Therapie · Wie sie wirkt
Atmen. Schlucken.Kopfbalance.
Drei Grundfunktionen, die du ununterbrochen ausführst. Laufen sie im richtigen Muster, arbeitet der ganze Körper leichter. Die FaceFormer-Therapie trainiert genau dieses Muster.
Trainiert wird das Programm, nicht die Kraft.
Mit vielen gleichen, sauberen Wiederholungen lernt dein Nervensystem den richtigen Ablauf wieder, bis er von selbst läuft, am Tag und in der Nacht.
Das Modell
Drei Funktionen. Ein Kreis.
Die Atmung gibt den Rhythmus, der sicheres Schlucken erlaubt. Das Schlucken hält die Spannung der Mund- und Rachenmuskulatur. Die Kopfbalance ordnet die Lage, in der Atemweg und Schluckweg einander nicht behindern.
Atmung
Durch die Nase wird die Luft gefiltert, angewärmt und befeuchtet. Die Nasenatmung gibt dem Nervensystem zugleich einen gleichmäßigen Takt.
Schlucken
Viele hundert bis tausend Mal am Tag, auch im Schlaf. Dabei legt sich die Zunge an den Gaumen, die Lippen schließen, und die Muskulatur von Mund und Rachen wird jedes Mal aktiviert.
Kopfbalance
Der Kopf balanciert auf der Wirbelsäule, gehalten von einem fein abgestimmten Muskelverbund. Seine Lage bestimmt die Weite des Atemwegs mit.
Jede der drei Funktionen trägt die beiden anderen und wird von ihnen getragen. Dr. Klaus-Jürgen Berndsen nennt das den Triadischen Funktionskreis. Weil die drei so eng verschränkt sind, hält eine einzeln korrigierte Funktion ihren Ablauf nicht, solange die beiden anderen im alten Muster bleiben. Deshalb trainiert der FaceFormer immer alle drei zusammen.
Anatomie
Wo sich alles trifft
Atemluft und Nahrung teilen sich in Nase, Mund und Rachen einen gemeinsamen Weg. Im Zentrum liegt das Zungenbein, der einzige Knochen des Körpers ohne Gelenkverbindung, allein von Muskeln und Bändern gehalten. Beim Schlucken wird es angehoben, und mit jeder Neigung des Kopfes verändert sich seine Lage.
Die Drift
Wie aus einer kleinen Abweichung ein Symptom werden kann
Ist das Zusammenspiel gestört, gleicht der Körper aus. Die Versorgung bleibt gesichert, aber der Aufwand steigt. Dr. Berndsen beschreibt diese Entwicklung in vier Stufen:
Das Muster weicht ab
Die Atmung läuft durch den Mund, die Zunge liegt unten statt am Gaumen, der Kopf wird nach vorn gehalten. Noch spürt man nichts.
Der Körper gleicht aus
Andere Muskeln springen ein, zum Beispiel im Nacken, damit der Atemweg offen bleibt. Mit der Zeit wird der Ausgleich zur Gewohnheit.
Die Form folgt
Was lange so läuft, hinterlässt Spuren: ein schmaler, hoher Gaumen, Zahnfehlstellungen, eine veränderte Haltung.
Beschwerden zeigen sich
Zum Beispiel Schnarchen, Kiefergelenk- oder Nackenbeschwerden. Sie sind das sichtbare Ende einer Entwicklung, die oft Jahre früher begonnen hat.
Wiederkehrende Kombinationen solcher Befunde haben Sabine und Dr. Klaus-Jürgen Berndsen als Cranio-Cervicales Dysfunktions-Syndrom (CCDS) beschrieben. Es ist ein Arbeitsmodell aus der Praxis, keine Diagnose aus einer internationalen Klassifikation.
Der Ansatz
Am Anfang der Kette
Atmung, Schlucken und Kopfbalance sichern rund um die Uhr Sauerstoff, Nahrung und die räumliche Lage des Körpers. Alle drei sind eng mit dem autonomen Nervensystem verbunden, das Herzschlag, Verdauung und Abwehr steuert. Sie stehen damit am Anfang vieler Ursachenketten, und viele Beschwerden können mit ihnen zusammenhängen.
Erster Schritt, kein Ersatz
Die Triade gehört an den Anfang jeder Abklärung. Sie ersetzt keine Diagnose und keine andere Behandlung, sie schafft die Grundlage, auf der andere Maßnahmen besser greifen können.
Der Körper ordnet sich selbst
Wie bei einer Wunde: Die Ärztin reinigt und versorgt, heilen muss das Gewebe selbst. Das Training verändert die Bedingungen, abhängige Systeme können sich darauf neu einstellen. Klaus Berndsen nennt das emergente Korrektur.
Was dabei herauskommt, hängt von vielem ab
Davon, wie lange ein Muster schon besteht, ob sich Strukturen verändert haben und wie regelmäßig du trainierst. Nicht jede Beschwerde hängt an der Triade, und das ist in Ordnung.
Du machst dabei nichts falsch
Das Training bringt natürliche Funktionen in ihr ursprüngliches Muster zurück. Es arbeitet mit dem, was dein Körper ohnehin täglich tut.
Das Prinzip
Kraft oder Programm
Das Nervensystem lernt Ausgleichsmuster durch Wiederholung, genau wie jedes andere Bewegungsprogramm. Nach tausenden Atemzügen und Schluckvorgängen fühlt sich das Ausweichmuster normal an und das eigentlich richtige fremd.
Mehr Kraft allein
Wer nur die Muskelkraft steigert, ohne das Muster zu ändern, führt das alte Muster kräftiger aus.
Das Muster neu lernen
Die FaceFormer-Therapie setzt am Steuerungsmuster an: viele identische, saubere Wiederholungen in kurzen Intervallen. Entscheidend ist das Muster.
Das Gerät
Form und Reizarchitektur
Lippenkeil und Membran geben dem Nervensystem einen klaren Startimpuls: wo die Bewegung beginnt, wohin sie läuft und über welche Flächen sich die Kräfte verteilen.
Ziehen zum DrehenLippenkeil Oval und rundum abgeschrägt. Er führt die Lippen zur Mundmitte, ohne die Bewegung zu erzwingen.
Abdichtung Die Membran liegt hinter den Lippen im Mundvorhof und schließt den Mundraum nach vorn ab.
Unterdruck Lippenkeil und Membran sind ohne Öffnung verbunden. Beim Schlucken bildet sich deshalb ein leichter Unterdruck, und die Zunge legt sich an den Gaumen.

Führen statt zwingen
Der Lippenkeil führt die Lippen zur Mundmitte und gibt eine spürbare Rückmeldung, ohne die Bewegung zu erzwingen.

Unterdruck im Mund
Die Membran liegt hinter den Lippen, schließt den Mundraum ab und erzeugt beim Schlucken einen leichten Unterdruck. Die Zunge legt sich an den Gaumen.

Nur der richtige Ablauf gelingt
Ausweichbewegungen funktionieren mit dem FaceFormer nicht. Das Gehirn muss den Ablauf aktiv planen und korrigieren, und genau so lernt es.
Was sie besonders macht
Fünf Gründe, warum das Muster zurückkommt
Zurückführen statt neu erfinden
Das richtige Muster ist angelegt. Atmen, Schlucken und Kopfbewegungen werden schon vor der Geburt geübt, ihre Grundschaltung liegt in den ältesten Teilen des Hirnstamms. Ausweichmuster überlagern es, gelöscht wird es nicht. Das Training führt dorthin zurück.
Alle drei zugleich
Im Hirnstamm werden Atmung, Schlucken und Zungenbewegung gemeinsam gesteuert. Deshalb wirkt der Lippenschluss weiter: auf die Zungenhebung, das Gaumensegel, die Nasenpassage und die Kopfbalance.
Ein fester Bezugspunkt
Die kleine Erhebung hinter den oberen Schneidezähnen, die Papilla incisiva, ist dicht mit Nervenendigungen besetzt. Sie gibt dem Nervensystem einen eindeutigen Ort, an dem sich die Zunge ausrichtet.
Ein klares Signal
Lippen und Zunge gehören zu den empfindlichsten Regionen des Körpers. Der FaceFormer gibt ihnen ein präzises, immer gleiches Reizmuster, aus dem das Nervensystem lernen kann.
Genauigkeit vor Menge
Eine ungenaue Übung ist keine schwächere richtige Übung, sie trainiert ein anderes Muster. Deshalb zählt jede saubere Wiederholung mehr als viele schnelle.
Im Alltag
Tag und Nacht
Am Tag trainierst du bewusst, dreimal täglich mit wenigen Minuten. Nach einigen Wochen trägst du den FaceFormer ZERO zusätzlich nachts, ohne zu üben. Im Schlaf setzen sich alte Muster wie die Mundatmung am leichtesten durch, und genau dort unterstützt der FaceFormer den Mundschluss und die Nasenatmung.
Ziel ist, dass das richtige Muster ohne Aufmerksamkeit läuft, das Training überdauert und sich auf den Alltag überträgt. Der beste Prüfstein dafür ist die Nacht.
Prüfsteine
Woran du merkst, dass sich etwas ändert
Ein Muster gilt als neu gelernt, wenn es drei Bedingungen erfüllt:
Es läuft ohne Aufmerksamkeit
Der Mund bleibt nachts geschlossen, ohne dass etwas ihn hält. Die Zunge liegt am Gaumen, während du an etwas anderes denkst.
Es überdauert das Training
Was nur während der Übungsphase besteht, ist ein Trainingseffekt. Ein neu gelerntes Muster bleibt.
Es überträgt sich
Die vielen hundert Schluckvorgänge eines Tages folgen dem neuen Muster, nicht nur der eine Schluck in der Übung.
Grenzen gehören dazu. Ist ein Raum anatomisch zu eng gebaut, verbessert ein besseres Muster die Bedingungen, schafft aber keinen Platz. Abgetragene Zahnsubstanz oder geschädigte Gelenkflächen bilden sich nicht zurück, verändern lässt sich die Belastung. Und ein Training, das täglich stattfinden muss, steht und fällt mit der Regelmäßigkeit.
Studienlage
Was Studien zeigen
In einer randomisierten Studie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf trainierten 45 Kinder und Jugendliche sechs Monate lang, 26 davon mit dem FaceFormer, 19 mit myofunktioneller Therapie ohne Gerät. Nach sechs Monaten wurden 30 von ihnen nachuntersucht, 17 mit FaceFormer und 13 ohne Gerät; auf diese beziehen sich die Prozentwerte.
Die Lippenkraft stieg in beiden Gruppen, mit dem FaceFormer schneller. Bei der Aussprache zeigte sich kein Unterschied. Zur Langzeitstabilität macht die Studie keine Aussage.
Mundatmung
Fehlerhaftes Schluckmuster nach 6 Monaten
Schwan M, Dissertation, Universität Hamburg 2007. Korbmacher et al., Int J Orofacial Myology 2004. Randomisiert, 45 Kinder und Jugendliche, nach sechs Monaten 30 nachuntersucht (17 mit, 13 ohne Gerät).
Die Übungen
Alle Module mit 3D-Animation
Schritt für Schritt erklärt, mit Trainingsplan und Hilfen, wenn etwas noch schwerfällt.
Fragen
Häufig gefragt
Brauche ich viel Kraft für das Training?
Nein. Kraft spielt keine Rolle, es geht um das Muster: dass Lippen, Zunge, Schlucken und Atmung im richtigen Ablauf zusammenarbeiten. Beginne mit wenigen Wiederholungen und achte auf Genauigkeit.
Warum soll ich den Lippenkeil dann kräftig pressen?
Das Pressen ist kein Krafttraining. Es gibt dem Nervensystem ein klares, immer gleiches Signal, aus dem Zungenhebung, Gaumensegel, Nasenpassage und Kopfbalance mitfolgen. Der mühelose Mundschluss im Alltag ist das Ergebnis.
Ersetzt das Training meine bisherige Behandlung?
Nein. Die FaceFormer-Therapie lässt sich mit vielen Behandlungen kombinieren, etwa mit Zahnspange oder Logopädie. Ärztlich verordnete Therapien setzt du bitte nicht eigenmächtig ab, sondern besprichst den Ablauf mit deiner Praxis.
Wie lange dauert es?
Das ist sehr unterschiedlich und hängt davon ab, wie lange ein Muster schon besteht. Das Basistraining ist auf mehrere Monate angelegt. Deine Therapeutin oder dein Therapeut begleitet dich dabei.
Für wen ist das Training?
Für Kinder und Erwachsene. Bei kleinen Kindern legt die Praxis fest, ab wann und in welcher Form trainiert wird. Kinder bis zehn Jahre trainieren mit dem weicheren FaceFormer ZERO.
Quellen
- Schwan M (2007): Evaluation einer innovativen apparativen Therapie zur Harmonisierung der orofazialen Muskulatur und Funktion. Dissertation, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Volltext
- Korbmacher HM, Schwan M, Berndsen S, Bull J, Kahl-Nieke B (2004): Evaluation of a new concept of myofunctional therapy in children. Int J Orofacial Myology 30:39–52. PubMed
- Herget A, Ohlendorf D, Kopp S (2012): Auswirkungen der Face-Former-Therapie auf die Oberkörperstatik. Manuelle Medizin 50:204–210. DOI
- Jean A (2001): Brain stem control of swallowing: neuronal network and cellular mechanisms. Physiological Reviews 81(2):929–969. DOI
- Endo C, Sato T, Yajima T, Igarashi K, Ichikawa H (2018): Innervation of the human incisive papilla. Cells Tissues Organs 205(2). DOI
- Van den Steen L, Vanderwegen J, Guns C et al. (2019): Tongue-strengthening exercises in healthy older adults. PubMed
- Berndsen K (in Vorbereitung): Trust the Triad. Kapitel Triadische Musterregulation, Direkte Regulation und emergente Korrektur, Form und Reizarchitektur.
- Berndsen K, Berndsen S (2023): FaceFormer-Therapie. Neurophysiologische Kausaltherapie bei CCDS. In: Langenhan J, Kopp S (Hrsg.): Zahnärztliche Schlafmedizin. Thieme, S. 285–302.
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Bereit für das Training?
Die kostenlose FaceFormer-App leitet die Grundübungen an, zählt mit und erinnert dich an die Einheiten. Auf Wunsch begleitet dich eine Praxis aus dem Behandlerverzeichnis.

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Das FaceFormer-Training zielt darauf, die Basisfunktionen Atmung, Schlucken und Kopfbalance mit Mundschluss und Zungenreferenzlage wieder physiologisch einzustellen, und schafft damit die Voraussetzung dafür, dass sich Beschwerden bessern können. Es ersetzt keine ärztliche Abklärung. Behandlerinnen und Behandler in deiner Nähe findest du im Behandlerverzeichnis.





















