne, Nebenhöhlen, Kaumuskeln und Kiefergelenk, eine Gürtelrose im Gesicht oder die Neuralgie. Die Einordnung gehört in ärztliche Hände, besonders bei Fieber, Ausschlag, Schwellung oder Taubheit.

Können Zähne den Trigeminusnerv reizen?

Die Zähne im Oberkiefer werden vom zweiten, die im Unterkiefer vom dritten Ast versorgt. Ein entzündeter Zahn schmerzt deshalb über den Trigeminus, und umgekehrt kann sich eine Neuralgie wie Zahnschmerz anfühlen. Findet die Zahnärztin nichts, und kommt der Schmerz blitzartig, ist die neurologische Abklärung der nächste Schritt.

Gibt es Übungen bei Trigeminusneuralgie?

Eine Übung, die eine Trigeminusneuralgie behandelt, kennen wir nicht, und wir versprechen das auch nicht. Behandelt wird sie mit Medikamenten und, wenn nötig, operativ. Wer zusätzlich Beschwerden an Kaumuskeln, Kiefer und Nacken hat, kann die Basisfunktionen begleitend trainieren. Löst das Training Attacken aus, pausierst du und besprichst das mit deiner Praxis.

Mit welchem FaceFormer fange ich an?

Du startest tagsüber mit dem FaceFormer ZERO aus weicherem Material und wechselst nach einigen Wochen auf den ONE. Nachts trägst du nur den ZERO. Beide sind gleich groß und gleich geformt.

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Dr. Klaus-Jürgen Berndsen
Dr. Klaus-Jürgen BerndsenEntwickler der FaceFormer-Therapie. Inhaltliche Grundlage: das Buch „Trust the Triad“. Stand: September 2026.

Quellen

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