
Fachartikel Ohr
Ohrendruck und DruckausgleichWarum Schlucken dein Ohr belüftet
Druck auf den Ohren, das Ohr ist zu, und der Druckausgleich will nicht klappen? Hier erfährst du, wie die Ohrtrompete beim Schlucken öffnet, was beim Fliegen und Tauchen hilft, was eine Tubenfunktionsstörung ist und warum der Druckausgleich aus unserer Sicht ein Muster aus Atmung, Schlucken und Kopfbalance ist.
Kennst du das?
Das Ohr ist zu, und Schlucken hilft nicht?
Was trifft auf dich zu?
Tippe an, was auf dich zutrifft.
Treffen mehrere Punkte zu, lohnt ein genauer Blick darauf, wie dein Mittelohr belüftet wird. Die Ohrtrompete wird von Muskeln geöffnet, die beim Schlucken arbeiten. Wie gut sie das tun, hängt aus unserer Sicht vom Zusammenspiel von Atmung, Schlucken und Kopfbalance ab, und das lässt sich trainieren.
Was beim Schlucken im Ohr passiertWas bei akutem Druck hilftDas Wichtigste in Kürze
- Ohrendruck entsteht, wenn sich der Luftdruck im Mittelohr und in der Umgebung unterscheidet. Ausgeglichen wird er über die Ohrtrompete, einen schmalen Gang zum Nasenrachen.
- Die Ohrtrompete ist in Ruhe geschlossen. Sie öffnet sich beim Schlucken und Gähnen für den Bruchteil einer Sekunde, gezogen von den Muskeln des Gaumensegels.
- Klappt der Druckausgleich wiederholt nicht, spricht man von einer Tubenfunktionsstörung. Eine gestörte Muskelarbeit ist einer ihrer Wege. Den Druck nur zu überbrücken, klärt ihn nicht. Aus unserer Sicht liegt der Ansatz im Schluckablauf, und der lässt sich trainieren.
Video
Druck auf den Ohren: Wie der Druckausgleich funktioniert
Das Video lädt erst nach dem Klick. Dann werden Daten an YouTube (Google) übertragen.
Physik
Wie Ohrendruck entsteht
Druck auf den Ohren kennt fast jeder, im Flugzeug, im Aufzug oder auf der Passstraße. Dahinter steckt ein einfaches physikalisches Prinzip.
Hinter dem Trommelfell liegt das Mittelohr, ein kleiner, luftgefüllter Raum mit den drei Gehörknöchelchen. Vor dem Trommelfell liegt der Gehörgang und damit die Außenluft. Frei schwingen kann das Trommelfell nur, wenn der Druck auf beiden Seiten gleich ist. Ändert sich der Luftdruck draußen schneller, als das Mittelohr nachzieht, wölbt sich das Trommelfell. Das spürst du als Druck, als dumpfes Hören oder als Gefühl, das Ohr sei zu.
Wie eine Chipstüte im Flugzeug
Nimm eine verschlossene Chipstüte mit an Bord. In Reiseflughöhe bläht sie sich auf, beim Landeanflug fällt sie wieder zusammen. Die Luft in der Tüte bleibt dieselbe, nur der Druck draußen ändert sich. Dem Mittelohr geht es ähnlich, mit einem Unterschied. Es hat ein Ventil, über das es den Druck angleichen kann, die Ohrtrompete.
Aufstieg
Der Druck draußen sinkt, im Mittelohr ist er vergleichsweise zu hoch. Die überschüssige Luft entweicht in der Regel leicht über die Ohrtrompete. Oft reicht ein Schluck, und es knackt kurz.
Sinkflug und Landung
Der Druck draußen steigt, im Mittelohr entsteht ein Unterdruck. Jetzt muss Luft aktiv hinein, und dafür muss die Ohrtrompete geöffnet werden. Deshalb machen die Ohren vor allem im Sinkflug Beschwerden.
Abtauchen
Unter Wasser steigt der Druck schon auf den ersten Metern stark an. Der Ausgleich muss früh und oft geschehen, bevor ein großer Unterschied entsteht.
Der Gehörgang spielt beim Druckausgleich keine Rolle. Die Luft gelangt ausschließlich über den Nasenrachen ins Mittelohr.
Fühlt sich das Ohr zu an, greifen viele unwillkürlich zum Ohr. Ziehen am Ohrläppchen oder Drücken im Gehörgang erreicht das Mittelohr aber nicht, denn der Druck sitzt hinter dem Trommelfell.

Anatomie
Die Ohrtrompete: ein Ventil zum Nasenrachen
Das Mittelohr ist mit der Außenwelt nur über einen einzigen Gang verbunden. Er endet dort, wo Nase und Rachen ineinander übergehen.
Die Ohrtrompete, lateinisch Tuba auditiva, auch Eustachische Röhre genannt, führt vom Mittelohr schräg nach unten in den Nasenrachen, den Raum hinter der Nase. In Ruhe liegen ihre Wände aneinander. So bleibt das Mittelohr vor Sekret aus dem Nasenrachen und vor dem Schall der eigenen Stimme geschützt.
Geöffnet wird die Ohrtrompete von Muskeln des Gaumensegels. Der Spanner des Gaumensegels entspringt an der Schädelbasis und an der Knorpelwand der Ohrtrompete. Zieht er sich zusammen, strafft er das Segel und zieht dabei die Wand der Tube auf. Der Heber des Gaumensegels entspringt ebenfalls an der Ohrtrompete und hebt das Segel gegen die Rachenhinterwand.
Beide Muskeln arbeiten, wenn du schluckst oder gähnst. Das Gaumensegel verschließt dann den Nasenraum, und im selben Zug öffnet sich für einen Moment der Weg zum Mittelohr. Deshalb knackt es beim Schlucken manchmal im Ohr.

Schlucken ist auch ein Belüftungsvorgang für das Mittelohr.Schlucken, Gaumensegel und Mittelohr hängen mechanisch zusammen. Wer den Druckausgleich verstehen will, muss deshalb auf das Schlucken schauen.
Mechanik
Was beim Schlucken im Ohr passiert
Du schluckst viele hundert bis tausend Mal am Tag, in aller Regel unbemerkt. Bei vielen dieser Schlucke wird nebenbei dein Mittelohr belüftet.
Die Zunge legt sich an den Gaumen
Die Zungenspitze liegt am Referenzpunkt hinter den oberen Schneidezähnen, die Zähne berühren sich kurz. Der Zungenrücken schiebt den Schluck nach hinten.
Das Gaumensegel hebt sich
Der Heber zieht das Segel nach hinten oben und verschließt den Nasenraum, damit nichts in die Nase gelangt.
Der Spanner zieht die Tube auf
Er strafft das Segel und zieht an der Knorpelwand der Ohrtrompete. Der Gang öffnet sich.
Luft gleicht den Druck aus
Für den Bruchteil einer Sekunde strömt Luft zwischen Nasenrachen und Mittelohr, in die Richtung des niedrigeren Drucks.
Die Tube schließt wieder
Die Muskeln lassen nach, die Wände legen sich aneinander. Das Mittelohr ist wieder abgeschlossen.
wurden in Pittsburgh beim Schlucken vermessen, mit Nadelelektroden in beiden Gaumensegelmuskeln einer Seite und einem Mikrofon im Gehörgang1
dauerte eine Öffnung der Ohrtrompete dabei, gemessen als Median von 196 Millisekunden1
arbeiteten zusammen. Der Heber setzte zuerst ein, die weiteste Öffnung fiel mit der Aktivität des Spanners zusammen1
Nicht jeder Schluck öffnet die Tube messbar. Eine Arbeitsgruppe in Madison verfolgte das Schlucken in schnellen Bildserien im Computertomographen. Bei den fünf Gesunden sah sie eine kleine Luftportion durch die Ohrtrompete wandern, bei der untersuchten Person mit Funktionsstörung nicht2. Die Fallzahl ist klein, der Befund eine Hypothese.

Wie stark die Muskeln die Mechanik bestimmen, zeigte ein Tierversuch. Nachdem der Spanner bei zwölf Javaneraffen mit Botulinumtoxin gelähmt worden war, änderten sich Öffnungsdruck und Nachgiebigkeit der Ohrtrompete deutlich3. Das bildet keine Erkrankung beim Menschen ab, zeigt aber, dass der Gang von Muskelspannung mitgeformt wird.
3D-Film
Der Schluck als Übung
Die Animation aus der FaceFormer-Anleitung zeigt im Seitenschnitt den Ablauf, um den es hier geht: Lippen am FaceFormer, kurz aufbeißen, einmal schlucken. Gaumensegel und Ohrtrompete sind darin nicht eingezeichnet.
Tubenfunktionsstörung
Wenn der Druckausgleich nicht funktioniert
Gelingt der Druckausgleich wiederholt nicht, sprechen HNO-Ärzte von einer Tubenfunktionsstörung oder Tubenbelüftungsstörung.
Eine internationale Fachgruppe hat 2015 beschrieben, was unter einer Tubenfunktionsstörung zu verstehen ist. Kennzeichen sind Beschwerden durch ungleichen Druck im Ohr, etwa Völlegefühl, Knacken oder Schmerz. Dazu kommen häufig ein Gefühl wie unter Wasser, Knistern, Ohrgeräusche, gedämpftes Hören oder eine laut klingende eigene Stimme4. Nach Angaben einer amerikanischen Studiengruppe betrifft die Form, bei der die Tube zu wenig öffnet, bis zu 5 % der Erwachsenen5.
Bleibt die Belüftung des Mittelohrs über lange Zeit gestört, kann sich Flüssigkeit hinter dem Trommelfell sammeln, und das Hören wird dumpfer. Aus unserer Sicht kann ein über Jahre gestörter Druckausgleich außerdem ein Glied in der Kette sein, an deren Ende Geräuschempfindlichkeit oder Ohrgeräusche stehen. Geprüft ist diese Kette als Ganzes nicht, sie ist unser Modell. Mehr dazu im Artikel Tinnitus.
Öffnet zu wenig
Die Tube geht beim Schlucken nicht ausreichend auf. Das Konsenspapier unterscheidet drei Wege dahin: eine Schwellung der Schleimhaut, etwa bei Infekt oder Allergie, eine Enge im Bau und eine gestörte Muskelarbeit4.
Klemmt bei Druckwechsel
Im Alltag ist alles in Ordnung, beim Tauchen oder im Sinkflug gelingt der Ausgleich nicht. Wieder am Boden klingen die Beschwerden in der Regel ab4.
Bleibt offen
Die Tube schließt nicht richtig. Die eigene Stimme und der eigene Atem dröhnen im Ohr, im Liegen wird es oft besser. Man spricht von einer klaffenden Tube4.
Bei der klaffenden Tube schließt sich die Ohrtrompete nach dem Schlucken nicht vollständig. Das auffällig laute Hören der eigenen Stimme und des eigenen Atems heißt in der Fachsprache Autophonie4. Aus unserer Sicht gehört das Schließen der Tube zum selben Schluckablauf wie das Öffnen. Für die klaffende Tube ist dieser Zusammenhang allerdings nicht untersucht.
Unterspritzung in der HNO-Praxis
- Füllmaterial, etwa Hyaluronsäure oder Silikon, wird im Bereich der Tubenöffnung eingespritzt
- Engt den offenen Gang ein, die Muskelarbeit bleibt dabei unverändert
- Resorbierbares Material wird mit der Zeit abgebaut, dann kann eine Wiederholung nötig werden
Training der Basisfunktionen
- Setzt am Schluckablauf an, zu dem aus unserer Sicht das Öffnen und Schließen der Tube gehört
- Übt Atmung, Schlucken und Kopfbalance im selben Ablauf
- Braucht deine Mitarbeit über mehrere Monate
- Zielt auf das Steuerungsmuster, nicht auf das Gewebe
Beide Wege schließen sich nicht aus. Ob eine Unterspritzung infrage kommt, entscheidet die HNO-Praxis im Einzelfall. Das Training lässt sich damit kombinieren, eine ärztlich begonnene Behandlung setzt du dafür nicht eigenmächtig ab.
Die akute Form folgt oft auf einen Infekt der oberen Atemwege oder einen Allergieschub. Ob die chronische Form dieselbe Ursache hat, ist nach dem Konsenspapier offen4. Bemerkenswert ist, dass die Fachgruppe die gestörte Muskelarbeit als eigenen Weg nennt. Genau dort setzt unsere Sicht an.
Die Triade
Druckausgleich ist eine Muskelfunktion
Die Ohrtrompete öffnet sich nicht von selbst. Sie wird geöffnet, und zwar von Muskeln, die Teil des Schluckablaufs sind.
In Rom leitete eine Arbeitsgruppe bei 20 Menschen mit Mittelohrentzündung und 10 Gesunden die Aktivität des Spanners beim Schlucken mit einer Oberflächenelektrode ab. Bei 78,5 % der Betroffenen war das Signal auf der kranken Seite kürzer oder schwächer6. Nach einer Tubenrehabilitation fanden die Autoren eine höhere Aktivität. Die Gruppe war klein, die Messung zeigt einen Zusammenhang, keine Ursache.
Atmung
Die Ohrtrompete mündet im Nasenrachen. Bei Nasenatmung mit geschlossenen Lippen ist er durchströmt. Bei Mundatmung sinkt die Zunge ab, und das Schlucken verändert sich mit.
Schlucken
Der Schluck öffnet die Tube. Die Zunge legt sich an den Gaumen, die Zähne berühren sich kurz, das Gaumensegel hebt sich kräftig. Ausgangspunkt ist die Zungenreferenzlage.
Kopfbalance
Wandert der Kopf nach vorn, verschieben sich aus unserer Sicht die Spannungen um Kiefer, Zungenbein und Rachen bis hinauf zum Gaumensegel.
Eine Besonderheit verbindet das Ohr mit dem Kiefer. Der Spanner des Gaumensegels wird vom selben Nervenast versorgt wie die Kieferschließer, die Muskeln des Mundbodens und der kleine Muskel im Mittelohr, der am Hammer zieht.
Wer ständig presst oder den Unterkiefer anders benutzt, verändert aus unserer Sicht die Arbeitsbedingungen dieses Nervenastes mit.
Schluck einmal bewusst. Was machen deine Zunge und deine Zähne?
Der Mund steht offen
Oft beginnt es mit Mundatmung, in der Kindheit, bei verlegter Nase oder aus Gewohnheit.
Die Zunge sinkt ab
Ihr fehlt der Bezugspunkt am Gaumen. Geschluckt wird mit der Zunge an den Zähnen, ohne kurzen Zahnkontakt.
Das Gaumensegel arbeitet schwächer
Was nicht in die Funktion eingebunden ist, wird nicht gebraucht und verliert seine Spannung.
Die Tube öffnet unzureichend
Das Mittelohr wird seltener belüftet, bei Druckwechseln klemmt es.
Das Ohr ist zu
Am Ende steht das Druckgefühl, oft mit dem Befund einer Tubenfunktionsstörung.
Diese Kette ist unser Modell, kein Befund für den Einzelfall. Bleibt das Ohr auch ohne Infekt wiederholt zu, liegt die Ursache aus unserer Sicht im Regelfall im Zusammenspiel von Atmung, Schlucken und Kopfbalance, nicht in der Tube allein.
Akuter Ohrendruck
Druck auf den Ohren: was jetzt hilft
Bei akutem Druck, etwa im Landeanflug oder im Aufzug, nutzt du am besten den Mechanismus, den der Körper dafür vorgesehen hat.
Bewusst schlucken
Mehrmals hintereinander, mit geschlossenen Lippen und kurzem Zahnkontakt. Jeder Schluck gibt der Ohrtrompete eine Gelegenheit, sich zu öffnen.
Trinken oder kauen
Ein Schluck Wasser, ein Bonbon oder ein Kaugummi helfen, weil sie Speichel bilden und du dadurch häufiger schluckst.
Gähnen
Beim Gähnen spannt sich das Gaumensegel kräftig, und die Tube geht oft mit auf.
Sanft pressen (Valsalva)
Nase zuhalten, Mund schließen und behutsam gegen die geschlossene Nase ausatmen. Nur mit wenig Druck und nicht bei Schmerzen oder Entzündung im Ohr.
Schlucken bei zugehaltener Nase
Das Toynbee-Manöver: Nase zuhalten und schlucken, der Schluck öffnet die Tube.
Zunge als Kolben (Frenzel)
Nase zuhalten, die Luft im Hals anhalten und den Laut „k“ formen. Der Zungengrund drückt nach hinten oben und schiebt die Luft im Rachen in die Ohrtrompete, ohne Pressen über die Brust. In der Tauchausbildung wird das eigens geübt.
Früh anfangen
Im Flugzeug beginnst du mit dem Ausgleich schon zu Beginn des Sinkflugs, nicht erst beim Aufsetzen. Wer den Landeanflug verschläft, gleicht nicht aus.
der Flugreisenden zeigten nach der Landung Zeichen einer Druckschädigung am Trommelfell, untersucht an 134 Passagieren7
der Ohren mit Unterdruck nach dem Flug ließen sich in derselben Untersuchung mit dem Valsalva-Manöver ausgleichen7
der übrigen gelang der Ausgleich mit einem Nasenballon, den man mit der Nase aufbläst7
Lass dich ärztlich untersuchen, wenn der Druck mit starken Ohrenschmerzen, Fieber oder Ausfluss einhergeht, wenn du plötzlich schlechter hörst, Schwindel oder neue Ohrgeräusche dazukommen oder nach einem Tauchgang Schmerzen bleiben.
Fliegen und Tauchen
Ohrendruck beim Fliegen und Tauchen
Beide Situationen stellen die Ohrtrompete auf die Probe. Der Unterschied liegt im Tempo und in der Größe des Druckwechsels.
Im Flugzeug wird der Kabinendruck während des Flugs abgesenkt, etwa auf den Wert eines hohen Berges. Im Sinkflug steigt er über viele Minuten wieder an. Unter Wasser geht es schneller. Schon wenige Meter Tiefe bringen einen größeren Druckwechsel als ein ganzer Sinkflug. Wer taucht, muss deshalb früher und öfter ausgleichen.
- Vor dem Flug
Nase frei?
Bist du stark erkältet, frag in Apotheke oder Praxis, ob ein abschwellendes Nasenspray sinnvoll ist.
- Reiseflug
Wach bleiben
Der Druck ist stabil. Hat es beim Steigflug geknackt, hat dein Ohr bereits ausgeglichen.
- Beginn des Sinkflugs
Früh anfangen
Schlucken, trinken, kauen, gähnen. Je kleiner der Unterschied bleibt, desto leichter geht die Tube auf.
- Landeanflug
Nicht nachlassen
Weiter regelmäßig schlucken. Klemmt es, behutsam das Valsalva-Manöver nutzen.
- Nach der Landung
Nachgleichen
Bleibt ein Druckgefühl, weiter schlucken und gähnen. Hält es über Tage an, lass es untersuchen.
Beim Tauchen gilt dasselbe Prinzip in schärferer Form. Gleiche früh und in kurzen Abständen aus, bevor Druck spürbar wird, tauche langsam ab und steig ein Stück auf, wenn es klemmt. Tauche nicht mit verstopfter Nase. Schmerz im Ohr ist beim Tauchen ein Signal zum Umkehren, kein Hindernis, das man überwinden sollte.
Studienlage
Was die HNO-Medizin anbietet
Bei einer anhaltenden Tubenfunktionsstörung stehen in der HNO-Praxis mehrere Wege zur Wahl. Sie setzen an der Schleimhaut und an der Weite des Gangs an.
Abschwellende Nasensprays lassen die Schleimhaut kurzfristig abschwellen und sind nur für wenige Tage gedacht. Für ein Kortison-Nasenspray fand eine Studie der Mayo Clinic mit 91 Betroffenen nach sechs Wochen keinen Vorteil gegenüber einem Scheinpräparat, weder im Messbefund noch bei den Beschwerden8. Sammelt sich Flüssigkeit im Mittelohr, kann ein Paukenröhrchen im Trommelfell die Belüftung übernehmen.
der Behandelten hatten sechs Wochen nach einer Ballondilatation der Ohrtrompete einen normalen Druckbefund im Mittelohr. Untersucht wurden Erwachsene, denen Medikamente nicht geholfen hatten9
waren es in der Vergleichsgruppe derselben Studie, die weiter nur Medikamente bekam9
Bei der Ballondilatation wird der knorpelige Teil der Ohrtrompete mit einem kleinen Ballon geweitet, der über die Nase eingeführt wird. Die Studie zeigt einen deutlichen Vorteil gegenüber Medikamenten. Sie entstand unter Beteiligung des Herstellers, und knapp die Hälfte der Behandelten hatte danach keinen normalen Befund. Alle diese Verfahren setzen an Schleimhaut und Weite an. Die Muskeln, die die Tube beim Schlucken öffnen, trainiert keines davon.
Den Druck nur hinzunehmen oder bei jedem Flug mit Nasenspray und Manövern zu überbrücken, ist aus unserer Sicht kein Therapieansatz. Es klärt nicht, warum die Ohrtrompete nicht zuverlässig öffnet. Die Antwort liegt aus unserer Sicht im Schluckablauf, bis hin zum Spanner des Gaumensegels, der die Tube beim Schlucken aufzieht. Dort setzt das Training an und schafft die Voraussetzung, dass sich der Druckausgleich bessern kann.
Nutzt du ein Nasenspray, hast du ein Paukenröhrchen oder ist ein Eingriff geplant, setze nichts eigenmächtig ab und besprich Änderungen mit deiner Praxis. Das Training der Basisfunktionen lässt sich mit einer HNO-Behandlung kombinieren.
Übungen
Übungen für den Druckausgleich
Übungen für den Druckausgleich im Ohr setzen dort an, wo sich die Ohrtrompete öffnet, beim Schlucken. Im FaceFormer-Training sind das die Grundübung, die Zugübung, die Anwendung in der Nacht und als Zusatz der AirFlip. Bei einer klaffenden Tube gibt es keine Einzelübung, dort zählt der ganze Ablauf aus Atmung, Schlucken und Kopfbalance.
Grundübung
Lippen pressen, kurz aufbeißen, schlucken. Der Schluck mit Zahnkontakt und Zunge am Gaumen ist der Ablauf, bei dem die Gaumensegelmuskeln die Ohrtrompete aufziehen. Den Ablauf siehst du oben im 3D-Film zur Grundübung.
Zugübung
Du ziehst am FaceFormer und hältst mit den Lippen dagegen. Mund und Rachen bleiben dabei dicht, die Zunge findet ihren Platz am Gaumen.
Nacht
In der nächtlichen Anwendung trägst du den FaceFormer ZERO. Der Lippenkeil gibt den Lippen einen Reiz. Ziel ist, dass der Mund im Schlaf mit der Zeit von allein geschlossen bleibt und du durch die Nase atmest.
AirFlip
Der Zusatz für die Belüftung des Mittelohrs, erst wenn die Grundübung sitzt. Er arbeitet mit sanften Druckwechseln im Rachen.
Bei der Zugübung liegt der FaceFormer wie bei der Grundübung im Mundvorhof. Du ziehst ihn sanft nach vorn, die Lippen halten dagegen, und am Ende schluckst du.
Für das Ohr zählt dabei weniger die Kraft der Lippen als der dichte Mundraum. Bleibt er geschlossen, arbeiten Zunge, Gaumensegel und Schlucken im selben Muster, das beim Druckausgleich gebraucht wird.
Für die Belüftung des Mittelohrs gibt es zusätzlich den AirFlip, Modul 11. Du setzt den FaceFormer ein und hältst den Lippenkeil mit den Lippen fest. Dann hältst du dir die Nase zu, pustest sanft gegen die geschlossene Nase und versuchst gleich darauf, bei weiter verschlossener Nase einzuatmen.
So entsteht im Rachen ein Wechsel aus leichtem Gegendruck und Unterdruck, etwa im Takt von zwei Sekunden. Drei bis vier Wechsel, dann lässt du die Nase los. Das wiederholst du fünfmal. Der Wechsel spricht den Mechanismus an, der die Ohrtrompete öffnet und wieder schließt. Puste nie mit Kraft, und bei Erkältung oder Ohrenschmerzen setzt du den AirFlip aus und besprichst ihn am besten vorher mit deiner Praxis.

Dr. Berndsen zeigt den AirFlip-Drill im Video oben ab Minute 9:36, direkt auf YouTube: AirFlip-Drill ab 9:36. Er betont, dass die Grundübung zuerst sitzen muss und dass der Belüftungsmechanismus erst mit konsequentem Training über Monate von allein läuft.
Übungen bei klaffender Tube: Eine einzelne Übung, die eine offene Ohrtrompete schließt, gibt es nicht. Aus unserer Sicht gehört das Schließen der Tube zum selben Schluckablauf wie das Öffnen. Trainiert wird deshalb der ganze Ablauf, mit Grundübung, Zugübung und der Anwendung in der Nacht.
Die Nacht hat dabei Gewicht, weil dort über Stunden geatmet und geschluckt wird, ohne dass du darauf achtest. Den AirFlip mit seinen Druckwechseln besprichst du bei klaffender Tube vorher mit deiner HNO-Praxis. Der Zusammenhang zwischen Schluckablauf und klaffender Tube ist nicht untersucht, er ist unser Modell.
Diese Übungen sind Training, kein Manöver für den Notfall. Bei akutem Druck im Flugzeug helfen Schlucken, Kauen und das behutsame Valsalva-Manöver, wie oben beschrieben. Bei Schmerzen, Fieber, Ausfluss oder plötzlich schlechterem Hören lass das Ohr zuerst untersuchen.
Training
Druckausgleich üben: den Schluckablauf trainieren
Wenn man dieser Logik folgt, lässt sich wiederkehrender Ohrendruck am tiefsten dort angehen, wo die Ohrtrompete geöffnet wird, im Zusammenspiel von Schlucken, Gaumensegel und Nasenatmung. Wer bei Druck einfach öfter schluckt, wiederholt den Ablauf, der gerade nicht ausreicht. Ein Schluckmuster ist ein gespeicherter Ablauf, und der ändert sich durch genaue Wiederholung. Das braucht konsequentes Training über Wochen und Monate, nicht einzelne Übungen im Flugzeug.
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Video: Dr. Berndsen erklärt, wie Zunge und Gaumensegel beim Schlucken die Ohrtrompete öffnen und warum der Schluck dafür kräftig und koordiniert genug sein muss. Der Kanaltitel aus dem Jahr 2021 ist zugespitzt. Gemeint ist: Gelingt der Ausgleich mit Schlucken nicht, übt man die Bewegungen, auf die es beim Schlucken ankommt, regelmäßig und über längere Zeit.
Im FaceFormer-Training liegt der FaceFormer im Mundvorhof, hinter den Lippen und vor den Zähnen. Die Zungenspitze liegt an der kleinen Erhebung hinter den oberen Schneidezähnen, du atmest durch die Nase, der Kopf ist aufrecht balanciert.
In der Grundübung drückst du den Lippenkeil mit den Lippen zusammen, beißt mit den Backenzähnen kurz auf und schluckst einmal. Der Unterdruck zieht die Zunge an den Gaumen, der Schluck läuft mit Zahnkontakt und geschlossenem Mund ab.
- Ab Tag 1
Grundübung
Dreimal täglich wenige Minuten mit dem FaceFormer ZERO, die Wiederholungen steigerst du Woche für Woche.
- Ab etwa Woche 3
Zugübung und Nacht
Die Zugübung kommt dazu. Nachts trägst du den FaceFormer ZERO, sobald die Grundübung sitzt.
- Nach einigen Wochen
Wechsel auf den ONE
Tagsüber trainierst du mit dem FaceFormer ONE. Er ist gleich groß und geformt wie der ZERO, nur aus festerem Material.
- Wenn die Grundübung sitzt
AirFlip dazu
Als Zusatz für die Belüftung des Mittelohrs, dreimal täglich in kurzen Zyklen.
- Über Monate
Das Muster läuft von selbst
Bis die neuen Abläufe ohne Nachdenken laufen, rechnet das Übungsmanual mit sechs bis zwölf Monaten.
Die kostenlose FaceFormer-App leitet die Grundübungen an, alle Module findest du auf den Übungsseiten. Den AirFlip findest du nur auf seiner Modulseite, nicht in der App. Für Kinder gilt ein eigener Übungsplan, mehr unter FaceFormer für Kinder.
Fragen
Häufig gefragt
Was hilft schnell gegen Druck auf den Ohren?
Schlucken, trinken, kauen oder gähnen, denn dabei öffnet sich die Ohrtrompete. Reicht das nicht, hilft oft das behutsame Valsalva-Manöver, also sanft gegen die zugehaltene Nase ausatmen, nie mit Kraft. Bei Schmerzen, Fieber oder plötzlich schlechterem Hören lass das Ohr untersuchen.
Warum geht mein Ohr nicht auf, obwohl ich nicht erkältet bin?
Ohne geschwollene Schleimhaut bleibt als Erklärung oft der Mechanismus selbst. Die Ohrtrompete wird beim Schlucken nicht weit oder nicht lange genug geöffnet. Aus unserer Sicht spielt dabei im Regelfall ein schwacher oder unabgestimmter Schluckablauf eine Rolle, häufig zusammen mit Mundatmung und einer Zunge, die nicht am Gaumen liegt. Dieser Ablauf lässt sich trainieren.
Was ist eine Tubenfunktionsstörung?
Eine Störung der Ohrtrompete, bei der der Druckausgleich zwischen Mittelohr und Nasenrachen nicht richtig gelingt. Die Tube öffnet zu wenig, versagt nur bei Druckwechseln oder bleibt offen. Typisch sind Druck- und Völlegefühl, Knacken, gedämpftes Hören und eine laut klingende eigene Stimme. Tubenbelüftungsstörung meint dasselbe.
Was ist eine klaffende Ohrtrompete und wie äußert sie sich?
Bei einer klaffenden Tube schließt sich die Ohrtrompete nach dem Schlucken nicht mehr vollständig. Typisch ist die Autophonie: Die eigene Stimme und der eigene Atem klingen im betroffenen Ohr auffällig laut, im Liegen wird es oft besser. Bei anhaltenden Beschwerden kann die HNO-Praxis den Gang mit Füllmaterial unterspritzen. Aus unserer Sicht gehört auch das Schließen der Tube zum Schluckablauf, den du im Training der Basisfunktionen übst.
Was hilft gegen Ohrendruck beim Tauchen?
Früh und in kurzen Abständen ausgleichen, langsam abtauchen und bei Druck ein Stück aufsteigen. Mit verstopfter Nase solltest du nicht tauchen. Techniken wie Valsalva, Toynbee oder Frenzel lernst du am besten in der Tauchausbildung.
Kann man den Druckausgleich trainieren?
Aus unserer Sicht ja, denn die Ohrtrompete wird von Muskeln geöffnet, die Teil des Schluckablaufs sind. Im FaceFormer-Training übst du Atmung, Schlucken und Kopfbalance in einem Ablauf, für die Belüftung des Mittelohrs kommt der AirFlip aus Modul 11 dazu. Wie schnell sich etwas ändert, ist von Mensch zu Mensch verschieden.
Welche Übungen helfen beim Druckausgleich im Ohr?
Übungen, die den Schluckablauf trainieren, denn beim Schlucken ziehen die Gaumensegelmuskeln die Ohrtrompete auf. Im FaceFormer-Training sind das die Grundübung, die Zugübung und die Anwendung in der Nacht, dazu als Zusatz der AirFlip aus Modul 11 mit sanften Druckwechseln im Rachen. Wie schnell sich etwas ändert, ist verschieden, das Training braucht Zeit über Monate.
Gibt es Übungen bei klaffender Tube?
Eine einzelne Übung, die die Ohrtrompete schließt, gibt es nicht. Aus unserer Sicht gehört das Schließen zum selben Schluckablauf wie das Öffnen, deshalb wird der ganze Ablauf trainiert, mit Grundübung, Zugübung und der Anwendung in der Nacht. Den AirFlip besprichst du bei klaffender Tube vorher mit deiner HNO-Praxis. Der Zusammenhang zwischen Schluckablauf und klaffender Tube ist nicht untersucht, er ist unser Modell.
Kann ich mit Paukenröhrchen oder nach einer Mittelohrentzündung trainieren?
Die Grundübung ist ein Training von Lippen, Zunge, Schlucken und Atmung und keine Druckübung. Der AirFlip arbeitet dagegen mit Druckwechseln. Ihn besprichst du bei Paukenröhrchen, nach Eingriffen am Trommelfell oder bei akuten Beschwerden vorher mit deiner HNO-Praxis.
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Quellen
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Das FaceFormer-Training zielt darauf, die Basisfunktionen Atmung, Schlucken und Kopfbalance mit Mundschluss und Zungenreferenzlage wieder physiologisch einzustellen, und schafft damit die Voraussetzung dafür, dass sich Beschwerden bessern können. Es ersetzt keine ärztliche Abklärung. Behandlerinnen und Behandler in deiner Nähe findest du im Behandlerverzeichnis.









