
Fachartikel Zähne und Kiefer
Retainer nach der ZahnspangeWas er hält und was er nicht löst
Zähne wandern nicht von allein. Eine Kraft schiebt sie, im Mund vor allem die Zunge. Der Retainer sperrt diese Kraft ein, er löst sie nicht auf. Hier erfährst du, warum Zähne trotz Retainer wandern, welche Nebenwirkungen selten angesprochen werden und warum wir an der Funktion ansetzen.
Kennst du das?
Die Spange ist raus, und die Zähne wandern wieder?
Was trifft auf dich zu?
Tippe an, was auf dich zutrifft.
Treffen mehrere Punkte zu, lohnt ein Blick über die Zähne hinaus. Die Kräfte, die täglich auf sie wirken, kommen aus unserer Sicht im Regelfall aus dem Muster, mit dem du atmest, schluckst und den Kopf balancierst. Dieses Muster lässt sich trainieren.
Warum wandern Zähne überhaupt?Nebenwirkungen des RetainersRetainer gelöst, was tun?Das Wichtigste in Kürze
- Zähne wandern nicht von allein. Auf sie wirkt eine Kraft, im Mund vor allem von der Zunge, dazu von Lippen und Wangen. Der Retainer sperrt diese Kraft ein, er löst sie nicht auf. Er ist eine rein symptomatische Maßnahme.
- Wird die Funktion aus Atmung, Schlucken und Kopfbalance trainiert und eingestellt, fehlt den Zähnen aus unserer Sicht der Grund zu wandern. Deshalb ist unser Ziel, den Retainer mit deiner kieferorthopädischen Praxis schrittweise zu reduzieren.
- Feste Retainer lösen sich häufig und können Zähne trotz intaktem Draht bewegen. Die Zunge tastet am Draht und übt dabei aus unserer Sicht genau das Muster, das die Zähne verschoben hat. Kleber und Drähte geben messbar Bisphenol A und Metalle ab.
- Die eingesperrte Kraft weicht aus unserer Sicht aus, bis zu Kiefergelenk, Nacken und Ohr. Weil dazwischen Jahre liegen, denkt kaum jemand an den Retainer.
Video
Retainer: Was er hält und welche Nebenwirkungen er haben kann
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Grundlagen
Was ein Retainer macht: halten, nicht lösen
Nach einer Zahnspange oder einer Behandlung mit Alignern folgt in der Regel eine Haltephase, die Retention.
Ein Retainer sichert die Zahnstellung, die eine kieferorthopädische Behandlung erreicht hat. Es gibt ihn in zwei Formen. Der festsitzende Retainer ist ein dünner Draht, der hinter die Frontzähne geklebt wird, im Unterkiefer häufig von Eckzahn zu Eckzahn. Der herausnehmbare Retainer ist eine durchsichtige Schiene oder eine Platte, die du nachts oder stundenweise trägst.
Ein Retainer verändert an den Zähnen nichts mehr. Er hält fest, was die Behandlung erreicht hat, solange er sitzt.
Gewebe und Knochen müssten sich erst an die neue Stellung gewöhnen, heißt es oft. Die Langzeitdaten zeigen aber, dass sich Zähne noch Jahrzehnte später bewegen. Dahinter stehen Kräfte, die täglich wirken und die der Retainer nicht berührt. Deshalb ist er aus unserer Sicht eine symptomatische Maßnahme.

mit 4.377 Teilnehmenden hat die Cochrane Collaboration zur Retention ausgewertet. Ausgangspunkt ist der Satz, dass Zähne ohne Retention dazu neigen zurückzuwandern1
hatten ein hohes Verzerrungsrisiko, überwiegend wurde kürzer als ein Jahr beobachtet. Kein Verfahren erwies sich als sicher überlegen, die Aussagesicherheit ist niedrig bis sehr niedrig1
Wer Zähne festhalten muss, rechnet mit einer Kraft, die sie zurückdrängt.Die Haltephase ist die Antwort des Fachs darauf, dass Zähne ohne sie zurückwandern. Woher die Kraft kommt, beantwortet sie nicht.
Die Kernfrage
Warum wandern Zähne überhaupt? Weil eine Kraft wirkt
Zähne wandern nicht von allein. Bewegt sich ein Zahn, wirkt eine Kraft auf ihn, und die kommt im Mund vor allem von der Zunge, dazu von Lippen und Wangen.
Zähne hängen federnd im Knochen, gehalten von elastischen Fasern, die nach einer Verschiebung ein Stück zurückziehen. Wurden sie am Zahnhals durchtrennt, fiel der Rückfall bei 320 Behandelten über fast 15 Jahre geringer aus2. Die Fasern erklären aber nicht, warum Zähne noch nach Jahrzehnten wandern.
Die zweite Kraft kommt von innen und von außen zugleich. Der Kieferorthopäde William Proffit hat 1978 zusammengefasst, was die Lage der Zähne bestimmt. Als wichtigste Größen nennt er die Ruhedrücke von Zunge und Lippen und die Kräfte im Zahnhalteapparat3. Die Zunge drückt von innen, Lippen und Wangen halten von außen dagegen.
In derselben Arbeit steht ein Satz, der selten mitzitiert wird. Die Atmung beeinflusst, wie Kopf, Kiefer und Zunge gehalten werden, und verändert damit dieses Gleichgewicht. Hier beginnt aus unserer Sicht die Kette, die bei vielen Menschen bis zum Rezidiv reicht.

Entscheidend ist die Dauer, nicht die Stärke. Ein Schluck dauert nur einen Augenblick. Proffit fand, dass für die Maße des Zahnbogens eher der Ruhedruck der Lippen zählt als der Zungendruck beim Schlucken4. Am Kaninchenzahn zeigte er, dass eine Kraft, die ein Zehntel der Zeit anliegt, kaum wirkt, die Hälfte der Zeit aber wie eine ständige Kraft5.
Was die Zähne langfristig verschiebt, ist deshalb aus unserer Sicht im Regelfall die Lage der Zunge zwischen den Schlucken, zusammen mit dem Druck von Lippen und Wangen. Liegt die Zunge über Stunden tief und vorn, wirkt ihr Druck in eine Richtung. Die physiologische Ausgangsform nennen wir Zungenreferenzlage, die sogenannte „Zungenruhelage“.
Schließ kurz die Augen und spür nach: Wo liegt deine Zunge gerade?
Der Retainer sperrt die Kraft ein. Er löst sie nicht auf.Wenn man dieser Logik folgt: Wird die Funktion trainiert und eingestellt, fehlt den Zähnen aus unserer Sicht der Grund zu wandern. Deshalb setzen wir an der Funktion an.
Rezidiv
Zähne verschieben sich nach der Zahnspange: das Rezidiv
Ein Rückfall nach kieferorthopädischer Behandlung ist kein seltenes Missgeschick. Die längsten Beobachtungen dazu stammen aus Seattle.
Die bekannteste Langzeitbeobachtung stammt von der University of Washington in Seattle. Die Arbeitsgruppe um den Kieferorthopäden Robert Little hat dort über Jahrzehnte Behandlungsunterlagen gesammelt und die Stellung der unteren Frontzähne vermessen, vor und nach der Behandlung und bis zu zwanzig Jahre nach dem Ende der Retention.
von 31 Behandelten, bei denen vier Prämolaren gezogen worden waren, hatten zwanzig Jahre nach Ende der Retention noch eine klinisch akzeptable Ausrichtung der unteren Front. Aus den Befunden vor und nach der Behandlung ließ sich nicht vorhersagen, bei wem das Ergebnis hält6
verglich eine Studie über rund vier Jahrzehnte, Behandelte gegen Unbehandelte mit regelrechtem Gebiss. Nach der Behandlung nahm der Engstand bei den Behandelten stärker zu7
Ein Einwand liegt nahe: Zähne verändern sich mit dem Alter auch unbehandelt. Das erklärt den Befund aber nicht allein, denn die Behandelten veränderten sich stärker, bei kleinen Gruppen, als Richtung trotzdem deutlich. Wenn sich nicht vorhersagen lässt, bei wem das Ergebnis hält, liegt der Grund aus unserer Sicht nicht in den Zähnen selbst, sondern in dem, was täglich auf sie wirkt.
Die Behandlung endet. Die Kraft dahinter wirkt weiter.Was die Zähne einst aus der Reihe gedrängt hat, hört mit dem Ausbau der Spange nicht auf. Der Retainer fängt diese Kraft Tag für Tag ab. Lässt er nach oder löst er sich, setzt sie sich aus unserer Sicht bei vielen wieder durch.
Die Triade
Vom Muster zum Engstand: die Kette dahinter
Ein Rezidiv beginnt aus unserer Sicht im Regelfall nicht an den Zähnen, sondern lange vorher, bei Atmung, Schlucken und Kopfbalance.
Das Muster weicht ab
Mundatmung, eine tief liegende Zunge und eine veränderte Kopfbalance entstehen häufig früh, etwa durch Schnuller, Flasche oder Daumen.
Der Körper gleicht aus
Lippen, Wangen und Kinn übernehmen Aufgaben der Zunge. Das Nervensystem speichert diesen Ausgleich als bevorzugtes Muster.
Die Form folgt
Ohne Halt von innen entwickeln sich Gaumen und Zahnbogen schmaler, die Zähne stellen sich eng oder kippen.
Der Befund entsteht
Engstand oder Fehlbiss werden behandelt, der Retainer hält das Ergebnis. Das Muster wirkt weiter, und bei vielen Behandelten wandern die Zähne zurück.
Dieser Triadische Funktionskreis erklärt aus unserer Sicht, warum ein Retainer die Zähne halten kann, das Rezidiv aber nicht auflöst. Er hält die Form, während das Muster, das sie geformt hat, weiterarbeitet. Wie eng das mit dem Kiefergelenk zusammenhängt, liest du im Artikel zu CMD, das Schluckmuster selbst unter Schlucken und Schluckstörung, die Folgen offener Lippen unter Mundatmung.
Nebenwirkungen
Nebenwirkungen und Risiken, über die selten gesprochen wird
Der Retainer gilt als kleine Routine nach der Behandlung. Die Fachliteratur beschreibt Nebenwirkungen, die im Beratungsgespräch oft zu kurz kommen.
Beim festen Retainer ist das häufigste Problem, dass er sich löst. Eine Übersicht über 34 Studien mit 3.484 Teilnehmenden kam auf rund 35 Prozent gelöste Klebestellen oder gebrochene Drähte, bei langer Beobachtung auf 54 Prozent8. Die Evidenz gilt als schwach, die Richtung ist eindeutig.
Unbemerkt gelöst
Löst sich nur eine Klebestelle, merkst du es oft nicht. Die Zähne daneben können wandern, während der Rest des Drahts noch hält14.
Twist- und X-Effekt
Die Eckzähne kippen gegensinnig, zwei Schneidezähne stehen plötzlich unterschiedlich geneigt11. Das kann auch bei fest sitzendem Draht geschehen13.
Wurzeln wandern mit
Ein verformter oder verspannt geklebter Draht dreht Zähne um ihre Längsachse. In schweren Fällen braucht es eine erneute Behandlung14.
Fair gelesen: Eine Übersicht hält den festen Retainer insgesamt für vereinbar mit gesundem Zahnfleisch, einzelne Studien fanden schlechtere Werte17. Für Karies fand die Cochrane-Übersicht keinen Unterschied, fordert aber ausdrücklich längere Studien zu Nebenwirkungen1. Untersucht wurde vor allem, ob der Retainer hält, kaum, was er sonst im Mund bewirkt.
Schwerer wiegt aus unserer Sicht ein Punkt, den keine Studie misst. Die Zungenspitze ist eines der feinsten Tastorgane des Körpers, ihr Referenzpunkt liegt an der Gaumenpapille direkt hinter den oberen Schneidezähnen. Ein Draht mit Klebepunkten hinter den Zähnen zieht sie an. Sie tastet, spielt und drückt daran, viele Male am Tag und oft unbewusst.
Der Retainer hält die Zähne und zementiert das Muster, gegen das er sie hält.Die Zunge arbeitet am Draht nach vorn gegen die Zähne statt breit am Gaumen, der Schluckakt richtet sich gegen die Zahnreihe. Das ist aus unserer Sicht genau die Kraft, die die Zähne verschoben hat, jetzt täglich geübt und verstärkt.
Herausnehmbare Schiene oder Platte
Was das für Zunge und Lippen heißt
- Die Zunge arbeitet um die Schiene herum. In einer randomisierten Studie veränderten beide Retainerarten Laute wie s und sch akustisch messbar21
- Eine Platte bedeckt den Gaumen, also genau die Fläche, an die sich die Zunge in ihrer Referenzlage anlegt
- Ob Schienen nachts Pressen oder Mundatmung begünstigen, ist nicht untersucht. Aus unserer Sicht wirken sie wie eine dünne Aufbissschiene, die das Muster überdeckt, statt es zu ordnen
Schienen schonen in Studien eher das Zahnfleisch als ein geklebter Draht, wirken aber nur, wenn sie getragen werden.
Diese Nebenwirkungen sind kein Grund zur Panik. Sie sind ein Grund für regelmäßige Kontrollen, auch Jahre nach der Behandlung, und für einen Blick auf die Ursache.
Material
Bisphenol A und Metalle: was Kleber und Draht abgeben
Ein Retainer bleibt oft viele Jahre im Mund. Deshalb lohnt ein nüchterner Blick auf das, woraus er besteht.
Ironischerweise hat die EU-Kommission im Dezember 2024 Bisphenol A (BPA) in Materialien mit Lebensmittelkontakt verboten. Grundlage war eine Neubewertung der EFSA von 2023, die die tolerierbare tägliche Aufnahme deutlich gesenkt hat22. Aus kieferorthopädischen Klebern und aus Material für Tiefziehschienen wird BPA dagegen messbar freigesetzt, auch aus dem Kleber eines Lingualretainers23.
BPA fanden Forschende höchstens im Speichel direkt nach dem Kleben eines unteren Retainers, bei 22 Personen. Danach war der Wert nicht mehr deutlich erhöht24
BPA gab ein Material für Tiefziehschienen im Labor an künstlichen Speichel ab, ein Kleber 2,75 µg/g, jeweils in den ersten drei Tagen25
für feste Retainer setzten im Labor über 34 Tage Metalle frei, einzelne Blei, Nickel oder Molybdän über dem australischen Trinkwassergrenzwert26
Die Autoren hielten die BPA-Mengen für gering und unter den damaligen Richtwerten, also denen vor der EFSA-Neubewertung, rieten aber, die Freisetzung zu verringern2425. Auch Nickel geben Retainerdrähte ab, mehr unter Säure und Kaubelastung, selbst als nickelfrei bezeichnete27. Zellschädigend wirkte im Labor nur einer von sieben Drähten, und nur leicht26.
Gesundheitsschäden durch diese Mengen sind nicht belegt. Was über viele Jahre im Mund freigesetzt wird, ist kaum untersucht. Bei Nickelallergie frag in deiner Praxis nach dem Drahtmaterial.
Umwege
Kräfte verschwinden nicht, sie weichen aus
Wer die Zähne festhält, hält die Kräfte dahinter nicht auf. Sie suchen sich den Weg des geringeren Widerstands.
Das zeigt sich zuerst an den Zähnen. Ungewollte Bewegungen unter intaktem Draht sind aus unserer Sicht Kräfte, die einen neuen Weg nehmen. In einer Bonner Studie zeigten fast alle 30 Untersuchten schon sechs Monate nach dem Kleben dreidimensionale Veränderungen im Retainerblock28. Als Risikofaktor fand eine andere Studie eine tiefe Falte zwischen Unterlippe und Kinn13, für uns ein Hinweis, dass die Muskulatur mitarbeitet.
Das Muster bleibt
Zunge, Lippen und Wangen drücken weiter wie vor der Behandlung, und du schluckst viele hundert bis tausend Mal am Tag.
Der Retainer blockiert
Die Kraft kann die verblockte Zahnreihe nicht mehr verschieben und wirkt auf Wurzeln, Zahnfleisch und den Zahnblock.
Der Kiefer gleicht aus
Aus unserer Sicht verlagert sich Last auf Kaumuskeln und Kiefergelenk. Pressen und ein Unterkiefer, der seine Mitte sucht, gehören zu diesem Bild.
Kopf und Nacken tragen mit
Unterkiefer, Zungenbein und Kopfgelenke hängen über Muskelketten zusammen. Ändert sich die Lage des Kiefers, ändert sich aus unserer Sicht die Kopfbalance, und der Nacken arbeitet mehr.
Beschwerden an anderer Stelle
Kopfschmerzen, Migräne, Nackenschmerzen, Kiefergelenkbeschwerden, Druck auf den Ohren, Ohrgeräusche oder Schwindel können aus unserer Sicht bei vielen Betroffenen zu diesem Muster gehören.
Anatomisch liegen diese Orte eng beieinander. Das Kiefergelenk sitzt direkt vor dem Gehörgang. Die Kaumuskeln und der Muskel, der beim Schlucken die Ohrtrompete öffnet, werden vom selben Hirnnerv versorgt. In einer Übersicht über Studien an Erwachsenen mit CMD berichtete rund die Hälfte von Ohrgeräuschen, etwa vier von zehn von Schwindel29.
Im oberen Halsmark laufen Nervenfasern aus Gesicht und Kiefer mit denen der oberen Halswirbel zusammen, deshalb können Schmerzen zwischen Nacken, Gesicht und Kopf wandern30. Mehr dazu unter CMD, Migräne und zervikogener Kopfschmerz, Nackenschmerzen, Tinnitus und Schwindel.

Dr. Berndsen sieht häufig ausgeprägte Schmerzpatienten, bei denen niemand an den Retainer denkt. Zwischen Behandlung und Beschwerde liegen oft Jahre, vermutlich auch ein Grund, warum der Zusammenhang kaum untersucht ist. Nur weil etwas nicht untersucht ist, heißt es nicht, dass es nicht so ist.
Seit Jahren unerklärliche Migräne? Stell dir die Frage, ob ein Retainer beteiligt sein kann.Das ist ein Denkanstoß, keine Diagnose und kein Versprechen. Sprich die Frage in deiner kieferorthopädischen Praxis an.
Ehrlich eingeordnet: Dass ein Retainer solche Beschwerden auslöst, ist nicht geprüft. Wir beschreiben unser Modell, abgeleitet aus Anatomie und belegten Zahnbewegungen. Nicht alle Beschwerden haben diesen Ursprung.
Retainer gelöst
Retainer gelöst oder verbogen: was jetzt?
Feste Retainer lösen sich häufig, oft ohne dass du es gleich merkst. Das ist kein Grund zur Sorge, aber ein Grund, zügig zu handeln.
Draht lose
Eine Klebestelle hat sich gelöst, der Draht wackelt oder steht ab.
Scharfe Kante
Der Draht oder ein Kleberest reibt an Zunge oder Lippe.
Zahn fühlt sich anders an
Ein Zahn wirkt locker, gekippt oder verdreht, oder eine Lücke öffnet sich.
Schiene passt nicht mehr
Der herausnehmbare Retainer drückt deutlich oder sitzt nicht mehr richtig.
Zahnfleisch gereizt
Am Retainer blutet oder schwillt das Zahnfleisch, und die Reinigung fällt schwer.
Bei diesen Zeichen meldest du dich zeitnah bei deiner kieferorthopädischen oder zahnärztlichen Praxis. Ob der Retainer neu geklebt, ersetzt oder durch eine Schiene ergänzt wird, entscheidet die Praxis. Einen herausnehmbaren Retainer trägst du bis dahin weiter wie verordnet.
Wie schnell sich Zähne nach dem Lösen eines Retainers bewegen, ist sehr verschieden. Nimm Kontrollen auch Jahre nach der Behandlung wahr12.
Retention
Retainer lebenslang? Warum wir das Ziel anders setzen
Häufig wird heute geraten, den Retainer sehr lange oder lebenslang zu tragen. Wir ziehen aus denselben Daten einen anderen Schluss.
In der Seattle-Sammlung mit über 600 Verläufen nahm der Engstand der unteren Front nach der Behandlung weiter zu, bis ins Alter von 20 bis 40 Jahren und darüber hinaus31. Mit Retainer bleibt es stabiler, bei 200 von 221 Behandelten fünf Jahre lang12, und die Zahnbögen wurden trotzdem stetig kürzer32. Das zeigt, was ein Draht leistet, solange er im Mund ist. Ohne ihn waren es in Littles Studie nach zwanzig Jahren noch zehn Prozent mit akzeptabler Ausrichtung.
Der Retainer ist eine Krücke. Man wird sie nicht los, solange die Ursache weiterwirkt.Er nimmt dem System die Arbeit ab, die Zähne zu halten. Solange er das tun muss, fehlt eine Funktion, die die Zähne von sich aus an ihrem Platz hält.
Wir halten den lebenslangen Retainer deshalb nicht für das Ziel. Die ursprüngliche Zahnstellung war an eine gestörte Funktion angepasst. Die Behandlung hat die Zähne verschoben, die Funktion aber gelassen, wie sie war. Deshalb drängen die Zähne dorthin zurück, wohin die unveränderte Funktion sie führt.
Wir empfehlen, den Retainer langfristig loszuwerden, schrittweise und gemeinsam mit deiner kieferorthopädischen Praxis. Voraussetzung ist aus unserer Sicht, dass sich zuerst das Muster ändert, das die Zähne verschoben hat. Erst wenn Zunge, Lippen und Atmung die Stellung selbst stützen, hat eine Reduktion eine Grundlage.

Retainer
- Hält die Zähne mechanisch in ihrer Stellung
- Wirkt, solange er sitzt und intakt ist
- Braucht Kontrollen und gründliche Pflege
- Lässt die Kräfte von Zunge, Lippen und Atmung, wie sie sind
Training der Basisfunktionen
- Setzt an Atmung, Schlucken und Kopfbalance an
- Übt Lippenschluss, Zungenreferenzlage und Nasenatmung in einem Ablauf
- Braucht Zeit und regelmäßige Wiederholung
- Ziel: Die Funktion trägt die Stellung selbst
Beides schließt sich nicht aus. Der Retainer sichert die Stellung, solange das Muster sie noch nicht trägt. Ob und wann er reduziert wird, besprichst du mit deiner kieferorthopädischen Praxis.
Studienlage
Training gegen den Rückfall? Was die Forschung zeigt
Ob ein Training von Zunge und Lippen den Rückfall verringert, ist eine berechtigte Frage. Die ehrliche Antwort lautet, dass es dazu wenige Untersuchungen gibt.
Am ehesten untersucht ist der offene Biss, bei dem die Zunge häufig zwischen den Zähnen liegt. Eine Auswertung hat kieferorthopädisch Behandelte mit und ohne zusätzliches myofunktionelles Training verglichen, also ein gezieltes Training von Zunge und Lippen. Eine Übersichtsarbeit hat geprüft, wie belastbar die Forschung dazu insgesamt ist.
betrug der mittlere Rückfall des offenen Bisses mit zusätzlichem Muskeltraining gegenüber reiner Zahnspangen-Behandlung. Die Vergleichsgruppe bestand aus Menschen mit bereits eingetretenem Rückfall, zufällig zugeteilt wurde nicht33
erfüllten in einer systematischen Übersicht die Kriterien, um myofunktionelle Therapie als Ergänzung zur Kieferorthopädie zu bewerten. Alle hatten ein hohes Verzerrungsrisiko34
Auch der FaceFormer wurde nicht auf das Rezidiv hin untersucht. Die einzige randomisierte Studie mit dem Gerät, die Hamburger Studie an 45 Kindern, hat Basisfunktionen gemessen, nicht die Zahnstellung. Beide Gruppen verbesserten sich, mit dem FaceFormer lag die Zunge beim Schlucken häufiger am Gaumen, der Mundschluss gelang schneller35. Die Einordnung aller Studien findest du unter Studien und Wissenschaft.
Training
Das Muster trainieren: damit die Funktion die Zähne trägt
Der Vorsatz, die Zunge oben und die Lippen geschlossen zu halten, trägt oft nur, solange du daran denkst. Die Lage von Zunge und Lippen ist ein gespeicherter Ablauf, und der ändert sich durch Wiederholung, nicht durch Einsicht. Unser Ansatz ist deshalb das Training der Basisfunktionen Atmung, Schlucken und Kopfbalance in einem gemeinsamen Ablauf.
Die Spange arbeitet an der Form. Das Training arbeitet am Muster, das sie prägt.Beides hat seinen Platz. Die Apparatur stellt die Zähne, das Training setzt an Zunge, Lippen und Atmung an, die täglich auf sie wirken.
Im FaceFormer-Training liegt der FaceFormer im Mundvorhof, hinter den Lippen und vor den Zähnen. Ein fester Retainer sitzt auf der anderen Seite, hinter den Frontzähnen. Die Zungenspitze legt sich an den Referenzpunkt am Gaumen, du atmest durch die Nase, und der Kopf ist aufrecht balanciert.
In der Grundübung drückst du den Lippenkeil mit den Lippen zusammen, beißt mit den Backenzähnen kurz auf und schluckst einmal. Der Unterdruck zieht die Zunge an den Gaumen. Später kommt die Zugübung dazu, bei der du zusätzlich auf die Kopfbalance achtest.
- Ab Tag 1
Grundübung
Dreimal täglich wenige Minuten mit dem FaceFormer ZERO, die Wiederholungen steigerst du Woche für Woche.
- Ab etwa Woche 3
Zugübung und Nacht
Die Zugübung kommt dazu, nachts der ZERO, sobald die Grundübung sitzt. Trägst du nachts eine Retainer-Schiene, klär mit deiner Praxis, wie beides zusammenpasst.
- Nach einigen Wochen
Wechsel auf den ONE
Tagsüber trainierst du mit dem FaceFormer ONE. Er ist gleich groß und geformt wie der ZERO, der Unterschied liegt nur im Material, der ONE ist fester.
- Über Monate
Das Muster läuft von selbst
Bis die neuen Abläufe ohne Nachdenken laufen, rechnet das Übungsmanual mit sechs bis zwölf Monaten, danach mit Erhaltungstraining.
- Mit der Praxis
Retainer schrittweise reduzieren
Trägt das Muster, besprichst du mit deiner kieferorthopädischen Praxis, ob und wie der Retainer schrittweise reduziert wird, unter Kontrolle der Zahnstellung.
Zunge nach oben
Die Zungenspitze liegt am Referenzpunkt hinter den oberen Schneidezähnen, der Zungenrücken am Gaumen. Prüf das ein paar Mal am Tag.
Lippen locker zu
Die Lippen liegen ohne Anstrengung aufeinander. Spannt dabei das Kinn an, arbeitet der Mund gegen die Zunge statt mit ihr.
Durch die Nase atmen
Nasenatmung hält den Mund geschlossen und die Zunge oben. Mehr dazu im Artikel zur Nasenscheidewand. Den Mund nachts zuzukleben ist kein Ersatz, mehr dazu unter Mouth Taping.
Den Retainer entfernst du nie eigenmächtig, auch nicht nach Monaten Training. Auch mit laufender Zahnspange ist das Training möglich, bei Brackets hilft Dentalwachs. Die kostenlose FaceFormer-App leitet die Grundübungen an, alle Module findest du auf den Übungsseiten. Für Kinder gilt ein eigener Plan, mehr unter FaceFormer für Kinder.
Fragen
Häufig gefragt
Welche Nebenwirkungen hat ein Retainer?
Feste Retainer lösen sich häufig, bei langer Beobachtung bei über der Hälfte, oft unbemerkt. Sie können Zähne trotz intaktem Draht ungewollt kippen oder drehen, am Draht sammelt sich mehr Zahnstein. Herausnehmbare Schienen wirken nur, wenn sie getragen werden. Aus unserer Sicht übt die Zunge am Draht zudem ein Muster, das gegen die Zähne arbeitet. Kleber und Drähte geben in Studien geringe, messbare Mengen Bisphenol A und Metalle ab.
Warum verschieben sich die Zähne nach der Zahnspange wieder?
Zähne wandern nicht von allein. Auf sie wirkt eine Kraft, vor allem der Ruhedruck der Zunge, dazu der von Lippen und Wangen. Diese Kräfte hängen aus unserer Sicht mit Atmung, Schlucken und Kopfbalance zusammen, und die ändert eine Zahnspange nicht. Dazu ziehen die elastischen Fasern des Zahnhalteapparats verschobene Zähne ein Stück zurück.
Warum verschieben sich Zähne trotz festem Retainer?
Häufigster Grund ist eine gelöste Klebestelle, die lange unbemerkt bleiben kann. Es gibt aber auch Bewegungen bei intaktem Draht, etwa gegensinnig gekippte Eckzähne oder verdrehte Schneidezähne. Aus unserer Sicht zeigen sie, dass die Kräfte von Zunge, Lippen und Wangen weiterwirken und am Draht vorbei einen anderen Weg nehmen. Lass das zeitnah in deiner Praxis ansehen.
Kann ein Retainer Kopfschmerzen, Migräne oder Kieferprobleme verursachen?
Untersucht ist das kaum, auch weil zwischen Behandlung und Beschwerden oft Jahre liegen. Aus unserer Sicht ist es möglich, weil der Retainer die Zähne festhält, die Kräfte dahinter aber ausweichen, über Kaumuskeln und Kiefergelenk bis zu Kopfbalance und Nacken. Wer seit Jahren an unerklärlicher Migräne leidet, kann sich deshalb die Frage stellen, ob ein Retainer beteiligt ist, und sie in der Praxis ansprechen.
Enthält ein Retainer Bisphenol A oder Nickel?
Aus kieferorthopädischen Klebern und manchem Schienenmaterial wird in Studien Bisphenol A freigesetzt, vor allem kurz nach dem Kleben und in geringen Mengen. Retainerdrähte geben im Labor Nickel und andere Metalle ab. Gesundheitsschäden sind dadurch nicht belegt. Bei Nickelallergie frag nach dem Drahtmaterial.
Muss ich den Retainer lebenslang tragen?
Das wird heute häufig empfohlen, weil der Engstand nach der Behandlung bis ins Alter von 20 bis 40 Jahren und darüber hinaus zunehmen kann, unvorhersagbar bei wem. Wir setzen das Ziel anders: das Muster aus Atmung, Schlucken und Kopfbalance so trainieren, dass es die Zahnstellung selbst trägt, und den Retainer dann mit deiner Praxis schrittweise reduzieren.
Retainer entfernen: Welche Erfahrungen gibt es und was passiert danach?
Die Erfahrungen gehen weit auseinander. Bei manchen bleibt die Zahnstellung lange stabil, bei anderen verschieben sich vor allem die unteren Frontzähne wieder. In der bekannten Langzeitbeobachtung aus Seattle hatten zwanzig Jahre nach Ende der Retention nur 10 % von 31 Behandelten, bei denen vier Prämolaren gezogen worden waren, noch eine klinisch akzeptable Ausrichtung. Aus den Befunden vor und nach der Behandlung ließ sich nicht vorhersagen, bei wem das Ergebnis hält. Aus unserer Sicht entscheidet, ob Zunge, Lippen und Atmung die Stellung inzwischen selbst tragen. Ob und wann du den Retainer ablegst oder ausbauen lässt, entscheidest du mit deiner Praxis, nach Kontrolle und am besten schrittweise, nie eigenmächtig.
Kann ich den Retainer irgendwann loswerden, wenn ich mit dem FaceFormer trainiere?
Das ist unser Ziel, versprechen kann es niemand. Das Training setzt am Muster an, das die Zähne verschoben hat. Trägt dieses Muster die Stellung selbst, kann der Retainer mit deiner kieferorthopädischen Praxis schrittweise reduziert werden, unter Kontrolle der Zahnstellung. Eigenmächtig entfernst du ihn nie.
Mein Retainer hat sich gelöst. Was soll ich tun?
Melde dich zeitnah bei deiner Praxis und bieg den Draht nicht zurück. Einen herausnehmbaren Retainer trägst du bis zum Termin weiter wie verordnet. In einer Langzeitstudie hing eine Verschiebung unter festem Retainer eng mit gelösten Klebestellen zusammen.
Was ist der Unterschied zwischen festem und herausnehmbarem Retainer?
Der feste Retainer ist ein Draht hinter den Frontzähnen. Er hält rund um die Uhr, löst sich aber häufig und erschwert die Reinigung. Die herausnehmbare Schiene oder Platte schont eher das Zahnfleisch, wirkt aber nur, wenn du sie trägst. Keine Methode hält nach der Cochrane-Übersicht sicher besser.
Kann ich mit einem festen Retainer mit dem FaceFormer trainieren?
Ja. Der FaceFormer liegt im Mundvorhof vor den Zähnen, der feste Retainer sitzt dahinter. Du beginnst wie alle mit dem FaceFormer ZERO. Trägst du nachts einen herausnehmbaren Retainer, klär mit deiner Praxis, wie du Tragezeit und Nachtanwendung verbindest.
Kann ich mit fester Zahnspange trainieren, auch nachts?
Ja, das Training ist auch während einer festen Zahnspange möglich. Drückt oder reibt etwas an den Brackets, hilft Dentalwachs. Ob und ab wann du den FaceFormer ZERO zusätzlich nachts einsetzt, besprichst du mit deiner kieferorthopädischen Praxis, vor allem wenn nachts weitere Geräte dazukommen.
Kann ich den FaceFormer neben Alignern wie Invisalign oder einer Retainer-Schiene verwenden?
Grundsätzlich schließt sich das nicht aus. Der FaceFormer setzt am Muster von Atmung, Schlucken und Kopfbalance an, die Schiene verändert oder sichert die Zahnstellung. Weil solche Schienen viele Stunden am Tag und oft auch nachts getragen werden, klärst du mit deiner kieferorthopädischen Praxis, wie sich Trage- und Trainingszeiten verbinden lassen.
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Quellen
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