
Fachartikel Kopfbalance
Wackelkopf?Wenn der Kopf keinen sicheren Halt findet
Der Kopf fühlt sich schwer oder unsicher an, im oberen Nacken knackt es, und im Befund steht „instabile Kopfgelenke“? Hier erfährst du, was hinter dem sogenannten Wackelkopf steckt, wie sicher die Diagnose ist, was Studien zur operativen Versteifung zeigen und warum wir die Kopfbalance zusammen mit Atmung und Schlucken trainieren.
Kennst du das?
Der Kopf sitzt nicht mehr sicher, und keiner findet den Grund?
Was trifft auf dich zu?
Tippe an, was auf dich zutrifft.
Treffen mehrere Punkte zu, lohnt ein genauer Blick darauf, wie dein Kopf gehalten wird. Die Sicherheit der Kopfgelenke kommt aus Bändern, Muskeln und vor allem aus dem Muster, mit dem das Nervensystem diese Muskeln einsetzt. Dieses Muster lässt sich trainieren.
Was instabil hier bedeutetWas Studien zur Versteifung zeigenDas Wichtigste in Kürze
- „Wackelkopf“ ist kein Fachbegriff. Gemeint ist in der Regel kein sichtbares Wackeln, sondern das Gefühl, dass der Kopf keinen sicheren Halt hat. Sichtbares Zittern gehört neurologisch abgeklärt.
- Die Kopfgelenke leisten gut die Hälfte der Kopfdrehung und werden knöchern kaum geführt. Ihre Stabilität hängt an Muskeln und an der Steuerung, die diese Muskeln einsetzt. Ist das Steuerungsmuster gestört, springt aus unserer Sicht der Halteapparat ein.
- Die Diagnose Kopfgelenksinstabilität ist ohne klaren Befund unsicher, und die Studienlage zur Versteifung ist dünn. Wir setzen deshalb am Muster aus Atmung, Schlucken und Kopfbalance an, das sich trainieren lässt.
Video
Instabile Kopfgelenke und Wackelkopf: Was dahintersteckt
Das Video lädt erst nach dem Klick. Dann werden Daten an YouTube (Google) übertragen.
Begriff
„Wackelkopf“: was damit gemeint ist
Wer nach „Wackelkopf“ sucht, meint selten dasselbe. Deshalb lohnt es sich, den Begriff zuerst auseinanderzunehmen.
Den „Wackelkopf“ findest du in keinem medizinischen Lehrbuch, und doch versteht man gleich, was gemeint ist. Viele Betroffene beschreiben keinen Kopf, der sichtbar hin und her wackelt. Sie beschreiben einen Kopf, der sich schwer, unsicher oder schlecht gehalten anfühlt. In Befunden heißt das dann Kopfgelenksinstabilität, instabile Kopfgelenke oder instabile HWS, also eine instabile Halswirbelsäule im oberen Abschnitt.
Gefühl, der Kopf sitzt nicht sicher
- Schweregefühl, der Kopf muss „gehalten“ werden
- Knacken oder Reiben im oberen Nacken
- Nacken- und Hinterkopfschmerz, oft mit Kieferspannung
- Kurze Unsicherheit bei schnellen Kopfbewegungen
Sichtbares Zittern oder Nicken des Kopfes
- Der Kopf bewegt sich rhythmisch, ohne dass du es willst
- Andere sehen es, oft stärker unter Anspannung
- Kann zu einem Tremor oder einer Dystonie gehören
- Gehört in die neurologische Abklärung
Beides wird im Alltag „Wackelkopf“ genannt. Zittert oder nickt dein Kopf sichtbar und unwillkürlich, lass das neurologisch untersuchen.
Dr. Klaus Berndsen beschreibt den Wackelkopf deshalb als einen dysbalancierten Kopf. Das zeigt sich am ganzen Körper: Die Schultern fallen nach vorn, der Übergang zum Hinterkopf ist stärker abgeknickt, darunter folgen Hohlkreuz und vorgeschobenes Becken. Die Frage ist also weniger, welches Band zu schwach ist, als warum der Kopf nicht mehr von selbst in Balance bleibt.
Anatomie
Zwei kleine Gelenke tragen den ganzen Kopf
Die Kopfgelenke sind die beweglichsten Gelenke der Wirbelsäule. Genau das macht sie auf Führung angewiesen.
Der Kopf sitzt auf zwei Gelenken. Das obere verbindet das Hinterhaupt mit dem ersten Halswirbel, dem Atlas, und trägt vor allem das Nicken. Das untere verbindet den Atlas mit dem zweiten Halswirbel, der Axis, und ist für die Drehung zuständig. Zusammen heißen sie Kopfgelenke, die Region nennt man kraniozervikalen Übergang.
Gesichert wird dieser Abschnitt durch Bänder, weil die Knochenform wenig Halt gibt. Die Flügelbänder (Ligamenta alaria) begrenzen die Drehung, das Querband des Atlas hält den Zahnfortsatz der Axis an seinem Platz. Den Rest übernehmen Muskeln.

der gesamten Kopfdrehung leistete das Gelenk zwischen Atlas und Axis, im Mittel 37,9 von 72,4 Grad, gemessen im CT bei 20 gesunden Erwachsenen1
wiegt der Kopf eines Erwachsenen etwa. Dieses Gewicht balanciert auf zwei Gelenken, die zusammen nur wenige Zentimeter hoch sind
pro Gramm Muskel zählte eine Arbeitsgruppe im unteren schrägen Kopfmuskel, einem der kurzen Nackenmuskeln, untersucht an Feten2
Die Kopfgelenke sind nicht auf Knochen gebaut. Sie sind auf Steuerung gebaut.Hohe Beweglichkeit bei wenig knöcherner Führung bedeutet: Die Stabilität kommt aus Weichgewebe und Muskelarbeit, und diese Muskelarbeit stellt das Nervensystem ein.
Kausalkette
Instabil heißt aus unserer Sicht: das Steuerungsmuster ist gestört
Die kurzen Nackenmuskeln unter dem Hinterhaupt sind weniger Kraftmotoren als Messfühler. Das verändert den Blick auf die Instabilität.
Muskelspindeln sind Sensoren in der Muskelfaser, die fortlaufend melden, wie stark ein Muskel gedehnt wird. In den kurzen Nackenmuskeln sitzen sie sehr dicht2. Das Gehirn erfährt über sie, wo der Kopf gerade steht. Wie wichtig das ist, zeigte eine Pariser Arbeitsgruppe. 30 Menschen mit Nackenschmerzen fanden nach einer aktiven Kopfbewegung messbar schlechter in ihre Ausgangsstellung zurück als 30 Gesunde3.
Auch die Arbeitsteilung der Muskeln verschiebt sich. Eine australische Gruppe leitete bei je zehn Personen mit und ohne chronische Nackenschmerzen die tiefen Beuger vorn an der Halswirbelsäule direkt ab. Bei der Aufgabe, ganz fein zu nicken, arbeiteten die tiefen Muskeln der Schmerzgruppe schwächer. Der große Kopfwender und der vordere Treppenmuskel zeigten dagegen eine Tendenz zu mehr Aktivität, statistisch allerdings nicht gesichert4. Die Tiefe arbeitet weniger, die Oberfläche springt ein.
Das Steuerungsmuster weicht ab
Mundatmung, eine tief liegende Zunge und ein Kopf, der nach vorn wandert, verändern die Ausgangslage. Die feine Balance aus den kurzen Nackenmuskeln verliert ihren Bezugspunkt.
Der Halteapparat kompensiert
Kapuzenmuskel, Kopfwender und Schulterheber übernehmen, was die Feinsteuerung nicht mehr leistet. Das Nervensystem speichert diese Ersatzlösung als bevorzugtes Muster.
Die Struktur bekommt die Last
Bänder und Gelenkkapseln stehen unter Dauerzug, im oberen Nacken wirken mehr Scherkräfte. Das Gewebe passt sich an, und die Kopfgelenke werden als „locker“ oder „instabil“ beschrieben.
Beschwerden treten auf
Nacken- und Kopfschmerz, Kieferspannung, Unsicherheit bei Kopfbewegungen, das Gefühl eines Wackelkopfs. Wann und wie stark, hängt vom Ausmaß, von der Dauer der Kompensation und vom Alter ab.
Leg dich auf den Rücken, der Kopf liegt flach. Nicke ganz leicht, als würdest du „ja“ sagen, ohne den Kopf anzuheben. Was passiert?
Außensystem und Binnensystem
Die großen Muskeln halten, die kleinen balancieren
Im Cranio-Cervicalen Funktionsmodell, kurz CCFM, unterscheiden Klaus und Sabine Berndsen zwei Systeme, die den Kopf tragen.
Das Außensystem besteht aus den großen, oberflächlichen Muskeln wie Kapuzenmuskel und Kopfwender. Sie sichern den Kopf gegen die Schwerkraft und führen grobe Bewegungen. Darunter liegt das Binnensystem. Dazu zählen die kurzen Muskeln unter dem Hinterhaupt und die Muskeln von Zunge, Zungenbein und Mundboden, die den Kopf nach vorn absichern.
Das Außensystem hält, das Binnensystem balanciert. Die große Nackenmuskulatur ist aus unserer Sicht bei vielen Menschen kräftig genug. Was fehlt, ist die Feineinstellung.

Wie ein Mast mit Abspannleinen
Ein Mast bleibt aufrecht, wenn seine Leinen nach allen Seiten gleichmäßig ziehen. Hängen die vorderen Leinen durch, müssen die hinteren fester ziehen, damit der Mast nicht kippt. Der Mast steht dann zwar, aber unter Dauerspannung. So ähnlich sehen wir den Kopf. Fehlt die Balance von vorn, aus Zunge, Zungenbein und Mundboden, arbeitet der Nacken als Dauerhalter.
Deshalb reicht es aus unserer Sicht nicht, den Nacken zu kräftigen. Wer die hintere Muskulatur trainiert, trainiert das System, das ohnehin schon überlastet ist. Isoliertes Krafttraining einzelner Muskeln, etwa der Zunge gegen Widerstand, trainiert eine Teilleistung. Der Zungendruck steigt, was dabei mit dem Schluckvorgang selbst geschieht, blieb in einer Übersichtsarbeit uneinheitlich13. Das Schlucken verlangt eine Sequenz und keinen Kraftwert.
Aus unserer Sicht stellt Krafttraining das Zusammenspiel von Atmung, Schlucken und Kopfbalance deshalb im Regelfall nicht um. Wie Zunge, Zungenbein und Mundboden mit dem Nacken zusammenhängen, beschreiben wir ausführlich im Artikel Nackenschmerzen und Rückenschmerzen. Wo die Zunge im Alltag ihren Bezugspunkt hat, erklärt der Beitrag zur Zungenreferenzlage.
Kiefer und Kopf
Kiefer und Kopf bewegen sich gemeinsam
Die Kopfgelenke arbeiten nicht allein. Sie sind mit Kiefer, Zunge und Schlucken zu einem Ablauf verschaltet.
An der Universität Umeå zeichneten Forscher bei zwölf gesunden jungen Erwachsenen die Bewegungen von Unterkiefer und Kopf gleichzeitig auf. Jede Kieferbewegung wurde von einer Kopfbewegung begleitet, und die Kopfbewegung begann in der Regel vor der Kieferbewegung5. Die Autoren schlossen daraus, dass Kiefer- und Nackenmuskeln gemeinsam aktiviert werden, mit gleichzeitigen Bewegungen in Kiefergelenk, Kopfgelenk und Halswirbelsäule.
Der Kopf stellt sich zuerst ein
Bevor sich der Kiefer öffnet, streckt sich der Kopf leicht. Das Nervensystem legt den Bezugsrahmen fest, bevor die Bewegung startet5.
Der Nacken verändert das Kauen
Zwölf Menschen nach einem Schleudertrauma der Halswirbelsäule bewegten Kiefer und Kopf weniger weit und in veränderter zeitlicher Abstimmung als Gesunde6.
Schlucken gehört dazu
Viele hundert bis tausend Mal am Tag hebt sich beim Schlucken das Zungenbein, und mit ihm arbeiten die Muskeln des vorderen Halses. Schlucken ist aus unserer Sicht deshalb auch Arbeit für die Kopfbalance.
Wer die Kopfgelenke ohne Kiefer, Zunge und Schlucken betrachtet, sieht nur einen Teil des Systems. Warum Kiefer- und Nackenbeschwerden so oft zusammen auftreten, liest du im Artikel zur CMD, und wie das Schluckmuster aufgebaut ist, im Beitrag zu Schlucken und Schluckstörung.
Diagnostik
Wie sicher ist die Diagnose Kopfgelenksinstabilität?
Eine Instabilität der Kopfgelenke klingt nach einem klaren Befund. Die Studienlage zeigt, wie schwer sie sich tatsächlich fassen lässt.
Für die obere Halswirbelsäule gibt es eine Reihe von Handgriffen, mit denen Therapeuten eine Instabilität prüfen. Eine Übersichtsarbeit aus den Niederlanden und Belgien fand dazu nur fünf auswertbare Studien. Sieben Tests schlugen bei Menschen ohne Instabilität ausreichend selten an, übersahen eine vorhandene Instabilität aber unterschiedlich oft, und die Unsicherheitsbereiche waren groß7. Auch die Bildgebung liefert nicht automatisch Klarheit.
der Personen mit anhaltenden Beschwerden nach einem Schleudertrauma zeigten im MRT auffällige Signale in mindestens einem Flügelband8
der Vergleichspersonen ohne Nackenschmerz und ohne Unfall zeigten dieselben Auffälligkeiten, in derselben Untersuchung mit 173 Personen8
aus 16 Arbeiten fand eine Übersicht zur Kopfgelenksinstabilität bei Bindegewebsschwäche. Keine Arbeit erreichte ein hohes Evidenzniveau9
Die Autoren der MRT-Studie halten den diagnostischen Wert solcher Bandsignale deshalb für fraglich8. Die Übersicht zum Ehlers-Danlos-Syndrom fand zehn verschiedene Messgrößen und keinen Konsens, ab wann eine Instabilität vorliegt. Sie empfiehlt, nur dann operativ zu fixieren, wenn die Instabilität in der Bildgebung klar sichtbar ist und zu den Beschwerden passt9.
Ein Befund beschreibt, wie ein Gewebe aussieht. Ob er die Beschwerden erklärt, ist eine zweite Frage. Frag bei einer Diagnose Kopfgelenksinstabilität deshalb nach, woran sie festgemacht wurde, ob sie in Funktionsaufnahmen sichtbar war und ob sie zu deinen Beschwerden passt.
Operation
Versteifen, bevor die Ursache geklärt ist?
Bei unklaren Beschwerden im oberen Nacken fällt manchmal früh das Wort Versteifung. Platten, Schrauben und Stäbe fixieren dann die obersten Wirbel am Hinterhaupt.
Für eine Versteifung gibt es klare Gründe: ein Bruch, ein gerissenes Band nach einem Unfall, entzündliches Rheuma mit gelockertem Atlas, ein Tumor oder Ausfälle von Nerven und Rückenmark. Das stellen wir nicht in Frage. Anders sieht es aus, wenn Bänder und Bindegewebe als „zu schwach“ beurteilt werden, ohne dass jemand fragt, warum sie schwach geworden sind.
aus 34 Studien wertete eine Übersicht zur Versteifung zwischen Hinterhaupt und Halswirbelsäule aus. Keine Studie lag über der niedrigsten Evidenzklasse IV10
unerwünschte Ereignisse nach der Operation gab es selbst bei der Technik mit den besten Ergebnissen, Schrauben mit Stäben10
der Operierten bekamen nach einer Versteifung weiter unten an der Halswirbelsäule neue Nervenbeschwerden im Nachbarsegment, über zehn Jahre rund ein Viertel11
Die letzte Zahl stammt aus Versteifungen unterhalb der Kopfgelenke, und die Autoren führen die neuen Beschwerden eher auf fortschreitenden Verschleiß zurück11. Unabhängig davon gilt mechanisch: Eine Versteifung beendet die Bewegung in einem Segment, die Belastung verschwindet damit nicht. Bei den Kopfgelenken kommt hinzu, dass genau dort gut die Hälfte der Kopfdrehung entsteht1.
Eine Versteifung beantwortet die Frage, wie sich ein Segment halten lässt. Sie beantwortet nicht, warum es nicht mehr gehalten wurde.Bei unklarem Befund sollte aus unserer Sicht zuerst die Steuerung von Atmung, Schlucken und Kopfbalance trainiert werden, bevor eine Versteifung erwogen wird. Ob ein Eingriff für dich nötig ist, besprichst du mit deiner behandelnden Praxis.
Sicherheit
Wann du einen Wackelkopf ärztlich abklären lässt
Viele Beschwerden im oberen Nacken sind aus unserer Sicht funktionell. Einige Zeichen sprechen aber dafür, dass zuerst eine Untersuchung nötig ist.
Nach Unfall oder Sturz
Die Beschwerden begannen nach einem Auffahrunfall, einem Sturz auf den Kopf oder einem Sportunfall.
Kribbeln oder Schwäche
Taubheit, Kribbeln oder Kraftverlust in Armen, Händen oder Beinen, ein unsicherer Gang oder Probleme mit der Feinmotorik.
Ausfälle im Kopfbereich
Doppelbilder, Sprech- oder Schluckstörungen, plötzliche Stürze ohne Bewusstseinsverlust oder Schwindel beim Drehen des Kopfes, der mit solchen Zeichen einhergeht.
Bekannte Grunderkrankung
Entzündliches Rheuma, Down-Syndrom, eine Bindegewebserkrankung wie das Ehlers-Danlos-Syndrom oder eine frühere Operation an der Halswirbelsäule.
Sichtbares Zittern
Der Kopf zittert oder nickt unwillkürlich. Das gehört neurologisch untersucht.
Neuer starker Schmerz
Ein neuer, heftiger Schmerz im Nacken oder Hinterkopf, besonders mit Fieber, Nackensteife oder nächtlichem Dauerschmerz.
Trägst du eine Halskrause oder bist in ärztlicher oder physiotherapeutischer Behandlung, setze nichts davon eigenmächtig ab und sprich Änderungen mit deiner Praxis ab. Das Training der Basisfunktionen lässt sich mit einer Behandlung kombinieren.
Training
Kopfbalance trainieren: Steuerung statt Kraft
Wenn die Instabilität aus unserer Sicht im Regelfall ein Steuerungsproblem ist, muss das Training an der Steuerung ansetzen.
Dass sich die Feinsteuerung des Nackens trainieren lässt, zeigt eine randomisierte Studie aus Brisbane. 64 Frauen mit anhaltenden Nackenschmerzen übten sechs Wochen lang entweder gezielt das Wiederfinden der Kopfstellung oder das feine Nicken aus den Kopfgelenken. In beiden Gruppen fanden sie danach genauer in die Ausgangsstellung zurück, und Schmerz und Beeinträchtigung nahmen ab12. Die Studie untersucht nicht den FaceFormer, sie stützt aber das Prinzip, dass sich Steuerung trainieren lässt.
Im FaceFormer-Training beginnt jede Übung mit der Kopfaufrichtung. Stell dir vor, jemand zieht dich an einem Faden am Hinterkopf sanft nach oben. Der Nacken streckt sich leicht, das Kinn sinkt ein wenig, die Schultern folgen von selbst.
Die natürliche Krümmung der Halswirbelsäule bleibt dabei erhalten. Sie soll federn können, nur der Knick am Übergang zum Hinterkopf wird kleiner.
In der Grundübung liegt der FaceFormer im Mundvorhof, hinter den Lippen und vor den Zähnen. Die Zungenspitze liegt am Referenzpunkt hinter den oberen Schneidezähnen, du atmest durch die Nase. Du drückst den Lippenkeil sechs Sekunden zusammen, beißt kurz mit den Backenzähnen auf und schluckst.
Beim Schlucken zieht der Unterdruck die Zunge an den Gaumen, und die Muskeln von Mundboden und vorderem Hals arbeiten koordiniert mit. So übst du Atmung, Schlucken und Kopfbalance in einem Ablauf.
- Ab Tag 1
Kopfaufrichtung und Grundübung
Dreimal täglich wenige Minuten mit dem FaceFormer ZERO. Die kostenlose FaceFormer-App leitet dich an.
- Ab etwa Woche 3
Zugübung und Nacht
Die Zugübung kommt dazu. Nachts trägst du den FaceFormer ZERO, sobald die Grundübung sitzt.
- Nach einigen Wochen
Wechsel auf den ONE
Tagsüber trainierst du mit dem FaceFormer ONE. Er ist gleich groß und geformt wie der ZERO, nur aus festerem Material.
- Später
Kopf-Balance-Rotation
Mit der Kopf-Balance-Rotation drehst du den Kopf langsam zur Seite, während Lippenschluss, Zunge und Nasenatmung bestehen bleiben. Am besten in Absprache mit einer Praxis.
- Über Monate
Das Muster läuft von selbst
Bis die neuen Abläufe ohne Nachdenken laufen, rechnet das Übungsmanual mit sechs bis zwölf Monaten, danach folgt ein Erhaltungstraining.
Ehrlich zur Studienlage: Zur Wirkung des FaceFormer-Trainings auf die Kopfgelenke gibt es keine kontrollierte Studie. Eigene Untersuchungen gibt es zur Körperhaltung, nicht zu den Kopfgelenken selbst. Was sie zeigen und was nicht, ordnen wir auf der Seite Studien und Wissenschaft ein. Aus dem Fehlen einer Untersuchung folgt nicht, dass der Zusammenhang nicht besteht. Es folgt, dass er nicht geprüft ist.
Ein gespeichertes Muster stellt man um, indem man es trainiert.Nach unserer Auffassung gibt es zum Training der Basisfunktionen keine gleichwertige Alternative, weil wir mit dieser Logik keinen anderen Weg sehen, ein gespeichertes Muster umzustellen, als es zu trainieren.
Alltag
Den Kopf im Alltag balancieren statt halten
Aufrichten statt zurückziehen
Zieh das Kinn nicht nach hinten und die Schultern nicht zusammen. Denk an den Faden am Hinterkopf, der Rest folgt.
Lippen zu, Zunge oben, Nase auf
Die Lippen liegen locker aneinander, die Zungenspitze am Referenzpunkt, die Luft nimmt den Weg durch die Nase. So bekommt der Kopf Halt von vorn.
Zähne in der Schwebe
Außer beim Kauen und Schlucken stehen die Zähne leicht auseinander. Pressen spannt den Nacken gleich mit an.
Bildschirm auf Augenhöhe
Stell Bildschirm und Sitz so ein, dass dein Kopf über dem Körper balanciert und nicht nach vorn wandert.
Drehen in Ruhe
Drehe den Kopf langsam und bewusst, statt ruckartig über die Schulter zu schauen. Langsame Bewegungen geben den kurzen Nackenmuskeln Zeit zu messen.
Verordnetes nicht eigenmächtig absetzen
Halskrause, Physiotherapie oder Medikamente besprichst du mit deiner Praxis. Das Training lässt sich damit kombinieren.
Der obere Nacken ist auch ein Knotenpunkt für Nerven, die weit über den Hals hinaus wirken. Mehr zum Ruhenerv liest du im Artikel zum Vagusnerv, zu Ohrgeräuschen mit Kiefer- und Nackenbezug im Beitrag zum Tinnitus.
Fragen
Häufig gefragt
Was ist ein Wackelkopf?
„Wackelkopf“ ist ein Alltagswort, kein Fachbegriff. Gemeint ist in der Regel das Gefühl, dass der Kopf keinen sicheren Halt hat, oft mit Nackenschmerz, Knacken im oberen Nacken und Unsicherheit bei Kopfbewegungen. In Befunden heißt das Kopfgelenksinstabilität oder instabile HWS. Ein sichtbares, unwillkürliches Zittern des Kopfes ist etwas anderes und gehört neurologisch abgeklärt.
Welche Symptome haben instabile Kopfgelenke?
Häufig genannt werden Nacken- und Hinterkopfschmerz, ein Schweregefühl des Kopfes, Knacken beim Drehen, Kieferspannung und kurze Unsicherheit bei schnellen Bewegungen. Diese Beschwerden kommen auch ohne nachweisbare Instabilität vor. Kribbeln, Schwäche, Doppelbilder oder Schluckstörungen gehören zeitnah ärztlich abgeklärt.
Kann man eine Kopfgelenksinstabilität im MRT sehen?
Nicht zuverlässig. In einer norwegischen Studie mit 173 Personen hatten 49 % der Menschen nach Schleudertrauma auffällige Signale in den Flügelbändern, aber auch 40 % der Vergleichspersonen ohne Beschwerden und ohne Unfall. Die Autoren halten den diagnostischen Wert solcher Befunde für fraglich. Aussagekräftiger sind Aufnahmen in Bewegung, die zu den Beschwerden passen.
Muss eine instabile HWS operiert werden?
Nur bei klaren Befunden, etwa nach einem Bruch, bei gerissenen Bändern, entzündlichem Rheuma, Tumoren oder Ausfällen von Nerven und Rückenmark. Ohne eindeutige Instabilität im Röntgen empfehlen auch chirurgische Übersichtsarbeiten Zurückhaltung. Ob ein Eingriff für dich infrage kommt, besprichst du mit deiner behandelnden Praxis.
Hilft Krafttraining für den Nacken bei einem Wackelkopf?
Aus unserer Sicht nur begrenzt. Die großen Nackenmuskeln sind bei vielen Menschen kräftig genug und arbeiten beim Wackelkopf ohnehin schon als Dauerhalter. Was fehlt, ist die Feinsteuerung aus den kurzen Nackenmuskeln und die Balance von vorn über Zunge, Zungenbein und Mundboden. Studien zeigen, dass sich diese Feinsteuerung durch gezielte Übungen verbessern lässt.
Kann man instabile Kopfgelenke selbst stabilisieren?
Du kannst das Muster trainieren, mit dem dein Nervensystem die Kopfgelenke sichert. Im FaceFormer-Training übst du Kopfaufrichtung, Lippenschluss, Zungenreferenzlage, Nasenatmung und Schlucken in einem Ablauf. Das Training schafft die Voraussetzung dafür, dass sich Beschwerden bessern können. Bei Warnzeichen lässt du vorher ärztlich abklären.
Was hat der Kiefer mit den Kopfgelenken zu tun?
Kiefer und Kopf bewegen sich gemeinsam. Der Kopf stellt sich schon ein, bevor sich der Kiefer öffnet, und nach einem Schleudertrauma ist auch das Kauen verändert. Viele Menschen mit Beschwerden im oberen Nacken haben deshalb zugleich Kieferbeschwerden.
Wann sollte ich mit einem Wackelkopf zum Arzt?
Nach einem Unfall oder Sturz, bei Taubheit, Kribbeln oder Schwäche in Armen oder Beinen, bei Doppelbildern, Sprech- oder Schluckstörungen, bei plötzlichen Stürzen, bei einem sichtbaren Zittern des Kopfes und bei bekannten Grunderkrankungen wie entzündlichem Rheuma oder einer Bindegewebserkrankung.
Weitere Artikel aus dem Wissen
Dein Weg weiter

Quellen
- Zhai X, Kang J, Chen X, Dong J, Qiu XW, Ding XA, Liu J, He XJ (2019). In vivo measurement of three-dimensional motion of the upper cervical spine using CT three-dimensional reconstruction [chinesisch]. Zhongguo Gu Shang 32(7):658-665. PMID 31382726. Quelle
- Kulkarni V, Chandy MJ, Babu KS (2001). Quantitative study of muscle spindles in suboccipital muscles of human foetuses. Neurology India 49(4):355-359. PMID 11799407. Quelle
- Revel M, Andre-Deshays C, Minguet M (1991). Cervicocephalic kinesthetic sensibility in patients with cervical pain. Archives of Physical Medicine and Rehabilitation 72(5):288-291. PMID 2009044. Quelle
- Falla DL, Jull GA, Hodges PW (2004). Patients with neck pain demonstrate reduced electromyographic activity of the deep cervical flexor muscles during performance of the craniocervical flexion test. Spine 29(19):2108-2114. PMID 15454700. Quelle
- Eriksson PO, Häggman-Henrikson B, Nordh E, Zafar H (2000). Co-ordinated mandibular and head-neck movements during rhythmic jaw activities in man. Journal of Dental Research 79(6):1378-1384. PMID 10890716. Quelle
- Häggman-Henrikson B, Zafar H, Eriksson PO (2002). Disturbed jaw behavior in whiplash-associated disorders during rhythmic jaw movements. Journal of Dental Research 81(11):747-751. PMID 12407088. Quelle
- Hutting N, Scholten-Peeters GG, Vijverman V, Keesenberg MD, Verhagen AP (2013). Diagnostic accuracy of upper cervical spine instability tests: a systematic review. Physical Therapy 93(12):1686-1695. PMID 23886844. Quelle
- Myran R, Kvistad KA, Nygaard OP, Andresen H, Folvik M, Zwart JA (2008). Magnetic resonance imaging assessment of the alar ligaments in whiplash injuries: a case-control study. Spine 33(18):2012-2016. PMID 18708935. Quelle
- Lohkamp LN, Marathe N, Fehlings MG (2022). Craniocervical Instability in Ehlers-Danlos Syndrome: A Systematic Review of Diagnostic and Surgical Treatment Criteria. Global Spine Journal 12(8):1862-1871. PMID 35195459. Quelle
- Winegar CD, Lawrence JP, Friel BC, Fernandez C, Hong J, Maltenfort M, Anderson PA, Vaccaro AR (2010). A systematic review of occipital cervical fusion: techniques and outcomes. Journal of Neurosurgery: Spine 13(1):5-16. PMID 20594011. Quelle
- Hilibrand AS, Carlson GD, Palumbo MA, Jones PK, Bohlman HH (1999). Radiculopathy and myelopathy at segments adjacent to the site of a previous anterior cervical arthrodesis. Journal of Bone and Joint Surgery (American) 81(4):519-528. PMID 10225797. Quelle
- Jull G, Falla D, Treleaven J, Hodges P, Vicenzino B (2007). Retraining cervical joint position sense: the effect of two exercise regimes. Journal of Orthopaedic Research 25(3):404-412. PMID 17143898. Quelle
- Smaoui S, Langridge A, Steele CM (2020). The effect of lingual resistance training interventions on adult swallow function: a systematic review. Dysphagia 35(5):745-761. PMID 31612288. Quelle
Loslegen
Bereit für das Training?
Die kostenlose FaceFormer-App leitet die Grundübungen an, zählt mit und erinnert dich an die Einheiten. Auf Wunsch begleitet dich eine Praxis aus dem Behandlerverzeichnis.

FaceFormer ZERO + ONE
Beide Materialhärten für Einstieg, Tag und Nacht. Das Set für Erwachsene.

FaceFormer ZERO
Der weichere FaceFormer für den Einstieg, für Kinder und für die Nacht.

FaceFormer ZERO Kinder Set
ZERO mit Hygienebox, Plüschtasche und Erfolgsbuch mit Stempel.
Das FaceFormer-Training zielt darauf, die Basisfunktionen Atmung, Schlucken und Kopfbalance mit Mundschluss und Zungenreferenzlage wieder physiologisch einzustellen, und schafft damit die Voraussetzung dafür, dass sich Beschwerden bessern können. Es ersetzt keine ärztliche Abklärung. Behandlerinnen und Behandler in deiner Nähe findest du im Behandlerverzeichnis.









