Vagusnerv stimulieren: Was der Nervus vagus wirklich braucht

Fachartikel Nervensystem

Vagusnerv stimulieren?Was der Ruhenerv wirklich braucht

Atemübungen, Ohrgeräte, Summen oder kaltes Wasser, rund um den Vagusnerv kursieren viele Tipps. Hier erfährst du, was der Nervus vagus tatsächlich tut, was Studien zu seiner Stimulation zeigen und warum aus unserer Sicht Atmung, Schlucken und Kopfbalance die wichtigsten Meldungen an ihn liefern.

Kennst du das?

Du willst zur Ruhe kommen, aber der Körper schaltet nicht um?

Was trifft auf dich zu?

Tippe an, was auf dich zutrifft.

Treffen mehrere Punkte zu, lohnt ein Blick auf die Abläufe, die dein Nervensystem den ganzen Tag begleiten. Der Vagusnerv ist kein Schalter, den man von außen umlegt. Er meldet dem Gehirn, wie Atmung, Schlucken und Kopfbalance gerade laufen, und diese Abläufe lassen sich trainieren.

Was der Vagus wirklich meldetWas Übungen und Geräte leisten
Das ersetzt keine Untersuchung. Es zeigt dir nur, wo du in diesem Artikel weiterlesen kannst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Vagusnerv ist der Hauptnerv des Parasympathikus. Die meisten seiner Fasern melden aus dem Körper an das Gehirn. Er ist vor allem ein Sensor und kein Entspannungsschalter.
  • Langsames Atmen verändert messbar die vagale Steuerung des Herzens. Für viele Geräte und Tricks ist die Studienlage dünner, als die Werbung nahelegt.
  • Aus unserer Sicht liefern Atmung, Schlucken und Kopfbalance dem Vagus rund um die Uhr seine wichtigsten Meldungen. Deshalb setzen wir beim Training dieser Muster an, nicht bei einem einzelnen Reiz.

Video

Vagusnerv, dein Ruhenerv: So bringst du ihn ins Gleichgewicht

Das Video lädt erst nach dem Klick. Dann werden Daten an YouTube (Google) übertragen.

Anatomie

Nervus vagus: der umherschweifende Nerv

Kaum ein Nerv wird so oft genannt, wenn es um Stress, Schlaf oder Verdauung geht. Sein Verlauf erklärt, warum.

Der Nervus vagus ist der zehnte von zwölf Hirnnerven. Sein Name kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „umherschweifend“. Er verlässt den Schädel an der Schädelbasis, zieht am Hals entlang der großen Gefäße nach unten und verzweigt sich in Brust und Bauch. Seine Fasern erreichen Speiseröhre, Atemwege, Herz, Leber und den gesamten Verdauungstrakt1.

Was schätzt du: In welche Richtung laufen die meisten Fasern im Vagusnerv?

80%

der Fasern im Vagus laufen aufsteigend vom Körper zum Gehirn, nur rund 20 % absteigend zu den Organen2

12Hirnnerven

hat der Mensch. Der Vagus ist der zehnte und der einzige, der bis weit in den Bauchraum reicht

Der Vagus ist der wichtigste Nerv des Parasympathikus, des Teils des vegetativen Nervensystems, der für Erholung und Verdauung steht2. Sein Gegenspieler ist der Sympathikus, der den Körper auf Leistung stellt. Beide arbeiten nicht wie zwei Schalter gegeneinander, sondern ständig zusammen. Gesund ist deshalb nicht ein möglichst hoher Vagustonus, sondern ein System, das je nach Lage zwischen Anspannung und Erholung wechseln kann.

Hirnstamm

Mehr Sensor als Schalter

Wer den Vagus stimulieren will, stellt sich oft einen Entspannungsknopf vor. Sein Bau spricht für ein anderes Bild.

Die aufsteigenden Fasern des Vagus enden im Hirnstamm, in einem Kerngebiet namens Nucleus tractus solitarii. Dort laufen Meldungen aus Atemwegen, Herz, Kreislauf und Verdauung zusammen. Die Sensoren am Ende der Fasern erfassen Dehnung, Druck, Temperatur und chemische Signale1. Der Hirnstamm wertet diese Lageberichte aus und antwortet.

Er meldet

Die Dehnung von Lunge und Magen, den Druck in den großen Gefäßen, chemische Signale aus dem Darm und Reize aus Rachen und Kehlkopf.

Er steuert

Über seine absteigenden Fasern bremst er den Herzschlag, wirkt auf die Verdauung und versorgt die Muskeln von Rachen, Gaumensegel und Kehlkopf.

Er verschaltet

Im Hirnstamm treffen seine Meldungen auf die Taktgeber für Atmung und Schlucken. Dort entsteht die Abstimmung zwischen beiden.

Der Vagus ist in erster Linie ein Sensor, kein Schalter.Er berichtet dem Gehirn, was im Körper geschieht. Wie ruhig oder angespannt das System reagiert, hängt deshalb vor allem davon ab, was er zu berichten hat.

In diesem Kerngebiet sitzen auch die Nervenzellen, die das Schluckmuster auslösen, formen und zeitlich ordnen. André Jean von der Universität Aix-Marseille hat das in einer großen Übersichtsarbeit beschrieben3. Schluckzentrum und Haupteingang des Vagus liegen also an derselben Stelle. Für uns ist das der Kern der Sache, denn hier begegnen sich Basisfunktionen und vegetatives Nervensystem.

Wie eine Leitstelle

Eine Leitstelle entscheidet nicht nach Laune, sondern nach den Meldungen, die eingehen. Kommen ständig unklare Meldungen, bleibt sie in Bereitschaft, auch wenn draußen gerade nichts passiert. So ähnlich sehen wir den Hirnstamm. Ruhe entsteht dort aus unserer Sicht dann, wenn die eingehenden Meldungen ein stimmiges Bild ergeben.

Atmung

Vagusnerv und Atmung: Der Herzschlag atmet mit

Über die Atmung lässt sich die Arbeit des Vagus am Herzen am leichtesten beobachten, sogar ohne Messgerät.

Beim Einatmen schlägt dein Herz etwas schneller, beim Ausatmen wieder langsamer. Diese respiratorische Sinusarrhythmie entsteht vor allem, weil der Vagus das Herz beim Ausatmen stärker bremst als beim Einatmen. Sie ist ein Hauptteil der Herzratenvariabilität, kurz HRV, der Schwankung der Abstände zwischen zwei Herzschlägen. Eine hohe, vagal vermittelte HRV gilt als Zeichen eines anpassungsfähigen Nervensystems.

Probier es aus. Leg zwei Finger an die Innenseite deines Handgelenks und atme ruhig und langsam durch die Nase. Mit etwas Geduld spürst du, wie der Puls beim Einatmen etwas schneller wird und beim Ausatmen wieder langsamer. Das ist dein Vagus bei der Arbeit.

223Studien

zum langsamen, bewussten Atmen wertete eine Arbeitsgruppe der Deutschen Sporthochschule Köln aus. Die vagal vermittelte HRV stieg während der Übung und direkt danach4

49Studien

davon prüften Programme über mehrere Sitzungen. Auch nach diesen Programmen war die vagal vermittelte HRV erhöht4

Die Nase spielt dabei eine eigene Rolle. Durch die Nase strömt die Luft gegen einen größeren Widerstand als durch den offenen Mund. Aus unserer Sicht ist das ein Grund, warum Nasenatmung von selbst ruhiger und tiefer wird, während Mundatmung zu schnellen, flachen Atemzügen verleitet.

Entscheidend ist das Muster, nicht eine Zahl. Eine Atemfrequenz, die für alle gleich gut ist, gibt es aus unserer Sicht nicht. Wichtig ist, dass der Mund dicht ist und der Körper seinen Rhythmus selbst findet.

Realfoto: Der Mund ist geschlossen, der FaceFormer liegt im Mundvorhof, die Hand spürt die ruhige Atembewegung am Bauch.
Realfoto: Der Mund ist geschlossen, der FaceFormer liegt im Mundvorhof, die Hand spürt die ruhige Atembewegung am Bauch.

Schlucken

Schlucken und Vagus: ein unterschätztes Signal

Beim Wort Vagus denkt kaum jemand ans Schlucken. Dabei ist der Nerv an jedem einzelnen Schluck beteiligt.

Mit seinen absteigenden Fasern versorgt der Vagus die Muskeln von Rachen, Gaumensegel und Kehlkopf. Seine aufsteigenden Fasern melden zusammen mit dem Zungen-Rachen-Nerv, was dort geschieht. Geschluckt wird viele hundert bis tausend Mal am Tag5, im Wachen wie im Schlaf. Jeder Schluck ist ein kurzer, genau geordneter Ablauf, der Zunge, Rachen, Kehlkopf und Atmung einbezieht.

Dafür müssen Atmen und Schlucken exakt aufeinander abgestimmt sein. Geschluckt wird bevorzugt am Übergang zur Ausatmung, die Atmung setzt dabei kurz aus, und danach folgt oft eine Ausatmung6. Die Taktgeber für beides liegen im Hirnstamm dicht beieinander und stimmen sich laufend ab.

13,1Schläge/min

stieg der Puls im Liegen im Mittel mit jedem einzelnen Schluck, im Stehen um 8,5, gemessen bei 23 Gesunden7

8Sekunden

nach dem Schluck war der Herzschlag wieder im Ausgangsbereich. Die kurze Beschleunigung entsteht laut den Autoren vor allem durch eine Abnahme der vagalen Aktivität8

Das überrascht, wenn man Schlucken als Entspannungstrick kennt. Der einzelne Schluck löst die vagale Bremse für einen Moment, er zieht sie nicht an. Was er dem Hirnstamm liefert, ist ein kräftiger, zeitlich geordneter Reiz an genau der Stelle, an der der Vagus ankommt. Ob viele korrekte Schlucke den Grundton des Nervensystems auf Dauer verschieben, ist bisher nicht gemessen.

Die Häufigkeit des Schluckens ist ein Lernargument, keine Dosis.Selbst viele hundert Schlucke am Tag nehmen nur wenige Minuten ein. Ihre Kraft liegt darin, dass sich ein Muster durch Wiederholung einprägt, bei jedem einzelnen Schluck.

3D-Film

Schlucken und Kopfbalance in einem Ablauf

Der Film zeigt in 50 Sekunden die Kopf-Balance-Rotation, eine Übung, in der Schlucken und Kopfbalance zusammenkommen.

Rachen, Kehlkopf und die Muskeln der Kopfbalance arbeiten hier in einem Ablauf. So entstehen zugleich Meldungen aus dem Schlucken und aus der Kopfbalance. Die Übung kommt ab etwa Woche 6 zum Basistraining dazu.

Die Triade

Was der Vagus rund um die Uhr erfährt

Atmung, Schlucken und Kopfbalance laufen ununterbrochen. Aus unserer Sicht sind sie deshalb die wichtigsten Absender der Meldungen an den Hirnstamm.

Atmung

Mit jedem Atemzug melden Dehnungssensoren der Lunge über den Vagus an den Hirnstamm. Langsame, ruhige Nasenatmung geht mit einer stärkeren vagalen Steuerung des Herzens einher. Flache, schnelle Mundatmung verschiebt das Bild aus unserer Sicht in die andere Richtung.

Schlucken

Rachen und Kehlkopf melden jeden Schluck an den Hirnstamm. Den Ausgangspunkt bildet die Zungenreferenzlage. Liegt die Zunge tief und wird mit Pressen geschluckt, kommt dort aus unserer Sicht ein anderes, weniger geordnetes Signal an.

Kopfbalance

Gleichgewichtsorgan und Nackensensoren melden jede Lageänderung des Kopfes, und der Kreislauf passt sich an. Wandert der Kopf über lange Zeit nach vorn, verändert sich aus unserer Sicht auch dieser Strom an Meldungen.

Aus unserer Sicht liegt hier im Regelfall der Grund, warum sich viele Menschen trotz Atemübungen nicht erholt fühlen. Weichen Atmung, Schlucken und Kopfbalance über lange Zeit von ihrem Referenzmuster ab, erhält der Hirnstamm rund um die Uhr ein Bild, das nicht nach Sicherheit aussieht. Dieser Triadische Funktionskreis steht am Anfang vieler Kausalketten.

Stilisiertes Modell der Basisfunktion Schlucken: Der Weg führt vom Mund durch den Hals in den Rumpf, eine Strecke, deren Muskeln der Vagus mitversorgt.
Stilisiertes Modell der Basisfunktion Schlucken: Der Weg führt vom Mund durch den Hals in den Rumpf, eine Strecke, deren Muskeln der Vagus mitversorgt.
  1. Das Muster weicht ab

    Mundatmung, eine tief liegende Zunge oder ein nach vorn verlagerter Kopf, oft über Jahre eingeschliffen.

  2. Die Meldungen verändern sich

    Aus Atemwegen, Rachen und Nacken kommen im Hirnstamm andere Signale an als bei einem stimmigen Muster.

  3. Das System bleibt wachsam

    Aus unserer Sicht fehlt dem Hirnstamm die Rückmeldung, dass alles in Ordnung ist. Die Grundspannung bleibt erhöht.

  4. Erholung fällt schwerer

    Abschalten, Einschlafen und Regeneration können darunter leiden, auch ohne äußeren Stress.

  5. Die Suche nach dem Schalter

    Viele probieren dann Tricks und Geräte. Der Strom der Meldungen aus dem Alltag bleibt dabei, wie er ist.

Studienlage

Vagusnerv und Entzündung: was belegt ist

Oft liest man, ein starker Vagus dämpfe Entzündungen im ganzen Körper. Daran ist etwas Wahres, aber weniger, als häufig behauptet wird.

Der Mechanismus existiert und heißt Entzündungsreflex. Eine Arbeitsgruppe bei New York zeigte im Jahr 2000, dass Acetylcholin, der Botenstoff des Vagus, in Kulturen menschlicher Fresszellen die Freisetzung von Entzündungsbotenstoffen wie TNF senkt. Bei Ratten mit künstlich ausgelöster Blutvergiftung verhinderte eine elektrische Reizung des Vagus den Kreislaufschock9. Das sind Befunde aus Zellkultur und Tierversuch.

35,2 zu 24,2%

der 242 Rheumapatienten einer scheinkontrollierten Studie besserten sich nach drei Monaten um mindestens 20 % nach einem Standardmaß, mit implantiertem Stimulator am Halsvagus gegenüber Scheinreizung. Mitarbeiter des Herstellers gehören zu den Autoren10

51Studien

am Menschen zeigten überwiegend, dass eine höhere HRV mit niedrigeren Entzündungswerten einhergeht. Das ist ein Zusammenhang, kein Beleg für Ursache und Wirkung11

Der belegte Satz lautet deshalb so. Eine gezielte elektrische Reizung des Vagus kann beim Menschen Entzündungsbotenstoffe senken und eine Entzündungskrankheit in mäßigem Umfang bessern. Dass Atemübungen, Summen oder Schlucken über diesen Weg Entzündungen dämpfen, ist damit nicht gezeigt.

Gemessen

Der Entzündungsreflex in Zellkultur und Tierversuch, die Wirkung implantierter Stimulatoren bei Rheuma und der Zusammenhang zwischen HRV und Entzündungswerten.

Begründet

Aus unserer Sicht kann ein stimmiges Muster aus Atmung, Schlucken und Kopfbalance die Bedingungen für diesen Reflex verbessern, weil es den Strom der Meldungen an den Vagus verändert.

Offen

Ob ein Training der Basisfunktionen den Vagustonus oder Entzündungswerte messbar verändert, ist nicht untersucht. Wir sehen darin eine begründete Vermutung, kein Wirkversprechen.

Methoden

Vagus aktivieren: was Übungen und Geräte leisten

Unter „Vagusnerv stimulieren“ findest du Atemtechniken, Ohrgeräte, Summen, Gurgeln und kaltes Wasser. Die Studienlage dazu ist sehr unterschiedlich.

Am besten untersucht ist das langsame Atmen, wie oben beschrieben. Deutlich dünner ist die Lage bei Geräten, die den Ohrast des Vagus über die Haut reizen. Diese transkutane aurikuläre Vagusstimulation, kurz taVNS, wird gern als einfacher Weg zur Entspannung beworben. Der Ohrast versorgt die Haut des äußeren Gehörgangs, über ihn läuft zum Beispiel der Hustenreiz beim Reinigen des Ohrs.

16Studien

an Gesunden verglichen die Ohrstimulation mit einer Scheinreizung. Zusammengefasst veränderte sie die vagal vermittelte HRV nicht12

20Patienten

mit Blutvergiftung erhielten fünf Tage Ohrstimulation oder Scheinreizung. Die Entzündungswerte sanken stärker, die klinischen Punktwerte unterschieden sich zwischen den Gruppen nicht13

Summen, Gurgeln oder das Gesicht in kaltes Wasser zu tauchen sind als Weg, den Vagus auf Dauer zu stärken, wenig untersucht. Sie können kurz eine vegetative Reaktion auslösen. Ob daraus mehr wird, ist offen.

Es geht nicht darum, den Vagus irgendwie zu reizen.Entscheidend ist aus unserer Sicht, was der Nerv den ganzen Tag zu melden hat. Ein Reiz von außen setzt ein Signal, das der Hirnstamm nicht als Bewegung lesen kann. Ein korrekter Schluck liefert ein Signal, für dessen Auswertung dieses Kerngebiet gebaut ist.

Trägst du einen ärztlich eingesetzten Vagusstimulator, etwa bei Epilepsie, oder nimmst du Medikamente für Herz oder Kreislauf, änderst du daran nichts ohne deine behandelnde Praxis. Das Training der Basisfunktionen lässt sich damit kombinieren.

Training

Vagusnerv Übungen: die Basisfunktionen trainieren

Sich vorzunehmen, ruhig durch die Nase zu atmen, gelingt eine Weile. Bei Anspannung, im Gespräch oder im Schlaf übernimmt wieder das alte Muster. Ein Muster ist kein Vorsatz, sondern ein gespeicherter Ablauf. Wurde es über Jahre mit Mundatmung, tief liegender Zunge oder vorgeschobenem Kopf wiederholt, ist es genauso fest gespeichert wie ein physiologisches Muster. Deshalb hält es gegen gute Vorsätze.

Automatisch heißt nicht richtig.Falsch gelernt ist stabil gelernt. Häufiges Wiederholen macht ein abweichendes Muster nicht richtig, es festigt es. Ändern lässt es sich durch eine Übung, die das richtige Muster häufig und genau wiederholt.

Unser Ansatz ist deshalb das Training der Basisfunktionen Atmung, Schlucken und Kopfbalance. Ein Gerät, das Strom an den Vagus abgibt, gehört nicht dazu.

Im FaceFormer-Training liegt der FaceFormer im Mundvorhof, hinter den Lippen und vor den Zähnen. Die Zungenspitze liegt an der kleinen Erhebung hinter den oberen Schneidezähnen, du atmest durch die Nase, der Kopf ist aufrecht balanciert.

In der Grundübung drückst du den Lippenkeil mit den Lippen zusammen, beißt mit den Backenzähnen kurz auf und schluckst einmal. Der Unterdruck zieht die Zunge an den Gaumen, der Mundraum ist dicht. Im Training schluckst du in viel dichterer Folge als im Alltag, und diese Wiederholung prägt das Muster ein.

3D-Rendering im Mundschnitt: Das Schild des FaceFormers liegt im Mundvorhof, hinter den Lippen und vor den Zähnen.
3D-Rendering im Mundschnitt: Das Schild des FaceFormers liegt im Mundvorhof, hinter den Lippen und vor den Zähnen.

Ab etwa Woche 6 kommt die Atemübung dazu. Du atmest rund sechs Sekunden durch die Nase ein, hältst kurz die Luft an, beißt auf und schluckst, und atmest dann sechs Sekunden lang aus.

Hier kommen langsames Atmen und korrektes Schlucken in einem Ablauf zusammen. In der Kopf-Balance-Rotation tritt die Kopfbalance hinzu, in der Kopf-Balance-Rotation mit Atmung alle drei Basisfunktionen zugleich.

3D-Film zur Atemübung: Die Luft strömt rund sechs Sekunden durch die Nase ein und ebenso lange wieder aus, der Mund bleibt geschlossen.
  1. Ab Tag 1

    Grundübung

    Dreimal täglich wenige Minuten mit dem FaceFormer ZERO, die Wiederholungen steigerst du Woche für Woche.

  2. Ab etwa Woche 3

    Zugübung und Nacht

    Die Zugübung kommt dazu. Nachts trägst du den FaceFormer ZERO, sobald die Grundübung sitzt.

  3. Nach einigen Wochen

    Wechsel auf den ONE

    Tagsüber trainierst du mit dem FaceFormer ONE. Er ist gleich groß und geformt wie der ZERO, nur aus festerem Material.

  4. Ab etwa Woche 6

    Atemübung und Kopf-Balance-Rotation

    Die Atemübung verbindet das Training mit ruhiger Nasenatmung, die Kopf-Balance-Rotation mit der Kopfbalance.

  5. Über Monate

    Das Muster läuft von selbst

    Bis die neuen Abläufe ohne Nachdenken laufen, rechnet das Übungsmanual mit sechs bis zwölf Monaten.

Die kostenlose FaceFormer-App leitet die Grundübungen an, alle Module findest du auf den Übungsseiten. Du kannst allein trainieren. Trainierst du mit einer Praxis, kann sie den Plan an dich anpassen. Für Kinder gilt ein eigener Übungsplan, mehr unter FaceFormer für Kinder.

Alltag

Den Vagus im Alltag unterstützen

01

Ausatmen darf länger sein

Atme ruhig durch die Nase ein und lass die Ausatmung etwas länger werden als die Einatmung. Zwing dich zu keiner bestimmten Zahl, die Ruhe soll von selbst kommen.

02

Lippen zu, Zunge oben

Die Lippen liegen locker aneinander, die Zungenspitze am Referenzpunkt. So bleibt der Mund dicht, und die Luft nimmt den Weg durch die Nase.

03

Schlucken ohne Pressen

Ertappst du dich beim Zähnepressen, löse die Zähne, leg die Zungenspitze an und schluck einmal locker mit geschlossenen Lippen.

04

Kopfbalance am Bildschirm

Richte Bildschirm und Sitz so ein, dass dein Kopf über dem Körper balanciert und nicht nach vorn wandert.

05

Kurze Checks über den Tag

Kopple einen Blick nach innen an etwas, das du oft tust, etwa das Entsperren des Handys. Atmest du durch die Nase, wo ist die Zunge, wo der Kopf?

06

Geduld mit dem Muster

Ein Muster ändert sich über Wochen und Monate, nicht an einem Abend. Regelmäßig kurz üben bringt mehr als selten lang.

Fragen

Häufig gefragt

Was ist der Vagusnerv?

Der Vagusnerv, lateinisch Nervus vagus, ist der zehnte Hirnnerv und der wichtigste Nerv des Parasympathikus. Er zieht vom Hirnstamm über den Hals bis in Brust und Bauch und versorgt unter anderem Rachen, Kehlkopf, Herz, Lunge und Verdauungstrakt. Rund 80 % seiner Fasern melden aus dem Körper an das Gehirn.

Wie kann ich meinen Vagusnerv stimulieren?

Am besten untersucht ist langsames, ruhiges Atmen. Es erhöht messbar die vagal vermittelte Herzratenvariabilität. Aus unserer Sicht wirkt aber vor allem, was der Vagus den ganzen Tag über meldet, also wie du atmest, schluckst und deinen Kopf balancierst. Deshalb setzen wir beim Training dieser Basisfunktionen an und nicht bei einem einzelnen Reiz.

Welche Vagusnerv Übungen gibt es?

Verbreitet sind langsames Atmen, Summen, Gurgeln und kaltes Wasser. Am besten belegt ist langsames Atmen. Im FaceFormer-Training übst du Nasenatmung, Schlucken und Kopfbalance in einem Ablauf, etwa in der Grundübung, der Atemübung und der Kopf-Balance-Rotation.

Was hat die Atmung mit dem Vagusnerv zu tun?

Beim Ausatmen bremst der Vagus das Herz stärker als beim Einatmen, der Puls schwankt deshalb mit dem Atem. Langsames Atmen verstärkt diese Schwankung.

Reicht es, bewusst durch die Nase zu atmen und die Zunge am Gaumen festzuhalten?

Bewusste Nasenatmung und eine festgehaltene Zunge helfen, solange du daran denkst. Im Gespräch, bei der Arbeit und im Schlaf übernimmt das alte Muster. Aus unserer Sicht findet die Zunge ihre Zungenreferenzlage auch ohne Aufmerksamkeit, wenn die Lippen dicht sind, die Nase frei ist und der Schluck vollständig abläuft, denn dann hält der Unterdruck im Mund sie dort. Eine gehaltene Stellung ersetzt dieses Zusammenspiel nicht.

Hilft ein Vagusnerv-Stimulator am Ohr?

Die Studienlage ist gemischt. Eine Auswertung von 16 Studien an Gesunden fand gegenüber Scheinreizung keine Veränderung der vagal vermittelten Herzratenvariabilität. Einzelne kleine Studien bei Kranken zeigen veränderte Entzündungswerte. Ein ärztlich eingesetzter Stimulator ist etwas anderes als ein Gerät für den Hausgebrauch; an einer verordneten Behandlung änderst du nichts ohne deine Praxis.

Kann man mit dem Vagusnerv die „Selbstheilungskräfte“ aktivieren?

Der Begriff beschreibt, dass der Körper sich laufend selbst reguliert und repariert. Der Vagus ist daran als Meldeleitung und über den Entzündungsreflex beteiligt. Einen Schalter, mit dem man diese Prozesse von außen anwirft, gibt es aber nicht. Wir sprechen deshalb von Selbstregulation, und die braucht aus unserer Sicht stimmige Basisfunktionen.

Ist mein Vagusnerv blockiert oder eingeklemmt?

Diese Begriffe tauchen bei der Suche oft auf, sind aber keine Diagnosen, die sich aus Unruhe, Verdauungsbeschwerden oder Nackenverspannungen ableiten lassen. Häufiger steckt aus unserer Sicht ein Muster dahinter, in dem Atmung, Schlucken und Kopfbalance aus dem Gleichgewicht geraten sind. Herzrhythmusstörungen oder neue Schluckbeschwerden gehören ärztlich untersucht.

Stimuliert der FaceFormer den Vagusnerv?

Nicht im Sinne eines Geräts, das Reize oder Strom abgibt. Der FaceFormer ist das Trainingsgerät der FaceFormer-Therapie, mit dem du Mundschluss, Zungenreferenzlage, Nasenatmung, Schlucken und Kopfbalance übst. Ob sich dadurch der Vagustonus messbar verändert, ist nicht untersucht.

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Dr. Klaus-Jürgen Berndsen
Dr. Klaus-Jürgen BerndsenEntwickler der FaceFormer-Therapie. Inhaltliche Grundlage: das Buch „Trust the Triad“. Stand: September 2026.

Quellen

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